Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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M, M zahl alter Hosen und dergleichen weg. Graf Beaufort, der dem Unwesen ein Ende machen wollte, wurde von der Menge angegriffen und mußte flüchten. — In Agram hat am 21. v. M. ein jüdischer Gemeindetag für Kroatien stattgefunden, der einen sehr wichtigen Verlauf nahm. Es wurde beschlossen, bei der Regelung der interkonfessionellen Verhältnisse im Landtag den Paragraph, der den Uebertritt zum Judentum noch verbietet, zu beanstanden; ferner wurde die Qualifikation, das Anstellungs- und Pensionswesen der Rabbiner und Eemeindebeamten geregelt, der Religionsunterricht geordnet. Von Mh und jfrrn. — Eine Gedenktafel für Lessing und Moses Mendelssohn soll nach Beschluß des Magistrats am Hause Spandauerftraße 46' angebracht werden. — Den Professortitel erhielt Dr. Artur Kuttner in Berlin, der sich durch eine Reihe Arbeiten auf dem Gebiete der Nasen- und Halskrankheiten bekannt gemacht hat. — Dem Bankdirektor Leopold Steinthal wurde der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. — Auch in der Synagoge des Vereins „Thorath-Chessed" zu Charlottenburg hat am 21. v. M. eine Trauerandacht für die' hingemordeten russischen Glaubensgenossen stattgefunden. Die Predigt hielt Herr Dr. Blum. Im Anschlüsse daran wurde eine Geldsammlung veranstaltet. — In Brandenburg ist am 27. v. M. Herr- Gabriel Löwenthal im 77. Lebensjahre gestorben. Derselbe war'' 38 Jahre daselbst Repräsentant der jüdischen Gemeinde. — In Passiv alk ist der Vorsitzende der jüdischen. Gemeinde, Herr Albert Iacoby, am 24. v. M. gestorben. — Der vor kurzem verstorbene Rentier Samuel Gabriel Schönlank vermachte der Stadt Posen eine Schenkung von 10 000 Mark, von deren Zinsen jährlich vier jüdische und vier christliche Bedürftige in Posen unterstützt werden sollen. — Herr Gustav Kronth al in Berlin hat der Stadt Posen' 7000 Mark überwiesen, welche Summe in Verbindung mit 3OOO Mark Zinsen der Gustav Kronthal-Stistung, insgesamt also 10 000 Mark,. zur Anlage eines Zierbrnnnens dienen soll. Der Entwurf soll kostenlos von einer Anzahl Bildhauer entworfen werden, der Urheber des besten Entwurfes soll bei einem Honorar von 5000 Mark den Auftrag erhalten. — Dem ersten .Vizepräsidenten der Breslauer Handelskammer, Kaufmann und Mühlenbesitzer Julius Heymann in Br es.lau, ist der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. Am 21. v. M. fand in Leobschütz die Einweihung des Königlich Katholischen Seminars statt. Unter den geladenen Ehrengästen war auch Rabbiner Dr. Tiktin als Vertreter der israelitischen Gemeinde erschienen. Der Stadtälteste Emil Hollaender erhielt anläßlich der Feier den Roten Adlerorden IV. Klasse in Anerkennung seiner Verdienste um das Zustandekommen des Baues. — In Trier ist am 27. v. M. der verdiente langjährige liberale Stadtverordnete und Mitglied der Handelskammer. Eu gen Roth s ch il d im 67. Lebensjahre gestorben. — In Bisch heim wurde am 17. v. M. Rabbiner Bloch zur letzten Ruhe geleitet. Bis vor sechs Jahren übte er sein Seelsorgeramt in dieser Gemeinde aus. Nach dem Tode seiner treuen Lebensgefährtin gab er sein Amt infolge hohen Alters -auf und fiedelte nach Straßburg zu seiner Tochter über. Als diese nun aber ihren Gatten verlor und hierauf Straßburg verließ, verzog er zu einer anderen Tochter nach Müttersholz, um aber bald nach Paris dem Rufe der verwitweten Tochter und seines einzigen Sohnes, eines dortigen Professors, zu folgen. Dort, hat den Greis nun der Tod ereilt, nachdem er einige Jahre erblindet war. — Dem Herrn Professor Dr. Zeliqzon am Lyzeum in Metz wurde der Rang als Rat IV. Klasse verliehen.. — 12 000 Don-Kosaken . sind, wie dem „Journal" aus Peters burg gemeldet wird, nach Petersburg aufgebrochen, - um den . „Zaren aus der Gefangenschaft der Juden" zu befreiend Die Behörden bieten alles auf, um den Kosaken klar zu machen,, daß der Zar nicht von den Juden gefangen halten wird. (?) — Der Polizeikommissar Schischkin, von dem es erwiesen ist, daß er sich an den letzten Judenverfolgungen beteiligte, wird nach einem Beschluß der Stadtduma von Odessa vor Gericht gezogen werden. — Aus Odessa treffen wieder Meldungen ein, nach denen dort neue Metzeleien befürchtet werden, weil in den Kasernen die Soldaten durch Proklamationen zur Ermordung der Juden aufgefordert werden. Generalgouverneur. General Kaülbars erklärte in einer Unterredung mit den Vertretern der Presse, die Truppen seien entrüstet über die provozierende Haltung der jüdischen Bevölkerung, er könne daher eine Bürgschaft für die Aufrechterhaltung der Ordnung nicht übernehmen. Das ist doch wieder eine direkte Aufforderung zum Massakre! Ist Tabakraitcheu gesundheitsschädlich! Unseren