Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- Seite 518 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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518 den großartigen Verlauf des Verbandstages Aus^nrck gelben'. Lrä> - wir möchten es auch heute schon aussprechen, wie es.uns-mit besonderer Freude erfirMhatdaß der .VeÄandstag siH Ausdrücklich auf den fe ffce n x e £t g fiö sem No de n des J-u d entum's gestellt hat! Es handelt sich daben nicht etwa um eine Verquickung von Rechts-und Verfassungsfragen mit religiösen und wissenschaftlichen. Vielmehr heißt es im Statuts des Ver'- bandes ausdrücklich: „Jede Erörterung von Fragen "der Religion und des Kultus sowie der inneren. Verwaltung der Gemeinden, ist nur insoweit statthaft, als es sich um die Abwehr von Angriffen handelt." - : * Der Schwerpunkt der Sache liegtdarin : Wir. erleiden alle Angriffe'als Juden, als Anhänger des Judentums. Dieses selbst wird von unseren Gegnern zum Mittelpunkt aller Au 7.' griffe gemacht. Deshalb müssen wir für dieses Judentum kämpfen. Ja, die Apologetik ist sogar der wichtigste Punkt des Kampfprogramms. Denn v i e l höher als die Sorge darum, ob unsere Kinder Offiziere und Amtsrichter werden, steht uns die Sorge um die Zukunft des Judentums selbst, gegen das sich eine ganze Phalanx von Feinden aus allen Lagern der Wissenschaft erhoben hat. Und. gerade darum . haben wir den glänzenden und geistvollen Vortrag von Rabbiner Dr. Werner gegen Babel-Bibel, gegen die Rassenfanatiker und gegen die Angriffe in sozialer Richtung mit herzlicher Freude begrüßt. Aber nicht, um wissenschaftliche Kritik, sondern nur um Erhaltung des Judentums handelt es.sich für uns. Gelingt es dem Verbände Deutscher Juden, an seinem Teile zur Erhaltung und Förderung unseres Judentums, beizutragen, dann werden wir die Stunde preisen, in der er entstanden! Unter imposanter Beteiligung von Vertretern von Gemeinden, Verbänden und von 'Einzelpersonen trat gestern im großen Saale der Gesellschaft der Freunde der Verband der Deutschen Juden zu seiner ersten Hauptversammlung zusammen. Zu dieser Versammlung hatte fidt) außer den berufenen Delegierten, auch ein zahlreiches Publikum eingesunden, so daß der große Saal überfüllt war. Es waren aus 163 deutschen Orten Vertreter erschienen, darunter u. a. 29 aus Bayern, 8 aus Sachsen, 6 ans Württemberg. 12 aus Baden, 8 aus Hessen, - 2 aus Oldenburg, 4 .aus Anhalt, 4 aus den sächsischen Herzogtümern, 1 aus Elsaß-Lothringen, 1 aus Mecklenburg-Schwerin. Im Namen des Ausschusses, des Verbandes, richtete der Vorsitzende desselben, Justizrat Dr. Edmund Lachmänn, der stellvertretende Vorsitzende des hiesigen Gemeindeporstandes. herzliche Begrützungsworte an die Erschienenen. Er wies darauf hin, daß der Gedanke, den Verband der Deutschen Juden zwecks Vertretung aller den Juden Deutschlands gemeinsamen Interessen zu begründen, em recht glücklicher gewesen sei, wünschte, der Versammlung einett guten Verlauf'und sprach die Ueberzeugung aus, daß die heutige Tagung auch einen Erfolg haben werde, wenn die Verhandlungen sachlich und zielbewußt geführt: werden. Alsdann schritt die Ver? sammlung zur Bureauwahl. Es wurden. dem Vorsitzenden Justizrat Dr. Lach manu folgende Herren auf. Grund, der gestrigen Vorbesprechung' als Beisitzer beigegeben: Rechtsanwalt Dr. Blau- Frankfurt a. M., Stadtrat Horn bürg er-Karlsruhe, Landgerichtsrat Wollstein-Breslau, Kommerzienrat Gallin ger-Nürnberg. Professor Dr. La ssar-Cohn-Königsberg und Kirchenrat Dr. Kroner-Stuttgart. Unter lebhaftem Beifall wurde, alsvann folgendes Begrüßuugstelegrannn an Seine Majestät den Kaiser zuv.Msendurrg gebrachte ,-Eurer Majestät bringen dreihundert Abgesandte deutscher jüdischer Gemeinden aus allen Teilen des Reiches, geeint . im-Verbände der Deutschen Juden, welcher zur Zeit hier, seine Hauptv.ersämmlung abhä/t,. alleruntertänigste Huldigung und das Gelöbnis unwandelbarer Treue . dar." Alsdann . hielt der .'.hiesige . Rabbiner.' Professor Dr..Mahbaunr die Weiherede, die wir im Wortlaut folgen'lassen: *• ••; J);Boruch tiabö'beschem adonaj.- Gesegnet fei, der da kommb im Namen des Ewigen,- wir segnen Euch -ans dem Hause -des Ewigen?- rÄlik dreserr-Worten des Psalmisten begrüßen wir Euch, Vertreter' von^Gemeindewmnd Körperschaften, Männer von Namen- Stand und - Ansehen,' dM Ihr heute erschienen seid, ^.um . durch den innigen ^'Zusanlrnensihluß im „Verband der Deutschen Juden" die gefährdeten --Jntekessen-bes^Judentums zu schützen und zu fördern. „Ihr kommet - im Namen des Ewigen.