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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-25 · Heft 48 (25.11.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 48 (25.11.1904)
Date
1904-11-25
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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der Milde", der bekannte Agitator.^^StgMlow.ski, dem aber-auch zum ^Dan^Mr'semeAtzM-imrDör^^'EoziÄ-emokkateMW- Letnbeötz die.gebührende „Huldigung" iy schmähendsten Ausdrücken dargebracht wurde; auch im Landtage selbst erfuhr der-streitbare 'Priester' die 'ge^ hörige -ZurechtweisunK so sprach iü' ä. auch" Ritter m AbrahämowicS gegen - ihn, ' indem er unter - allgemeinem Beifall/ aussührtch?-MD?. Stojalowski auf seine Hetzrede gegen die Juden, sowie überhaupt auf das von ihm entwickelte polnische-Programm, welches nicht blaß allgemeinen Widerspruchsondern sogar Entrüstung im ganzen Hause hervörgerufen habe, durchaus nicht stolz , zu sein brauche. Um den Erfolg, den Stojälowski mit seinen Ausführungen errungen habe, sei er keineswegs zu beneiden. Das Land werde der verderblichen antisemitischen Agitation nicht Vorschub leisten und den Lockrufen Stojalowskis nicht Gehör geben, zumal die Juden die Verletzungen , der religiösen Empfindungen der Katholiken zu vermeiden trachten, wie sie es in Lemberg getan haben, als vom Gemeinderate ein namhafter Betrag für katholische Kirchenzwecke bewilligt wurde. ---Eine wahre Sensation bildete in demselben Landtag die vom Erzbischof Theodore wie z in der Abendsitzung vom 7. d. M. im Namen des gesamten Episkopates vorgelesene Erklärung. Sie wendete sich offenbar gegen den beinahe einstimmig am 5. d. M. beschlossenen Gesetzentwurf, indem die Aufnahme eines jüdischen Vertreters in den Landesschulrat enthalten war. Die in dieser Erklärung ausgesprochenen Be-^.. fürchtungen wirkten höchst - deprimierend und die Abgeordneten diskutierten sehr lebhaft über diese Angelegenheit. Der Besprechung wohnte auch der Metropolit Graf Szeptycki bei und dieser stimmte den Ausführungen seines Kollegen der römisch-katholischen Kirche natürlich^ vollkommen zu. —lieber den am 7. d. M. aus dem Leben geschiedenen ehemaligen Religionslehrer und Bibliothekar der israelitischen Gemeinde, ProfessorS. Hammerschlag, schreibt ein ehemaliger Schüler,Professor.. Freud: „S. Hammerschlag, der vor etwa 30 Jahren seine Tätigkeit als; israelitischer Religionslehrer eingestellt hatte, gehörte zu den Persönlich-s Leiten, denen es mögliche war, unverwischbare Eindrücke in der Ent-^ Wicklung seiner Schüler zu hinterlassen. In seiner Seele glühte ein starker Funken von dem Geiste der großen jüdischen Wahrheitsbekenner und Propheten, der nicht eher erlosch, als bis hohes Alter seine Kräfte schwächte. . Aber die Leidenschaftlichkeit seines Wesens war glücklich gemildert durch das ihn beherrschende Humanitätsideal unserer deutschen klassischen Periode, und seine Bildung ruhte auf dem Grunde philologischer und alttlassischer Studien, denen er seine eigene Jugend gewidmet hatte. Der Religionsunterricht diente ihm als ein Weg der Erziehung zur Humanität, und aus dem Material der jüdischen Geschichte wußte er die Mittel zu finden, um die im Herzen der Jugend sich bergenden Quellen der Begeisterung anzuschlagen und sie^ weit hinaus über nationale oder dogmatische Beschränktheit sprudeln zu lassen. Wer von seinen Schülern ihn dann in seiner Häuslichkeit aufsuchen durfte, der erwarb einen väterlich fürsorgenden Freund an ihm und konnte inne werden, daß eine verständige Zärtlichkeit der Grundzug seines Wesens war. Den Empfindungen eine durch Jahrzehnte ungeschwächten Dankbarkeit gegen den verehrten Lehrer hat anseiner Bahre der Historiker Dr. Friedjung würdigsten Ausdruck gegeben. — Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde veranstaltet im Laufe der Wintersaison, gleich wie im Vorjahre zwei Vortragszyklen aus jüdischer Geschichte, von denen der eine für Erwachsene, der andere für die reifere Jugend bestimmt ist. Diese. Vorträge werden in der Zeit vom 1. Dezember bis Anfang März an Donnerstagen stattfinden. — Hier fand am 15. d. M. in Döbling in der. Gebhardgasse die Schlußsteinlegung und Einweihung des neuen Waisenhauses für israelitische Mädchen statt. Die im Jahr^' 1876 verstorbene Frau Charlotte Lea Merores-Jtzeles vermachte einen Betrag in der Höhe von fast 2 Millionen Kronen zur Errichtung^., und Fundierung eines ihren Namen tragenden Heimes, das nunmehr, seinem philantropischen Zwecke zugeführt werden soll. Der Bau ist^ nach den genialen Plänen unseres Baurats Wilhelm Stiaßny^ angefertigt, der hier wieder ein-Meisterwerk seiner großen Kunst geschaffen