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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-02-10 · Heft 6 (10.2.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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elften Tag nach seiner Gefangenschaft gelang es ihm, in der Nacht zu entweichen. Die Japaner eilten ihm nach, schossen auf ihn, aber resultatlos. Hornstein erreichte glücklich das russische Lager, und bat, daß man ihn sofort dem Oberkommandierenden Vorstelten solle, General Kuropatkin. Nachdem er den Soldaten verhört und die ihm vorgelegte Zeichnung der Lage des Ortes durchsah, befahl er augenblicklich dem Sibirischen Regiment, einen Angriff zu machen; das Resultat desselben war, daß die Vorräte des Proviants und der. Munition in unsere Hände übergingen und teilweise vernichtet wurden- Horn stein "wurde für seine Heldentat zum Fähnrich ernannt und erhielt einen Orden. Amerika. bl. Newyork, im Januar. William Williams, der Einwanderungskommissär auf Ellis Island, der hiesigen Landungsstation für einwandernde Zwischendeckpassagiere hat seine Resignation eingereicht und Robert Watchorn, bisher Einwanderungskommissär in Montreal, ist an seine Stelle ernannt worden. Obwohl offiziell für diesen Wechsel keine Gründe angegeben werden, ist es doch bekannt, daß Williams der Härte wegen, mit der er die Einwanderungsgesetze handhabte, gehen mußte. Ganz besonders hat er sich unmöglich gemacht, daß er neulich mehrere hundert flüchtiger russischer Reservisten zur Rücksendung verurteilt hat. Trotzdem wird auch unter seinem Nachfolger die möglichste Restriktion der Einwanderung die Regel bleiben, obwohl er selbst ein geborener Engländer ist. — Am 7. d. M. verbrannte das palastartige Gebäude des jüdischen Jünglingsvereins in Neworleans, welches im Jahre 1896 mit einem. Kostenauswande von etwa 90000 Dollars errichtet worden war. Der Hausverwalter Maurice I. Faß fand in den Flammen seinen Tod. Am nächsten Tage bot der christliche Jünglingsverein dem obdachlosen Verein sein eigenes Gebäude zur freien Benützung an. — Von Msh und jfrrn. ----- Am 6. d. M. ist hier der Rabbiner am Beth-Hamidrasch, Abraham Biberfeld, im 73. Lebensjahre und am 4. b. M. der cm. Lehrer der Gemeindemüdchenschule Moritz Guttmann im 87. Lebensjahre gestorben. Ehre dem Andenken dieser Männer! — Von den im Jahre 1904 verliehenen Eh ejubiläumsmedaillen wurden 33 an Ehepaare jüdischer Religion verliehen. — Das neue Organ des Grafen Pückler „Der Retter aus der Iudennot" mit der Beilage „Graf Pücklers Kampfruf" wurde konfisziert. Es enthält neben kurzen antisemitischen Aufsätzen zwei Reden des Grafen Pückler, darunter eine „Ueber meine letzte Gerichtsverhandlung." Den Händlern in der Friedrichstraße wurde von der Polizei verboten, das neue Blatt zu verkaufen, da es konfisziert sei. — Von den 1381 im Jahre 1904 in Deutschland verbrannten Leichen waren 108 jüdisch. — Branddirektor Herrschet in Kulmsee, welcher auch längerer Zeit dem Vorstande der Shnagogengerrreinde arrgehört, hat bei dem Krönungsfeste den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — Eine Stiftung von einer halben Million Mark machte für humanitäre jüdische Zwecke Frau Bertha Schottländer, frühere Inhaberin der bekannten Manufakturwaren-Großhandlung B. Werner- Breslau. — In Magdeburg wurde am 22. v. M. Frau Dr. med. Sarah Wiesenthal, die Gattin des Heimgegangenen Vorsitzenden der Gemeinde, unter außerordentlicher Anteilnahme zu Grabe getragen. Die Verklärte, eine fromme und sehr wohltätige Frau, erfreute sich nicht nur in jüdischen, sondern auch in christlichen Kreisen einer hohen Verehrung und Beliebtheit. Sie war Inhaberin des Verdienstkreuzes und der Kaiser Wilhelm-Medaille. — In Siegen wurden in der Nacht zum 30. v. M. auf dem jüdischen Friedhof 14 Grabdenkmäler zertrümmert. — Anläßlich des Geburtstages des Kaisers erhielt der Augenarzt Dr. med. Herm. Wallerstein in Gelsenkirchen in Anerkennung seiner Verdienste um das rote Kreuz die Rote Kreuzmedaille III. Klasse. — Der Direktor des Instituts für experimentelle Therapie in Frankfurt, Geheimer Medizinalrat Dr. Paul Ehrlich ist zum Honorarprofessor an der Universität Göttin gen ernannt worden. Professor Ehrlich wird zwar seinen Wohnsitz in Frankfurt beibehalten, aber dennoch eine, wenn auch beschrankte Lehrtätigkeit in Göttingen ausüben. — Anläßlich der Ordensseier hat Herr Gabriel Scheuer in Saarbrücken