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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-16 · Heft 51 (16.12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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68. Jahrgang. No. 51: Koriin, 16. Dezember 1904. eitung desIuoenlums. Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements -Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 2 M. R«dc»kte«r: Gustav Rarpele». Begründet von Nabbine» S*- Ludwig Philixpson. Verlags-Expedition: Berlin, Jernsalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Dir Wuswsndrrung. Berlin, 13. Dezember, us der Frankfurter Tagung ist beschlossen worden, der Frage der -Emigration der Juden des Ostens durch ein internationales, in Berlin zu errichtendes Bureau näher zu treten. Es dürste daher jetzt sicher der Hinweis interessieren auf eine wissenschaftliche Arbeit, die sich im allgemeinen mit der „Auswanderung nach Amerika in den Gouvernements des Zartums Polen" beschäftigt. Die unter der Redaktion des Professors G. Simonenko -vor einigen Jahren erschienenen Arbeiten des Warschauer statistischen Komitees stellen zunächst mit wissenschaftlicher Präzision die Tatsache fest, daß alljährlich aus Polen ebensoviel Christen wie Juden auswandern. Diese Feststellung ist jetzt doppelt wichtig, weil wiederholt in hervorragenden deutschen Blättern, selbst liberaler Richtung, Korrespondenzen . auftauchen, wonach die Emigration der Juden im jetzigen Moment von der russischen Regierung übel gedeutet werden könnte. So stand in der „Bossischen Zeitung" wörtlich zu lesen in einer Korrespondenz aus Petersburg, daß im Gegensatz zu dem „modischen Judentum" gerade die vom Minister von Plehwe verfolgte Sekte der Lhassidim sich jetzt zur Verhütung der Desertion als besonders staatstreu erweise, und daß diese Tatsache zukünftig sicher die Stellung der Regierung zu den Juden in Rußland beeinflussen müsse. Von der furchtbaren geschäftlichen Depression, die dort herrscht, als Ursache der Emigration dort kein Wort! Dagegen in einer anderen Korrespondenz desselben Blattes noch die wundersame Mär, daß sich wohl Juden und Polen in besonders großer Zahl, dagegen keine Litau er dem Kriegsdienst drüben durch Auswanderung entziehen. Gegenüber diesen äußerst schädlichen tendenziösen Ausstreuungen sind die von jenem Komitee festgestellten amtlichen Zahlen am Platze (vergl. Simonenko S. 202): „In den Jahren 1882 bis 1889 betrug die Zahl der christlichen Auswanderer aus dem Gouvernement Suwalki 4183, der Juden 4584." Diese Zahlen sind von dem unter dem Vorsitze des Warschauer Generalgouverneurs arbeitenden statistischen Komitee einstweilen nur für jene Jahre festgestellt. Es kamen in den letzten Jahren dort, im ganzen von Emigranten auf 1000 Einwohner 3,6 Christen und 7,6 Juden. Daß diese Emigration in der Tat großen Segen stiftet, geht aus folgender, in der amtlichen Arbeit ebenfalls genau.belegten Tatsache hervor, daß allein vom 5. Dezember 1890 bis 15. Mai 1891 in die 6 Grenzgouvernements von Amerika monatlich 46 000 Rubel eingesandt worden sind. Auf die bis zu 90 Prozent dicht von Juden besetzten Gouvernements Suwalki und Lomsa kamen dabei für die obengenannte kurze Zeit allein ca. 57 000 Rubel. Wieviel von diesen gesparten Kapitalien der Emigranten auf Juden, wieviel auf Litauer kommt, ist leider nicht gesagt. Bei der Emsigkeit, der Intelligenz und dem Spartrieb der Juden, dürften gerade sie bei einer genaueren Rubrizierung, die postalisch nicht gut feftzustellen ist, nicht zu kurz kommen Eher werden wohl die oben erwähnten Summen zu klein sein. ( Aber auch in moralischem Sinne gereichte bisher die Emigration nicht nur den Juden, sondern auch ihren ehemaligen Landesgenossen zum Segen. In Amerika überzeugte sich der Litauer, daß jede Nation ohne Ansehen ihrer internationalen und staatlichen Stellung ihre 'Existenzberechtigung hat, er begann dort ebenso wie der Jude Handel und Gewerbe zu treiben und das beste Zeichen, daß auch er sich aus der moskowitischen Versumpfung zu erheben begann, ist der bis dahin für die litauischen Bauern ungeahnte Aufschwung, daß diese in der Heimat stumpfen Emigrierten sich in Plymouth (Pennshlvanien) eine eigene Zeitung und die Anfänge einer eignen Aufklärungsliteratur begründeten. Was aber aus dem tüchtigen Juden, dem Litwak, drüben jenseits des großen Teiches mitunter für bedeutende Menschen zu machen sind und daß es dort im Newyorker Ghetto an eigenem geistigen Leben, ja sogar an einem mehr oder weniger guten „jüdischem Theater" nicht fehlt, ist bekannt. Wohin und wie demnächst der Strom der jüdischen Emigration zu lenken sein wird, dafür Mittel und Plan zu finden, wird eine der Aufgaben des internationalen Bureaus sein, dem wir eine segensreiche Entwickelung wünschen. Es handelt sich um das Wohl und Wehe von Hunderttausenden unserer Brüder, ja, wenn die Emigration infolge des durch den Krieg geschaffenen Elends ohne solche Maßregeln die östlichen Grenzen überflutet, um unser eigenes Wohl direkt mit. Als nach den auf die Ermordung der Zaren Alexander II. folgenden südrussischen Unruhen große Auswandererströme die österreichische und deutsche Grenze anfangs planlos überfluteten, drohte der Minister von Puttkamer damals, die preußische Grenze für Emigration zu sperren. Mit Mühe erreichte es die Intervention des sel. Justizrats Makower, daß die vor den Progromen flüchtenden Eltern auf der Fahrt nach Amerika hier passieren durften, daß aber die wohlbegäbten Kinder der ihrer letzten Habe Beraubten in einem besonderen Erziehungsheim in Pankow, bei Berlin soweit zu Handwerkern vorgebildet werden konnten, bis auch sie sich im Auslande selbständig ihr Brot

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