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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-04-07 · Heft 14 (7.4.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 — Wesel, 20. März. Am 26. v. M. fand Hierselbst die 15. ordentliche Generalversammlung des Hilfsvereins „Esras K'fufim" statt. Nach vorangegnngener Varstandssitzung, in welcher wiederum zwei Darlehen im Betrage van 1400 Mark bewilligt wurden, begrüßte der Varsitzende Herr Lehrer a. D. Spier-Bocholt die Erschienenen herzlich und berichtete alsdann über die Tätigkeit des Vereins pro 1904. Während desselben wurden an zinsfreien Darlehen und nicht rückzahlpflichtigen Zuwendungen 2560 Mark bewilligt. Im ganzen haben bis zum 1. Februar d. I. 71 Klienten 34 359,15 Mark erhalten, von welchen 30 die entliehenen Gelder mit 9500 Mark bereits vollständig und 41 mit 11615,69 Mark teilweise zurückgezahlt haben, so das; nur noch 13203,46 Markausstehen. Mit Recht bezeichnet der Vorsitzende dieses Resultat als ein günstiges, den sicheren Beweis liefernd, daß unser soziales Werk den Nutzen gebracht, den wir erwartet haben. Die Mitgliederzahl, mit einem Jahresbeitrag von 5 Mark, ist auf 287 gestiegen. Möchte der segensreich wirkende Verein unter der Leitung seines rührigen Vorsitzenden Herrn Spier und umsichtigen Rendanten Herrn A. Wehe-Bocholt auch ferner wachsen, blühen und gedeihen! — Am 14. v. M. sprach Herr Lehrer Goldschmidt-Dortmund im hiesigen Literaturverein „Neue Harmonie" über „Die Spiele bei den Israeliten" mit großem Erfolg. a. Ans dem Elsaß, 29. März. In der Sitzung des Landesausschusses vom 9. d. M. fragte der Abgeordnete Götz bei der Beratung des Kultusetats an, ob die vakanten Rabbinerstellen im > Oberelsaß (darunter befindet sich Blotzheim mit 52 Seelen) eingezvgen und' ihre Gehälter zur Verbesserung der Lage der übrigen Rabbiner verwendet werden könnten. Unterstaatssekretär Dr. Petri erklärte, daß die israelitischen Konsistorien auf eine desfallsige Anfrage der Regierung noch nicht geantwortet hätten. Wie verlautet, soll im Mai oder Juni, ungefähr ein Jahr nach der Anfrage der Regierung, eine Gesamtsitzung der drei Konsistorien stattfinden, in der diese Angelegenheit zur Beratung kommen wird. Oesterreich-Mnssrn. LH Wien, 3. April. Die „Neue Freie Presse" meldet: „Der Hafenbaudirektor Hofrat Siegmund Taussig, der in der nächsten Zeit sein 40. Dienstjahr vollendet, hat sich aus diesem Anlasse entschlossen, um seine Pensionierung anzusuchen. Es ist Beamtenschicksal, daß ein Mann, der noch in der Vollkraft seines Könnens ist, von seinem Werke scheiden muß, ehe es vollendet ist, und daß er die Ausführung seiner Pläne jüngeren Kräften überlassen muß. Hofrat Taussig trägt selbst diesem Zwange Rechnung und tritt freiwillig vom Amte zurück, in weichem er sich den Ruf eines der hervorragendsten Fachmänner auf dem Gebiete des Wasserbaues erworben und in welchem er dem Staate und der Stadt Wien sehr bedeutende Dienste geleistet hat. Die Donauregulierung, an der er durch volle vierzig Jahre mitgearbeitet hat, ist eines der größten Bauwerke, das durch die Initiative des Kaisers, unter dem Zusammenwirken von Staat, Land und Stadt, zur Verbesserung der Schiffahrtsverhältnisse und zur Hebung von Handel und Industrie, hauptsächlich aber zum Schutze der Stadt Wien gegen Ueberschwemnrungsgefahren geschaffen wurde." Hofrat Taussig ist Mitglied des Kultusvorstandes und einer unserer besten Inden. — In Brünn ist der Professor der deutschen Landes- Oberrealschule Moriz Brecher im Alter von 67 Jahren gestorben. Die Landes-Oberrealschule, an der er französische und englische Sprache lehrte, verliert in Brecher eine ausgezeichnete Lehrkraft. — Im Prager Stadtrate wurde konstatiert, daß an die Niederreißung der Altneushnagoge nie gedacht worden sei und daß wegen Erhaltung des alten jüdischen Rathauses Verhandlungen mit der israelitischen Kultusgemeinde-Repräsentanz eingeleitet wurden. Von Sah und jfrrn. Sanitätsrat Dr. Zülchauer ist zu seinem 50jährigen Doktor- - jubiläum zum Geheimen Sanitätsrat ernannt worden. — Der Direktor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft Paul Mamroth hat den Rothen Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Das Strafverfahren gegen den Grafen Pückler und den Drucker Mitsching wegen der bekannten Reden des Grasen, in der Pückler gegen den Schwager des Kaisers, Herzog Ernst Günther von