Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den bewilligten Geldern dienten 1903 in den Jahren 1895—1903 3505 Mark 26605 Mark Unterrichtszwecken 2860 22820 „ für Personalexigens 1355 11700 „ nicht ausgeschiedenen Kultuszwecken 1180 9980 „ zu Synagogenbauten 400 " 1050 „ speziell für Erhaltung des' Synagogeninventars 50 1825 „ für Ritualbäder 150 1360 „ für Friedhöfe 560 3935 „ zur Schuldentilgung und Verzinsung 1250 „ 5950 „ zu Lehrerpensionen. Es ist damit ohne Zweifel den: Kultus und Religionsunterricht in ungefähr Vo der israelitischen Kultusgemeinden Bayerns ein wesentlicher Vorschub geleistet worden; diese Tatsache und die stattliche Anzahl von Gesuchen um Zuschüsse, welche schon wieder für 1904 vorliegt, zeigt, einem wie dringenden Bedürfnisse der Landesverein entspricht. Ein Teil der zu Bauten bewilligten Gelder harrt noch seiner Verwendung. Vorsitzender ist Justizrat Gunzenhäuser, der Ausschuß besteht zurzeit aus folgenden Herren: Rabb. Adler-Kitzingen, Rabb. Bamberger-Würzburg, Rabb. Dr. Bamberger-Bad Kissingen, Rechtsanwalt Bauer-Augsburg, Rechtsanwalt Eugen Beer-München, Ludwig Bloch-Zweibrücken, Samuel Bloch-Rürnberg, Rabb. Dr. Cohn-Burgreppach, Rabb. Dr. Cohn-Jchenhausen, Jacob Cramer-Fürth, Direktor Dr. Deutsch-Fürth, Jacob Drexler-Pirmasens, Rabb. Dr. Eckstein-Bamberg, Rabb. Dr. Einstein-Landau, Reumann Frank-Bamberg, Sigm. Fränkel- München, Kommerzienrat Gallinger-Rürnberg, Rabb. Dr. Goitein- Burgkundstadt, Direktor M. Gombrich-Rürnberg, Theodor Greif- Nürnberg, Rabb. Dr. Groß-Augsburg, Moritz Goldmann-Burgebrach, Jnstizrat Gunzenhäuser-Fürth (Vorsitzender), A. Hamburger-Aschaffenbnrg, Kommerzienrat E. Heimann-Schweinfurt, Rechtsanwalt Dr. Held-Nürnberg, S. H. Herrmann-Schwabach, Sigmund Höchstädter- Nördlingen, Albert Honig-Fürth, I. Hönigsberger-Floß, Heinrich Jung-Nürnberg, Geheimer Hofrat Josephthal-Nürnberg (ftellvertr. Vorsitzender), Nathan Kahn-Kaiserslautern, Kommerzienrat M. P. Kirchdörfer-München, Rabb. Dr.- Kohn-Ansbach, Rabb. Dr. Kußnitzki- Bayreuth, Albert Landauer-München, H. Landauer-Augsburg, Rabb. Dr. Landsberg-Kaiserslautern, Konsul Bernhard Lang-Nürnberg, Martin Lebrecht-Nürnberg, H. Löwenthal-Bad Kissingen, Rabb. Dr. Mannes-Schwabach, Sal. Marx-Landau, Kommerzienrat Metzger- Nürnberg, Rabb. Dr. MehÄ-Zweibrücken, Rabb. Dr. Meyer-Regensburg, Joseph Neuburger-Fürth, Rabb. Dr. Neubürger-Fürth, M. Neumann-BurgrePpach, Hermann Niedermeyer-München, Mich. Nußbaum- München, Justizrat Ofner-München (II. ftellvertr. Vorsitzender), M. Oppenheimer-Würzburg, Joseph Negensburg-Sulzbürg, Rabb. Dr. Salvendi-Dürkheim, Ignaz Schnebel-Nürnberg, Benno Seligsberger- Bayreuth, I. Selling-Ansbach, Rabb. Dr. Stein-Schweinfurt, Benj. Stern-Kitzingeu, M. Sulzer-Jchenhausen, Simon Sundheimer-Regensburg, Rabb. Dr. Wachenheimer-Aschaffenburg, Emil Wassermann- Bamberg, Louis Weil-München, Rabb. Dr! Weinberg-Sulzbürg, Justizrat Dr. Werner-Bamberg, Rabb. Dr. Werner-Burgebrach. Rabb. Dr. Werner-München, Justizrat Dr. Wittelshöfer-Fürth, Nathan Wolf-Dürkheim, Rabb. Dr. Ziemlich-Nürnberg. Die Einnahmen betrugen 22876,85 Mark, die Ausgaben 13 094,91 Mark, das Vereinsvermögen!8931,94 Mark. Oesterreich-Nngarn. in Wien, 