Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-10-14 · Heft 42 (14.10.1904) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 42 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228624--61171-3274981
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

68, Jahrgang. No. 42. Berlin, 14. Oktober 1904. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements.Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Redakteur: Gustav Rarpeles. Begründet von Rabbiner 9* Ludwig Philippson. Verlags - Expedition: Berlin, Jernsalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion' und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Ierusalemer Straße 46/4:9, J» richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Die Litersturvereink. Berlin, 11. Oktober, inhnndertdreiundneunzig Literaturvereine bestehen gegenwärtig in Deutschland, von einem Ende des Vaterlandes bis zuni anderen, von Metz bis Memel und von München bis Kiel. Alle diese Vereine werden in den nächsten Tagen ihre Winterarbeit von neuem beginnen. Die Zahl der Mitglieder sämtlicher Vereine umfaßt ungefähr 15—16 000, die Zahl der Vorträge, welche im Winter durchschnittlich gehalten werden, beläuft sich auf mehr als tausend. Das ist das Aeußere. Wie viel Belehrendes und Erhebendes, wie viel, was den Geist stärkt, die Erziehung vervollständigt, den Mut hebt und das Wissen bereichert, ist in diesen Vereinen schon verkündet worden? Das ist ein Erfolg, wie ihn vor 20 Jahren noch die Kühnsten unter uns sich nicht Hütten träumen lassen. 'Allerdings dürfen wir uns durch diesen Erfolg nicht blenden lassen, wir dürfen die Fehler, welche der Institution noch anhaften, nicht übersehen, und die Mängel, die sie noch aufzuweisen hat, nicht außer Acht lassen. Im Gegenteil! Wir müssen diese Institution immer weiter ausbauen, wir müssen immer mehr daran denken, das Arbeitspensum der Vereine zu erweitern und alles, was nur irgendwie in Beziehung zum Judentum steht, in den Kreis unserer Betrachtung hineinznziehen. Die Fehler und die Mängel sind ja Gott sei Dank nur, solche, die sich aus Grund der gemachten Erfahrungen leicht verbessern oder abstellen lassen. Darum ist es sehr wichtig, auf dieselben hinzuweisen, und zwar erscheint gerade jetzt der Zeitpunkt hierfür sehr geeignet, wo die Winterarbeit ihren Anfang nimmt. Es ist eine-Beobachtung, die man nicht nur in jüdischen, sondern in allen anderen und zwar so gut in wissenschaftlichen wie in Unterhaltungsvereinen sehr, oft geinacht hat, daß im Anfang großer Enthusiasmus für die Sache herrscht, sobald aber der Reiz der Neuheit verflogen, eine Ernüchterung eintritt, und dann nur noch diejenigen verbleiben, welche wirklich den Wunsch haben, sich belehren zu lassen, und keinen anderen Nebenzweck verfolgen. Auch in unseren Vereinen wird gar oft diese Erfahrung gemacht werden. Nach zehn oder zwölf Jahren stellt sich naturgemäße eine gewisse Ermüdung ein, ja es gibt sogar Leute, die meinen, sie wüßten schon genug von jüdischer Geschichte , und Literatur. . Da erscheint es denn als' eine dringende Notwendigkeit,'nach neuen Quellen und neuen Formen, der Belehrung zu suchen. . Es ist ein glücklicher Zufall, daß gerade in diesen Tagen die „Gesellschaft zur Verbreitung van Volksbildung in Deutschland" . ihre- Heperalpersannnlung. abgehahten. hat. Diese/sehr: bedeutende und große Gesellschaft, welche über viertausend Vereine umfaßt, verfolgt ja auf anderem Gebiete das gleiche Zieh In fesselnder Weise entwickelten dort, bewährte Redner und Lehrer ihre Gedanken über, das Vortragswesen im allgemeinen. Vieles darin ist auch auf unserere Verhältnisse anwendbar. ...... i Zunächst wurde allgemein anerkannt, daß dieses Vortragswesen aus dem Bedürfnisse nach gesteigerter Volksbildüng entstanden und heute bereits ein unentbehrlicher Faktor im Kulturleben unseres Volkes geworden sei. Allerdings müssen die Vorträge, wenn sie Nützen stiften sollen, sich an Kopf und Herz der Hörer zugleich wenden'und die Redner allen Anforderungen der Vortragstätigkeit gewachsen sein. Nur dann werde der oft erhobene Vorwurf schwinden, daß das Vortragswesen der Halbbildung diene. Ein guter Vortrag habe den Zweck, den- Hörern eine Stunde erhebenden und anregenden Genusses zu bereiten, so daß der Anreiz bei ihnen entstehe, die im Vortrage empfangenen Anregungen durch nachfolgende Lektüre in der Lesehalle oder Volksbibliothek zu erweitern und zu «-vertiefen. Das öffentliche Vortragswesen und die Bibliotheken gehören darum zusammen. Keins ist ohne das andere als wirksam zu denken. Bezüglich der Frage, ob Einzelvorträge oder zusammenhängende Vortragsreihen vorzuziehen seien, äußerte ein Redner, daß beide Formen der Kulturvermittlung gleichberechtigt und nebeneinander wirken. Wichtig sei auch die Frage nach dem Inhalte der Vorträge, denn nicht nur die gesicherten Resultate der Wissenschaft seien darin ohne Einschränkung aufzunehmen, sondern alles, was zum Nachdenken reize und nützlich sei, also auch Probleme und Forderungen der Gegenwart. Auszuscheiden wären dagegen alle konfessionellen- und alle politischen Streitfragen. Ein. neues und belebendes Element Würden in die Vereine Projektionsvorträge und Projektionsapparate, - Lichtbilder re. hineintragen. Solche Vorträge erscheinen heute geradezu unentbehrlich, wo es sich um populär-wissenschaftliche Vorträge vor Personen handelt, die solchen Veranstaltungen sonst fernbleiben. Hierbei haben-die Lichtbilder einen doppelten Wert: einmal ziehen sie das Publikum an, und dann erleichtern sie ihm das Verständnis. Be einem guten Lichtbildervortrage dürfen die Lichtbilder aber nur Beihilfe, niemals Selbstzweck des Vorträges sein. Auch ist es zu verwerfen, wenn erst der Vortrag gehalten und am Schluß desselben die Lichtbilder vorgesührt werden. - Auch der volkserzieherische Wert guter Rezitationset b end e ist für unseren Zweck sticht hoch genug zu veranschlagen. Zu allen 'Zeiten hat alles, - was Großes und Gewaltiges, Schönes und Liebliches die Gemüter bewegte, in der Dichtung sich) äitsgesprochem Die Kunstdes Vortrags einzelner

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.