Sonderburg-Glücksburg, Angriffe richtete und die Einbrecher aufforderte, in Iudenlüden einzubrechen, ist eingestellt. Als Grund der Einstellung wird angegeben, daß Graf Pückler und Buchdrucker Hermann Mitsching vom Landgericht Berlin im Januar bereits verurteilt worden sind. — Der freisinnige Landtagsabgeordnete Landgerichtsrat Peltasohn in Bromberg, ist als Landgerichtsrat an das Landgericht I in Berlin versetzt worden. — Eine Synagoge für Lichtenberg ist am 2. d. M. auf dem Grundstück Frankfurter Allee 189 eröffnet worden. Die Mittel dazu hat die Lichtenberger israelitische Vereinigung aufgebracht. — Der jüdischen Gemeinde Sch ons ee ist vom Kultusministerium der Bescheid zugegangen, daß ihrem Gesuche um Einrichtung des jüdischen -Religionsunterrichts für die israelitischen Schüler der hiesigen Volks- ' schule von Staatswegen nicht entsprochen werden kann. Nach dem Gesetze über die Verhältnisse der Juden bleibt es vielmehr der Religionsgemeinde überlassen, dafür zu sorgen, daß die jüdischen Kinder des Religionsunterrichtes nicht entbehren. — Der antisemitische Reichstagsabgeordnete Expastor Krösell ist aus dem landwirtschaftlichen Ein- und Verkaussverein in Pyritz ausgeschlossen worden. Das Stöckersche „Volk" begleitet diese Mitteilung mit der lakonischen Glosse, die tief blicken läßt: „Wir glauben nicht, daß Herr Krösell im Interesse der Sache handelt,- wenn er im öffentlichen Leben verbleibt." — In Gö rlitz ist Herr Raphael Basch im Alter von über 90 Jahren gestorben. Er hat seiteinem halben Jahrhundert als Vertreter der Gemeinde ihrem Wohle mit vollster Hingebung seine Kräfte gewidmet. B. zählte zu denjenigen jüdischen Mitbürgern, welche — nach einer Pause von nahezu 500 Jahren — zuerst wieder in Görlitz ihren Wohnsitz ausgeschlagen hatten. — Das sächsische Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts gibt in einer neuerlichen Verordnung bekannt, daß im Königreich Sachsen acht israelitische Religionsgemeinden mit den Sitzen in Bautzen, Zittau, Dresden, Leipzig, Chemnitz, Annaberg, Zwickau und Plauen errichtet worden sind. Zum Bezirk Leipzig gehört die Kreishauptmannschaft Leipzig mit Ausnahme der Amtshauptmannschaft Rochlitz, die dem Bezirk Chemnitz zugeteilt worden ist. — In Bernburg ist am 27. v. M. im Alter von 72 Jahren Kommerzienrat Emil Calm gestorben. — Ein Bubenstück wurde kürzlich in Bingen verübt, indem auf dem am Rochusberg gelegenen Friedhof der israelitischen Religionsgemeinde an mehreren Grabsteinen die Urnen abgehoben und weggeworfen wurden. — Irr Hai gerl och ist am 7. v. M. der Prediger und Lehrer I. Hilb im 61. Lebensjahre gestorben. — In Straßburg i. E. ist.im Alter von 58 Jahren am 30. v. M. der Teilhaber der Firma Adler und Oppenheimer, Ferdinand Oppenheimer, Besitzer einer der größten deutschen Lederfabriken, gestorben. — Auch in den Niederlanden gewinnt die Alliance Israelite Universelle immer mehr an Boden. Auf der letzten Generalversammlung aller holländischen Komitees im vergangenen Sommer wurde beschlossen, an die Rabbiner das Gesuch zu richten, für die Alliance in Wort und Schrift wirken zu wollen. Die holländischen Rabbiner gaben dieser Anregung Folge. In Amsterdam hat kürzlich vor einer großen Versammlung Rabbiner Dr. Frank-Köln über die Leistungen der Alliance mit außerordentlichem Erfolge gesprochen. — Die Anhänger des Gesetzesvorschlages gegen die Einwanderung machen es sich zunutze, daß der Homesekretär im Unterhause erklärte, daß die Londoner Polizei etwa 100 Mitglieder in Jiddisch auszubilden genötigt war und daß 50 bis 60 weitere Mitglieder der Polizeitruppe sich einige Kenntnis dieser Sprache aneignen mußten, um im Ostende Londons ihren Dienst befriedigend versehen zu können. — In Warschau kam es am 2. d. M. zu einem Zusammenstoß zwischen einer Ansammlung von etwa 1000 Israeliten, welche sich zur Beerdigung eines Sozialisten nach dem Friedhose begaben, mit der Polizei und dem Militär. Die Menge stürzte sich unter Hurrarufen auf die Truppen und feuerte Nevolverschüsse gegen sie ab. Die Truppen antworteten mit Salvenfeuer. Dabei wurde ein (?) Israelit getötet. So berichtet die Petersburger Telegraphenagentur! Die Zeitungen stellen die Sachen etwas anders dar und wissen von 15 Todesfällen zu berichten. — In Baltimore ist der Rechtsanwalt Isidor Rayner zum Senator der Vereinigten Staaten gewählt worden.

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