^- Nicht'um Machtfragen handelt-es. sich ibei dieser Zlisammenkunft, sondern nur um die Verteidigung der Gerechtigkeit; nicht herrschen wollet Ihr, sondern vielmehr dienen, dienen der Verwirklichung des göttlichen Heilplanes, - der auf die Hebung der Killtur'derMölker und--äuf!den Frieden und die Wohlfahrt der gesamten Menschheit gerichtet ist. In diesem messianischen Berufe -für-Religion und Sittlichkeit unter, den Menschen zu'wirken, erblickten wir stets unsere. Daseinsberechtigung, und in ihm liegt -auch noch heute die'Wurzel unserer Lebenskraft.- Mögen andere uns diesen Beruf . für. die Gegenwart - und für die Zukunft. absprechen: jede Gemeinschaft stellt sich selbst ihre Aufgaben' und Ziele.' und die sittliche . Hoheit derselben zeugt nicht von Dünkel und Ueberhebung, sondern im Gegenteil von Opferwilligkeit und Selbstverleugnung. Wir Juden wollen auch ferner die Sendboten des einig-einzigen Gottes sein, der die Menschen zur Selbstheiligung, d. h. zur Betätigung der Liebe und Gerechtigkeit berufen hat. Wir wollen über den Streit, wer zuerst die reinste Liebe verkündet hat, ihre Uebung nicht vernachlässigen und so - die alte Wahrheit von neuem bestätigen, daß die Liebe nicht bei dem Unterdrücker, sondern vielmehr bei dem Unterdrückten zu finden ist.— „Ihr kommet im Namen des Ewigen." Denn Eure heutige Versammlung ist ein Bekenntnis zum Judentum. Als Juden vevsamrueln wir uns und als solche fordern wir unser. Recht und unsere Freiheit. Trotz der Eigenart-unserer religiösen- Uebung und der Verschiedenheit unserer Weltanschauung, die in unserem Wesen und in unserer Geschichte begründet sind, verlangen wir gleiches Recht und gleiche Wertschätzung. Denn unsere Religion erzieht uns zur Sittlichkeit, zur opfermutigen Hingebulig für Kaiser und Vaterland und zur freudigen Mitarbeit an allen Kulturausgaben der Gesamtheit. Und dieses Euer Bekenntnis widerlegt in wirksamster Weise die falsche Behauptung, daß das Judentum als das sogenannte „Leben unter dem Gesetz" wie ein schweres. Joch von Euch empfunden wird. Nicht das Neligionsgesetz, dessen Uebung den Frommen mit Freudigkeit erfüllt, drückt auf uns, sondern nur die ungerechte Behandlung, die wir seinetwegen durch die Unduldsamkeit von hohen Staatsbehörden erfahren, fühlen wir wie ein unerträgliches Joch, gegen das wir mit allen. Mitteln, des Gesetzes und mit allen Waffen der Humanität und der Wissenschaft ankämpfen wollen. Möchte dieses stolze Bekenntnis - zum Judentum dazu beitragen, die falsche Vorstellung zu beseitigen, als ob der Druck und die Zurücksetzung von außen uns in unserer Treue gegen die Religion zu erschüttern, unsere Auflösung zu beschleunigen und unsere Aussaugung durch die Majorität - des Volkes herbeizuführen vermöchten. Diese Hoffnung unserer Feinde ist bereits-durch unsere mehrtausendjährige Geschichte als nichtig erwiesen. Israel wurde schon vom Propheten „ein ewiges Volk" genannt, weil Israels Bestand so ewig ist wie die Ausgabe, die es zu lösen hat. Der Abfall einzelner, den wir zwar tief beklagen, wird reichlich aufgewpgen durch die Steigerung der Wärme und Innigkeit in der - großen Masse unserer Glaubensgemeinschaft, die, wie der heutige Tag, wiederum beweist, immer neue Mittel zur inneren Erstarkung und äußeren Abwehr auszufinden'versteht. Möchte aber dies Bekenntnis zum Judentum, das die heutige Versammlung ablegt, auch dazu beitragen,, in uns den Willen zur Einheit und Einigkeit zu festigen, daß wir fortan nicht das betonen, was uns trennt, sondern das, was uns einet; möchte es insbesondere die Ungeduld beseitigen, und den wankenden Glauben in Uns kräftigen, so daß wir wieder harren und hoffen lernen! Weisheitsvoll ist der Plan der Vorsehungdie uns von Jahrtausenden zum Werkzeuge des Heils erkoren hat, und wir sehen schon trotz allem Jammer der Gegenwart die Früchte der religiösen, Bildung und der. humanen Gesittung, die nicht zum wenigsten auch durch unsere .schmerzreiche Sendung zur Reise gelangt sind. Laßt uns daher hoffen und vertrauen-, daß sich durch Uns-noch-erfüllen wird das Prophetenwort.. „Sie tun kein Leid -undrichten kein Verderben an auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll ist die Erde der Erkenntnis Gottes, wie