Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-31 · Heft 13 (31.3.1905) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228650--61597-3275426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Logen dem Verein erwiesen. Zur Erhöhung der noch nicht reichenden Einnahmen wird im nächsten Jahre eine umfassende Propaganda zur. Begründung von Jahrzeitstiftungen unternommen werden. Bereits sind solche durch Zahlung von 100 Mark für verschiedene Personen begründet worden. Stark gehoben hat sich die Frequenz der Anstalt. Während des vergangenen Jahres haben sich 490 Mann -in der Anstalt aufgehalten: am 1. Januar waren es 71, am 31. Dezember 90 Insassen. Seit Eröffnung der Anstalt bis zum Erscheinen des Berichtes haben mehr als 1000 Mann Aufnahme gefunden. Aus dem Arbeitserlös der Kolonisten hat die Anstalt im letzten Jahre 11 273,15 Mark vereinnahmt, während weitere 7845,04 Mark den Kolonisten selbst als Ueberschuß gutgeschrieben werden konnten. Die Unterbringung der entlassenen Kolonisten macht weniger Schwierigkeiten, als anfangs befürchtet wurde. Manche haben sogar recht gut bezahlte Stellungen erlangt, lieber die gute körperliche Verpflegung, die den Kolonisten zuteil wird, wie auch über den günstigen Gesundheitszustand gibt der Bericht' des Anstaltsarztes Aufschluß. Auch die Turnübungen, über die ein besonderer Bericht vorliegt, üben einen günstigen Einfluß: Vor altem aber ist es der Geist der Ordnung und Sauberkeit, wie auch der des harmlosen Frohsinns, mit dem viele Kolonisten zum ersten Male Bekanntschaft machen, der veredelnd wirkt. Es herrscht eine kameradschaftliche Gesinnung, die zu den schönsten Taten der Nächstenliebe führt: So wurde ein Kamerad, der wegen einer Ordnungsstrafe von 30 Mark, die er nicht bezahlen konnte, in Haft genommen war, von den Arbeitsersparnissen seiner Brüder losgekauft- und als er das Geld nach seiner Entlassung aus der Kolonie zurückschickte, verzichteten die Spender auf den ihnen gebührenden Anteil zugunsten der hartbedrängten Familie eines neu ausgenommenen Russen. Die Kolonisten verdienen so im vollen Maße die Sympathie, die in weiten Kreisen dem Institut zuteil wird. Möge es an persönlichen Beitragenden, wie auch an Spendern von Naturalien, insbesondere von gebrauchten Kleidungsstücken, .niemals fehlen. Geld- und Wertsendungen wolle man adressieren an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebnnd, Berlin W. 35, Steglitzerstraße 85 I- Wegen Abholung von gebrauchten Kleidungsstücken wolle man sich direkt wenden an die Jüdische Arbeiterkolonie und Asyl in Weißensee bei Berlin, Wörth straße 20. Berlin, 26. Mürz. Die letzten Wochen waren für die weitere Ausbreitung des Hilssvereins der deutschen Juden sehr fruchtbar. So hat sich in Mannheim ein Zweigverein konstituiert, dessen engerem geschäftssührenden Komitee unter anderem folgende Herren angehören: Julius Ettlinger, Emil Hirsch, Sallh Reiß, Julius Bensheimer, I. Darmstädter, I. Hartog, Dr. I. Moses, Dr. A. Staadecker, Stadtrabbiner Dr. M. Steckelmacher. Das Komitee hat mit der Propaganda eifrig begonnen, und es dürften in kurzer Zeit auch in den anderen größeren Gemeinden Badens Zweigvereine ins Leben treten. Am 26. Februar sprach Herr Siegmund Bergel aus Berlin in Bremen vor einer großen Versammlung von Damen und Herren aus Bremen und Umgebung über „Die Not der osteuropäischen Juden und das Hilsswerk der deutschen Juden." Der ausgezeichnete Vortrag hatte zur Folge, daß sich sofort unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiners Dr. Rosenak ein Lokalkomitee konstituierte, dem eine stattliche Anzahl von Damen und Herren als Mitglieder beitraten. Den Vorstand des Komitees bilden die Herren Rabbiner Dr. Rosenak, N. Abraham, Dr. I. Pinette und Julius Aschendorff. In Magdeburg fand am 16. März im Prunksaale des „Cafe Hohenzollern" eine öffentliche gutbesuchte Propagandaversammlung statt, in der die Herren Generalkonsul Eugen Landau und Siegmund Bergel aus Berlin über „Die Aufgaben und die Leistungen des Hilfsvereins der deutschen Juden" ausführliche Referate erstatteten. Die Versammlung folgte den interessanten Ausführungen der Redner mit lebhaftem Interesse, und es wurde die Begründung eines Lokalkomitees beschlossen, bestehend aus den Herren Gotthold Simon, Sperling, Heinemann Rechtsanwalt Bacher, Dr. Falkenstein und anderen mehr. Fast alle Anwesenden träten dem Verein als zahlende Mitglieder bei. ff. Berlin, 27. März. Eine kürzlich in den Zeitungen veröffentlichte Verfügung des Ministers des Innern bestimmt, daß russische Auswanderer'die deutsche Grenze nur dann passieren dürfen, wenn sie für sich und ihre Angehörigen einen Paß besitzen, sowie für jede erwachsene