Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Domenico Jnduno der Malerei und brachte es auch auf diesem Gebiete zu ganz achtbaren Leistungen. Einige seiner Bilder fanden auf italienischen Ausstellungen und im Pariser Salon 1873 lebhafte Anerkennung. .1859 wurde er zum Abgeordneten gewählt und blieb vier Legislaturen hindurch Mitglied des Parlaments. Dann legte er sein Mandat nieder, wurde aber kurz darauf (1876) zum Senator ernannt. Zwei Jahre später vertrat er Italien in der internationalen Jury für die schönen Knuste auf der Pariser Ausstellung und verfaßte einen glänzenden Bericht in italienischer und französischer Sprache. Charles Blanc erklärte damals, „daß er keinen Franzosen kenne, der ein besseres Französisch schreiben könnte, als der Italiener Massarani". Bis 1903 war Massarani Präsident des Provinzialrats von Mailand, wo er sich besonders hervortat, wenn es galt, die Interessen der Kunst zu verteidigen. Als Schriftsteller war Tullo Massarani Dichter, Kritiker und Historiker. Von seinen poetischen Werken sind zu erwähnen oie „Sermoni" (in der Art der Episteln des Horaz) und die „Rime"; die letzteren enthalten auch Uebersetzungen deutscher Gedichte. Von Massaranis kritischen und literarhistorischen Werken seien genannt: „611 studi italiani /in Francia“, „Classici latiiii delle versioni mglesi“, „Enrico Heine e ii movimento letierario in Germani“ Massarani hinterläßt ein Vermögen von 3 Millionen Lire, von dem ein großer Teil für wohltätige Stiftungen bestimmt ist. . Amerika. f. Philadelphia, 1. August. lieber den am 8. v. M. hier verstorbenen Moses A. Drop sie, welcher bekanntlich nicht weniger als 160 000 Pfund 3 y4 SJlittiotien Mark zur Errichtung einer Anstalt für das Studium der Bibel und der hebräischen Literatur hinterlassen hat, teilt der „Jewish Exponent" nachstehende Daten mit. Mr. Moses A. Dropsie wurde 1821 in Philadelphia als Sohn armer Eltern geboren. Er arbeitete zunächst in einem Kontor für die Uhrenbranche, um später sich. dem Studium der Jurisprudenz zu widmen und Rechtsanwalt zu werden. 1856 trat er an die Spitze der Antisklavereibewegung und leitete als Abolitionist den Wahlkampf der Republikaner in Pennsylvanien. Obgleich so mit politischen Organisationsarbeiten vollauf beschäftigt, nahm er dennoch am geistigen? Leben des Judentums lebhaften Anteil. Er war Vorstandsmitglied fast aller jüdischen Wohltätigkeitsvereine, sowie einige Jahre hindurch ' Vorstand der jüdischen Gemeinde in Philadelphia. Die größte Sympathie brachte er jedoch der hebräischen Literatur entgegen und betätigte sein Interesse, indem er jahrelang Vorsitzender der hebräischen Unterrichtsgesellschaft und hervorragendes Mitglied der Grätz-College war. Auch als Schriftsteller hat er nennenswertes geleistet, indem er unter andern Dr. Mackeldeys Handbuch des römischen Rechts übersetzte und eine Schrift, die Anklage, Verurteilung und die angebliche Auferstehung Jesus verfaßte. Leider verlor Mr. Dropsie schon im Jahre 1890 gänzlich das Augenlicht und war so genötigt, sich allmählich von der öffentlichen Tätigkeit sowie von.der Wirksamkeit als Rechtsanwalt zurückzuziehen. Da er unverheiratet war, so hinterließ er den größten Teil seines Vermögens dem obengenannten Zwecke. In dem betreffenden Abschnitt seines Testaments heißt es: Seit langer Zeit macht sich in den Vereinigten Staaten der Mangel einer gründlichen und systematischen Ausbildung im jüdischen Gesetze immer fühlbarer. Da das Studium der hebräischen und rabbinischen Literatur aus den allgemeinen Universitäten nach meiner Ansicht nicht ernstlich genug betrieben werden kann, so bestimme ich, daß eine spezielle Anstalt für den Unterricht der hebräischen und semitischen Sprachen sowie desrabbinischen Schrifttums begründet wird. Sollten die Mittel es erlauben, so können in. dem College noch andere Sprachen sowie wissenschaftliche Disziplinen betrieben werden. Dieselben dürfen jedoch in keiner Weise den Hauptzweck der Anstalt, den hebräischen Unterricht, in den Hintergrund drängen, Das College soll vom 5 Direktoren und höchstens 21 von ihnen zu ernennenden Lehrern geleitet werden. Als erste Direktoren der Anstalt wurden von dem Erblasser die Herren Richter Meyer Sulzberger, Dr. Aron Friedenwald,' Dr. Cyrus Adler, Oskar S. Strauß und William B. Hackenburg' ernannt. Spätere