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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-05-12 · Heft 19 (12.5.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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■ - ■ ■ ■ ■ ■ ■ - '' Methode des Schächtens der Schlachttiere durchgesühMn Erhebungen zu dem Ergebnis geführt hatten, daß, wenn alle Bestimmungen des: Rituals erfüllt werden, in der Methode des Schächtens eine tierquälerische Handlung nicht gefunden werden kann. — Eine Spezialität Galiziens ist bekanntlich die Entführung, minderjähriger jüdischer Mädchen in katholische Klöster. Anläßlich der Affäre Araten hat der Minister für Galizien, Dr. Pientak, ja den merkmürdigen Ausspruch getan, daß vor den Klosterpforten die Staatsgewalt aushöre. Seither hat allerdings infolge des energischen und konseqenten Einschreitens des Rechtsschutzbureäüs der Oesterreich-! Israelitischen Union die Praxis. platzgegriffen, daß die EntführM strafgerichtlich verfolgt und in zahlreichen Fällen verurteilt wurden,^ allein in die Klöster selbst reichte die Machtder staatlichen Organe nicht. Vor wenigen Wochen ist auch nun nach dieser Richtung ein entscheidender Erfolg erzielt worden/ Am 3. November 1904 - wurde die elfjährige Chana Naß von einer Frau Zabierzowska aus dein Elternhause in Dembica entführt und ins Charitenkloster nach Krakau gebracht. Auf unsere Veranlassung-suchte Herr Dr. Raphael Landau in Krakau um die zwangsweise Abnahme des Kindes an»--, worauf die Krakauer Polizeidirektion einen Polizeikommissär in das Kloster entsendete und daselbst die Ansfolgung des Kindes verlangte. L Die Oberin brachte das Kind selbst zur Polizeidirektion, wo es den4' Eltern übergeben wurde. Dieser erste Fall eines entschiedenen Vor-1 gehens der Staatsgewalt gegen die Zurückhaltung jüdischer Kindex? in christlichen Klöstern wird hoffentlich nicht vereinzelt bleiben. Seit^- 5 her ist auch in Husiatyn ein ähnlicher Fall vorgekommen. — Major; Wilhelm Husserl im 77. Juf.-Reg. in Przemysl wurde zum Oberstleutnant befördert. Oberstleutnant Husserl stammt aus Proßnitz in Mähren, ist im Jahre 1873 freiwillig zum Militär gegangen, hat ' die Kadettenschule zu Brünn besucht und wurde im Jahre 1877 zum Leutnant befördert. — Der Verein zur Abwehr des Anti-' sem'itismus hat den bekannten ehemaligen Legationssekretär Dr. jur. et phil. Grafen Coudenhove-Kalergi in das Präsidium kooptiert. — In Budweis ist am 5. d. M. der älteste Rabbiner Böhmens, derr Kreisrabbiner Adam Wunder, im 88. Lebensjahre gestorben. Er wirkte seit 1846 im Amte, zuerst in Kuttenplan, seit 1862 in Budweis^ t wo er in hohen Ehren stand und Ehrenbürger der Stadt war. Sein Andenken sei gesegnet! Von Sah und Fern. — Sanitütsrat Dr. A. Würzburg, der bisher technischer Hilfsarbeiter und Bibliothekar im kaiserlichen Gesundheitsamt war, ist zum Regierungsrat und Mitglied derselben ernannt worden. —. Dr. Eduard Biberfeld ist als Nachfolger seines Vaters zum Rabbiner der Bet-Hamidraschgesellschaft einstimmig gewählt worden. — In einem Vortrage in der zionistischen Ortsgruppe Berlin teilte Dr. Franz Oppenheimer mit, daß sich in den letzten Tagen hier ein Konsortium gebildet habe, das auf neutralem Gebiete einen Versuch mit landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften - machen will. Als Versuchsobjekt sei ein großes Terrain in der Nähe Hamburgs in Aussicht genommen. — In Kolberg ist am 1. d. M. der Kaufmann Moritz Friedländer gestorben, der einer der. Begründer des dortigen jüdischen Kurhospitals und seither stets Mitglied des Vorstandes ^war. — Auch die Schillerfeier wurde zu antisemitischen Zwecken ausgebeutet, selbst in den „Hamburger Nachrichten" wird aus eine antisemitische Schillerbroschüre hingewiesen, die sich vorzüglich als „Festschrift für die nationale Schillerfeier eigne. „Nationalgesinnte Männer" sollten einen Massenbetrieb der Schrift veranlassen! — Den Antisemiten ist der Schreck ordentlich in die Glieder gefahren, als einige Blätter verbreiteten, der Senatspräsident Dr. Löwen stein in Leipzig werde. Präsident pes Reichs-., gerichts werden. Derselbe ist nämlich ein getaufter Jude. „Zum Glück" wurde die Nachricht bald dementiert. — Kommerzienrat Leh =/4 mann Bernheimer in München hat den württembergischen Friedrichs-Orden, der Fabrikant Wilhelm Bender in Frankenth al, der serbische Konsul Julius Goldschmitt in Ludwigshafen das .Ritterkreuz des Ordens der Krone von Italien, der schwedische und norwegische Konsul und dänische Vizekonsul Bernhard Lang in Nürnber g das Ritterkreuz des Danebrogordens erhalten. — Dem Ober- Inspektor Schloßberger