Person die Summe von 400 Mark und von 100 Mark für jedes Kind vorweisen können. Die Blätter knüpften daran die Befürchtung, daß diese Verordnung geeignet sei, die Auswanderung über Deutschland wesentlich zu erschweren. In der Tat wäre eine solche drakonische Bestimmung geeignet, den Durchzug der Emigranten durch Deutschland nicht nur wesentlich zu erschweren, sondern vollständig zu hemmen. Wer die jüdischen Emigranten aus Rußland kennt, weiß, daß solche Leute, die 400 Mark und eine Kajütenfahrkarte erschwingen können, sehr selten auswandern. Glücklicherweise trifft die Befürchtung der Blätter keineswegs zu. In der Wirklichkeit beziehen sich die rigorosen Bestimmungen nur aus diejenigen, Emigranten, die die Kontrollstationen nicht passieren, sich einem Bade mit der damit verbundenen ärztlichen Untersuchung und Desinfektion nicht unterziehen wollen. Wer jedoch nicht wasserscheu ist und sich vor einer Desinfektion.in der Kontrollstation nicht fürchtet, für den bestehen keinerlei Beschränkungen. n. Grätz r P., 26. März. Eine erhebende Feier, die weit über die Grenzen unseres Städtchens hinaus Beachtung verdient, vereinigte dieser Tage den größten Teil unserer Gemeinde. Zu Ehren ihres nach Berlin übersiedelnden langjährigen Vorsitzenden, des Herrn Stadtverordnetenvorstehers A. Herzfeld, hatten Vorstand und Repräsentanten ein Abschiedsessen veranstaltet, welchem sich auch der Frauenverein zu Ehren der Frau Herzfeld, die in diesem seit vielen Jahren die leitende Stellung inne hatte, anschloß. Als erster Redner feierte Rabbiner Dr. Friedmann die Verdienste des Herrn Herzfeld um die Gemeinde wie um das Judentum überhaupt. Er hob zunächst hervor, daß derselbe seit Jahrzehnten seine unermüdliche Arbeitskraft und selbstlose Hingebung in den Dienst unseres Gemeinwesens gestellt habe und daß er Dank seiner reichen Fähigkeiten auch bei den Andersgläubigen allenthalben Ansehen und Wertschätzung genieße, was aus seiner Berufung zu den zahlreichsten Ehren- und Vertrauensstellungen zu ersehen sei; das stetige harmonische Verhältnis zwischen d"er Gemeindevertretung und dem Rabbinate sei nicht zum geringsten Teile des Gefeierten Verdienst, der moderne Bildung mit altjüdischem Wissen und einem weiten Blick vereinige und seinen Namen mit zahlreichen religiösen, wissenschaftlichen, humanitären oder sonst gemeinnützigen Vereinen und Unternehmungen, in Nah und Fern, die alle sich seiner Förderung erfreuten, verknüpft habe. Dann wandte sich der Redner der erfolgreichen Tätigkeit des gleichfalls nach Berlin verziehenden Vorstandsmitgliedes Herrn Nosenberg zu, rühmte dessen Mitarbeit in der Baukommission und als Shnagogenvorsteher und pries seine Menschenliebe und stetige Hilfsbereitschaft. Geheimrat Dr. Rubensohn betonte nunmehr, wie Herr Herzseld es jederzeit verstanden habe, die finanzielle Lage der Gemeinde zu heben, was er als stellvertretender Vorsitzender am besten beurteilen könne, und wie es ihm stets gelungen sei, den Frieden zu erhalten. Vorstand und Repräsentanten hätten daher beschlossen, Herrn- Herzfeld zum Ehrenmitglieds dev Gemeinde zu ernennen mrd ihrer warmen Anerkennung für die Vergangenheit und besten Wünschen für die Zukunft in einer prachtvoll ausgestatteten Adresse Ausdruck zu geben. Darauf wurde Herrn Rosenberg von dem Repräsentanten-Vorsteher Herrn G. Dosmar unter kurzen Dankesworten eine Photographie der Synagoge als Andenken an seine bisherige Wirksamkeit überreicht. Frau M. Bik dankte Frau Herzfeld im Namen des jüdischen Frauenvereins für ihre verdienstvolle Tätigkeit als Vorsitzende und übergab ihr als Zeichen des Dankes ein schönes Diplom, mit welchem letztere zum Ehrenmitglied des israelitischen Frauenvereins. ernannt wird. Nunmehr ergriff Herr Herzfeld das Wort, um persönlich wie namens seiner Frau für die vielen Ehrungen zu danken, deren Gegenstand sie seien, versicherte auch, in Zukunft in der Ferne seinen Einfluß zugunsten der hiesigen jüdischen Gemeinde verwenden und für ihre Interessen wirken zu wollen. Um in finanzieller Beziehung seinen Fortgang weniger fühlbar zu machen, bewilligte er der Gemeinde eine Subvention von 200 Mark pro Jahr, wie dem Frauenverein namens seiner Frau eine einmalige namhafte Spende. Auch der hiesige Vaterländische Frauenverein gab Frau Herzfeld eine Abschiedsfestlichkeit, bei welcher Frau Landrat Boltze auf ihre verdienstliche Wirksamkeit als langjährige stellvertretende Vorsitzende hinwies, und ihr im Namen des Vereins zum Andenken eine kostbare Blumenvase widmete. r. Magdeburg, 27. März, Unsere Gemeinde hat durch das nach kurzem Krankenlager erfolgte Hinscheiden des Vorsitzenden des Vor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.