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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-02 · Heft 49 (2.12.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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und Zurufe zu kränken versuchten, welche die- Offiziere anhörten, ohne den Mannschaften diese Ungehörigkeiten zu verbieten. Herrn Dillos ist darauf folgendes, von Homberg, 19. September d. I. datiertes Schreiben zugegangen: „43. Infanterie-BrigadeJ.-Nr. 61 P. Euer Wohlgeboren erwidert die .Brigade auf das Schreiben vom 16. d. M., daß sie mit aufrichtigem Bedauern: von geschilderten Vorgängen Kenntnis genommen und . die unterstellten Regimenter angewiesen hat, dafür Sorge zu tragen, daß derartige Vorfälle sich nicht wiederholen. e. Frankfurt a. M., 21. November. Es ist interessant, daß nach dem Tode des Professors Karl Weigert nachträglich in der medizinischen Fachpresse ein Disput entstanden ist. Die Biographen des verdienstvollen Gelehrten waren um die für die deutsche Wissenschaft so beschämende Tatsache, daß nach seines Lehrers Cohnheim Tode für einen der hervorragendsten Pathologen seiner Zeit kein akademischer Wirkungskreis sich fand', mehr oder minder scheu herumgegangen, obgleich der wahre Grund' hierfür, die Konsessionalität Weigerts, die er nicht ändern wollte, unter den Fachgenoffen eine längst bekannte Tatsache ist. Darob von einem Kenner der Vorgänge, die sich damals hinter den Kulissen abspielten, zur Rede gestellt, macht Professor Lu barsch, einer der Biographen Weigerts, zur Entschuldigung des damaligen Verhaltens der Leipziger Fakultät geltend, daß „es in Sachsen, ebenso wie in Mecklenburg und Braunschweig ausgeschlossen war und noch ist, die Anstellung eines Juden zum besoldeten Staatsbeamten durchzusetzen; in Mecklenburg wie auch in Braunschweig teilen die Katholiken dieses Schicksal." „Deswegen", so fährt Lubarsch fort, „waren auch-die Versuche von Ernst Leberecht Wagner (seinerzeit ein sehr bekannter Kritiker), der beim König mehr galt als die gesamte Leipziger Fakultät, durch persönliche Vorstellungen für Weigert etwas zu erreichen, erfolglos." is. Mainz, 16. November. Der israelitische Hospital- Neubau mit Pfründnerhaus wurde gestern in Anwesenheit der Spitzen der Behörden seiner Bestimmung übergeben. Der Vorsitzende des Komitees Eduard .Simon begrüßte die Versammlung in längerer Ansprache. Hierauf sprach der Chefarzt des neuen Hospitals Dr. Heßdörfer. Justizrat Dr. Ferd. Ph. Mayer begrüßte die Anwesenden namens des israelitischen Gemeindevorstandes und der Baukommission. Geh. Regierüngsrat Dr. Neidhardt-Darmstadt drückte über die beiden vorzüglich eingerichteten Gebäude seine.Anerkennung aus. Provinzialdirektor von Gagern sprach namens der Negierung, Oberbürgermeister Dr. Gaßner namens der Stadt. Aus der Rede des Regierungsvertreters heben wir folgende Sätze hervor: Auch die Regierung sei mit großem Vergnügen hierhergekommen, um der Einweihung des schönen Hauses beizuwohnen, und sie drücke den Errichtern desselben und allen, die zur Verwirklichung des edlen Planes beigetragen, ihren herzlichen Dank aus. Das fertige Haus sei ein Beweis dafür, daß die Israeliten unserer Stadt nicht engherzig sich absperren, sondern in edler Weitherzigkeit die Tore ihres Krankenhauses jedem ohne Unterschied des Glaubens .öffnen, der hilfesuchend bei ihnen anklopfe.. Er empfehle das Werk der Nachahmung. Nachdem die Erschienenen die Anstalt eingehend besichtigt und ihrer Befriedigung Ausdruck verliehen hatten, schloß die Feier. a. Ans dem Elsaß, 20. November. Am 3. d. M. stürzte der Pferdehändler Heimendinger aus Kolmar bei der Station Remillh aus dem Schnellzug Basel—Ostende und wurde von einem aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Güterzuge überfahren. Da bei dem ausgefundenen Leichnam kein Geld gefunden wurde, nahm man anfangs einen Raubmord an. Die Untersuchung ergab jedoch,, daß der Unglückliche infolge eines Unfalls ans dem Abteil gestürzt und so dem gräßlichen Tod anheimgefallen war. Sein Sohn, der mit ihm fuhr, war eingeschlafen und vermißte seinen Vater erst später bei . seinem Erwachen. — Seit Beginn dieses Monats erscheint in' Straßburg eine jüdische Wochenschrift. Ob danzit einemdringenden Bedürfnis abgeholfen werden soll, entzieht sich unserer Kenntnis^' Unseres Erachtens dürften die vorhandenen Zeitschriften für' die hiesigen Verhältnisse