hat. ->Am 13. d. M. fand die Neuwahl des Vorstandes^: der Budapester Gemeinde statt und wurde der bisherige - Vorstand mit dem Hofrat Siegmund Kohner als Präsident.wiedergewählt. Als neues Mitglied istder Generaldirektor Magnatenhausmitglied S. Kornfeld 'eingetreten. .. Von MH und jfern. ----- Wie hiesige Blätter melden, begab 'sich Graf Pückler. an - einen Ort naheder schweizerischen Grenze, um sich einer Untersuchung seines Geisteszustandes zu entziehen. Das Kuratorium'der Liebig- Stiftung bei der'königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften in München hat dem Zivilingenieur Professor Dr. A d a l s Frank irr Charlottenburg für die hervorragenden Verdienste, die er fich durch die Einführung der Düngung mit Kalisalzen und durch seine erfolgreichen Bemühungen, den 'Luftstickstoff in ein' wertvolles Düngemittel (Kalkstickstoff) zu verwandeln, um die Landwirtschaft erworben hat, die goldene . Liebig- Medaille verliehen/ — Im 50. Lebensjahre ist hier Alfred Benvenisti, ein - bekannter Kaufmann und Wohltäter, gestorben. — Der Oberkantor S a l o m o n Lewy, - von der Synagoge des Westens fungierte am 11. November 1904 in der Synagoge Nhkestraße in Berlin mit. außerordentlichem Erfolge. — In Duisburg ist Dr. Neumark von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zum Rabbiner gewählt worden. — Der königliche Eisenbahn-Betriebssekretär Jsaac Mütter in Köln a. Rh. hat bei seinem Uebertritt in den Ruhestand den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — In Würzburg ist am 16. d. M. einer der geachtetsten dortigen Aerzte, der Hofrat Dr. A. Oppenheimrer, im 63. Lebens-' jahre gestorben. — An der Universität in Prag hat sich der Praktikant der Universitätsbibliothek Dr. Isidor Pollak. als Privatdozent für semitische Sprachen und Literaturen habilitiert. — Zum Dekan der philosophischen Fakultät - in Krakau ist der Philologe Dr. Leon Sternberg gewählt worden. Es ist dies der erste Fall an der jagellonischen Universität, daß ein Jude für ein solches Amt gewählt wird. — Dr. Samuel Singer, der bisher an der Universität Bern als außerordentlicher Professor wirkte, wurde zum ordentlichen Professor für ältere deutsche Sprache und Literatur ernannt. — Der aufgelösten italienischen Deputiertenkammer gehörten zehn Glaubensgenossen an und zwar Barzilai, Baron Franchetti, Luigi Luzzatti, Arthur Luzzatto, Richard Luzzatto, Melli, Baron Mopurgo, Romanin-Jacur, Sorani und Wollemburg. Dieselben sind mit Ausnahme Mellis, der sich noch einer Stichwahl zu unterziehen hat, sämtlich wieder- und außer ihnen zwei fernere Juden, Engelli und Lichel, neugewählt worden. Da auch Melli wahrscheinlich Sieger bleiben dürste, wird die neue . Kammer ein Dutzend jüdische Abgeordnete zählen. — Das Leichenbegängnis' des Generals Ottole.nghi in Turin fand am 4. d. M. mit den größten militärischen Ehrenbezeugungen.statt. Der König hatte als Vertreter den Herzog von Aosta entsandt. Auch der italienische Kriegsminister war anwesend. Die.Grabrede hielt der Oberrabbiner Bolasfio von Turin. —Im sogenannten russischen Ansiedlungsrahon gibt" es gegen 1200 Zionistenvereine, die alljährlich über 100 000 Rubel zum Nationalsond beisteuern. — Alle Juden, die in diesem Semester die Immatrikulation an der Universität Tomsk nachgesucht hatten, sind mit Genehmigung des Unterrichtsministers Glasow immatrikuliert worden. Die Universität Tomsk zählt daher jetzt weit mehr jüdische Hörer, als sie nach den bisherigen Bestimmungen haben dürfte. — Das Zentralkomitee der Kilian es lsra eilte Universelle, beschloß in seiner Sitzung am 16. November d. I., an folgende Gemeinden, die infolge der jetzigen Verhältnisse in große Not versetzt wurden, Hilfsmittel zu senden: Nikolajeff (Gouvernement Cherson) 2000 Rubel; Sdunska-Wola (Gouvernement Kalisch). 1000 Rubel; Brest Litowsk (Gouvernement Grodno) 1000 Rubel; Boguslaw (Gouvernement Kiew) 1000 Rubel. — Dem soeben veröffentlichten offiziellen britischen statistischen Berichte zufolge ist. die Zahl der jüdischen Einwohner in Indien in den letzten Jahren stark gewachsen. So gab es dort 1881 bloß 12 009 Juden, 1891 17 194 und 1901 18 228. Die jüdische Bevölkerung Indiens beträgt.0,0006 Prozent der Gesamtbevölkerung. Was die. Zahl der Juden in den einzelnen Provinzen anbetrifft, so wohnen die meisten in der Provinz von Bengal (1939) und in den Staaten von Madras (1288). Dagegen ist in Assam ein einziger Jude zu treffen. 1280 Juden haben Hebräisch, als ihre Muttersprache angegeben.—, Dr. Willy Hoffmann in Neu-Guinea, der bei dem jüngsten Anschlag der Eingeborenen eine rühmliche Rolle spielte, ist ein Jude. lU' -

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