Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Emanuel Hecht. Literarisch ist Mäher nie hervorgetreten; persönlich besaßer die Achtung aller Kreise seiner Heimat. — Hier ist vor kurzem Dr. Joseph Wiener dahingeschieden, der Jahrzehnte hindurch an vielen philanthropischen und wissenschaftlichen Bestrebungen^ hierzulande hervorragenden Anteil hatte. Wiener wurde am 5. April 1828 in Hauska, Böhmen, geboren. Er besuchte die Prager Universität und kam, nachdem er dort den Doktorgrad erhalten hatte, im Alter von 21 Jahren nach Newyork. wo er frühzeitig unter seinen Kollegen eine geachtete Stellung einnahm. Durch einen Zeitraum von- 35 Jahren gehörte er zu den bekanntesten und angesehensten Mitgliedern seines Standes Mehrere Jahre hindurch hatte er mit dem verstorbenen Professor William , Detmold das Lehramt für Kriegschirurgie am College of Physicans and Surgeons inne., Er war auch einer der Gründer des Departements für Pathologie an dieser Anstalt, ehe dieselbe mit der Kolumbia-Universität vereinigt wurde. Bor etwa 20 Jahren zog sich Wiener von seiner Praxis zurück. . Sein ganzes Leben hindurch war er ein leidenschaftlicher Liebhaber und- Sammler von Werken der Kunst und Literatur. Als solcher war er Mitglied und Patron des kunst- und naturhistorischen Museums. Bilder aus seiner Galerie waren wiederholt auf Ausstellungen zu finden, und dem Metropolitan-Kunstmuseum machte er wertvolle Zuwendungen, darunter eine große Bronzetafel von Michel Angelo, welche die Wand beim Haupteingang des Museums ziert. — Am 12. v. M. starb hier der ehemalige Rabbiner der Ohabe Schalom- Gemeinde in Boston, Raphael Lasker, im Alter von 66 Jahren. Er war in Zirke, Provinz Posen geboren, kam 1858 nach Amerika und bekleidete mehrere Rabbinerstellen, bis er 1876 nach Boston berufen wurde, wo er bis 1894 wirkte, um dann, wie so ziemlich alle in Europa gebildeten Rabbiner, einem Amerikaner Platz zu machen. Er lebte zuletzt in Newyork, wo er die illustrierte Monatsschrift „New Era“ herausgab. — Einen interessanten Prozeß hatte Richter Funk in South-Bend, Indiana, am 16. v. M. zu entscheiden. David Cohen hatte bisher einen Synagogensitz in zweiter Reihe, und wollte denselben mit einem solchen in der ersten Reihe vertauschen, der ihm. wie er behauptete, für den Fall der Erledigung zugesagt worden war. Der Vorstand verlangte für den Sitz eine höhere Miete und da Cohen sich weigerte, diese zu bezahlen, zugleich aber darauf bestand, diesen Sitz am Jom Kippur einzunehmen, er-' wirkte der Vorstand gegen David Cohen einen Einhaltsbefehl. Interessant ist, daß die „Commereial Tribnne“ dem vom 16. September datierten Bericht über diesen Fall erklärend hinzufügt, daß „am morgigen Tage das Passah-Fest seinen Anfang nehme." Von MH und jfern. — Professor Fr. Gernsheim ist von der französischen Negierung zum Officier de l’instruction publique ernannt worden und ihm die damit verbundene Ordensauszeichnung der palmes academiques I. Klaffe verliehen worden. — Der Kaufmann Richard Fried-/ l änder hat den Kronenorden IV. Klaffe erhalten. — Dr. Karl Fries, früher Hilfslehrer am Friedrichs - Realgymnasium ist zum Oberlehrer an einer städtischen Realschule gewählt worden. — Der Kaufmann F. Baumann in Driesen (Neumark) feierte am Neujahrsfeste das vierzigjährige Jubiläum als freiwilliger Baal - Tefillah. Seitens der Gemeinde wurde ihm ein silberner Pokal mit Widmung überreicht. — Fräulein Marie Liebermann feierte am 30. v. M. das 25jährige Jubiläum als Lehrerin an der Stadtschule zu Beuthen. Frl. Liebermann ist eine Tochter des verstorbenen Predigers Liebermann in Brieg, des Herausgebers des bekannten Kalenders. — Bei der in G log au stattgefundenen Stadtverordnetenwahl wurde der Justizrat Friedmann zum Stadt-' verordnetenvorsteher gewählt. Justizrat Friedmann ist seit fünfundzwanzig Jahren dort ansässig. — In Köln wurde an Stelle des Herrn Jacob de Jonge in der Vorstandssitzung Herr Louis Eliel zum Vorsitzenden des Vorstandes und Herr Bruno Hei den heim zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. — Für die in Südwest-Afrikakämpfenden Truppen wird neuerdings aus Anordnung der israelitischen Oberkirchenbehörde in allen Synagogen Württembergs nach dem Königsgebet eine Fürbitte eingelegt.