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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-24 · Heft 12 (24.3.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Uebrigens sei die Negierung.nicht in der Lage, russische Militärflüchtige aus Oesterreich auszuweisen. Daß sich auch dieser Beschluß nur gegen die polnischen Juden richtet, ist sonnenklar. Da aber auch polnische Christen dadurch betroffen würden', so dürste der bei uns allmächtige Polenklub wohl sein Veto, gegen jede derartige Bestimmung einlegen. # Budapest, 12. März. Minister-Präsident Tißa fährt fort, Juden den Adel und andere Auszeichnungen zu verleihen. Franz i). Freund wurde zum Hosrat ernannt. Anton Deutrich, Mitarbeiter des „Pester Lloyd" und dem Grundbesitzer Michael Steiner in O-Gyalla wurde der ungarische Adel verliehen. Der zum Hofrat ernannte Paul Elek hat sich vor einigen Jahren tausen lassen. — Der Landeskongreß der orthodoxen Israeliten hat den hiesigen Großhändler Adolf Frenkl zum Landespräsidenten ernannt und ein Konnte gewählt, daß die Kandidation für den großen Hunderter-Ausschuß, bestehend aus 40 Rabbinern und 60 weltlichen Personen, vornehmen soll. Suszland.! L. A. T. Odessa, 2. März. Die Wahl des Elisabetgrader; Rabbiners W. I. Temkin zum Odessaer Stadtrabbiner ist vom 1 Senat als gesetzlich anerkannt worden, und erwartet man, daß dieser! Tage der Odessaer Stadthauptmann dieselbe bestätigen wird. — Der ' hier vor kurzem verstorbene Kaufmann O. Knepler hinterließ sein; ganzes Vermögen, welches 75 000 Rubel ausmacht, da er kinderlos! war, für wohltätige Anstalten, und zwar dem jüdischen Hospital, dem ' jüdischen Siechenhanse für Greise, dem „Malbisch-Arumiin", der! Talmud-Thora und dem „Trud". In allen diesen Anstalten müssen! Stipendien und Betten namens des Verewigten gestiftet werden. — Am Jahrestage des Todes von Staatsrat Jean de Bloch in : Warschau spendete dessen Witwe das vom Verewigten zurückgclassene! Kapital für Zwecke der Genwindewohltätigkeit, und zwar 50000 Rubel : dem Museum für Industrie und der Landwirtschaft, zur Unterstützung : j unger Leute, die den Kursus der höheren und mittleren Lehranstalten beendigt haben, und 20000 Rubel der jüdischen Gemeinde zur Unterstützung jüdischer Handwerker zur Eröffnung von Werkstätten oder für eine Reise nach dein Auslande, um dort ein Handwerk zu erlernen. - — Der Kurator des KiewerLehrbezirks bestätigte das Programm eines literarischen Abends in Berdyezew zugunsten der Studenten der; Kiewer Universität, aber mit der Bemerkung, daß die Vortragenden | Chri sten sein müssen, da Personen jüdischer Abstammung, nicht gestattet ist, Vorlesungen zu halten! Von MH und Fern. — Dem Privatdozenten für innere Medizin an der Universität Berlin Dr. Ferdinand Blumenthal ist der Professortitel verliehen worden. — Das Stipendium der ersten Michael Beerschen Stiftung im Betrage von 2250 Mark zu einer einjährigen Studienreise nach; Italien wurde unter drei Bewerbern dem Bildhauer Leopold! Fleisch Hacker aus Felsberg, Bezirk Kassel, zurzeit in Charlottenburg : wohnhaft, zuerkannt. — In Stettin feierte am 19. d. M. j Rabbiner Dr. Vogelstein das Fest seines 25jährigen Amts-! jubiläums unter Teilnahme weiter Kreise. Ausführlicher! Bericht folgt. — Am 13., 14. und 15. d. M. fand an der Jacobson-! Schule (berechtigte Realschule mit realprogymnasialer Abteilung) zu Seesen die mündliche Reifeprüfung unter dem Vorsitz des als herzoglicher Kommissär fungierenden Professor Dr. R. Fricke, Reci.or magnificus der Technischen Hochschule zu Braunschweig, statt. 01 Prüflinge haben dieselbe mit Erfolg bestanden. — An der - Samsonschule (berechtigtenRealschule) zu Wolfenbüttel fand die Schlnßprüfnng statt, die sämtliche Schüler (19) bestanden. — Die Finanzkommission der Württembergischen Kammer der: Abgeordneten hat bei Beratung des Kapitel 60 (Beitrag zur israelitischen Zentralkirchenkasse) . die. Erhöhung der Gehälter nach den Grundsätzen der allgemeiuen-Hehaltserhöhung vom Jahre 1901 unter Hinweis, daß eine Rechtspflicht des Staates hierzu nicht bestehe, bewilligt. Tie vorgeschlagene Erhöhung der Gehälter für israelitische Konfessionsschullehrer und Vorsänger wurde bis zur Aufbesserung der Lehrergehälter überhaupt zurückgestellt. — Der Professor für christliche Archäologie an der Berliner Universität Dr. Nikolaus Müller, ist mit der genauen Untersuchung und der Beschreibung der jüdischen Katakomben in Nom betraut worden, die mau