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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-01-27 · Heft 4 (27.1.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 4 (27.1.1905)
Date
1905-01-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 ' i. Zlus der Pfalz, lm Januar. .Wenn auch das religiöse und geistige Leben der pfälzischen Gemeinden im allgemeinen sich in gewohnter und hergebrachter Weise in Stadt und Land abspielt, so macht sich doch hie und da ein besonderer Geist bemerkbar, der zum Teil durch die Gemeindevertretung seine Anregung findet. So hat in der Gemeinde Kaiserslautern — der größten in der Pfalz — der Shnagogenausschuß in voriger Woche einen Maimonides-Abend veranstaltet, d. h. Herr Bezirksrabbiner Dr. Landsberg hat es übernommen, auf eine vom Synagogenausschuß ergangene Einladung an sämtliche Gemeindemitglieder in einem mehr denn eine Stunde dauernden glänzenden Vortrage über Leben und Wirken von Moses Maimonides das zahlreich erschienene Publikum derart zu sesselu, daß dasselbe durch lauten Beifall seiner Freude und Anerkennung bekundete. Der rühmlichst bekannte und gefeierte Redner verstand es, in höchst anziehender und ganz eigenartiger Weise das Leben und Wirken des großen Maimonides in außerordentlich verständlicher und populärer Weise den Hörern derart vorzusühreu, daß seine Rede nicht bloß sehr lehrreich war, sondern eine eindrucksvolle Feier des Todestages von Maimonides bildete. Es ist darum sehr begreiflich, daß der Wunsch des Publikums, öfters derartige instruktive Vorträge aus dem Munde des Herrn Dr. Landsberg zu hören, laut zum Ausdruck gebracht wurde. Gesterreich-Ansarn. LH Wien, 23. Januar. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Prag hat sich an den Stadtrat mit dem Ansuchen um Erhaltung des alten jüdischen Rathauses gewendet, welches ein architektonisches Denkmal und ein passendes Seitenstück der denkwürdigen Alt-Nen-Synagoge ist. Die Angelegenheit wird den Gegenstand einer Verhandlung mit' den Vertretern der Kultusgemeinde bilden. Auch wird ein Gutachten von Fachmännern eingeholt werden. — Am 27. Januar (21. Schebat) d. I. feiert Rabbiner Moses Bloch, Vorsitzender des Professorenkollegiums der Landesrabbinerschule in Budapest den 90. Geburtstag in voller Geistes- und Körperfrische, den Lehrberuf nach wie vor erfüllend mit dem größten Pflichteifer. — Dem „Pesti Hirlap" zufolge herrscht in der Wahlkommission der liberalen Partei, an deren Spitze Staatssekretär Sündor steht, das Streben, daß möglichst wenig Juden in das ungarische Parlament gewählt werden. Die bisherigen jüdischen Abgeordneten- Wolfner, Neumann, Reval, Weisz, erhalten kein Mandat mehr. Die jüdischen Abgeordneten Mandel, Nemes, Nagy, stehen zu schlecht, daß an eine Wiederwahl faxt nt zu denken ist. Nur die Wahl der Abgeordneten Rosenberg und Sündor gilt als gesichert. Allerdings steht es um die Sache der jüdischen Kandidaten der Opposition ebenso schlecht, da diesen außerordentlich starke Kandidaten der liberalen Partei entgegenstehen. Von Ksh und jfrrn. — BeimKrönnngsfeste erhielten Orden: Professor Dr. Landauer- Straßburg, Stadtrat Weigert, Kaufmann Ja c ob Weinberg, Moritz Rosenow-Berlin, den Roten Adlerorden IV. Klasse; Geh. RatLieb ermann-Berlin, Iustizrat Dr. Rießer-Berlin den Kronenorden II.Klasse; Professor Breß lau-Straßburg. Professor Dr. Hermann Munk- Berlin den Kronenorden HI.Kl.; Dr. S o bernh eim-Berlin den Kronen - orden IV. Kl. — Gegen das Urteil des Landgerichts im letzten Prozeß haben Graf Pückler und Mitsching Revision eingelegt. Pückler soll wirklich den Landgerichtsdirektor Kanzow zum Duell fordern wollen! Pückler will jetzt noch öfter als bisher in Berlin seine Versammlungen - abhalten. Doch wurde ihm am Mittwoch wieder das Reden verboten. — In Memel wurde Dr. Jsaac Stein, welcher seine Ausbildung am Rabbinerseminar zu Berlin erhalten hat, einstimmig zum Rabbiner gewählt. — Auch die Hörer der technischen Hochschule zu Braunschweig haben kürzlich gegen die russischen Studierenden demonstriert. Darauf hat jetzt der Rektor erwidert: Wem es hier nicht passe, der könne eine andere Hochschule aufsuchen. Eine Studentenversammlung beschloß darauf, den Rat nicht zu befolgen, sondern den Kampf gegen die Russen unentwegt sortzuführen. — In Endenich-Bonn feierte das Ehepaar M. Appel in voller Rüstigkeit und unter allgemeiner Teilnahme das Fest der goldenen Hochzeit. 