Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1905)
- Date
- 1905-11-17
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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der... v sterre i ch i sch - ungari sch en Juden iu.Rußland seien die österreichische.. Botschaft und die Konsulate unausgesetzt tätig. — Da wir hier noch keinen Literaturverein haben, läßt der Vorstand der Kultusgemeinde, auf ,Antrag der Kommission für Unterrichts-Angelegenheiten sechs, eventuell acht Vorträge aus jüdischer Geschichte und Literatur für Erwachsene, weitere sieben Vorträge für die reifere Jugend in den. Wistterrnonaien 1905/06 abhalten.— Beim November-Avan eement in der Armee konnten sich abermals mehrere jüdische Militärs einer ß verdienten Standeserhöhung erfreuen. — Im Schiffsbauetablissement Lazarus in Fiume war ein Brand ausgebrvchen, der 500000 K. an Wert vernichtet hatte. Nun wurde gemeldet, das; der'Brand' von .' einem Professurskandidaten, dem absolvierten Hörer der Philosophie anstder Wiener Universität Milan Popovie gelegt worden sei.. Popovie, den man zuerst als vermeintlich Irrsinnigen auf die Beobachtungsabteilung gebracht hatte, wurde von den Aerzten als normal erklärt. Ueber das Motiv der Tat befragt, gab er an, daß den Juden.schon recht geschehe. Der Haß gegen die Besitzer habe ihn. dazu veranlaßt. Er sei schon in Wien Mitglied eines antisemitischen. Vereins gewesen. Die Frage, ob ihm die brotlosen Arbeiter nicht teijb täten, verneinte er. Das ist die Macht des Antisemitismus über ungebildete Geister. i Von Sah und sfern. ' — Der Privatdozent der Technischen Hochschule zu Berlin, Professor Dr. G. G alt and, ist mit der Verwaltung der Lehrerstelle für- Künstgeschichte und Literatur an der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste Hierselbst beauftragt worden. — Dem . Syndikus der Korporation der Kaufmannschaft, Dr. Max , Apt, der erheblichen Anteil au der Vorbereitung der vom Aeltesten- Kollegium beschlossenen Errichtung der Berliner Handelshochschule hat, ist der Professorentitel verliehen worden. — Dem praktischen Arzt Dr. Jakob Wolfs ist der Charakter als Sanitätsrat und dem Sanitätsrat Dr. Adolf Nei ßer der Charakter als Geheimer Sanitätsrat verliehen worden. — Der Inhaber der Berliner Banmwollwarcnfirma Mühsam & Goldschmidt, Herr. Jacques Mühsam, wurde zum Kommerzienrat ernannt. - Zu eiuer Konsultation in Petersburg wurde kürzlich der bekannte Arzt fürHautkrankheiten.Professor Behreud,.berufen. Er lehnte jedoch diese Berufung ab, da er nicht unter den Bedingungen nach Rußland kommen wollte, lvelchen Juden bei dem Ueberschreiten der Grenze gewöhnlich ausgesetzt sind. — Der Magistratsrat Dr. Heinrich Me her. hat den Kroneüorden IV. Klasse erhalten. — In der Strafsache Krö se ll wegen Beleidigung des Ersten Staatsanwalts Graf Bredow in Stargard stand am 7. d.'M. vor der Strafkammer des Landgerichts zu Stargard Termin an. Da Krösell nicht erschienen war, beschloß das Gericht Haftbefehl zu er" lassen und Vorführung zum nächsten Termin. — In Brieg ist am 5. d.'M. der Kaufmann Wilhelm Waldmann im 61. Lebensjahre gestorben. Derselbe war lange Jahre hindurch Repräsentant und Vorsteher der dortigen Gemeinde. — In Jena hat eine Versammlung deutscher Studenten zur Aüsländerfrage Stellung genommen. Nach, heftigen Angriffen namentlich gegen russisch-jüdische Studenten wurde erklärt, daß rechtlich die deutschen Studenten den Vorrang vor den Ausländern haben müssen. Die russischen Studenten erklärten die Beschuldigungen für Verleumdungen und stellten denBdsuch derVorlesuugen so lauge ein, bis ihnen durch die Universitätsbehörden Genugtuung gegeben wird. — Der Brandmeister und stellvertretende Branddirektor der Freiwilligen Feuerwehr, Kaufmann Albert Leven,in Krefeld, hat den Kronenvrden IV. Klasse erhalten. — In Frankfurt a. M. haben sich hochangesehene christliche Männer dem Aufruf zugunsten der Opfer der russischen Judenverfolgungen angeschlossen, der u. a. unterzeichnet ist von dem der nationalliberalen Partei augehörenden Oberbürgermeister Adickes, den beiden Frank- - fuxter Landtagsabgeordneten, dem Pfarrer I). Rade, dem Ober-.... konsistorialrat Pfarrer D. Ehlers und anderen Geistlichen. Das einmütige Zusammenwirken . von Männern verschiedener politischer Ruhtmlgen und verschiedener Konfessionen im Dienste der Humanität . veidielit -aller Orteil .Nachahmung. — Das Eroßherzoglich badisches Ministerium hat deiii Wirt I a k o b Al b