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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-30 · Heft 53 (30.12.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 53 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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' DMeHhandstage. - Aus der hierauf vorgenommenen Neuwahl de'SMnS-^ - schüfses< gingen!? hervor: Engerer Ausschuß : Schmal-Ludwigsburg, G Vorstand, Preßburger-Kreglingen, Schriftführer, Metzger-Kannstatt, ' Kassierer. Weiterer Ausschuß: Frank-Weikersheim, Hähnlein-Hall,? Spätz-Rexingen, Uhlmann-Gmünd. Möge es dem Verein an freundx lichen Gönnern auch fürderhin nicht fehlen! e. Aus dem Elsaß! 16. Dezember. Dem Holzgravierer Henri i Wolfs in Newyork wurde auf der Weltausstellung in St : Louis vorn obersten Preisgericht für die Verdienste, die er sich um die Holzk schneidekunst erworben, der große Preis zuerkannt. Wie die „Str.? Post" dazu bemerkt, ist Herr Wolfs im Jahre 1852 in Eckwersheim! im Elsaß geboren, genoß seine Ausbildung in der Straßburger? israelitischen Gewerbeschule und ging 1871 nach Amerika, mm u sich in Newyork eine zweite Heimat zu gründen. Durch Fleiß und i Ausdauer gelang es ihm, sich, zu einem der ersten Künstler in der: neuen Welt emporzuschwingen, Kaum einer vermochte wie er durch? Holzschnitt die Kunstwerke der alten und neuen Meister wieder-? zugeben und deren innerstes Wesen zum Ausdruck zu bringen. Das. Museum in .Straßburg besitzt eine stattliche Anzahl von Arbeiten, die! Wolff auf Veranlassung des Dr. Levy, des Präsidenten des Ver-? wältungskomitees der israelitischen.Gewerbeschule, gespendet hat. — Der? kaiserliche Statthalter hat 3000 Mark zum Bau des neuen Anstalts-> gebäudes der israelitischen Gewerbeschule in Straßburg gespendet. . : Gesterretch-Ansarn. lH Wien, 26. Dezember. Der niederösterreichische Landtag! nahm nach längerer Debatte die vom Landesausschuß zu der jüngsten? klerikalen Schülnovelle vorgeschlagenen, dem Wunsche der Regierung? entsprechenden Abänderungen an. Während der Sitzung kam es zu! großen Lärmszenen zwischen dem sozialistischen Abgeordneten, Lehrer i Seitz, der das im Gebiete des Klerikalismus abgefaßte Gesetz auf das j heftigste bekämpfte, und dem christlich-sozialen Bielohlawek. Die! Galerie, auf der die bekanntesten Wiener Antisemiten zu sehen waren-- nahm an den Vorgängen im Saale lebhaften Anteil, und so oft; Juden oder Sozialisten beschimpft oder dem Abgeordneten Seitz wie! einem Straßenköter das Wörtlein „Kusch" zugeschleudert wurde,! johlte die Galerie Beifall, trommelte oder strampelte mit den Füßen.! Der Vorsitzende Landmarschall war dem Treiben der Galerie gegen-; über ohnmächtig. Beim Schlußworte des Referenten rempelte? Dr Geßmann aber auch die.Protestanten an, indem er sich unter,' lärmender Zustimmung der Mehrheit gegen die Vertreter der Protestantischen Gemeinden mit den Worten wendete: „Jetzt laufen einige protestantische Pfarrer in den Ministerien herum und tun so, als obes sich um Christenperfolgungen handelt. Ich bitte die Herren zu bedenken, daß auch.die Geduld der katholischen Bevölkerung, von der, die Protestanten nur' den vierzigsten Teil bilden, reißen könnte.^ Diese Herren Protestanten mögen es nicht zu weit treiben." Mögen sich das die protestantischen Antisemiten in ihr Stammbuch schreiben!? — Großes Aufsehen erregt hier die widerrechtliche Taufe eines? Mädchens. Die sechsjährige Tochter des hiesigen Rechtsanwalts Dr. Mandelbaum wurde von ihrer Gouvernante in ein Kloster gebracht, dort getauft und dann wieder ihren Eltern zurückgestellt.? Die Gouvernante entpuppte sich, als das Kind den Vorfall zu Hause? erzählte, als Mifsionarin. — Der bekannte Kinderkliniker Professor Robert Raudnitz in Prag wurde bisher trotz verschiedener Be-s rufungen vom Ministerium wegen Konfessionslosigkeit nicht ernannt.: Erst jetzt erhielt er den Titel eines außerordentlichen Professors, zugleich mit drei jüdischen Dozenten: Heinrich Kisch (Balneologe),? Alfred Cohn (Hiftologe), Rudolf Fischl (Pädiater). — In Prag ist im Alter von 72oJahren der Prager Advokat, Dr. Moritz Lichtenstern, Obmann der Repräsentanz der Landesjudenschaft des König-! reichs Böhmen, gestorben. Von Ksh und jfern. --- Dem ordentlichen Lehrer an der Königlichen Akademischen Hochschule für Musik in Charlottenburg Ludwig Hirschberg ist der 'Titel „Professor" und dem Dirigenten des Blochschen Gesangvereins? und des Synagogenchors der Heidereutergasse Georg Bloch in Berlin der Titel „Königlicher Musikdirektor" verliehen worden. —> Das 