Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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FrsnSreich. 1 ' ‘ — Paris, 21., August. Der berühmte Orientalist, Professor Julius Oppert, ist heute morgen nach längerem Leiden gestorben- Jn"ihmwerliert/die moderne Orientkunde einen ihrer Führer. Oppert hat seine Wissenschaft vielfältig und gewaltig gefördert. Einbe-' griffen ist darin, was er, vom Gebürt Deutscher, seit 'mehr als meinem? halben Jahrhundert" in Paris heimisch/ als Vermittler zwischen 'deutscher und französischer Wissenschaft geleistet hat. Oppert konnte" -noch' ' vor kurzem (am 9. d. I.' seinen achtzigsten Geburtstag feiern..? Sein Leben und-Schaffen soll noch ausführlich geschildert werden. Ehre seinem Andenken! — Eine in mehrfacher Beziehung interessante Entscheidung' ist soeben von der ersten' Pariser Zivilgerichtskammer gefällt worden -in - Sacken einer Ehescheidung rumänischer -Juden. Herr 'Zenker ist ein aus Rumänien stammender Jude, der sich in Rumänien verheiratete und dann auswanderte. In Amsterdam ließ er sich 'im Jahre 1895 von seiner Frau-vor dem Groß'- Rabbiner dieser - Stadtscheiden. Seit 1897 ist Herr Zenktzv - natüralisierter Franzose. Vor seiner Naturalisierung hatte er aber die in Amsterdam ausgesprochene Ehescheidung von Herrn Lubetzki? regularisieren lassen, der der Rabbiner für die . aus Rußland > stammenden Juden ist. Ist nun diese Entscheidung gültig, und , muß das französische Gesetz sie anerkennen? Das war die- Frage, die zu lösen war. Ihre Lösung hing ab von der Beantwortung- \ der anderen Frage,ävas die persönliche Rechtsstellung der in Rumänien geborenen Israeliten ist. In .Rumänien gibtes - allerdings ein bürgerliches Gesetzbuch, - das die Uebersetzung des französischen ist? ' Aber stehen die rumänischen Juden unter diesem Gesetz?' Der Advokat Blumenthal setzte im Namen Zenkers auseinander, daß nach der rumänischen Verfassung -von 1866, dienach dem Berliner Vertrag im Jahre 1878 modifiziert wurde, die Israeliten in Rumänien al^ / Ausländer gelten. Ihre persönlichen Verhältnisse werden nicht ge-? regelt-durch das rumänische bürgerliche Gesetzbuch. Da sie aber keine ändere Nationalität haben, so fallen sie notgedrungen unter das talmudische Gesetzganz'genau wie zu der Zeit, als Rumänien noch einen" Bestandteil des türkischenReiches bildete. Die erste Zivilgerichtskammer schloß sich diesem Standpunkt an und erkannte, daß die Ehescheidung des Herrn Zenker als in Frankreich gültig an-. gesehen werden müsse. Von Aich und jfern. - —' Der Baumeister Direktor Leo Nauenberg hat den Kronen-, orfc>eiiIV; Klasse erhalten. — Am 18. d. M. ist . der bekannte.Heraus-!; geber der „Feuilleton- Korrespondenz" Ernst Nosenfeld ,mr> 56. Lebensjahre geworben. Der Hilfsverein der Deutschen I u d en hat für die durch die Exzesse' in Tscherkassy Geschädigten ' 3000 Mark überwiesen. — In-Gr.-Glogau ist am 16. d. M. der ' Stadtrat S. Moses gestorben. Derselbe gehörte dem Vorstand verschiedener israelitischer Wohl.tätigkeitsvereine an. — In Velbert; haben rohe Burschen in der Nacht zum 10. August auf dem jüdischen Friedhof Denkmäler beschädigt, Grabhügel zertreten und anderen : Schaden verübt. Auf die Ermittlung der Täter ist eine namhafte Belohnung ausgesetzt worden. — Die Bärmann'sche Realschule und' Knabenpensionat in Bad Dürkheim war im abgelaufenen Schuljahre von 180 Schülern, darunter 91 Pensionären,, besucht.-- Die Schulfreguenz betrug 158. Die-mündliche Absolutorialprüfüng fand! f am 11. und 12. Jüli^ statt. Sämtliche 14 Schüler des 6. Kurses bestanden dieselbe und erhielten das Reifezeugnis. — Auf Antrag der jüdischen Kultusgemeinde Essen hat -die Stadtverordneten- . Versammlung beschlossen, die jüdische Volksschule auf den städtischen ' Schuletat zu übernehmen Und der jüdischen Gemeinde ein Schullokal' zur Verfügung zu stellen. Der seit seiner Emeritierung in - L in nich lebende außerordentliche Professor für englische Philologie an der Universität Straß bürg, Dr. Siegmund Levy, feierte am- 17. d. M. seinen 70. Geburtstag. — Der verstorbene Dichter und? Senator Tüllo Masseranr in Mailand hat letztwillig bestimmt, S daß man ihn in demselben Talit, den er zur Bärmizwah getragen,^ in den Sarg lege. — In Boulögne-sur-Mer hat ein Kongreß der Anhänger der neuen Welt- oder Universalsprache getagt, die von '! ihrem Erfinder Dr. Zamenhof aus Warschau „Esperanto" genannt worden ist. Aus dem Kongresse waren 15 europäische-' und' außereuropäische Nationen -^vertreten.. Dr.'