icP irr O b e r l a u chr i n gc n das Mffld mit der Aufschrift „Jüdischer Besuch höflich st verbeten" verbotenst' — Generalkonsul M a r G o l d s ch m i d t -3t o t h s ch i l d - Fr au ksnr t a. M. Besitzer des .Rittergutes Wronigwy, hat dem Lgndratstdes Kreises- Bo,nst^130 000 Mark zum Bau eines Krankenhauses zur Verfügung gestellt, mit dem Wunsch, daß der Vau am Tage der Silberhochzeit, des Kaiserpaares eingeweiht wird. — Dem Metzger Salomon Levy in Sulz, welcher von 1858 bis 1865 in Frankreich gedient, und den Feldzug von Italien und Mexiko als sergeul innsor, sowie den Feldzug von 1870 als alter Unteroffizier mitgemacht hat, wurde, von der Stadt Belfort die goldene Medaille verliehen, mit der Aufschrift^ ,/Vnx 0vkon86ur8 <le Belfort. Ln. ville de Belfort. onmemoire du siege glorienr 1870/71.“ — Alfred Cohen in Lond vn ist zum Geheiinra^ ernannt und in den königlichen Staatsrat berufen worden. — Irr eiuer am 14. b. M. in der Memorial Hall zu London abgehaltenen Versau,mlung von Juden, in welcher gegen die Juden,nassakres in Rußland Protest erhoben wurde, ist folgendes Telegramm B a lsonrs verlesen worden: „Die Regierung Seiner Majestät hat mit Bedaueru und Entsetzen von den Judeumassakres gehört und bereits alle.Maßregeln ergriffen, welche geeignet erscheinen, das Ungemach zu mildern." Aehnliche Telegramme sind von Lord Roseberh, Chamberlain, Asquith, Lord 9tothschild, den Erzbischöfen von Eanterbury und Westminster und anderen angesehenen Persönlichkeiten eingegangen. — Sämtliche Häuser 'Rothschild und die amerikanischen Bankhäuser haben definitiv die Nebernahme der neuen russischen Anleihe abgelehnt! — Auf Antrag des Ministerpräsidenten Grafen Witte sind die Gouverneure der Provinzen Esthland, Perm, Tomsk, Kasan und der Stadt Odessa abberufen lvorden, weil sie keine Maßnahmen zur Verhinderung der jüngsten Unruhen ergriffen haben. — Größte Ueberraschung hat die in Rußland noch nie dageweseue Tatsache der Berufung eines Juden, Abrah amsonstzum Hauptadruinistrator der Südwesteisenbahn an Stelle des zum Minister für Verkehrswege ernannten bisherigen Direktors Nemeschajeff hervorgerufen. — Der russische Justizminister hat mit Zustimmung des Grafen Witte einen Entwurf ausgearbeitet über Die Vornahme von Untersuchungen in den Ortschaften, wo gegen die Juden gerichtete Unordnungen stattgefunden haben. Die betreffenden Kounnissionen werden aus Mitgliedern des Senats zusammengesetzt sein. Der Entwurf soll den, Ministerrat unterbreitet werden. Bis dahin können noch viele Tausende umgebracht und beraubt werden! Echt russisch! — Der „Morning Leader" nreldet aus Odessa, daß 3000 jüdische Kinder infolge der dortigen Unruhen verwaist sind. Diese Kinder sind meistens bei wohltätigen Fannlien untergebracht, bis es sich herausstelll, ob die Eltern unter den toten Opfern zu finden sind. Die Meldung fügt hinzu, die Hilflosigkeit dieser in frühester Jugend verlassenen Kinder sei das schrecklichste an den fürchterlichen Ereignissen in Odessa. — Es hat sich in Paris ein Komitee zun, Protest gegen die Niedermetzelung der intellektuellen Liberalen und Juden in Rußland gebildet. Dieses. Komitee, an dessen Spitze Anatole France steht, wird einen Appell an alle demokratischen Vereinigungen Frankreichs richten und Montag eine Versamnllung veranstalten. — Der Korrespondent der „Times"^ in Newhork meldet, daß der Präsident Roosevelt die Ereignisse in 'Rußland mit Aufmerksamkeit verfolgt. Auf eine Petition der amerikanischen Inden antwortete zwar der Präsident, er könne für die Juden in Rußland nichts tun, doch bedeute diese Erwiderung keinesfalls, daß Präsident Roosevelt unter gar keinen Umständen intervenieren würde. Wenn Präsident 'Roosevelt berechtigte Gründe zur Intervention finden sollte, würde er sofort - eingreifen. Wenn zum Beispiel amerikanische Bürger unter den Opfern der Greueltaten wären, würde der Präsident ohne weiteres eingreisen. Die öffentliche Meinung in Amerika sei äußerst erregt und Roosevelts Intervention zugunsten der gemarterten russischen Opfer würde Begeisterung Hervorrufen. — Graf Witte telegraphierte an den Bankier Jakob H. Schiff: „Die russische 'Regierung verabscheut die Ausschreitungen gegen die Juden. Sie wissen, ich sympathisiere nicht mit solchen wilden Ausbrüchen. Alles, was ich tun kann, um den Ruhestörungen ein.Ende zu machen, ist getan worden, aber das Land ist in einem solchen, unruhigen Zustande; die lokalen Behörden sind oft machtlos." . '