Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1904)
- Date
- 1904-10-21
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- 4- ' besuchten kl, die Bildhauerschnle 1, die Landesmusterzeichenschule '24, die Schauspielschule 76, die Musikschulen 552, die Hebammenschule 45, diverse Fachschulen 115, die Kunstgewerbeschule 32, die Marineakademie 1, die Orient-Exportakademie 15, höhere Gewerbeschule 165, Gewerbefachschule 466, die Gewerbelehrlingsschule 6427, die höheren Handelsschulen 2701, die Handelsschulen für Frauen 320, die Handelslehrlingsschule 2606 Juden. Ferner gibt es im Lande 7 jüdische Waisenhäuser mit 14 Lehrern und 228 Zöglingen. — Ein unerklärlicher Vorgang ereignete sich in dem ungarischen Städtchen Sülgo-Tarj an. Der Vizepräses der dortigen orthodoxen jüdischen Gemeinde, Herrn Michael Jungmann, hat. seine Tochter mit dem Direktor der Bürgerschule dortselbst, einem ehemaligen katholischen Hilfsgeistlichen, verlobt. Der orthodox-jüdische Gemeindevorsteher lässt seine Tochter taufen, um einen gewesenen katholischen Geistlichen als Schwiegersohn zu bekommen! —' In Waag-Neu stadtl wurde Dr. Philipp Roseuberg aus Bösing, in Kostel Dr. Karl. Duschinsky zum Rabbiner gewählt. — In Triest hat sich der antisemitische Verein „Oomenieo Rosetti“ freiwillig aufgelöst, hoffentlich folgen bald mehrere diesem rühmlichen Beispiel — es wäre lebhaft zu wünschen! — Zur Rabbinerwahl in Brünn wird mir nachträglich noch mitgeteilt, daß Herr Dr. Ludwig Levy zum Rabbiner und nicht als „zweiter" Rabbiner gewählt worden ist. Er wurde auch verpflichtet, den jüdischen Religionsunterricht in sämtlichen.Mittelschulen Brünns zu inspizieren und alle Kanzelreden zu halten. So oft aber Dr. Placzek zu predigen willens sein wird, wird er Herrn Dr. Levy acht Tage vorder darüber verständigen. Selbstverständlich bleibt Herr Dr. Placzek nach wie vor Landesrabbiner von Mähren und Schlesien. ■. Äuszlsrid. — Kiew, 16. Oktober. Wir erhalten aus dieser Stadt einen sehr ausführlichen Bericht über das Begräbnis Lazar Brodskhs am 7. d. M., den wir aber aus Raummangel nicht in extenso bringen können. Wir entnehmen demselben nur die Tatsache, daß das Leichenbegängnis Zeugnis von der Achtung und Beliebtheit abgelegt hat, deren sich der Verstorbene zu erfreuen hatte. Sehr viele Leidtragende, die Spitzen der Behörden, Kränze und Blumen ohne Zahl. In der Synagoge hielt der Stadtrabbiner Lurje die Gedächtnisrede. Hierauf sprach der Bürgermeister von Kiew, Prozenko, mit einer Wärme und Innigkeit, als ob noch nie ein Jude aus dieser Stadt vertrieben worden wäre. Ebenso sprachen am Grabe Professor Tschernow, Direktor des bakteriologischen Instituts, der Präsident des Börsenkomitees Mohilewzer und der aus dem Kutaiser-Prozeß rühmlichst bekannte Rechtsanwalt Kupernik, der seine Rede mit den Worten schloß: „Von dem Verstorbenen kann man sagen, daß mit ihm nicht nur ein großer Jude, sondern ein großer russischer Jude dahingegangen sei." Dann folgten noch mehrere andere nichtjüdische " Redner, die alle der tiefen Trauer um diesen Verlust bewegten Ausdruck gaben. Lazar Brodsky hat drei Millionen Rubel für wohltätige Zwecke und ein großes Gut in Südrußland für eine neue Kolonie rn seinem Testament bestimmt. — Wieviele Juden an demselben Tage aus Kiew ansgewiesen wurden, hat der Bericht leider nicht gemeldet. Von MH und ssern. Anläßlich der Einweihung des Kaiser Friedrich-Museums hat Herr James Simon den Wilhelm-Orden erhalten. Der Direktoriälassistent Dr. Max Friedländer ist zum zweiten Direktor dieses Museums ernannt worden. — Im 84. Lebensjahre ist an: 13. d. M. der Sanitütsrat Dr. Joseph Samter hier nach längerem Leiden-gestorben. — Dem am 11. August verstorbenen Bankier Alexander Meyer Cohn ist jetzt durch Kabinetsordre vom 4. August der Königliche Kronenorden III. Klasse verliehen worden. Leider ist les dem so früh Heimgegangenen nicht mehr vergönnt gewesen, sich d.er ihm gewordenen Auszeichnung zu erfreuen. — An der- Synagoge des Westens, Paffauerstraße, ist Herr Julius Schwarz zum ersten Kantor gewählt worden. Herr Schwarz hat seine gesamte Ausbildung bei dem Oberkantor Joseph Epstein Hierselbst genossen. — In Liss a. feierte am 12. d. M. Frau Rendant Ansorge ihr 25jähriges Amtsjubiläum als Handarbeitslehrerin an der jüdischen Schule. Deputationen des Schulverbands lind anderer Behörden