Direktoren dürfen nur Männer jüdischen Glaubens) sein, welche ihre Sympathien mit des Testators Ansichten über die' Notwendigkeit des Hebräischen bekundet haben. Der Verstorbene sagt endlich in seinem Testament, daß es sein lebhaftester Wunsch, ist, das College möglichst bald zu eröffnen und daß in demselben alle Menschen ohne Unterschied des Glaubens, der Farbe, der Rasse oder des Geschlechts ausgenommen, werden mögen. Von Sah und Fern — Eine Biographie Ludwig Löwes wird von seinem Neffen Dr. jur. L; Löwe jetzt, nachdem ein Jahrzehnt, seit dem Tode des ausgezeichneten Mannes vorübergegangen, zum Druck vorbereitet. — Fräulein Dr. Käte Hirsch, die Tochter des verstorbenen Vorstehers der Charlottenburger Neligionsgemeinde, Hermann Hirsch, ist an der Freiburger Universität zum Dr. rned. promoviert worden, nachdem sie daselbst ihr Staatsexamen mit „gut" bestanden. — Am 9. d. M. ist in Friedrichroda der hiesige Rechtsanwalt Georg Poppelauer im 48. Lebensjahre gestorben. Derselbe war früher in Breslau und Gleiwitz tätig. — Auf dem jüdischen Friedhofe in Pr.-Fri edland sind von ruchloser Hand in der Leichenhalle sämtliche Fensterscheiben zertrümmert, der Zaun demoliert und der eiserne Pumpenschwengel abgebrochen worden. Der Vorstand der Synagogengemeinde sichert eine höhere Belohnung demjenigen zu, welcher den oder die Täter so nachweist, daß die gerichtliche Bestrafung erfolgen kann. — Dem verstorbenen Konsul Moritz Simon soll in Ahlem ein Denkmal errichtet werden: eine Pyramide mit dem Bildnis Simons und die einer Bodenkultur und „Ahlem" verkörpernden Jünglingsgestalt. — Dem israelitischen Religionslehrer Callmann Oppenheimer in Bensheim wurden die Rechte eines definitiv angestellten Bolksschullehrers erteilt. Vivat, seguens! — Der russische Bildhauer N. I. Ar.onsohn hat auf der Ausstellung in Lüttich die goldene Medaille erhalten. — Der Direktor des Printemps in Paris, Jaluzot, der den großen Zuckerkrach verursachte, ist natürlich. Antisemit. Er kaufte zwei nationalistische Blätter, die den Antisemitismus predigen und in der Affäre Dreyfus arbeitete er natürlich im nationalistischen Interesse. — In Warschau fanden am 10. d. M. im israelitischen Stadtviertel große Manifestationen wegen der Hinrichtung eines Arbeiters David Krause statt. Die bewaffnete Macht umzingelte eine private Synagoge, verhaftete ca. 250 Personen und beschlagnahmte einige Revolver und 70 Stöcke mit darin verborgenen Dolchen. — In Jekatarinoslaw und Kertsch haben antisemitische Ausschreitungen stattgefunden. In letzterer Stadt dauerte sie drei Tage. Die Läden und Häuser der Juden wurden geplündert. Als aus einem Hause, indem sich ein jüdischer Klub befindet, aus die Soldaten geschossen und ein Soldat dadurch verwundet wurde, gaben auch die Soldaten Schüsse ab, durch die ein Jude getötet und einer verwundet wurde. — Unter den zahlreichen nach dem Zarenerlaß zum Judentum Zurückkehrenden befindet sich auch der bekannte Kiewer Rechtsanwalt Kupernik, dessen Ruhm weit über die Grenzen Rußlands hinaus strahlt. Während seiner 40 jährigen Angehörigkeit zum Christentum war er stets bemüht, den Juden nach Kräften zu dienen und in zahlreichen, die jüdische Gesamtheit tangierenden Prozessen, zuletzt auch beim Krawallprozeß in Hömel, die Interessen des jüdischen Volkes zu vertreten. Auch Rechtsanwalt Bernstein aus Elifabethgrad, Mitglied der Odessaer Anwaltskammer, der vor einigen Jahren zum Protestantismus über* getreten war, hat dem Kronsrabbiner die Mitteilung zugehen lassen, daß er wieder Jude geworden ist. — In den Ostfeeprovinzen werden jetzt die Deutschen von der Presse ermahnt, gleich den Juden Selbstschutzwehren zu organisieren, um allen Eventualitäten besser gerüstet entgegentreten zu können./!— Die Bergjuden im Kaukasus haben eine Petition an den Statthalter wegen Besserung ihrer Lage gerichtet. Früher waren sie ziemlich frei, aber seit 1892 haben sie auch unter dem Druck der Maigesetze zu leiden. Und dabei Haben sie bei der Rekrutierung alljährlich ca. 80 Prozent der im Gouvernement zu stellenden Soldaten zu liefern. — In Bomb ay ist am 1. v. M. Jos es Ezekiel im 71. Lebensjahre gestorben. Derselbe war Examinator für Hebräisch an der Universität und hat sich um die dortige Gemeinde der Bnei-Jsrael sehr große Verdienste erworben. '