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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-09-09 · Heft 37 (9.9.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 37 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Gesuche sind entweder an das Kommando der' betreffenden/ Unteroffizierschule direkt oder beim Bezirkskommando Heidelberg unter Beifügung - n) eines vom Großh. Bezirksamt ausgestellten Meldescheins; t>) eines Konfirmationsscheins bezw. Ausweises über den Empfang der ersten Kommunion; e) etwa vorhandene Schulzeugnisse; d) einer amtlichen Bescheinigung über bisherige Beschäftigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung . . baldigst einzureichen. Bezirks-Kommando Heidelberg. Es können sich mithin nur junge Leute für die Schule melden, welche einen Konfirmandenschein besitzen oder sich über Empfang der ersten Kommunion ausweisen. In Baden werden die Juden nicht wie in Württemberg oder Sachsen-Weimar und Meiningen r'c. konfirmiert, mithin haben sie auch keinen Konfirmandenschein. Allerdings sind durch die Bekanntmachung nicht nur Juden, sondern auch Konfessionslose und Angehörige von anderen Religionsgemeinschaften als der beiden Hauptkirchen ausgeschlossen von der Anmeldung zur Unteroffizierschule und man wird daran zweifeln, daß hier etwa auch wirklich die Absicht des Ausschließens vorliegt: Gesterrejch-Uirgarn. . □ Wien, 4. September. Seit einigen Tagen treffen in den Morgenstunden wieder größere Partien Kisch ine wer Auswanderer am Westbähnhofe ein, die nach Newyork und Chicago fahren wollen. Es sind meist ärmlich gekleidete, halb verhungert aussehende Männer und Frauen, die ihre aus russischem Gelde bestehende Barschaft an der Verwechselungskasse gegen österreichische Münzen umwechseln. Auf Befragen gab der Führer eines der Trupps an, daß gegenwärtig in Kischinew eine neuerliche-Judenverfolgung befürchtet werde, weshalb eine Panik ausgebrochen sei. — Baron Nathaniel v. Rothschild hat neuerdings der hiesigen freiwilligen Rettungsgesellschaft den Betrag von.80000 Kronen gespendet. Dr. Rudolf Siebenschein wurde zum Finanz-Oberinspektor befördert. — Der Kaiser hat den Großindustriellen und Großgrundbesitzer Wilhelm Guttmann de Gelse und dessen zwei Brüder in den Freiherrnstand erhoben. — Am 27. v. M. erschien bei dem in Krakau anwesenden Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber eine Deputation der israelitischen Kultnsgemeinde, bestehend aus dem ersten Vizepräsidenten Max Ehrenpreis, Rabbiner CH. L. Horowitz, Rabbiner Dr. Thon und mehreren Kultusräten. Herr Ehrenpreis, als Führer der Deputation, begrüßte im Namen der israelitischen Kultusgemeinde den Ministerpräsidenten und drückte die Freude über sein Erscheinen in unserer Mitte aus. Ministerpräsident Dr. v. Koerber dankte mit warmen Worten der Deputation und sagte unter anderem: „Es ist mir Ihre patriotische Gesinnung bekannt, und ich erwarte, daß von der ökonomischen Hebung der Verhältnisse in Galizien auch die Israeliten Nutzen ziehen werden." Der Ministerpräsident hat dann jedes Mitglied der Deputation angesprochen. — Der gegenwärtig in Karlsbad zur Kur weilende Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg, Neichsratsabgeordneter Dr. Byk, sandte dem Ministerpräsidenten ein Schreiben, in dem er den Niedergang der jüdischen Bevölkerung in Galizien schilderte und um Abhilfe bat. — Der Kaiser hat den Landesgerichtsrat Ferdinand Unger zum Oberlandesgerichtsrat in Prag ernannt. Es ist dies der erste jüdische Oberlandesgerichtsrat in Böhmen. — Dem Großgrundbesitzer Dr. Moritz Rosenstock in Skalat wurde der Adelsstand mit dem Ehrenworte „Edler" und dem Prädikate: Nozstocki verliehen. Dr. v. Rosenstock, der viele Jahre hindurch Vertreter der Brodyer Handelskammer im Reichsrat war, ist für die jüdischen Gemeinden seines Gutsbezirkes ein opferwilliger Beschützer. Von Sah und Fern. — Am 30. v. M. ist der allgemein geachtete Seniorches der Firma Jacob L Richter, Herr M. G otthelf. der auch Schatzmeister des Berliner Zweigvereins der deutschen Schillerstiftung war, im 75. Lebensjahr nach arbeitsreicher Tätigkeit gestorben. — Die Vertrauensmänner der deutsch-sozialen Partei traten in Nordhausen unter ddm Vorsitz des Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg zusammen. um eine neue Organisation zu beraten. Es wurde beschlossen, eine Zentralorganisation mit dem