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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-10-13 · Heft 41 (13.10.1905) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
Seite 489 (sequence 9)
Language
German
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Gesagten, kaum besonders hervorgehoben zu werden. Von den jüdischen Künstlern, die in Amerika einen hervorragenden Platz 'einnehmen, wollen wir nur Moses I. Ezekiel und den feinen und weit gesuchten Illustrator Louis Loeb hervorheben. Unter den zahlreichen. jüdischen Schauspielern und Theaterdirektoren ragt der durch die Aufführung des Parsisal in jüngster Zeit berühmt gewordene Heinrich Conried, Direktor der Metropolitan Oper, hervor. Sehr groß ist die Zahl der jüdischen Politiker. Das America Jewish „Iear Book" führt . 27 jüdische Namen auf, deren Träger sowohl in der demokratischen, als auch in der republikanischen Partei eine leitende Rolle spielen und von denen fünf noch gegenwärtig Stäatssenatoren respektive Kongreßmitglieder find. Es find das die Herren Isidor Rayner, Senator des Staates Maryland und die Kongreßmitglieder Martin Emmerich von Illinois, Adolph Meyer von' Louisiana, Lucien Litauer von Newyork und der bekannte Henry Meyer Goldfogle, gleichfalls aus Newyork. Zahlreich sind die jüdischen richterlichen Beamten, von denen sechs an den höchsten Gerichtshöfen fungieren. Daß unsere Glaubensgenossen in den Vereinigten Staaten gern die Beamtenkarriere einschlagen, beweisen auch Dutzende von Juden, welche als Staatsanwälte oder Militärärzte tätig sind. Der Kuriysität wegen sei noch Charles Garsunkel erwähnt, der in -seinem Geburtsort Savannah im Staate Georgia das Amt eines Polizeimeisters bekleidet. Im ganzen Staate Georgia wohnen gegenwärtig 7000 Juden, also kaum die Hälfte; der jüdischen Bevölkerung von Hömel, die unter der Schreckensherrschaft des berüchtigten Chlebnikow seufzt und wenig Aussicht hat, in absehbarer Zeit unter dem Regime eines jüdischen Polizeimeisters zu stehen. Auch in ., der Diplomatie sind viele Juden tätig. Nebst-Oscar Straus und Solomon Hirsch, die beide die Vereinigten Staaten in der Türkei vertreten haben, sowie Marcus Otterbourg, welcher außerordentlicher Botschafter in Mexiko war, heben wir hervor die Konsuln Adolph Danziger - Madrid, Solomon Berliner- Teneriffa, Adolph Frankenthal-Bern, George Peixotto-Lyon, sowie den ehemaligen Generalkonsul in Wien Max Judd. Endlich ist Lewis Einstein Sekretär der amerikanischen Botschaft in Paris. Von den 10 jüdischen Baumeistern, die in Amerika einen großen Ruf genießen, nennen wir den jungen Edgar Lazarus, der in 14 Jahren 120 öffentliche Bauten aufgeführt hat/ Unter den neun berühmten Ingenieuren ragt Mendez Cohen, der erste Eisenbahningenieur der Vereinigten Staaten und Präsident mehrerer großer Eisenbahnlinien, hervor. Endlich kennt man in den Vereinigten Staaten nebst zahlreichen hervorragenden Gelehrten und- Aerzten nicht weniger als 40 Professoren, die entweder an großen Anstalten und öffentlichen Kliniken, oder an den verschiedenen Universitäten ihres Amtes walten. . Welche Stellung und Bedeutung die jüdischen Finanziers in Amerika einnehmen und wie groß ihr -Einfluß auf das ökonomische Leben des Landes ist, hat Rußland zu seinem großen Schaden am eigenen Leibe erfahren. Bereits unter den Gründern der Newyorker Stock-Exchange befanden sich vier Juden, darunter der spätere Senator Ephraim Hard, der ein Kompagnon von John Jacob Astor war. Bezeichnend ist, daß die . amerikanischen, jüdischen Millionäre ihr Vermögen weder als.Eisenbahnkönige, noch durch Beteiligung an verschiedenen Trusten erworben haben. Vielmehr sind sie mit sehr wenigen Ausnahmen als Fabrikanten zu Vermögen g ekommen. Von ihrem