Tabakrauchern nicht allein, sondern auch dem gebildeten, nicht rauchenden Publikum, welches sich für hygienische Fragen interessiert, ist die von ärztlicher Seite ausgegangene Bewegung gegen übermäßiges Tabakrauchen nicht unbekannt geblieben. Es wurde die Parole ausgegeben, daß das Nikotin des Tabaks eine schwere Gefahr für die Gesundheit des Menschen bedeute. Die Folge dieser Behauptung war, daß alsbald findige Zigarrenfabrikanten sich überboten in Anpreisungen ihrer „nikotinfreien", „nikotinarmen", ihrer, „hygienischen" und „Gesundheits-Zigarren". Man schüttete das Kind mit dem Bade aus, indem man den Freunden des Tabaks dieses geschätzte und bei Tausenden in hoher Gunst stehende Genußmittel in einer Form darbot, daß es in Mißkredit kommen mußte. Da ergaben dann weitere Forschungen, daß nicht die dem Tabak eigentümlichen Bestandteile, zu dem unter anderem das Nikotin gehört, beim Rauchen allein die Giftwirkung bedingen, sondern daß diese vorzugsweise die Folge der beim Verglimmen des Tabaks entstehenden Zersetzungen ist. Diese richtige Erkenntnis war die Veranlassung/ daß sich nach einer neuen Richtung hin Bemühungen geltend machten, um dem Tabakrauch die Giftwirkung zu nehmen, ohne dabei das' eigentliche Aroma des Tabaks zu zerstören. Nachdem schon Geheimrat Prof. Dr. mecl. Gerold durch, besondere Vorbehandlung des Tabaks Fabrikate erzeugt hatte, welche als physiologisch nikotinunschädlich bezeichnet werden konnten, war es Universitäts-Professor Dr. Thoms in Berlin Vorbehalten, auch die Giftwirkung der beim Ranchprozeß sich bildenden Gase, wie Blausäure, Schwefelwasserstoff. Ammoniak k._ zu beseitigen. Professor Thoms hat die chemische Wirksamkeit seines Verfahrens bewiesen (Ehern. Zeitg. Nr. 1, 1904). Es blieb nunmehr noch übrig, auch auf physiologischem Wege die Wirkung desselbendarzutun. Das ist nun neuerdings geschehen. In einer angesehenen medizinischen Zeitung, der „Medizinischen) Klinik" (No. 22, 1905) berichten Dr. me6. W. Schmidt und I. Barges: über Versuche, die sie mit nach dem Gerold- und Thomsschen Verfahren hergestellten Zigarren ausgeführt haben. Die phpsiologischen Prüfungen wurden an 23 Rauchern vorgenommen, und zwar 1. an gesunden, 2. an empfindlichen, 3. an kranken Rauchern. Von ganz besonderem Interesse sind die bei kranken Rauchern gewonnenen Ergebnisse. Die Verfasser schreiben darüber: „Alle waren Raucher gewesen, hatten aber wegen ihrer verschiedenen Leiden däs ..Rauchen/ ganz ausgeben oder auf ein Minimum beschränken müssen. In erster Linie waren es Patienten mit chronischer Magenverstimmung und chronischem Magenkatarrh, ferner Leute (in der Rekonvaleszenz. befindlich) mit akuten und chronischen Herz- und Lungenleiden, Herzmuskelentartung, Fettherz, Verkalkung der Gefäße, chronischem '-Bronchialkatarrh, Luugenerweiterung, Asthma, ebenso solche mit - Nervenerkrankungen, besonders Neurasthenie und nervöser Schlaf-, losigkeit, endlich Patienten mit Symptomen chronischer Nikotin- Vergiftung. Während bei den nieisten dieser Herren schon nach dem Genüsse einer mittelleichten nicht präparierten Zigarre sich eine deutlich wahrnehmbare Steigerung ihrer Krankheitssymptome geltend machte, blieb nach dem Genüsse 'von ein bis drei der? präparierten Zigarren jegliche ungünstige Wirkung aus. Im Gegenteil äußerten sie ihre Freude über den lang entbehrten, Genuß einer Zigarre ohne die bisherigen schlimmen Folgen/ Besonders fehlte jede nachteilige Wirkung auf das Zirku lat io ns- und Nervensystem; die Blutdruckmessungen vor und nach dem Genuß dieser Zigarren zeigten ein gleiches Resultat, also das Ausbleiben jeder Veränderung des Blutdruckes. Auffallend war die Unschädlichkeit dieser Fabrikate bei Personen mit chronischer. Nikotinvergiftung. Trotz des Genusses von zwei bis drei Zigarren pro Tag blieben die früheren Symptome: Herzklopfeu. Pulsbeschleunigung und Unregelmäßigkeit, Beklemmung, Angst, Magenstörungen, Kopfschmerz rc. aus. Sie traten nicht ein einziges Mal wieder auf." Die Verfasser schließen ihre bemerkenswerten Mitteilungen, mit den Worten: „Nach diesen objektiven Wahrnehmungen und subjektiven Kundgebungen glauben wir ein günstiges und empfehlendes Urteil nicht zurück halten zu sollen. Wir halten diese nach dem patentierten Thorns- Geroldffchen Verfahren hergestellten Wendt's Patent-Zigarrelr von Wendts Zigarrenfabriken Aktiengesellschaft, Bremen, für eine hygienisch' außerordentlich wertvolle. Errungenschaft, indem sie sowohl dem empfindlichen, als.auch dem kranken Raucher. den Genuß einer fast entgifteten, mild aromatischen, schmackhaften Zigarre ermöglicht und ihn der Notwendigkeit enthebt,' siH diese Annehmlichkeit und liebe Gewohnheit. ganz oder. znm. Teil versagen zu müssen." ' - ' R. P. „.-rix -i