Sitz in Hamburg zu schaffen. Um mit der Neugestaltung zunächst Erfahrungen zu sammeln, soll der Parteitag erst im nächsten Jahre abgehalten werden. — Die deutsche Reformpartei der Herren Bruhn und Genossen hält ihren diesjährigen Parteitag in den Tagen vom 10. bis 13. September in Dresden ab. — Gemeindevorsteher Nathan Reifenberg in Weilburg hat das Allgemeine Ehrenzeichen erhalten. — Anläßlich der Anwesenheit des Kaisers in Schleswig-Holstein hat der Vorsteher der jüdischen Gemeinde Altona, Justizrat Hehmann, .den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Im Großherzogtum Baden sind in den letzten fünf Jahren nicht weniger als 73 Juden zum evangelischen Glauben übergetreten. Im ganzen zählt Baden nach der letzten Statistik 26132 Juden. — In'Ungarn leben gegenwärtig insgesamt 707472 Juden. Von diesen bekannten sich 451209 zur magyarischen, 223 488 zur deutschen, 13 370 zur slowakischen, 5359 zur rumänischen, 1152 zur russischen, 266 zur kroatischen, 90 zur serbischen und 28 zur slovenischen Nationalität, bezw. Muttersprache. Die übrigen 2510 gaben verschiedene Sprachen als ihre „Muttersprache" an. — Auf dem II. internationalen religionsgeschichtlichen Kongreß in Basel haben bis jetzt Professor Dr. Mahler-Budapest über „Kalenderdaten in religionshistorischer Bedeutung" und Professor Haupt-Baltimore über.„die religiösen Anschauungen des Buches Kohelet" gesprochen.— Dr. Leon Zadoc Kahn, ein Sohn des Großrabbiners von Frankr<^ch. bisher Vorsteher einer Klinik im großen Hospital zu Paris, ist,zum Chefarzt des Rothschild-Hospitals daselbst ernannt worden. -r Der frühere Lord Mayor von London, Sir Marcus Samuel, hat den japanischen Orden zur ausgehenden Sonne erhalten. Die Firma Marcus Samuel hat sich um Japan sehr verdient gemacht. Sie hat seinerzeit die erste Goldanleihe, dann später eine Anleihe zur Errichtung der Wasserwerke von Pokohama und eine zum Ausbau des Hafens von Osaka emittiert. Auch die Entwicklung von Formosa unter Japans Herrschaft ist durch die Firma Marcus Samuel lebhaft unterstützt worden. — In der letzten Sitzung des englischen Unterhauses ergriff ein Abgeordneter die Gelegenheit beim Schopf, um den Minister des Innern zu fragen, ob und wann er ein Gesetz gegen das jüdische Schächten vorlegen werde. Unterstaatssekretär Long erwiderte, daß er die Angelegenheit noch nicht studiert habe, daß er sie jedoch im Auge behalten werde. — sllach dem russisch-japanischen Kriegsschauplatz sind vorige Woche aus Odessa 13 Aerzte abgegangen, darunter befanden sich 12 Juden. — Der russische Negierungsanzeiger brachte den kaiserlichen Erlaß über die Neuregelung der Aufenthaltsrechte der Juden, den wir bereits in der vorigen Nummer dem Inhalt nach mitgeteilt haben. — Dr. Karl Herz, Gymnasiallehrer für Mathematik in Warschau, ein bekannter Schriftsteller auf seinem Gebiete, ist in Marienbad, wo er zur'Kur weilte, gestorben. — Die jüdischen Ackerbaukolonien in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw werden demnächst dem, Ministerium des Innern unterstellt. Es ist gerade jüst ein Jahrhundert seit der Gründung dieser Kolonien verflossen. Gegenwärtig leben dort 35 000 Ackerbauer, im Gouvernement Jekaterinoslaw 9470 und im Gouvernement Cherson 25 530 Ackerbauer. Sie alle bearbeiten ein Areal von 82 000 Deßjatinen. — In Witebsk sind für den Augenblick 3000 Zimmerer und Maurer, zum größten Teil Juden, ohne jede Arbeit. Sie sandten neulich einige Vertreter zum Gouverneur, damit er sie vonr Hungertode rette. — Für das Rabbinerseminar in Konstantinopel ist ein neues Gebäude acquiriert worden. Der Sultan hat ein besonderes Dekret erlassen, das die Bedeutung des Instituts für die Juden anerkennt und den Wunsch ausspricht, daß alle künftigen Rabbiner dort ihre Ausbildung genießen möchten. — Noch einer Kabelmeldung aus Newyork ist dort heute in der Attorneystraße im. Ostviertel der Stadt ein fünfstöckiges großes Mietshaus niedergebrannt, wobei vierzehn Personen ums Leben kamen und zwanzig verletzt wurden. Die Verunglückten sind sämtlich russische Juden. — Der neue Gouverneur von Hongkong, Sir Matthew Nathan, ist bei der Landung daselbst feierlich empfangen worden. Derselbe ist ein guter Jude. Er sollte vor einigen Jahren englischer Militärattache in Berlin werden, würde jedoch von der preußischen Negierung nicht akzeptiert.

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