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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-08-04 · Heft 31 (4.8.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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das Angebot eines Territoriums in Britisch-Ostafrika zum Zwecke einerjüdischen Siedlung auszusprechen; der Kongreß bedauert, daßdieses Territorium, wohin er eine Expedition zur Erforschung gesendet hat, für ungeeignet befunden wurde für die Bildung einer solchen Siedlung; der Kongreß ist überzeugt, daß die zionistische Organisation, sobald immer eine Gelegenheit sich , dazu ergibt, die Kolonisation mit örtlichen Verwaltungsrechten in Palästina und in seinen Nachbarländern unternehmen soll, und in Anbetracht, daß die britische Negierung die zionistische Organisation, anerkannt hat, .hat er das Vertrauen, daß sie auch ferner ihre guten Dienste zur Erreichung des Zieles des. Zionismus nicht vorenthalten werde." Da während der Debatte Angriffe gegen die Besiedlung Palästinas fallen, kam-es wieder zu erregten Szenen, die zu einem Tumult anzuwachsen drohten, als Generalredner vorgeschlagen wurden. Da die Erregung der Delegierten eine Beschlußfassung nicht zuließ, wurde die Beratung auf Sonnabend., nachts, verschoben. In der gestrigen Sitzung kamen von jeder Partei vier Generalredner zu Wort. Der Legitimationsprüfungsausschuß erstattete Bericht über seine Beschlüsse. Das Referat gesteht zu, daß bei den Delegiertenwahlen in Rußland, viele Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. Die. Minderheit erklärte daher den Kongreß als unrechtmäßig zustande gekommen, seine Beschlüsse für ungültig. Eine Gruppe russischer Sozialisten macht es durch Lärmech und Absingen revolutionärer Lieder unmöglich, die Verhandlungen fortzusetzen und zur Abstimmung zu schreiten. Gegen 3^ Uhr, mußte die Sitzung abgebrochen werden. - Die Abstimmung erfolgte.heute! auf Grund einer Resolution, auf die sich die Mitglieder des Aktionskomitees inzwischen geeinigt hatten. - Die -Resolution - vertritt deNx rein palästinensischen Standpunkt und will eine -Besiedlung von Territorien außerhalb von Palästina und seiner - nächsten Nachbarländer in keiner Weise als unter die Aufgaben des Zionismus .fallend anerkennen. — Die Abstimmung ergab -eine große Mehr-^', heit für den .Antrag. Zangwill wurde mit seinem Widerspruchs nicht, angehört. Vor Schluß der Sitzung erklärte Syrkin für die.; Gruppe von 28 Mitgliedern der zionistisch - sozialistischen Arbeiterpartei Rußlands,, daß sie den Kongreß unter.. Protest gegen die Vergewaltigung der Minderheit verlasse. Zangwill, der Nordau; einen „Verräter, des jüdischen Volkes" nannte, wurde zur Ordnung^ gerufen. Im Saale spielten sich sehr aufregende Szenen,ab.! Von MH und Fern. Am .29. d. M. ist. hier Dr. Leonhard Eoehn im 72. Lebens-i jahre gestorben. — Dem Kaufmann Gieldzienski in Danzig,- dessen bekannte Kunstsammlung der Kaiser jüngst besuchte, ist der^ Kronenorden II. Klasse verliehen worden. — In Laurahütte starb cmr29.. v. M. der in Schlesien weitbekannte Kaufmann Gustä-V Brahm. Er war 27 Jahre Vorsteher der Gemeinde, Ortsschulinspektor, Mitglied der Handelskammer und der Gemeindevertretung. '— Die Strafkammer in Glogau beschloß am 27. v. M. den Antisemitenführer Grafen Pückl er Verhaften zu lassen, da dieser zu einer /Prozeßverhandlung nicht erschienen ist, bei welcher er. sich wegen. Beleidigung und Bedrohung des Vogtes Pauli vom Vorwerk Kropüsch hätte verantworten sollen. Zu dem Hauptverhandlungstermin war unter änderen auch, der dirigierende Arzt der Irrenanstalt Plagwitz, Dr. med. Peterson-Borstell, geladen war. Dieser sollte vermutlich ein sachverständiges Gutachten über den Geisteszustand' des angeklagten Grafen Pückler abgeben, der von Berlin abgereist und seine Schritte nach England oder nach der'Schweiz gerichtet haben soll. — Mit einer Schrift über „Die Stahlindustrie der Vereinigten Staaten dort Amerika" habilitiertes sich in der'philosophischen Fakultät in Halle Dr. ök. publ. Hermann Levy (aus Berlin) für das Fach der Nationalökonomie. Levy steht erst im -25. Lebensjahre. — In Hamburg hat eine jüngst verstorbene christliche Dame dem israelitischen Krankenhause einen unlimitierten Anteil ihres Vermögens, der sich auf ca. 92000 Mark stellte, vermacht. — Der verantwortliche Redakteur und Herausgeber des Zentrumsorgan, der „Traunsteiner Nachrichten", Hubert Freiherr v. Schorlemer wurde wegen Beleidigung:, des Gemeindebevollmüchtigten Josef' Schneider zu i drei Wochen Gefägnis, zur Tragung der Kosten und Veröffentlichung des Urteils in vier Blättern verurteilt. Freiherr