vor einigen Wochen an den Hügeln von Monteverde nahe beim Bahnhof Trastevere wiedergefunden hat. Antonio Bosia hat sie Ende 1602 zuerst entdeckt, und im 18. und 19. Jahrhundert sind mehrfach Untersuchungen dort angestellt worden. Diese Katakomben liegen unter einem Solle Rosaro genannten Weinberg; dort wurde jetzt ein Eingang entdeckt. — Durch königliches Dekret sind zwei neue jüdische Senatoren für Italien ernannt worden, Cesare Sanguinetti, Präsident der Handelskammer zu Bologna, und Vita V olterra, Professor der Physik und Mathematik in Rom. Die Zahl der jüdischen Senatoren in Italien beträgt nun zehn. — In Paris ist Jacques Kahn, der frühere. Generalsekretär des dortigen Konsistoriums, im Alter von 90 Jahren gestorben. — Die Stadt Tülle hat beschlossen, einem 23jährigen Soldaten Namens Charles Lovy ein Denkmal zu errichten. Schon dessen Vater machte sich 1870 als tapferer Soldat einen Namen. Der Sohn widmete sich auch dem Soldatenstande. Nach zweijährigem Dienst wurde er in das algerische Tirailleurregiment versetzt, das nahe der marokkanischen Grenze stand; eine Kompagnie dieses.' Regiments hatte einen gefährlichen Posten bei Ksar-el-Azoudj zu besetzen. Hier wurde sie am 28. März 1903 von 150 Beduinen überfallen und fast gänzlich aufgerieben. Lovy deckte mit drei Kameraden den Rückzug, wobei er den Heldentod fand. — Im Jahre 1903 betrug die Zahl der jüdischen Bevölkerung Großbritanniens 262 000. Davon lebten in England und Wales 232 000 (in London allein 148 000), in Schottland 26 000 und in Irland 4000. Die Zahl der jüdischen Eheschließungen betrug in ganz Britannien 1894, d. h. 12,88 pro Mille. Da die Durchschnittszahl für die Gesamtbevölkerung 16 pro Mille betrug, so beweist die niedrige Ziffer der jüdischer! Eheschließungen, daß sehr viele Juden in England sich nur standesamtlich trauen lassen und so ihrer Registrierung durch das Rabbinat sich entziehen. — Die Redaktionen der jüdischen Zeitungen in Rußland haben sich dem „Fraind" zufolge telegraphisch an den Vorsitzenden der mit der Revision des Preßgesetzes betrauten Kommission mit der Bitte gewendet, die in Rußland übliche streiche Zensur abzuschaffen. — Die Petersburger Telegraphenagentur leistete sich wieder die folgende Mitteilung: „Wie es heißt, sind in Beresino von der jüdischen Bevölkerung Unruhen hervorgerufen, bei denen der Polizeikouunissar und ein Landpolizist erschlagen worden sind." O diese Juden! — In Warschau wurde der bekannte und beliebte Jargonschriftsteller I. L. Perez aus seinem Bette durch Soldaten ausgehoben und ins Gefängnis geschleppt. Er hatte es „gewagt", eine Erklärung jüdischer Studenten zu unterschreiben, in welcher die Errichtung jüdischer Schulen verlangt wird. — In Mo hi lew verbrannte kürzlich die Synagoge samt ihrer kostbaren Einrichtung. Da die Ortsseuerwehr zu dem Brande nicht erscheinen wollte und erst nach langen Bitten zu spät zur Stelle war. reichte der Rabbiner beim Polizeimeister eine Beschwerde ein. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Arreststrafe, weil er überhaupt eine Beschwerde eingereicht hatte. — Wie der „Regierungsbote" meldet, mußte die Behörde von Kisch inew am 4. uno 5. d. M. umfassende Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung treffen, weil für diese Tage Exzesse gegen die Juden angekündigt waren. Im Teehause „Ordagvn" wurden auch zahlreiche Personen verhaftet, bei denen Revolver und scharfgeschliffene Messer gefunden wurden. Soldatenabteilungen durchziehen jetzt bei Tag und bei Nacht die Stadt. - In den 5., 8. und 9. Jägerdivisionen, die sich in Port Arthur befanden, wie in den übrigen russischen Jägerregimentern, befinden sich sehr viele Juden. Die Zeitung „Poltawtschina" teilt nun mit, daß vor Ausbruch des Krieges ein Ukas erschien, der den Juden verbot, in Port Arthur , und auf der ganzen Kwantun- Halbinsel sich ansässig zu machen. Vor Abgang der Truppen aus Odessa waren nun einige neugierig zu erfahren, ob es auch Juden unter diesen Regimentern gibt, die berufen wurden, jene Grenzen zu beschützen, oder ob dieses Verbot auch auf die Soldaten eine Anwendung hat. Es erwies sich, daß in. vielen Regimentern sich 20 Prozent Juden befanden. Darauf wurde die Bewilligung nachgesucht, daß die jüdischen Soldaten' sich eine Thorarolle mitnehmen dürfen. Jetzt befindet sich dieselbe,, wie die Zeitungen berichten, bei den Japanern in Gefangenschaft. . .-Vv

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