11 Ortsvereine veranstalteten am Vorabend ctneii Fackelzug. In der Synagoge hielt Prediger Oscherowitz eine ergreifende Festrede. Rabbiner Dr. Kalischer überreichte sodann die vom Kaiser gestiftete Ehejubiläumsmedaille. Ein Festessen und Ball beschloß die Feier. — Am 9. d. M. wurde der frühere Professor Geismar vom ehemaligen Lyzeum in Straßbnrg, zuletzt in Reims wohnhaft, im Alter von 92 Jahren auf dem Straßburger Friedhofe zur letzten Ruhe bestattet. — Zu dem projektierten Gesetz über die Sonntagsruhe hat das Zentralkonsistorium der Israeliten Belgiens der Kammer eine Petition unterbreitet, in welcher gebeten wird, durch eine besondere Bestimmung Vorsorge zu treffen, daß die jüdischen Geschäftsleute, welche fast durchweg an der Heilighaltung des Sabbats festhalten, und an diesem Tage ihre Geschäfte schließen, nicht gezwungen werden, noch einen zweiten Tag ihre Verkaufsräume geschlossen zu halten. — Der Generalinspektor der Brücken Auguste- Michel-Lev y ist zum Professor der Naturgeschichte am College de France in Paris ernannt worden. Derselbe ist auch Mitglied des israelitischen Konsistoriums zu Paris. Das Colleg zählt sechs jüdische Professoren: I. Oppert für Assyriologie, M. Breal für Philologie, Maurice Levy für Astronomie, Splvain Löpy für Sanskrit, M. Bergson für Philosophie. Das Institut de France zählt in seinen fünf verschiedenen Akademien 14 jüdische Mitglieder. — Der Professor für christliche Archäologie an der Universität Berlin Dr. Nikolaus Müller hat in Rom eine neue jüdische Katakombe entdeckt und ist mit ihrer Durchforschung beschäftigt. — Die jüdische Bevölkerung Großbritanniens beziffert sich ans 184 000, von denen 128 000 in London, die restlichen 56 000 in anderen englischen Großstädten leben. Bemerkenswert niedrig ist die jüdische Todesrate im Vergleich zu der der eingeborenen Bevölkerung, denn sie stellte sich im verflossenen Jahre in Manchester aus 55,88 gegen 72.50 im Tausend. In anderen Städten beträgt sie durchschnittlich 16,99 gegen 21,78.—In der Oktobernummer der „Jewrejskaja Schisnj" (Jüdisches Leben") weist B. Goldberg an der Hand der im russischen Grenzzolldepartement gesammelten amtlichen Ziffern nach, daß in denJahren 1901 und 1902 von 100verurteilten Schmugglern durchschnittlich 57,3 Katholiken, 27,5 Orthodoxe und nur 9,0 Juden, 3,7 Lutheraner und 1,7 verschiedenen Religionen Angehörige waren. — Den Inhabern von jüdischen Theatern in Rußland sollen auf Anordnung des Zaren keinerlei Schwierigkeiten mehr in den Weg gelegt werden. Der Erlaß erfolgte angesichts einer Petition des Schauspielers Fischsohn. Es handelt sich hier nur um die Jargontheater, die Graf Jgnatieff 1886 auf die Klage eines Missionars verboten hatte. — In Riga veranstaltete am 19. d. M. eine Anzahl jüdischer Einwohner und Studierender auf dem Alexanderplatze eine Kundgebung unter Entfaltung einer roten Fahne. Auch wurden Aufrufe verbreitet. Beim Erscheinen der Polizei feuerten die Teilnehmer an der Kundgebung einige Schüsse ab und gingen dann auseinander. Verwundet wurde niemand. Sieben Studenten wurden sestgenommen. So berichtet die russische Telegraphenagentur! Also Vorsicht! — In Göra Kalvarye ist im Alter von 57 Jahren einer der .gefeiertsten Chassidim-Rabbis, L. Alter, gestorben. Die. Trauer um ihn ist in Polen eine allgemeine. — General Trepow ist nicht mehr Oberpolizeimeister von Moskau und die dortigen Juden dürfen ausatmen. Trepow war es, welcher kranken Juden verbot, in den Moskauer Kliniken Heilung suchen zu dürfen; er war es auch, welcher jedem Polizisten für die Auffindung eines, „ungesetzlich" sich in Moskau aushaltenden Juden den Betrag von zehn Rubeln auszahlen ließ. — „Libre Parole" hat bereits herausgebracht, daß der Pope Gapon, der Führer der Arbeiterdeputationen in Petersburg, ein „Odessaer Jude Namens Zalomy" sei!! — Der Großrabbiner von Oran, M. Netter, hat seine Demission gegeben. Derselbe wird, wie es heißt, an die Spitze des rabbinischen Betdin treten, das in,Paris geschaffen werden soll. — Das Konzil der jüdischen Gemeinden Amerikas findet am 17. Februar in Chicago statt. — Seit dem 1. Januar sind 1000 Einwanderer in Newyork abgewiesen worden, größtenteils russische Juden. Der Prozentsatz der Abgewiesenen betrug 8 p. H. gegen früher llM v. H. — Im Alter von 70 Jahren starb in Newyork K. H. Sara so hu, Begründer und Eigentümer der Jewish Daily News und der New- Zork Jewish Gazette. .

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