vollständig ausreichen, wenn für deren Verbreitung gesorgt würde, und die Mitarbeiter des neuen Blattes ihre Kräfte in deren Dienst stellten. F. Augsburg, 24. November. Hier ist einer unserer geachtetsten und beliebtesten Mitbürger, Herr Michael Haas, nach längeren:, mit größter Geduld und Gottergebenheit ertragenen Leiden in seinem 78. Lebensjahre sanft verschieden. Die Biederkeit .und Lauterkeit seines Charakters, sein ehrwürdiges, bescheidenes, äußerst sympathisches Wesen, gewannen dem edlen Mann die allgemeinste Hochachtung und Verehrung. Was ihm aber zur besonderen Zierde gereichte, das war jene, in unserer heutigen Zeit leider immer seltener werdende, ungewöhnliche Kenntnis unseres herrlichen hebräischen Schrifttums, jene innige Freude, die ihn beseelte, sobald er nur Gelegenheit finden konnte über dasselbe zu sprechen. Die sittliche Höhe, zu der sich der edle Verblichene während seines tatenreichen, gottgefälligen Lebens emporgeschwungen hat, sichert ihm für alle Zeit das ehrendste Andenken. Gesterretch-Anssrrr. LH Wien, 28. November. Auch hier haben wir eine Wahlbewegung. Auch hier gibt es verschiedene Parteien. Aber ebensowenig wie bei Ihnen spielen hier die religiösen Unterschiede wirklich eine Nolle. Es handelt sich für die einen wie für die anderen n u r darum, ein Ehrenamt zu erlangen. Das einzige Novum ist hier, daß man dem' Zionismus offiziell entgegenkommen und ihm ein Mandat einräumen will, indem man den Architekten Oscar Marmorek als Kandidaten ausstellte, dessen Wahl auch zweifellos erfolgen wird. Wer hier am meisten schreit, gewinnt den Sieg — bei den Juden sogut wie bei Christen! — Rabbiner Dr. Simon Stern in Saaz wurde als Religionslehrer am k. k. Staatsghmnasium der Titel eines k. k. Professors verliehen. — In Krakau ist der allgemein bekannte Rabbiner Ch. L. HoroWitz nach kurzer Krankheit im Alter von 53 Jahren gestorben. Mit dem Verblichenen sinkt einer"der hervorragendsten Talmud-Gelehrten unseres Landes überhaupt ins Grab. Das Leichenbegängnis fand unter Beteiligung Tausender statt. Sechs Rabbiner hielten Trauerreden. Ehre seinem Andenken! — In Budapest sprach am 19. d. M. beim Unterrichtsminister Berzeviczy eine Abordnung des Landesvereins jüdischer Lehrer vor, um ihn aus Anlaß der Reform des Volksschulgesetzes zu begrüßen. Der Führer der Deputation Philipp Csukasi, sprach den Dank der Juden für die energische Inangriffnahme, der Magharisierung ans und betonte, daß sie mit frohen Hoffnungen in die Zukunft blicken. Gleichzeitig legte er dem Minister die Bitte vor, daß die jüdischen Schulen in disziplinärer Hinsicht auch weiterhin direkt der Autonomie der Komitate untergestellt bleiben mögen. Der Minister äußerte in seiner Antwort große Befriedigung über die Anerkennung, welche ihm bisher noch von keiner Seite so ausgiebig zuteil wurde, wie seitens der Judenschaft, welche für das Wohl des Vaterlandes stets das größte Verständnis zeigte. 8 Budapest, 18. November. Dem hiesigen Architekten Sigmund Quittner, der zu den hervorragendsten Architekten der Hauptstadt gehört, wurde als Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten der ungarische Adel, und der langjährigen Präsidentin des israelitischen Frauenvereins in Nagy-Kainzsa, Frau S. Vibor, geb. v. Gutmann, ein hoher Orden verliehen. — Der Oberrabbiner Dr. Moritz Löwh in Temesvar feierte am 12. d. M. sein 25 jähriges Amtsjubiläum. — Gegen den § 7 des neuen Volksschulgesetzentwurfes, wonach Kinder unter acht Jahren eine Religionsschule nicht besuchen dürfen und Schulen, wenn in ihnen mehr als zwei Stunden täglich unterrichtet wird, als Winkelschulen zu betrachten und zu schließen sind, beabsichtigt die orthodoxe Judenschaft, welche darin eine Einschränkung ihrer . gesetzlich gewährleisteten Rechte erblickt, dem Abgeordnetenhause ein Memorandum zu unterbreiten. Von Sah und sfrrn. — Der Charakter als Geheimer Sanitätsrat wurde verliehen: dem Samtätsrat Dr. Meyer in Charlottenburg; den Titel Sanitätsrät erhielten die Aerzte: Dr. P. Juliusburger, Dr. Julius Köhler, Dr. Jacques Lasch. ■— In Königsberg i. Pr. feierte der israelitische Verein für Krankenpflege und Beerdigung (Chewra Kadischa) am 27. b. 9$. das zweihundertjährige Fest seines Bestehens. —;S5enx Reedereidirektor Rischowski in Breslau ist der Kronenorden IV. Klasse verliehen worden. — Landgerichtsrat Dr. Bor chert-

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