Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1904)
- Date
- 1904-09-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 daß jemanb, der Saueressig heißt, auch süßen und guten Wein führen kann, hat Herr Saueressig mit behördlicher Genehmigung seinen Namen gewechselt; er heißt jetzt Schellenberg. — Die israelitische Gemeinde Hengstberg, die noch in den 1880er Jahren eine stattliche Anzahl Angehörige zählte, hat sich nunmehr nach Wegzug der Hengstfelder Israeliten aufgelöst. Die meisten Familien verzogen nach Würzburg, andere nach Nürnberg, Hall und Crailsheim. Für die politische Gemeinde bedeutet der Wegzug der steuerkräftigen Israeliten einen nicht unbedeutenden finanziellen Verlust. —Leopold Hülsner, der seinerzeit in Kuttenberg ohne Beweis wegen Mordes der Anna Hruza in Polna zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt wurde, hat ein Gnadengesuch eingereicht. - Nach österreichischen Blättern ist seine Mutter bemüht, die Wiederaufnahme des Verfahrens herbeizuführen. — Auf dem Kongreß für vergleichende Religionsgeschichte in Basel sprachen ferner: Dr. Theodor Reinach (Paris): La date de la redaction definitive du Pentateuque, Professor Hnart (Paris): Le rationalisme musulman au X. siöcle, Oberrabbiner Dr. Tänzer (Hohenems): Die Stellung des Judentums innerhalb der Entwicklungsgeschichte der Menschheit, Professor I. Halevy (Paris): L'llnite des 3 Premiers efiaxitres de 1a Oenöse, Dr. Rosenbaum (Paris): Die Topographie des Tempels in Jerusalem zur Zeit des Herodes. — Der Chef der schweizerischen Feldpost bei den diesjährigen Manövern ist I. Wyler aus. Basel, ein Jude. — In Italien hat der antisemitische Klerus, wie erinnerlich, vor einiger Zeit den Ritualmord auf die Bühne zu bringen versucht. In einem geistlichen Institute der Stadt Verona hatte man im häuslichen Kreise ein Theaterstück aufgeführt, in welchem Juden ein Christenmädchen zu sich locken und abschlachten. Der Vorfall wurde in weiteren Kreisen bekannt und erregte unliebsames Aufsehen. Die Affäre kam auch in der Deputiertenkammer zur Sprache. Der Minister erklärte, er habe dem Institute für alle Zeiten die Unterrichtskonzession entzogen, die Anstalt gesperrt und den Direktor sowie den Autor des Stückes dem Landgerichte eingeliesert. — In einem eben erschienenen Buche von Huneker „Owen Tones" wird behauptet, daß Richard Wagner jüdischer Abkunft sei. Ein Dementi dieser Nachricht wird i wohl bald erscheinen. — Auch in Sosnowiee kam es am 10. d. M.! zu einem Judenkrawall. Bei der religiösen Zeremonie des Taschlich > am Wasser bewarfen Burschen die Juden mit Steinen. Ein Kind wurde leicht verletzt, was das Gerücht hervorries, Juden hätten ein Kind getötet. Arbeitertrupps durchzogen abends die Straßen, zertrümmerten die Scheiben jüdischer Wohn- und Bethäuser sowie mehrere Läden. Einige Juden, auch Frauen, wurden vom Pöbel durch Steinwürfe und Messerstiche verletzt. Zehn Verhaftungen wurden vorgenommen.. — Aus dem Rechenschaftsberichte der .Warschauer Gemeinde geht hervor, daß dieselbe in einem Zeiträume von Monaten, von Ende Mai bis Mitte August, 600000 Pfund Brot an hungernde Juden verabfolgt hat, aber diese Hilfe erweist sich, wie der „Warschawskij Dnewnik" berichtet, als ungenügend, weil die Zahl der Notleidenden immer größer wird. Gegen 15000 Juden sind buchstäblich am Verhungern. — Im Städtchen Polonza (Gouv. Radom) wurde unlängst am Sabbatabend die ganze Familie des Juden Jankel Rosmarin bestialisch ermordet und beraubt. Die Mitglieder der Familie waren durch ihre Wohltätigkeit allgemein bekannt. Die Täter konnten bisher noch nicht eruiert werden. — Der berühmte Psychiater und Professor der Universität Kiew, G. Sikorskij, hat, wie die „Kiewskaja Gazeta" meldet, ein wissenschaftliches Werk über den Ritualmord verfaßt, in welchem die Anklage gegen die Juden wegen Ritualmordes in ihrer ganzen Unstichhaltigkeit nachgewiesen wird. Professor Sikorskij hat seinerzeit den Mord des Christenknaben in Dubossary als gemeinen Mord bezeichnet und ihm jedweden religiösen Charakter abgesprochen. Die Untersuchung hatte sein Gutachten bestätigt. — Französische Blätter bringen wieder Mitteilungen über den Ursprung der Familie des Generals Stößel, des Verteidigers von Port Arthur. Danach wäre Stößel ein Enkel des 1835 aus Meseritsch in Mähren nach Rußland ausgewanderten Israeliten Aaron Stößel. Der Sohn Aaron Stößels war Goldschmied, wurde griechisch-katholisch und heiratete eine Russin. Der General ist ein Sohn des Goldschmiedes. Ein Teil der Stößels wanderte aus Mähren nach Ungarn aus und nahm dort den magyarischen Namen Szelenyi an. Wie der „Figaro" behauptet, schwebt vor den Budapester Gerichtsbehörden ein Prozeß wegen der Hinterlassenschaft eines! Stötzel-Szelenyi. In diesem Prozeß treten die russischen getauften! Stößels, also der General und seine Verwandten, als Erbpräten- | denken hinter einem ungarisch-jüdischen Szelenyi auf. Berkmer Tageblatt mir seinen 6 wertvollen Separat-Beiblätterm wissenschaftliche und seuilletonistifche £ClujeX|l- Zeitschrift (Montag). Technische Nun)schau UKW Der Mekkspiegek NNLWLL III I/r farbig illustriertes, satyrisch-politisches U L-.IV Witzblatt (Freitag). Haue HofGarten jÄa"w Der Mettspieger SS'ÄÄ 3m nächsteil (Quartal gelangt u. a. zum Abdruck: Der Dojuz von Ikarl Lmil Franzos Dieses hervorragende hinterlassene lverk des allzufrüh Heimgegangenen Dichters' wird in allen Gesellschaftsschichten begeisterte Aufnahme finden. Bezugspreis: Dierteljahrlicv 5.75 Mark, monatlich 1.92 Mark. 92 000 Abonnenten