25 jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit, als Professor an der Berliner Universität feierte am 24. d. M. Geh. Medizinalrat Prozessor Dr. Hirschberg,'der berühmte Augenarzt. — Seinen 70. Geburtstag ' feierte am 26. d. M. der allgemein geschätzte Geh. Sanitätsrat Dr. A. Ba er hier, der sich durch hygienische und anthropologische Studien einen guten Namen gemacht hat. Dem Direktor des Statistischen Amts der Stadt Schöneberg Dr. Heinrich Silbergleit ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden. — Kommerzienrat Emil Jako b ist zum Geh. Kommerzienrat- Herr Siegmund Borchardt zum Kommerzienrat ernannt worden — Nach den letzten amtlichen Feststellungen wohnten im preußischen Staate insgesamt 392 322 Juden oder 1,14 v. H. der Gesamtbewohnerschaft. Diese Verhältniszahl, ist in-den letzten zwanzig Jahren stetig zurückgegangen, denn es wurden 1-880: 1,33, 1885: 1,29, 1890: 1,24 und 1895: 1,19 v. H. Juden im Staate ermittelt. — Auch der letzte Versuch des Grafen P ü ckler, in Berlin zu Worte zu kommen, ist gescheitert. Jüngst hielt die „Pückler-Vereinigung" in der Ton? Halle eine „Vereinssitzung" ab, zu der Graf Pückler erschienen war, wohl in der Absicht, hier im geschlossenen Verein zu reden. Die Polizei war aber erschienen, und dem Grafen wurde noch vor Eröffnung der Sitzung mitgeteilt, daß er unter keinen Umständen das. Wort ergreifen dürfte, sonst würde man die Vereinssitzung auflösen. — Der allgemein bekannte Damenmäntelschneidermeister P h i l i p p Arndt feierte am 25. d. M. mit seiner Ehefrau Henriette geb. Salomon das seltene Fest der goldenen Hochzeit, Der Jubilar steht im Alter von 75 und die Jubelbraut von 78 Jahren. — Dem emeritierten Lehrer Isaak. Fauerbach zu M.-Gladbach, bisher zu . Eiterfeld im Kreise Hünfeld, ist der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen worden. — Am 21. d. M. feierte in Hamburg Herr Gustav Tuch feinen 70. Geburtstag, ein Mann, dessen philantropifches Wirken überall bekannt ist und gewürdigt wird. — Zur Gründung eines jüdischen Alters-und Siechenheims in der Provinz Ostpreußen ist ein mit den bekanntesten Namen aus Stadt und Provinz Unterzeichneter Aufruf erlassen und es ist auch bereits eine recht ansehnliche Summe an einmaligen Spenden wie an laufenden Jahresbeiträgen zusammengekommen. — Dr. Otto Loewi, Privatdozent der Arzneimittellehre an der Universität Marburg, ist zum Professor ernannt worden. — Auf dem jüdischen Friedhof in Hahnheim wurden in der letzten Woche 10 Grabsteine teils umgestürzt, teils total zertrümmert. Die Untersuchung hatte bis jetzt kein Ergebnis. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat auf Ermittlung der rohen Täter eine Belohnung von 50 Mark ausgefetzt. — Rabbiner Dr. Kurrein in Teplitz, der gleichzeitig Religionslehrer am Staatsgymnafium ist, wurde vom Unterrichtsminister der Titel „Professor" verliehen. — In Padua starb der Oberrabbiner Eude Lolli, Professor der hebräischen Sprache an, der dortigen Universität, ein Schüler S. D. Luzzatos, einer der gelehrtesten Rabbiner Italiens, in hohem Greisenalter. Ehre seinem Andenken! — Eirm Reihe aufreizender Artikel des Antisemiten Kruschewan im Bessarabez veranlaßte die Vertreter der Juden in Kischiuew eine Audienz Leim Gouverneur und beim Erzbischof nachzusuchen. An den Straßenecken wurden Plakate mit einem Aufruf des Gouverneurs zur Wahrung der Ruhe angebracht. Am 20. Dezember begann vor dem Appellhof eine neue Reihe von Prozessen, die von der vorjährigen Judenhetze herrühren. — Der Minister des Innern untersagte das Erscheinen der Zeitung „Besfarabze" in Kischinew auf die Zeit von drei Monaten. — In Hornel werden feit einigen Tagen bei den Juden Hausdurchsuchungen vorgenommen, wobei mehrere Juden verhaftet wurden. Die Maßregel geschieht unter dem Vorwände, daß man Ruhestörungen seitens der Juden (!) anläßlich der in Hornel und Umgebung bevorstehenden Mobilisierung befürchte. — Wenig bekannt dürfte sein, daß in den letzten Jahren Tausende von russischen Bauern zum Judentum übergetreten sind; wie das offizielle Organ der Missionsabteilung der russischen Heiligen Synod ,Wssion jornsjs Ob osrenjs" mitteilt, finden sie sich besonders zahlreich im Gouvernement Astrachan. Sie wandern zahlreich nutz und in den jüdischen Kolonien in.Palästina finden sich viele dieser „Gerirn", so in Sedjera und Beth-Dagon, wo. ein Drittel der Bevölkerung aus solchen Neujuden besteht, die sogar schon hebräisch als Umgangssprache sprechen sollen.

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