Gelde machen unsere Glaubensgenossen in Amerika einen edlen Gebrauch. In dem Zeitraum vom 26. Aügust 1903 bis 12. August 1904; also in knapp einem Jahr- - haben 166 Juden nicht weniger als 7 807 -12 Mark gespendetrespektive 489 testamentarisch/ an öffentliche Institutionen vermacht. Dabei sind nur Beträge von 2200 Mark aufwärts berücksichtigt worden. Welche enorme Summen in Gestalt von kleineren und kleinsten Gaben in diesem Zeitraum von den amerikanischen ,Juden noch weiter für wohltätige Zwecke ausgegeben wurden, entzieht sich jeder Kontrolle. Man weiß^nur, daß allein: in Newyork, wo freilich die Hälfte des gesamten amerikanischen Judentums wohnt, 4■ Millionen Dollars, also, nahezu 17 Millionen Mark jährlich für jüdische Wohltätigkeit ausgegeben werden. Die Juden in den Vereinigten Staaten sind auch in dieser Hinsicht amerikanisiert worden und verstehen amerikanisch zu geben. Zum Schluß wollen wir es noch versuchen, die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika genauer zu präzisieren, was um so schwieriger , ist, als die eingewanderten Juden in den offiziellen Berichten erst seit sieben Jahren als besondere Gruppe figurieren. In, dem Zeitraum von 1898—1904 sind 396 404 Juden in die Vereinigten Staaten, davon 333 644--84,16 Prozent in die Staaten Newyork- Pennsylvanien und Massachusetts eingewandert. Nimmt.man diese 84,16 Prozent als Norm für die Einwanderung seit 1881 an, und berücksichtigt man die Tatsache, daß 827 427.Jud.en in die obenerwähnten Staaten in den letzten 24 Jahren eingewandert sind, so läßt sich die Zahl' der jüdischen Emigranten für diesen Zeitraum annähernd auf 958 487 berechnen. Dazu kommen noch 250 000 Juden, welche schon vor Beginn der jüdischen Massenemigration in den Vereinigten Staaten gelebt haben, sowie der Zuwachs durch die natürliche Vermehrung ' während dieser Periode. Letztere-dürste bei einer Bevölkerungs? zunahme von 12 pro Mille jährlich 211513 betragen haben. Summieren wir diese drei Faktoren, so werden wir nicht weit fehlgehen, wenn wir annehmen, daß Mitte des Jahres 1904 die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 1420 000 betragen hat. - Lin vrrgkllenkr Held. Ein Vortrag aus dem Nachlasse von Professor Dr. M. Lazarus.; IIL . . ' ' ■ ■ ■ ' erehrte Anwesende! Gestatten Sie Mir eine kleine Nutzanwendung aus dem, was wir aus der Lebensgeschichte und Wirksamkeit des Rabbi Josua lernen können. Gründliche und grundsätzliche Kritik unserer Religionsquellen ist uns nötig. Spätere, -unglückliche, unselige Zeiten haben vielfach zu einem Verfall, zu einer- Umnachtung, des Geistes geführt. Darum, ist es unsere Pflicht, . aus die. Quellen -wieder zurückzugehen. Pietät gegen das Ueberlieferte ist schön; Pietät Ist. notwendig) Pietät ist edel. Aber nur die .wahre/ Pietät! Sie bestehtM darin, daß wir das, was wertvoll ist,: auch als.'solches erkennen,M und eben deshalb das, was wertlos ist,, ebenfalls; als solches verwerfen. Drei Punkte sind es, in denen die ganzen Zeiten des Verfalls außerordentlich tiefe Schäden herbeigesührt haben, welche-wir beseitigen müssen, drei Grundfehler. Einer, durch das Unglück der Geschichte allerdings herbeigeführtnämlich die apologetische Richtung. - Ueberall. verteidigen, . alles was wir'besitzen, alles was uns überliefert. ist, ja nicht angreifen lassen, ja nicht behaupten lassen, daß es.Unsinn, daß es schlecht sei. Rechtfertigung derer,. welche etwas geschaffen haben, sobald wir wissen/ daß sie aus guter Gesinnung geschaffen haben, das gehört sich, das ist unsere -Pflicht, das forderte, die. Pietät und die Wahrhaftigkeit/. Wir. wissen, daß auch, das äußerste Extrem in der traditionellen. Richtung, das wir verwerfen

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