v. Schorlemer, der einer der schlimmsten Antisemiten ist, wurde bei - dieser Gelegenheit von dem Präsidenten des Gerichts in einer Weise charakterisiert, die ihn würdig macht, in die antisemitische Ehrenhalle mitaufgenommen zu werden. — In Würzburg ist am 26. v. M. der Kommerzienrat Max Heim gestorben. — Aus Konstanz wird berichtet, daß entgegen den Mitteilüngen verschiedener Blätter. der Stadtrat nicht nur ..niemals ein Schächtverbot erlassen hat, er hat sich auch niemals bisher mit einer solchen Absicht getragen, noch hat irgendwie jemals eine Erörterung dieser Frage im dortigen Stadtrat stattgefunden. — Bei der am 4. v. M. vollzogenen Wahlen für das Zentralkomitee der Uli an e s israslits universelle, deren Ergebnis erst jetzt festgestellt wurde, find 17 Mitglieder wieder-, 8 neugewählt worden. Die letzteren sind die Herren Oberrabbiner Dr. Margulies-Florenz, L. Marschall-Newtzork, Dr. Moritz Philippson-Brüssel, Philipp Schiff-Frankfurt a. M., Dreyfuß- Bretauer-Basel, E. Fellheim-Stuttgart, Ed. Masse-Paris und S. Flörsheim-Dortmunds — Am 25. V. M. ist in Paris die Herzogin Margarete von Grammont, geborene Baronin Rothschild, im Alter von 50 Jahren gestorben. Sie war eine Tochter des Bäron Mayer Karl- Rothschild in Frankfurt und der Baronin Luise von der Londoner Linie. Ihre Schwestern waren Baronin Salomon Rothschild, Lady Rothschild, Baronin James Rothschild und die verstorbene Fürstin von Wagram. Wie diese letztere, war die Herzogin von Grammont eine eifrige Katholikin!! Sie hinterläßt drei Kinder, ' den Herzog von Guiche, der ' sich kürzlich mit Gräfin Greffulhe vermählt hat, dann einen noch unverheirateten Sohn und eine einzige Tochter, die an den Grafen Helie von Noailles verheiratet ist. .Es ist gut, sich die Namen zu merken, falls einer dieser Nachkommen Rothschilds als Nationalisten- oder gar Antisemitenprotektor einmal auftreten sollte. — Der Pariser Munizipalrat hat beschlossen, dem verstorbenen Dichter Eugene Manuel in Paris ein Denkmal zu erdichten. — Das Mitglied des französischen Zentralkonsistorims Alfred Ney mark hat demselben einen Vorschlag unterbreitet über die-künftige Gestaltung der jüdischen Kultusverhältnisse in Frankreich. Das Konsistorium hat eine Kommission zur Beratung des Plans .eingesetzt. — Aus Odessa sollen nach den letzten Vorgängen ca. 20000 Juden geflohen sein. Ressende, die aus Odessa auf dem Dampfer „Bulgarin" eingetroffen sind, - erzählen, daß man daselbst noch immer den -Ausbruch großer antisemitischer Exzesse befürchte. — Die drei Führer der- Meuterer des „Fürst Potemkin", Kowalenko, Mätuschenko und Cyrill, veröffentlichten in der „Tribüne Russe" eine Erklärung, Worin es heißt; „Wir lesen den amtlichen Berich t der russischen Regierung über die Odessaer Ereignisses Er ist-ein Gewebe von Lügen und Entstellungen. Wir wollen ungesäumt diese niederträchtige Herausforderung entlarven, die den Zweck verfolgt, den Rassenhaß zu schüren und neue Metzeleien von Juden, Polen und Armeniern hervorzurufem . Wir, die verantwortlichen Leiter der Mätrosenbewegung, erklären die Unterstellung der Regierung, daß. jüdische Studenten und Arbeiter die Erhebung angestiftet haben, fürvöllig unwahr. Nie hat sich auch nur ein einziger .Bürger jüdischer Abkunft -aus. dem Torpedoboot 267 oder auf dem „Potemkin" oder unter den Abgesandten des „Potemkin" zum „Pobiedonossez" befunden." — Der „Gazetta Polska" zufolge, sind in den west-russischen Gouvernements, Judenverfolgungen unter föffentlicher Begünstigung der Behörden ausgebrochen. In Wilna .wurden jüngst 17 Juden gehenkt und 32 erschossen. In Czenftochau sollen Reservisten 13 jüdische Agitatoren gelyncht haben. — - Rev. I. Leonhard Levy in Pittsburg hat eine Reise nach Japan -unternommen, um von dort aus die Schlachtfelder in Ostasien zu besichtigen. Durch die Schilderung der Greuel des Krieges hofft er, . der Friedensidee weitere Anhänger zu gewinnen. Er ist nämlich Präsident der Friedensgesellschaft sin Pittsburg. Von Japan begibt .'sich Levy nach Luzern, um an dem.Friedensweltkongresse teilzunehmen, , und sodann führt ihn der Weg. nach Nürnberg. — Am „Hebrew -Union College" in Cincinnati haben die Herren Rev. Dr. David Philips du und Professor C. Levias ihre Stellen niedergelegt. Dagegen, ist der rühmlich st bekannte Professor Max L. Margolis für -. Bibelexe ges e berufen worden,'—. Moses ,A.. Drop hie, der in P hila- , delphia am 8. v. M. gestorben, hat 160000Dollars zur Begründung . eines College hinterlassen, in 8öm .Bibel und hebräische Literatur / gelehrt, werden sollen.

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