- Zamenhof,/der. dem Kongreß -präsidierte, war - Gegenstand . begeisterter - Huldigungen; - Die neue .Weltsprache hat in den Kreisen, der-Philosophen und Sprachforscher viele Anhänger. — In Kopenhagen wurde Dr. Schornstein aus Leitmeritz zum-zweiten Rabbiner gewählt. — In. Dänemark ist eine. Verfügung: .der Regierung: erschienen,?werzufolge; der Akt der Circumcision nur von einem Arzte oder'mindestens unter Aufsicht eines solchen vorgenommen werden; darf. -- Wegen der massenhaften Ueberschreitung der Grenze durch jüdische Flüchtlinge aus Rußland hat die rum än isch e . Regierung den Befehl erlassen, daß die Grenze bis aus weiteres für Flüchtlinge geschlossen ■ bleiben soll. — In Wilkomir ist der Schriftsteller Israel Levi, der in den 80er Jahren in Petersburg das „Jüdische Volksblatt" redigierte, im Alter von 75 Jahren gestorben. .— Die zum Zweck von Judenhetzen gegründete Organisatiou „Czowaja Sotnja" veranlaßte in Bia l a bei Warschau eine Feuersbrunft.: 40 jüdische und 10 christliche. Häuser wurden eingeäschert, vierhundert Juden und vierzig Christen sind dadurch obdachlos. — In Wilna ist in der Wohnung einer Frau eine Niederlage von Revolvern,? Dolchen, Messern, Patronen und Aufrufen des-jüdischen Geheimbundes entdeckt worden. Mehrere Personen wurden verhaftet. — In Nebel (Gouvernement Witebsk) kam es. am 13.. d. M. bei der Beerdigung jüdischer Arbeiter zu - Unruhen.? Als die Polizei, die Ruhestörer vertreiben wollte, wurde aus der Menge eine Bombe, geworfen, durch die ein Polizeibeamter schwer, ein anderer sowie ein Passant leicht verwundet wurden. Diese „Beerdigung jüdischer Arbeiter" gibt zu denken. Es haben sich ' wohl schon vorher blutige Zusammenstöße abgespielt-denen eine Apzahl Juden zum Opfer gefallen zu sein scheint. — In Port Arthur hatte sich während der Belagerung ein Verein dortiger Juden gebildet zur Pflege -jüdischer - Verwundeter. - Während der heftigsten Kämpfe,- unter einem beständigen .Regen von Granaten und änderen Projektilen, suchten sie .in' dem vorgerücktesten Stellungen Nach /verwundeten und toten jüdischen Soldaten, um - sie verpflegen bezw. nach ritueller Vorschrift begraben zu können., Auf ihren Rücken trugen sie mit - Gefahr ihres Lebens die Toten oder. Verwundeten sieben Werft, bis sie sie in Sicherheit-^hatten. .i-r; Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in At h en, S. Konstantinis, hat das Offizierkreuz des griechischen Erlöser- Ordens erhalten? — Bei Kuhn, Loeb u. Co. in New York lief, adressiert an Jacob H. Schiff, eine Höllenmaschine ein, in der sich zwei Patronen befanden. Schiff weilt gegenwärtig in Aarbor. Ein Angestellter öffnete die Kiste,-über deren Absender noch nichts bekannt, ist., Außer den Patronen enthielt die Sendung 32 Körner von hochgradigem Schießpulver. Nachmittag erhielten Gngg enheim u. Sohn, bekannte Metallindustriellen, eine Höllenmaschine, die große Aehnlichkeit mit derjenigen hatte, die Schiff erhalten hatte. Sie wurde untersucht, wobei eine Explosion entstand.?r- Das Baron Hirsch-Institut in Montreal hat von der J. C. A. eine Subvention von 60.000 Mark erhalten zum.Bau eines Asyls für eingewanderte obdachlose Juden. Die Zahl der Emigranten ist nämlich jetzt so groß, daß die jüdische Gemeinde die durch die Einwanderung entstehenden Ausgaben nicht mehr allein zu bestreiten vermag. — Verschiedene jüdische Zeitungen haben vor einigen Wochen die erfreuliche Nachricht zu melden gewußt, die Regierung von Kuba gehe mit der Absicht um, jüdische Emigranten zur Auswanderung nach Kuba dadurch zu veranlassen, daß sie diesen große Privilegien einräumt. Wie der „Fraind" erfährt, ist an dieser Meldung kein wahres Wort. Gleich nach der Etablierung der neuen Regierung in Kuba hat diese die unter der spanischen Regierung maßgebend gewesenen, fürdie Emigration günstige Bestimmungen aufgehoben und durch fremdenfeindliche Vorschriften, wie sie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika bestehen, ersetzt.