Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 2. Dezember 1094. 68. Jahrgang.. IT«. 46. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums" jkorrklpondrntzkn und Nachrichten. Deutschland. s. Berlin, 28. November. In der Jüdischen Resormgemeinde fanden heute die Repräsentanten Wahlen statt. Es wurden gewählt als Repräsentanten : Salo Böhm,. Julius. Wallach, Hugo Naphtali, Albert Lassally, Paul Lachmann, Julius Friedemann, Dr. Heinrich Byk: als stellvertretende Repräsentanten: Paul Pincus. Justizrat Bodläuder, Ignatz Lange, Hermann Landsberger, Jacob Philippsohn, Paul Alexander, Edmund Lazarus. 8. Berlin, 24. November. Im Verein für jüdische .Geschichte und Literatur hielt gestern Abend Herr Professor Dr. Klein, Oberrabbiner in Stockholm, vor einem zahlreichen und distinguierten Auditorium einen sehr interessanten Vortrag über Hosea. Nachdem der Redner über die Propheten in Israel einige einleitende Bemerkungen gemacht und in sehr treffender Weise den Gegensatz zwischen dieser Prophetie und der heidnischen Mantik hervorgehoben (der Prophet war kein Wahrsager, sondern ein Wahrheitssager), schilderte er in sehr eingehender Weise das Leben und die Prophetie des. Hosea. Dabei fielen die interessantesten Streiflichter auf verschiedene Fragen, die die Zeit bewegen, über den Grundcharakter des Prophetentums, über das Wesen des Judentums rc. Von besonderem Interesse war der Nachweis, daß die Propheten und Hosea vor allem die Thora gekannt haben müssen/ Der ganze Vortrag gab ein klares, anschauliches Bild von der Bedeutung dieses Volkspropheten, der zuerst die Erkenntnis Gottes, Liebe und Gerechtigkeit als das Grundprinzip der Menschen in seiner prophetischen Rede verkündet hat. Mit großer rhetorischer Kraft, mit einer Fülle von geistvollen Details und mit packender Anschaulichkeit wußte Herr Professor Klein sein Thema so interessant wie möglich auszustatten, und den großen Ruf, der ihm als Redner voranging, in glänzender Weise zu rechtfertigen. Herr Professor Klein wird hoffentlich nunmehr ein stets willkommener Gast in unserem Kreise sein. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Danzig sprach Lehrer Friedlanderüber „Salomon Sülzer"; inTilsit Dr. Beermann-Jnsterburg über „Die Herodierzeit im Spiegel moderner Dichtung"; in Lissa Schriftsteller Albert Katz über „Die Ethik des Talmud" in Kalmar i. Posen Prediger Albert Wolfgang über „Die Bedeutung des Segens"; in Hamburg Dr. Ackermann-Brandenburg über „Das Wesen und die Entwicklung der jüdischen Poesie", in Duisburg Professor Dr. M. Schmid-Aachen über Max Liebermann; (.in Köln Assessor Dr. Friedemann über „Palästina, Land und Leute"; in Witzenhausen Dr. Schönberger-Nordhausen über den „Talmud"; in Coet hen Herr Albert Katz über „Byrons - hebräis che Melodien"; inKarlsruheDr.J.Poritzky über „Max Gorki"; in Heilbronn Herr Herm. Wollenberger über „Die Leichenverbrennung vom Standpunkt des Judentums".— In Budapest sprach Professor Dr. Blau über „Judentum und Weltkultur"; in Kopenhagen Dr. Wo hl stein-Malmö über „Den Einfluß der Geschichte und Religion auf den jüdischen Volkscharakter." —Neue Literaturvereine wurden begründet in Iserlohn und in Saarwellingen. Der Verein in Iserlohn wurde auf Anregung des Herrrr Prediger Dr. Salomon ins Leben gerufen; es gehören ihm bereits 50 Mit- . glieder an. Den Vorstand bilden die Herren: Dr. Salomon, Vorsitzender, Bankier Siegh( Eisberg, stellvertretender Vorsitzender, Kreistierarzt Goldstein, Schriftführer, Kaufmann Julius Reifenberg Kassierer und Kaufmann Julius Wertheim, Bibliothekar. Auch in S aarwel lingen traten fast sämtliche Gemeindemitglieder dem Verein bei. Am Eröffnungsabend hielt Lehrer Heß einen Vortrag über Jehuda Halevi. S. Berlin, 27. November. Der Verein „Mädchenhaus Pankow", welcher nunmehr in das elfte Jahr seines Bestehens eintritt, erfreut sich fortdauernd guter Fortschritte. Dem neuesten Jahresbericht zufolge war die Anmeldung neuer Zöglinge zahlreicher als je und trotz vieler Abweisungen, die nur im Interesse der' sich meldenden