— In der Synagoge zu Wystytt en wurde ein Dank-¬ gottesdienst für Kaiser Wilhelm abgehalten, der bekanntlich am 23. September 1901 bei dem großen Brande, der sich dort ereignet hatte, die erste Hilfe von 10 000 Mark für die abgebrannten Juden persönlich überbrachte. — Peinliches Aufsehen hat in Madrid die Rede des Geschichtspxofessors Salvatierra bei Eröffnung der Vorlesungen an der dortigen Universität erregt. Die Rede behandelte die Regierungen streng katholischer Könige und strich das Verfahren der Inquisition und die Austreibung der Juden heraus. — Der Oberstleutnant der Artillerie Edmvnd Mayer ist zum Oberst und zum Direktor der Artillerieschule in Algier ernannt worden. — Der Minister des Innern hat gestattet, daß das jüdische Blatt „Wo scho d" in Petersburg, dessen Erscheinen im April verboten war, wiedererscheine. — Sechshundert jüdische Soldaten werden, wie die „Odeßkija Nowosti" melden, dieser Tage nach dem Kriegsschauplatz aus Südrußland befördert werden. — Nach der letzten Statistik befinden sich allein in Russisch-Polen 2509 jüdische Familien, die sich dem Ackerbau widmen. — Ein Brief der Schwester des Generals St össel an die Redaktion der „Nowoje Wremja" gibtAufklärung über dieHerkunft des Verteidigers von Port Arthur. Danach ist General Stöffel ein echter Russe. Sein Vater war Oberst im Leibgarde-Ulanenregimeni. sein Großvater Generalleutnant und Kommandant von Zarskoje Sselo (bei Petersburg), wo eine Straße seinen Namen trägt. Der Großvater des Generals Stöffel, der Lutheraner war, soll den Feldzug 1812 mitgemacht haben, hat also mit dem ungarischen Juden Stöffel, der im Jahre 1835 nach Rußland ausgewandert war, nichts gemeinsam. — Im rusf ischeu Ministerium des Innern wird gegenwärtig die Liste der Dörfer innerhalb des jüdischen Ansiedlungsrayons noch weiter vermehrt, um diese Dörfer in Flecken umzubenennen, und der jüdischen Bevölkerung dadurch die Möglichkeit zu geben, sich in ihnen anzusiedeln. Zu diesem Zweck werden hauptsächlich solche Dörfer gewählt, welche sich eines lebhaften Handels erfreuen. Diese Maßnahme entspringt keiner Verfügung des neuen Ministers, sondern ist noch die Fortsetzung der vom früheren Minister v. Plehwe angeregten Reformen. — In Saloniki lief dieser Tage ein Schiff mit dem Namen „Esther Estrogo" ein, welches ein reicher Jude aus Smyrna, seiner Tochter als Mitgift gab und es nach deren Namen benannte. Der Name ist auf der Schiffsfahne in hebräischen Lettern angegeben?— Englische Blätter melden, daß russische Juden, die aus benDöwlais Steel Works aus Veranlassung der J. C. A. im vergangenen Mai nach Kanada ausgewandert waren, dort außerordentlich trübe Erfahrungen gemacht haben. Man hatte als sicher angenommen, daß die Leute bei der Nordeisenbahn in Winnipeg Beschäftigung finden würden und die Reisekosten wurden aus dem von Baron Hirsch gegründeten Fonds zur Ueberführung russischer Juden in geeignete Gegenden bestrittten. Als die jüdischen Arbeiter in Kanada eintrafen, fanden sie die versprochenen Arbeitsstellen nicht vor. Viele von ihnen waren vollständig vermögenslos und sahen sich zum Betteln genötigt. — Ein gemeinsames Denkmal für die zahlreichen im .amerikanischen Bürgerkriege auf seiten der Unionstreiter gefallenen Soldaten und Offiziere jüdischen Glaubens wird auf dem Salem-Field-Friedhof in Newyork errichtet. Der Denkmalsentwurf ist ein Werk des Architekten I. F. Walsh. Die- 15000 Dollar betragenden Kosten des Monuments werden von jüdischen Vereinen getragen. Die feierliche Grundsteinlegung hat dieser Tage in Gegenwart von Vertretern der staatlichen, städtischen und Militärbehörden stattgefunden. — Zu rechter Zeit wird daran erinnert, daß der erste Sklavenbefreier — ein Jude war. Ein jüdischer Gutsbesitzer auf der Insel Jamaika machte am 28. Juni 1838, dem Krönungstage der Königin Viktoria, zu deren Reich Jamaika gehörte, den Anfang mit der Sklavenbesreiung. Der Bericht des „Jamaika Despatch and Kingston Chroniele“ vom 6. Juli des genannten Jahres über die aus diesem Anlasse veranstaltete Feierlichkeit und die Reden, welche der Gutsbesitzer Herr Daniel Hart und der Pfarrer Herr Atkins gehalten, sind jetzt reproduziert worden. — Nach den statistischen Angaben gibt es in Afghanistan ungefähr 40 000 Juden. Obwohl sie nicht als vollgültige Bürger betrachtet sind, genießen sie doch ziemliche Freiheit unter dem Schutze der freundlich gesinnten Mächte. Die Juden sind in 60 Gemeinden eingeteilt, von denen die größte die von Kabul ist, die 2000 Seelen zählt. .. -JMS* ..