den Kronenorden IV. Klasse erhalten. Derselbe ist seit 25 Jahren Vorstandsmitglied des dortigen Kriegervereins und seit langer Zeit auch Vorsteher der jüdischen Gemeinde. — -Durch einen bedauerlichen Irrtum ist in der vorigen Nummer der berühmte italienische Gelehrte Professor Jgnazio Guidi, hier genannt worden, der kein Jude ist. — Der Oberrabbiner von Rom hat den Vorschlag gemacht, einen italienischen Rabbinerkongreß einzuberufen. Der Vorschlag findet allgemeinen Beifall. — Der Oberstleutnant Mardochee Valabrägue in Paris, bisher Kabinettsches im Kriegsministerium, ist zum Brigadegeneral ernannt worden. — Ein Komitee besaßt sich mit der Gründung einer größeren Anzahl jüdischer Lesehallen für das Ostende Londons. — Unter den Opfern der russischen Kamarilla vom 22. v. M. befanden sich auch fünf Juden. Es sind, dies die Zahnärztin Gute Schachnowitsch, die Feldscherin Mirjam Berditschewskaja, die Männer Mosche Aron Berlunski, der Apothekerlehrling Sanvil Rabinowitsch und der Korrespondent der in Petersburg erscheinenden „Birshewije Wjedomosti", Hirsch Baranski. Der letztere war ein Zögling des jüdischen Waisenhauses in Poltawa. — Bei den letzten Unruhen in Warschau scheinen die christlichen Ladenbesitzer der Ansicht gewesen zu sein, daß der Antisemitismus eine Rolle spielte, denn sie malten große Kreuze auf ihre Türen und stellten mit Kerzen beleuchtete Heiligenbilder in die Fenster. Dies Mittel hat, wie der „Daily Mail"-Korrespondent behauptet, tatsächlich geholfen. Die Plünderer machten vor derartig gekennzeichneten Läden Halt und gingen nach einigem Zögern weiter. — In Lodz versuchten einige Polizeispitzel die Massen gegen die Juden aufzuhetzen, indem sie ein Gerücht von der Ermordung eines Geistlichen verbreiteten. sie wurden jedoch von den Ausständigen gemißhandelt. Hierauf sah sich einer der Anführer der Streikenden veranlaßt, vor einer mehrere tausend Köpfe zählenden Menge folgendes zu erklären: „Laßt Euch von den Bütteln nicht irreführen und behandelt die Juden wie Brüder. Sie sind unsere Leidens- und Gesinnungsgenossen, reicht ihnen die Hände zum, gemeinsamen Kampf gegen das autokratische Regime." — In den Ländern, die jetzt zur Türkei gehören oder früher zu ihr gehört haben, leben gegenwärtig nicht weniger als 2 180 000 Juden. Davon befinden sich auf dem Balkan 233 770, in Kleinasien 51 270, in Armenien und Mesopotamien 53 250, in Arabien 45 000, in Tripolis 17 500, in Aegypten 21 800 und in Palästina und Syrien 89 612. Von den Balkanstaaten zählt Serbien 6500, Griechenland 9000 und Bulgarien 33 663 und die europäische Türkei 184 637 Juden. Ferner wohnen aus den Inseln Cypern und Rhodos 5868 Juden. Ueber die Zahl der Juden in Palästina liegen neuere Daten nur aus 10 Städten vor. In Jerusalem bilden die Juden mit 28 838 Seelen 62,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die meisten Juden weist demnächst Safed auf, 7144 — 56,35 Prozent der Gesamtbevölkerung. An dritter Reihe steht Liberias mit 3205 — 63,46 Prozent. In Jaffa wohnen 2970, in Chaifa 2375 und in Hebron 1130 Juden. Es folgen Akka mit 130, Ramle mit 99, Gaza mit 75 und Nablus mit 31 Juden und 110 Samaritanern. Im' ganzen wohnen in den 10 Städten Palästinas 45 000 Juden unter 21 889 Christen und 117 833 Mohamedaner. Von diesen 45 000 Juden, zu denen noch 8000 jüdische Kolonisten und zerstreut lebende Juden hinzugerechnet werden dürfen, sind 24 438 Aschkenasim, 15 331 Sephardim. Der Rest besteht aus 2420 Marokkanern, 1228 Jemeniten, je 530 Perser und Bucharer und 670 Grusier. — Die Nation, die populärste Zeitung Argentiniens, schreibt: Eines der größten Geschäfte, die in den letzten Tagen abgeschlossen wurden, ist der Ankauf von 90 000 Hektar Land seitens der „Jca". Der Eigentümer dieses Bodens hatte ihn 1879 von der Regierung für 16 000 Pesos gekauft und nunmehr hat ihm die „Jca" 3 200 000 Pesos dafür bezahlt. Die „Jca" steht gegenwärtig auch noch wegen der Erwerbung von weiteren 135 000 Hektar in Unterhandlung. — In Matzujama. Provinz Jjo, Japan, sind gegen 100 jüdische Gefangene interniert die von der japanischen Regierung überaus gut behandelt werden, Sie haben eine provisorische Gemeinde gebildet, der es jedoch mit Ausnahme des Gemeindevorstehers, den die Gefangenen in der Person ihres Mitgefangenen Pinchos Rachesky sich gewählt haben,' so ziemlich an allem mangelt. .

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