Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1905)
- Date
- 1905-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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-;\v. ^.y '3 3 '.-• •; .P ’-'t v;Vv‘- 69. Jahrgang. No. 24. Berlin, 16. Juni 1905. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. \ Diese Zeitung erscheint wöchentlich, k Abonnements.Preis: Durch Buchhandel, [ Post oder direkt von der Expedition in Berlin \ unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. f Redakterrrr Gustav «arpele». gegründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson. VerlrM-LpeSitiM: Berlin, Jerasalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße $6/$9, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Anlrrr Anterrichts-LtstiltiK. Berlin, 12. Juni. ie zweite Hälfte, nämlich der statistische Teil der hier neulich besprochenen Schrift über den gegenwärtigen Anteil der Juden am Schulwesen in Preußen, ist von Dr. Arthur Ruppin nach amtlichen Quellen in übersichtlichen 34 Tabellen mit kurzem Kommentar zusammengestellt worden. Für die bevorstehende Beratung des Schulunterhältungsgesetzes ist diese Statistik von hohem Wert. Nach Tabelle 1 besuchten in Preußen im Jahre 1901 Volksschulen 26 000' jüdische Kinder, Mittelschulen und höhere Mädchenschulen 18 368 jüdische Kinder und höhere Schulen.15 120 Juden; mit Vorschulen rc. in allen Schulen zusammen 59 487 Juden. — Aus Tabelle 2 erhellt, daß die Juden die Volksschulen. verhältnismäßig bedeutend schwächer, die Mittel- und höheren Schulen erheblich stärker besuchen als die Christen. Der Prozentsatz der jüdischen Schüler, die eine 'bessere als die Volksschulbildung erhalten. betrug im Jahre 1886 ...... 46,51 „ 1896 51,07 „ „ 1901 56,29 Den Zahlen nach übertreffen, soweit die Verteilung auf die einzelnen Provinzen in Betracht kommt, die Juden durch bessere Schulbildung die Nichtjuden am weitesten in den Provinzen Schlesien und Posen, was A. Ruppin darauf zurückführt, daß die zahlreiche polnische Bevölkerung dieser Provinzen ihren Kindern nur in sehr geringem Maße den Besuch höherer Schulen zuteil werden läßt. Sonst ist noch aus der Tabelle zu entnehmen, daß, weil die Inden in höherem Maße die größeren Städte bewohnen, ihnen die höheren Schulen leichter zugänglich sind. Aus Tabelle 9 geht dagegen hervor, daß sich von 1886—1891 die Zahl der jüdischen öffentlichen Volksschulen ganz erheblich, von 318 auf 244, verringert hat. Tabelle 10 stellt fest, daß die meisten der öffentlichen jüdischen Volksschulen solche mit nur einem Lehrer sind. Im Jahre 1901 waren vorhanden jüdische Hausvätersozietäten, denen die Erhaltung der Schulen obliegt, in Posen 50 (an diesen 50 Schulen waren 61 Lehrkräfte tätig), in Schlesien 2 mit 5 Lehrkräften, in Schleswig-Holstein 1 Schule mit 8 Lehrkräften, in Hannover 12, in Westfalen 9 und in Hessen-Nassau 79 mit 33 Lehrkräften, in Hohenzollern 3, in Westfalen 4, in Hannover 34 mit 38 Lehrkräften, in Schlesien und Posen je 2 jüdische Schulen mit 2 Lehrkräften. Tabelle 13 zeigt,J daß die Juden in den Mittelschulen den enorm hohen Prozentsatz von 36,67 Prozent aller Schulkinder in den Schulen ausmachen. Wir sehen hier auch, daß unsere Glaubensgenossen die höhere Schulbildung ihren Töchtern in gleich hohem Maße wie ihren Söhnen zuwenden. An der folgenden Tabelle für die Abiturienten ist bemerkenswert, daß in 10 Jahren 1012 christliche und 124 jüdische Extraneer das Reifezeugnis erhielten; also fast 11 Prozent waren Juden bei dieser schweren Abart der Reifeprüfuug. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gingen in den letzten Jahren von uns 6,44 mal so viel Abiturienten hervor, als aus der .christlichen Bevölkerung. Aus Tabelle 15 dürfte hier interessieren, daß von sämtlichen jüdischen Studierenden überhaupt 84,85 Prozent (gegenüber .40,37 Prozent bei Christen) in Berlin und Breslau studierten. Dagegen ist in Göttingen, Halle, Greifswald und Kiel der jüdische Student verhältnismäßig sehr selten (nur 4,4 Prozent aller jüdischen Studierenden). Mittelmäßig von Juden besucht sind Bonn, Königsberg und Marburg. In den verschiedenen Fakultäten entfallen von je 100 jüdischen Studierenden auf die medizinische 58,78; auf - die juristische 15,63 und aus die philosophische 25,59. Verhältnismäßig am höchsten ist der Anteil der Juden an der Zähnheilkunde. Aus der amtlichen Statistik sei noch erwähnt, daß die Juristen jüdischen Bekenntnisses ihr Studium zeitiger abschließen als die Evangelischen und Katholiken. Zum Schluffe sei nach der klaren und sehr fleißigen Ruppinschen Arbeit noch einiges über die im niederen Schulwesen (für die höheren Schulen ist die Statistik hier bereits neulich nach Kunze erörtert worden) tätigen jüdischen Lehrer wiedergegeben. Danach ist an den öffentlichen Volksschulen die Zahl der jüdischen Lehrer 1886—1901 von 432 ans 338 Zurückgegangen und die Zähl der jüdischen Lehrerinnen von 53 auf 56 gestiegen. Von den 338 Volksschullehrern sind 290 an jüdischen, 48 an paritätischen Schulen beschäftigt; von den 56 Lehrerinnen 9 an jüdischen, und 47 an paritätischen Schulen. An den privaten Volksschulen waren jüdische Lehrer tätig: in Berlin 21, in Schlesien 10, 56 in Westfalen, 7 in Hessen-Nassau, 24 in der Rheinprovinz, 7 in den übrigen Provinzen; von den 15 Lehrerinnen waren 8 in Berlin tätig. Wenn auf mehreren Versammlungen jüdischer Lehrer über die allmähliche „Ausschaltung der jüdischen Lehrkräfte aus der Volksschule" neuerdings geklagt wird, so geschieht dies mit großem Rechte, wie aus der Ruppinschen Statistik hervorgeht. 1 8 8 6 waren nämlich an Volksschulen (für die höheren Knabenschulen fehlt eine amtliche Statistik) von den 485 männlichen und weiblichen jüdischen Lehrkräften noch 407 an jüdischen und 78 an paritätischen Volksschulen tätig. Ueber die Verteilung aus die einzelnen Provinzen gibt Tabelle 33 Aufschluß. Daß hiernach die meisten jüdischen Lehrkräfte in denjenigen Provinzen (Posen, Hessen-Nassau, Hannover) äiü 1 — ■ , ■.-min.... ri