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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-10-07 · Heft 41 (7.10.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 41 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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68. Jahrgang. No. 41. Berlin, 7. Oktober 1904. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. TTT ^[j\ ▼ w* ▼ ▼ Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 2 M. Redakteur: Gustav Rarpele». Begründet'von Rabbiner D»« Ludwig Philipxson. Verlags-Expedition: Berlin, Jernsalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adreffe: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße $6/^9, zu richten. Verlag von Rudolf Mosfe, Berlin. LlMgKklt. Berlin, 4. Oktober, ie süddeutsche Orthodoxie wühlt seit einiger Zeit wieder in sehr scharfer Weise gegen die Einigkeit des Gesamtjudentums. Wie aus dem Vortrage eines ihrer fanatischsten Führer hervorgeht, soll die seit 25 Jahren unter dem Hochdruck .der antisemitischen Bewegung in Deutschland mühsam errungene Einigkeit, wie sie sich in dem Gemeindebunde, dem Rabbinerverbande, dem Verband deutscher Juden und dem Verband jüdischer Lehrer ausspricht, jetzt durchaus gesprengt werden. Namentlich gegen den letzteren Verband wird energisch Fropt gemacht. Bekanntlich vereinigten sich seinerzeit über 300 deutsche Rabbiner, um in einer imposanten Kundgebung gegen rohe antisemitische Angriffe für den Wert der jüdischen Ethik einzutreten; die Hauptgrundsätze unserer erhabenen Sittenlehre wurden im Druck mit den Unterschriften fast aller deutschen Rabbiner veröffentlicht. Dem Organisationstalent des verstorbenen Rabbiners Dr. Isaak Bamberger-Königsberg i. Pr., der Friedensliebe eines Joel-Breslau sowohl wie des seligen Israel Hildesheimer, Dr. Feilchenseld-Posen war es zu danken, daß nicht nur diese wichtige Kundgebung, deren Einfluß sich bis . in das deutsche Parlament erstreckte und die noch heute segensreich nachwirkt, zustande kam, sondern, daß auch die Gründung eines Verbandes deutscher Rabbiner mit einer gemeinsamen Hilfskasse in die Wege geleitet wurde, aus denen der Verband heute schon viel Gutes geschaffen hat. Die Hauptopfer sind namentlich da, wo es hieß „Tut den Beutel auf", übrigens für diese drei Organisationen von den Neologen gebracht worden, gegen die man k>en Sturmlaus mit einer derartigen Energie jetzt eröffnet, daß man fast das einst vielbesprochene Schisma, die Spaltung des Judentums in zwei nach Art des Katholizismus und Protestantismus getrennte Kirchen, unmittelbar herankommen zu sehen meinen könnte. Was Gott in seiner Gnade verhüten wolle! Die in dem erwähnten Vorträg vor den gesetzestreuen Lehrern ausgestellte Prämisse ist allerdings richtig — nur die Schlußfolgerungen sind falsch und aus der Luft geholt. Es heißt dort nämlich: „Wenn vor zwei bis drei Jahrzehnten jemand die Behauptung aufgestellt hätte, daß Verbände von Rabbinern oder Lehrern ins Leben treten würden, in denen die „Gläubigen" mit den „Neuerern" sich als gleichstrebende Vertreter und Verfechter derselben Standesinteressen zusammenfinden würden, so würde man dies für ebenso unmöglich gehalten haben, wie etwa das Projekt einer Vereinigung der Sozialdemokraten und Konservativen zu einem pvtitischen Verband." Nun, wir meinen, man sollte das als einen Fortschritt der Humanität und Gesittung begrüßen, daß auch bei uns endlich statt der öden Zänkereien im Innern der Feind von außen mit dazu beigetragen hat, den Frieden in Israel herzustellen, und man sollte sich auch erinnern, daß selbst die Regierung gar oft zu den von ihr perhorreszierten Kompromissen die Hand bietet und daß sie z. B. an demselben Tage, da der große Kanzler des Reiches, Bismarck, aus dem Reichskanzlerpalais schied, in dasselbe erste Haus des Reiches die Vertreter der Arbeiterschutzkonferenz aus allen Teilen Europas und darunter auch erklärte Sozialdemokraten, als Vertreter der Arbeiter einberief. Wie sollen die doch nun einmal heute vorhandenen Gegensätze denn geklärt werden, wenn nicht durch gemeinsame Beratung, zu der sich doch auch in allen Kommissionen des Reichstages die schärfsten Gegner.zusammenfinden! Also das politisch angeführte Gleichnis hinkt. Oder hat man vielleicht ein Mittel aus dem orthodoxen Kampfarsenal auch zu einer besseren Lösung der jetzt die ganze Welt bewegenden staatlichen Fragen? Es sieht nicht danach aus; der Horizont der süddeutsch-orthodoxen Kämpfer dieses Schlages scheint sich leider über die Mauern des alten Kehillah-Ghettos noch nicht wesentlich zu größeren Gesichtspunkten hinaus erhoben zu haben, denn es heißt dann weiter: „Einmal wagte man sich an Rabbiner Dr. H. mit einem Vorschlag heran. „Ich bin bereit", erwiderte er, „einem Rabbinerverbande beizutreten, sobald statutarisch festgesetzt wird, daß Männer, die sich über die Gesetze der Thora hinwegsetzen, von der Mitgliedschaft ausgeschlossen sind, z. B. ein Rabbiner, der die Trauung einer nplpl vollzieht." . . . „Daß das Absurde greifbare Gestaltung annehmen konnte und mit welcher Schlauheit es ausgesührt wurde, dieses darzulegen, muß einer besonderen Arbeit Vorbehalten bleiben." Aus diese Arbeit der Orthodoxie, in der dargestellt werden soll, svie die Schlauheit eines Joel, Ungerleider, Mahbaum, Bamberger, einen Hildesheimer, Feilchenseld, Hirsch, Auerbach, Gronemann rc., die nicht gewußt haben, was sie taten, zur höheren Ehre des jüdischen. Namens überlistet haben soll, dürsten wir alle gespannt sein. Da uns aber nicht Haß verblendet, sondern wirkliche Friedensliebe im Interesse der durch solche Wühlarbeit bedrohten Institutionen leitet, so raten wir den heißblütigen süddeutschen Kämpfern, einstweilen zur besseren Ehre des jüdischen Namens diese Arbeit (die doch von allen antisemitischen Organen sofort aufgegriffen werden würde) ruhig im Pulte zu behalten. In der, wie gesagt, hauptsächlich gegen den Verband jüdischer Lehrer gerichteten Arbeit heißt G übrigens noch wörtlich weiter:

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