in Stuttgart, Vorstand des Postanweisungsamts, wurde der Titel, eines Postrats, verliehen. — Seit dem 1. April besteht daselbst ein jüdisches Schwestertzeim. Die Schwestern, deren Mutterhaus in Berlin ist,- üben die Pflege bei Erkrankten jeden Bekenntnisses aus. — Am 11. v. M. verschied nach langem'Leiden im Alter von 77 Jahren Oberrabbiner A. S. Aßvd in Dünas;erd ahel y, wo er seit ^dem Ableben seines Vaters volle 39 Jahre segensreich wirkte. — Am 4. d. M. fand in Brüssel die Vermählung des ersten Gesandtschaftssekretärs der belgischen Gesandtschaft in London, Paul May mit'Fräulein Levy in der dortigen Synagoge statt-. Der Bräutigam ist ein Neffe Ludwig Bambergens. — Seit dem Abend des 7. Mai findet eine furchtbare Judenhetze in Shitomir statt. Christen haben bewaffnet die Juden überfallen und richten ein furchtbares Blutbad an. Man zählt bereits Viele Tote und Verwundete. Shitomir'ist eine kleine Gouvernementsstadt in der Nähe von Kischinew, in welcher Militär stationiert ist, welches während der Straßenkämpse, die am nächsten Tage erneuert wurden/nicht eingriff. — Die Petersburger Telegraphenagentur leistet sich wieder die folgende Meldung — und die liberale deutsche Presse druckt sie geduldig nach: „Sdunskaja - Wolja (Gouvernement Kalisch) 27. April. Hier wurde heute ein Israelit, der einen Ballen Proklamationen bei sich hatte, verhaftet. . Eine Menge Israeliten versuchte vergeblich unter Anwendung von Schußwaffen und Messern den Verhafteten zu befreien, wobei einige verwundet wurden." Aus dem russischen Amtsstil in die Wahrheit übertragen, enthält dies. Telegramm nichts als die .Ankündigung einer an Juden verübten Metzelei. In Belosto k üben die Kosaken gegenüber der jüdischen Bevölkerung eine wahre Schreckensherrschaft aus. Auf offener Straße fallen sie über die Juden her, mißhandeln . sie und plündern sie aus. Selbst in ihren Häusern sind die jüdischen Bürger nicht vor Vergewaltigungen sicher. Neulich drangen die Kosaken in die Synagoge ein, bearbeiteten die dort anwesenden betenden Juden mit ihren Nagaiken und schlugen einen Greis und eine alte Jüdin halbtot. In der Kirche, die von Andächtigen überfüllt war, entstand eine furchtbare Panik. Im Gedränge wurden viele Personen, vor allen; Frauen, verletzt. Die jüdische Bevölkerung hat sich in. einer Petition an den Gouverneur gewandt; dieser hat versprochen, daß strenge Maßnahmen zur Verhinderung solcher Uebergriffe getroffen'werden Fallen. Die schuldigen Kosaken wurden verhaftet und sollen vor ein Kriegsgericht gestellt werden. — Nach einer Meldung ans Melitopol (Gouvernement Taurien) kam es dort am letzten Montag zu Unruhen, bei denen Juden gemißhandelt wurden unb jüdisches, aber auch christliches Eigentum zerstört und geplündert wurde. Eine Reihe von Buden wurden verbrannt. Die Ordnung wurde von Truppen wieder hergestellt. — In Simferopol wurde z Unruhen durch Truppen schnell unterdrückt. Der Vizegouverneur ritt mit einer Eskadron der Krimdivision durch die Straßen und beruhigte die gegen die Juden erregte Bevölkerung. — Laut einer von einer Vereinigung christlicher Geistlichen unternommenen privaten Volkszählung leben zurzeit in Newyork gegen 675 000 Juden. Für die religiösen Bedürfnisse dieser noch zum größten Teil konservativen jüdischen Bevölkerung dienen 280 Synagogen und Bethäuser, von denen 70 in eigenen Gebäuden untergebracht sind. Dazu kommen noch eine große, nicht kontrollierbare Zahl von provisorischen Bethäusern. — Der kürzlich veröffentlichte Jahresbericht der „Jewish Agricultural Aid Society“ teilt mit, daß die Gesellschaft während ihrer vierjährigen Wirksamkeit nicht weniger als 1095 jüdischen Kolonisten zur Selbständigkeit verholsen hat. Dieselben besitzen 105 747 Acres Land, das einschließlich der Gebäude und des beweglichen Inventars einen Wert von 2150 000 Dollars repräsentiert. Gleichzeitig besitzt die Gesellschaft eine Abteilung Removal Office, welche sich die undankbare Aufgabe gestellt hat, das Newyorker Ghetto zu sprengen. Dieselben haben im Berichtsjahre 6023 Juden zu bewegen gewußt. Newyork zu verlassen und, sich in den Zentralstaaten anzusiedeln. 5 Prozent von diesen sind indessen Bereits nach Newyork zürückgekehrt. — In einer von 35 israelitischen Gemeinden und Gesellschaften beschickten Versammlung ist der Beschluß gefaßt worden, die 250. .Wiederkehr des Tages zu feiern, an welchem in Newyork, dem damaligen New Amsterdem, die ersten jüdischen Einwanderer, ein Häuflein brasilianischer Flüchtlinge, landete. An der Spitze des Komitees steht der Bankier Jacob H. Schiff. .

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