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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-07-07 · Heft 27 (7.7.1905) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Rabbiner S>r* Ludwig Philipps»». Verlags-Expedition: Berlin, Jernsaiemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße HK/qA, zu richten. Verlag von Rudolf rNosse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements.Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband, bezogen vierteljährl. 3 M. Redakteur: Gustav Rarpele». Lrsuchktt wir eine Synode? Berlin, 4. Juli. uf der Versammlung der Zentral-Konferenz amerikanischer Rabbiner, die in Louisville im Juni 1904 abgehalten wurde, ist man bezüglich der Frage, ob für Amerika eine allgemeine jüdische Synode, eine Art Synedrion, in Permanenz berufen werden soll, zu keinem festen Beschluß gekommen. Das Komitee hat jetzt in einer besonderen Schrift das Urteil der Majorität, die sich für, und das Urteil der Minorität, die sich gegen eine solche Synode ausgesprochen hat, veröffentlicht; es hat die motivierten Stimmen angesehener Laien, wie Jakob A Schiff und anderer mit abgedruckt neben den ausführlich begründeten Voten der Theologen K. Köhler S. Schechter, M. Margolis, I. Krauskopf, H. G. Enelow usw. Die Schrift, welche aus ihrem Titelblätte das Siegel der Zentral-Konferenz amerikanischer Rabbiner zeigt mit den Motto: „Lchu wnelchab b’or adonaj" „Haemeth whaschalom ohawu!" mtb der Jahreszahl 5649, geht aber weit über den Rahmen amerikanisch-jüdischer Gemeindeverhältniffe hinaus und verdient eine Erörterung an dieser Stelle, obwohl das Judentum in Deutschland das Synoden-Stadium glücklich überwunden hat, da das Komitee auch die Ansichten der hervorragendsten jüdischen Theologen Deutschlands in diesen Fragen während der letzten sechzig Jahre gesammelt und abgedruckt hat. Wir europäischen Juden Haben, wie im letzten Frühjahr die internationale Tagung in Frankfurt a. M. wegen der Abwehr der planlosen Emigration gezeigt hat, im Bund mit unseren amerikanischen Brüdern leider jetzt dringendere Sorgen als eine Synode, die sich in Permanenz mit der Erörterung theologischer Fragen beschäftigen soll, wir könnten aber bei dem vielfach hierzulande herrschenden Jndifferentismus die Amerikaner um ihren jugendlichen religiösen Eifer fast beneiden. Drüben hat die permanente Synode allerdings noch -tragen zu lösen, die hier längst überwunden sind, oder nie -riskiert haben, so das Vorgehen gegen Humbug-Theologen, wilde" Prediger, die sich Reverend nennen, aber gar keine religiösen Kenntnisse haben und mit Vorliebe in Kirchen predigen, während der christliche Theologe dafür die Kanzel der Synagoge usurpiert, ferner gegen die in Amerika -ingerissene religiöse Anarchie, welche sich unter anderem in Synagogen mit thörichten „Weihnachts- und Osterpredigten" eitens radikaler Prediger kundgibt. Aber gibt es nicht auch in Deutschland hier und da eine Art Anarchie und Willkür ■m religiösen Leben und in Preußen auch bezüglich mancher Einzelheiten des Verwaltüngsapparates vieler jüdischer Gemeinden, der jetzt die vom Gemeindebunde veranlaßte Arbeit. des Professors Pr. Rosin - Freiburg i. B. über die Rechtsstellung der jüdischen Gemeinden in Preußen ein Ende machen soll. In Frankfurt a. M. hat auf dem Zehnten deutsch-israelitischen Gemeindetage die Rosinffche Anschauung allgemeine Zustimmung gewonnen, daß sich über den Gemeinden die Provinzialorganisation in Form einer Synode aufbauen müsse und daß Laien und Geistliche gemeinsam in den Korporationen beraten sollen. Der Rosinffche Vorschlag, daß in religiösen Angelegenheiten das Veto des Rabbiners entscheidend sein soll, löst bei uns zu Lande eine hier in diesem Sinne längst entschiedene Frage ohne das Schisma, das drüben in Amerika nicht mehr zu überbrücken ist. Hierüber sagt in der vorliegenden Schrift „Ausblicke auf die Synode" *) ein hervorragender amerikanischer Laie, Alfred W. Cohen, von dem ein sehr ausführliches Gutachten über das Zusammenwirken von Laien und Theologen abgedruckt ist, folgendes: „Die gesetzliche und moralische Unmöglichkeit, einer Verbrüderung des Verbandes amerikanischer jüdischer Gemeinden und der Zentralkonserenz amerikanischer Rabbiner zum Zwecke der Bildung einer Synode ist so offenbar, daß ich die Ueberraschung darüber nicht unterdrücken kann, daß das Komitee der Rabbiner eine solche Allianz anzubahnen gesucht hat. ,.. Das Komitee macht den Vorschlag, daß die Synode die Zentral-Verwaltungskorporation für das amerikanische Judentum werden soll. Aber woher soll die Autorität Herkommen, um die Beschlüsse durchzuführen? Nehmen wir an, die Synode erklärt sich für strengste Sabbatheiligung. Werden dann infolge dieses Beschlußes die Sabbat-Gottesdienste wieder aufleben in Gotteshäusern, die seit zwei Jahrzehnten am Sabbat keine Besucher mehr hatten? Ich bin der Ansicht, daß eine Organisation, die ausschließlich aus Rabbinern zusammengesetzt ist, besser religiöse Fragen entscheiden kann als eine aus Laien und Geistlichen gemischte Vereinigung." Die übrigen hervorragenden Laien Amerikas, denen die jüngsten Beschlüße der Zentralkonserenz amerikanischer Rabbiner mit der Bitte um Antwort zugegangen sind, haben sich, wie Jakob H. Schiff und andere, gegen eine Permanente Synode und gegen jede Hierarchie ausgesprochen, da die Freiheit auch in religiösen Dingen ein wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Freiheit ist. Und nicht nur der Freiheit Amerikas, sondern auch der Freiheit des Judentums! So schreibt Sol. S. Kiser aus Jndianopolis: „Brauchen wir eine Synode? Es schien mir immer eine der schönsten Seiten unseres religiösen Lebens y Views on the Synod, compiled by Committee of the Central-Conference of American Rabbis 1905.

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