sowie der Schülerinnen überbrachten Glückwünsche und Geschenke der allgemein geschätzten Lehrerin, die noch lange in Rüstigkeit ihres Amtes walten'möge. — Der Schlosser Berg in Könitz, welcher von verschiedenen Zeitungen der Ermordung Winters beschuldigt wurde, hatte fünf Redakteure wegen Beleidigung verklagt. Die Redakteure Bendisch von der „Ostdeutschen Presse" in Bromberg, Mehling von den „Neuesten Nachrichten" in Danzig, und Wende von der „Elbinger Zeitung" wurden wegen Beleidigung zu je 300 Mark ^Geldstrafe und Zimmermann von der „Preußischen Korrespondenz" als Urheber dieser Nachricht zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Verfahren gegen den Redakteur Band von der „Berliner Morgenzeitung" wurde eingestellt. — In Jnowrazlaw ist am 16. d. M. der Fabrikbesitzer und Stadtälteste Aron K u r tz i g im 82. Lebrnsjahre gestorben. — Anläßlich der Silberhochzeit und gleichzeitigen Vermählungsfeier ihrer Tochter spendete das H. Pragers che Ehepaar eine Neubeleuchtung der Synagoge in Glatz, die von großer Wirkung ist. — Seinen 100. Geburtstag feierte am 12. d. M. der Rentier Isidor Simon in Eisleben. Das Interesse seiner Heimat hat der Jubilar .17 Jahre als Stadtverordneter und 50 Jahre als Baukommissar erfolgreich wahrgenommen. —Die Tatsache, daß ein außerordentlicher Professor der Geschichte in Straßburg vom Großherzog von Mecklenburg zum ordentlichen Professor an der philosophischen Landesuniversität Rostock ernannt worden ist. ist dem Hamburger „Deutschen Blatte" arg in die Knochen gefahren. Dabei ist der Betreffende gar kein Jude mehr. — Am 24. d. M. tritt die babische israelitische Landessynode im Landständehäus, Sitzungssaal der zweiten Kammer, zu voraussichtlich dreitägigen-Verhandlungen zusammen. - Am 26. v. M. ist in Nizza das Mitglied des lothringischen Konsistoriums, Herr L. Grumb ach aus Saargemünd, nach langen Leiden im 52. Lebensjahre gestorben. Derselbe war im Konsistorium der Nachfolger seines Vaters, der Maire seiner Heimatstadt gewesen ist. Herr Grumbach war auch im Landesausschuß. Der Verstorbene war allgemein geachtet. Ehre seinem Andenken! — Die von ihrem ersten Gatten, dem Freiherrn Richard Matten.cloit, geschiedene Gräfin Helene Taaffe, Tochter des verstorbenen österreichischen Ministerpräsidenten, wurde am 17. d. M. auf dem Standesamte in Budapest mit dem praktischen Arzte Dr. Julius Demko getraut, der sie einst während einer längeren Krankheit gepflegt hat. Dr. Demko ist Jude. — Professor Stilling aus Lausanne ist auf den Lehrstuhl der Anatomie an der Universität Genf berufen worden. — In dem Prozeß wegen antisemitischer Ausschreitungen vom Jahre 1903 und der Ermordung von vier Juden in Kisch inew wurden die wegen Mordes Angeklagten freigesprochen und einer der Angeklagten wegen der Ausschreitungen zu acht Monaten, die anderen zu bis -16 Monaten Gefängnis verurteilt!! — In Anbetracht des großen Elends, das die Aushebung der Reserve unter der jüdischen Bevölkerung in Odessa hervorgerufen hat, bewilligte das Zentralkomitee der Alliance Israelite Universelle dem dortigen Hilfsausschuß eine neue Gabe von 20 000 Franks. — Wie der „Pridnjeprowskij Kraj" meldet, haben die Judenkrnwälle in Jekaterinoslaw volle zwei Tage, am 17. und am 18. v. M., gewütet. Viele Juden sind schwer verletzt, über hundert jüdische Geschäfte vällig ausgeplündert worden. Der Gouverneur hat die Teilnehmer an den Exzessen gegen die Juden auf administrativem Wege zu kleinen Freiheitsstrafen verurteilt, und zwar wurden sechs Personen zu Polizeihaft in der Dauer von zwei Monaten, acht Personen in der Dauer von drei und zehn Personen von zwei Wochen verurteilt. — Der Richter Julius M. Mayer ist von der republikanischen Partei zum Generalanwalt für den Staat Newhork ernannt werden — Der Gouverneur von Hongkong Sir Matthew Nathan ist einstimmig zum Ehrenpräsidenten der Synagoge Ohel-Leah in derselben Stadt gewählt worden. —In Bata via, der Hauptstadtder Insel Java, soll demnächst eine Synagoge gebaut werden, die schon längst als ein dringendes Bedürfnis empfunden worden ist. In Niederländisch-Jndien leben im ganzen 4000 Juden, ein großer Teil davon in Batavia. Die neue Synagoge soll 40 000 Mark kosten; rund 25 000 Mark find bereits gesammelt, den Rest hofft man durch ein Wohltätigkeitsfest zusammenzubringen, so daß mit dem Bau bald begonnen werden kann.