Mädchen erfolgen,, hat die Zahl der Zöglinge wiederum Hugenommen. Im den letzten Monaten waren ständig 31 Mädchen zur Ausbildung im Hause des Vereins, die bisher höchste Zahl von Zöglingen. Infolge einer Teilung des Unterrichts konnte die Ausbildung der Mädchen in den häuslichen Arbeiten noch gründlicher als bisher gestaltet werden, daneben wurde mit bestem Erfolge Fortbildungsunterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen, im Deutschen und in der Religion den Zöglingen erteilt, welche meist mit sehr geringen Kenntnissen in das Haus eintreten. Wie im Vorjahre, so waren auch in diesem Sommer 35 Ferienkolonisten vom Verein „Jüdisches Kinderheim" im Mädchenhause einquartiert und den Zöglingen des letzteren zur: Wartung anvertraut; besondere Maßnahmen gestatten nunmehr noch eine bessere Ausbildung der Zöglinge als Kindermädchen und Kinderpflegerinnen. Nach zweijährigem Aufenthalt im Vereinshause konnten diesmal 13 Mädchen in den Dienst entlassen werden, welche alle in ihrer Stellung verblieben sind und sich in ihrem Berufe wohl fühlen. Die Kosten der Verwaltung haben sich gegen das Vorjahr nicht wesentlich verändert. Die Unterhaltungskosten sind allmählich durch bessere Ausnutzung der Hilfsmittel, Auffindung günstigerer Quellen und wachsende Erfahrung ganz erheblich gesunken. Für den Unterhalt (einschließlich des Unterhalts der Leiterin, der zweiten Lehrerin und der Portierleute) wurden für jeden Zögling im Jahr 412,21 Mark verausgabt, während im ersten Jahr des Betriebes noch 727,07 Mark aufgewendet werden mußten. Auch die Kosten der Verpflegung sind geringere geworden; sie betrugen per Kopf und Tag 45,75 Pfennig. Die Zahl der Mitglieder des : Vereins ist ein wenig gestiegen; sie beläuft sich jetzt auf 422. Der Verein, der den Mädchen unserer weniger bemittelten Glaubensgenossen einen neuen Lebensberuf erschließen hilft, verdient in der Tat kräftige Förderung, um die Ziele, die er sich gesteckt hat, zu erreichen, und kann nur dem Wohlwollen aller aufs wärmste empfohlen werden. — Die ordentliche Mitglieder-Versammlung des Vereins fand heute Mittag statt. Der Vereinsvorsitzende, Justizrat Breslauer gab einen kurzen Verwaltungsbericht, an welchem sich eine lebhafte Debatte über einige Fragen der Ausbildung, über die sofortige Abstellung etwaiger Beschwerden betreffs der Arbeitsleistungen der Zöglinge anschloß. Auf Anregung des Herrn Emil Mosse soll das Bestreben darauf gerichtet werden, die Stellung de': angestellten leitenden Damen des Hauses zu stärken und diese insbesondere bei der Unterbringung der einzelnen Mädchen in Dienststellungen zur Beratung, hinzuzuziehen, ferner aber durch Vermehrung des ihnen zur Erziehung übergebenen Materials — für 50 Zöglinge ist das Haus eingerichtet— das Institut auf diejenige Höhe zu bringen, welche bei Gründung des Vereins vorgesehen worden war. Die Formalien der Versammlung fanden eine schnelle Erledigung. Die Kassenverwaltung wurde auf Grund des von Herrn Pariser erstatteten Berichtes entlastet und das turnusmäßig ausscheidende Emil Mosseffche Ehepaar durch Akklamation wiederum in den Vorstand gewählt. Im Anschluß an die Mitgliederversammlung fand eine Verteilung von Belohnungen an frühere Zöglinge für treue Dienste statt; drei Mädchen, welche etwa vier Jahre ununterbrochen in Stellung befindlich sind, erhielten je 30 Mark für ihr Sparkassenbuch, vier andere Mädchen, welche länger als ein Jahr in Dienst stehen, die Vereinsbrosche. Ein vom Ehepaar Emil Mosse gegebenes Festessen vereinigte alsdann die jetzigen mit den früheren Zöglingen, welche sich bei angeregter Unterhaltung die ihnen dargereichte Spende recht gut munden ließen. 22 Berlin, 29. November. Dem Verband für Statistik der Juden ist es nach langwierigen Verhandlungen über die Beschaffung der pekuniären Mittel dank den Bemühungen seines Kuratoriums, an dessen Spitze Sanitätsrat Dr. Maretzki und Geheimer Sanitätsrat Dr. Blumenthal stehen, gelungen, die von der letzten Plenarversammlung in Aussicht genommene Errichtung eines ständigen Bureaus