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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-02-24 · Heft 8 (24.2.1905) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ein unparteiisches Grgan für alles jüdische Interesse. Berlin, 24. Februar 1905. 69. Jahrgang. No. 8. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements.Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streisband bezogen Vierteljahr!. 3 RI. Redakteur: Gustav Rarpeles. Begründet von Rabbiner D*- Ludwig Philippson. Verlags - Expedition: Berlin, Jernsalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf 2Nofse, Berlin. Lwei Lüchrr Berlin, 21. Februar, ie „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" ist mit ihren beiden ersten Werken auf dem Plan erschienen, und wir freuen uns sagen zu können, daß dieser erste Wurf gelungen ist. Seit Jahren ist es unser' heißester Wunsch, ein Werk zu erhalten, in dem das Wesen und die Bedeutung des Juden-' tums klar und anschaulich, auf wissenschaftlichen Prinzipien basierend, aber doch für jedermann verständlich und faßlich dargestellt werde. Der Vorstand hat es als seine vornehmste Aufgabe angesehen, ein solches Werk als die erste seiner Publikationen herauszubringen. Das.Buch von Dr. L e o B ä ck, Rabbiner in Oppeln: „Das Wesen des Judentums" (Berlin 1905, Nathansen & Lamm) wird, so glauben wir bestimmt, allen Anforderungen vollauf entsprechen, die man in dieser Beziehung zu stellen berechtigt ist. Es ist ein gutes, leicht verständliches und doch echt wissenschaftliches Werk. Wir erhalten einen Blick in eine Welt, die an sich selbst interessant ist, und für uns selbstverständlich ganz besondere Bedeutung hat. Sehr verständig hat Bäck sein Buch in drei Partien geteilt, von denen die erste den Charakter, die zweite die Ideen und die dritte die Erhaltung des Judentums sehr eingehend bespricht. In der ersten Abteilung wird zunächst die innere Einheit der jüdischen Geschichte und ihre Entwicklung in treffender Weise dargestellt. Die Bedeutung der Bibel, als des wichtigsten autoritativen Elements im Judentum, wird angemessen hervorgehoben. Es folgt dann eine ausgezeichnete Darstellung der Propheten-Religion und ihres Einflusses aus die Glaubensgemeinde. Der Autor ist mit allen Einsichtigen der Ueberzeugung, daß die jüdische Religion vor allen: eine' prophetische Schöpfung ist. Der Versuch einer Definition des. Wortes jüdische Religion kann sicherlich nur durch den Vergleich mit anderen Bekenntnissen gemacht werden. Es folgt naturgemäß die Idee der Offenbarung, aus deren ethischem/ Charakter mit innerer Notwendigkeit die Idee der Menschheit, der Gedanke der Weltreligion, hervorgehen mußte. Die Gedanken, die Bäck über die Mission des Judentums und über dessen Propaganda ausspricht, sind ganz vorzüglich, und ebenso ist seine Darstellung der Grundideen des Judentums eine vortreffliche. Zu diesen Ideen gehören vor allem der Glaube am Gott und der Glaube an den Menschen, d. h. der Glaube an uns, der Glaube an den Nebenmenschen und' an die Mensch-" heit, durch welchen das Dasein sein unendliches Ziel aus Erden/ gewinüt. Sind wir mit dem Verfasser bis dahin gelangt, so werden wir seine Anschauungen über die Bewertung des Judentums. nicht nur begreifen, sondern auch völlig billigen. Seine Aeußerungen über das Gesetz entstanunen aus einer tiefen Kenntnis der jüdischen Lehre, seine Hoffnungen auf die Zukunft entsprechen den Voraussetzungen, von denen er ausgegangen. Die Geschichte selbst, so sagt er, hat dem Judentum die Apologie geschrieben. Wo immer die Wahrheit siegte, die Gerechtigkeit triumphierte, dort hat das Judentum seine Wohlfahrt, das Verständnis und den Frieden gefunden. Von ihm gilt das Wort des jüdischen Weisen: „Der Anfang zeugt. für das Ende, und das Ende wird einst für den Anfang zeugen." Unser Heil und unsere Zukunft beruht auf der selbstlosen Gesinnung, auf der Hingebung, auf der Opserwilligkeit, auf den: religiösen Idealismus. Von diesem Idealismus ist das Buch Bäcks erfüllt, und wir sind der festen Ueberzeugung, daß es auf jeben ehrlich und unbefangen Denkenden unter den Nichtjuden einen guten Eindruck Hervorrufen, auf die Gebildeten unserer Gemeinschaft aber einen tiefen und nachhaltigen Einfluß ausüben muß. Die Hauptsache bleibt freilich die, daß es gelesen wird, und dafür werden alle zu sorgen haben, denen die Erhaltung des Judentums am Herzen liegt. Ein würdiges Seitenstück zu dem Buche von Bäck ist die Arbeit von Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher: „Das Judentum und das Wesen des Christentums" (Berlin 1906, M. Poppelauer). Es war ein sehr guter Gedanke des Vorstandes der Gesellschaft, diese beiden Werke zugleich erscheinen zu lassen. Das eine ist die notwendige Ergänzung des anderen. Zunächst galt es die Grundlagen darzustellen, auf welchen das Judentum beruht. Hierauf aber mußten die unterscheidenden Merkmale festgestellt werden, welche die Mutterreligion von den Tochterreligionen trennen. Wenn man von gegnerischer Seite behaupten wird, daß wir durchaus ein Gegenstück zü Harnacks „Wesen des Christentums" haben wollten, so stimmen wir dem gern zu. Den Schaden, der durch das Buch von Harnack in manchen jüdischen Kreisen verursacht wurde, haben wir niemals abgeleugnet. Im Gegenteil! Wir haben sehr oft und sehr entschieden darauf hingewiesen, daß dieses Buch vor allem geeignet sei, falsche und gefährliche Vorstellungen hervorzurufen und wir freuen uns herzlich, daß wir jetzt von zwei Seiten eine literarische Abwehr erhalten haben: eine positive, die das Wesen des Judentums darzustellen sich bemüht, und eine negative, die sich direkt gegen das Werk von Harnack richtet und unsere Anschauungen über diese Fragen zum Ausdruck bringt. Auch das Buch von Eschelbacher wird ohne Zweifel allgemeines Interesse erregen und, wie wir zuversichtlich hoffen, einen guten Einfluß äusüben. Zwar sind schon,- als das Buch von Harnack erschien, mehrfache

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