22. August. Anu 16. fand hier die Sitzung des Großen zionistischen Aktionskomitees statt, die durch die Zuziehung öer ständigen Kommissionen zur Jahreskonferenz erweitert wurde; sie war von allen Seiten sehr zahlreich beschickt worden, ganz besonders aus Rußland. - Dr. Leopold Kahn (Wien) begrüßte als Alterspräsident die zahlreiche Versammlung, worauf Architekt Oskar Marmorek (Wien) die Gedenkrede für Dr. Herzl hielt. Sämtliche Anwesende begaben sich hierauf zum Grabe Herzls auf den Döblinger Friedhof. Nachmittags begannen unter dem Vorsitz Dr. I. Tschlenows (Moskau) und Dr. I. Bodenheimers (Köln) die Verhandlungen. Nach einer sehr lebhaften, mitunter stürmischen Debatte wurde mit großer Majorität beschlossen, das engere Aktionskomitee für die Zeit bis zum nächsten Kongreß durch fünf Mitglieder , zu verstärken, die aus dem großen Aktionskomitee gewühlt wurden. Die Wahl fiel auf die Herren Dr. Alexander Marmorek (Paris), Dr. I. Bodenheimer (Köln), I. L. Greenberg (London), Dr. I. Tschlenow (Moskau) und Jngeniur M. Usischkin (Jekaterinoslaw). Die Jahreskonferenz der zionistischen Partei, der sogenannte „kleine Kongreß", wurde vom Alterspräsidenten Dr. Lippe (Jassy) am Mittwoch eröffnet, der zu Vorsitzenden das Präsidium des großen Aktionskomitees vorschlug. Hierauf übernahm Dr. Bodenheimer (Köln) den Vorsitz. Direktor Wolfsohn (Köln) berichtete über den Geschästsstand der jüdischen Kolonialbank, die in diesem Jahre trotz der Krise im Osten günstigere Erfolge aufweise wie im Vorjahre. Namens des Aufsichtsrates sprach Dr. O. Kokesch (Wien), dann hielt Professor O. Marburg (Berlin) namens der Palästinakommission ein beifällig aufgenommenes Referat über die Tätigkeit dieser Kommission und über das Ostafrikaprojekt; er teilte mit, daß die Expedition nach Uganda noch nicht abgegangen sei, weil das erwartete Geld nicht vorhanden war. Erft im letzten Augenblick wurde ein Angebot von 2000 Pfund Sterling der Kommission gemacht, mit denen eine kleine Expedition ausgerüstet und demnächst abgesendet wird. In der Nachmittagsitzung erstattete Architekt Oskar Marmorek (Wien) den Bericht des Aktionskomitees, der eine äußerst stürmische Debatte erregte. Im Namen der Nationalfondskommission referierte Dr. Farbstein (Zürich). Es wurde beschlossen, als Sitz des Nationalsonds London zu bestimmen und den Fonds zu einer Aktiengesellschaft zu verwandeln, die sich aus allen Besitzern von Gründershares der jüdischen Kolonialbank zusammensetzen soll. — In Ungarn wächst die Erregung gegen den Zionismus und gegen die geplante Preßburger Konferenz. Der Oberrabbiner von Preßburg, der Führer der orthodoxen Judenheit Ungarns, erklärte in einem Schreiben an den Rabbiner von Waitzen, daß er mit dem Misrachi-Kongreß weder etwas zu tun habe, noch zu tun haben wolle. Ebenso erließ die Durchführungskommission als Zentralvrgan aller orthodoxen Gemeinden und Gemeindevorstände in Ungarn einen scharfen Aufruf gegen den „Misrachitag" in Preßburg. In einen: zweiten Brief des Oberrabbiners von Preßburg warnte er alle Gesetzestreuen, besonders aber seine Schüler, sich den Zionisten anzuschließen und an der in Preßburg stattfindenden Versammlung teilzunehmen. Den vierzig Rabbinern hat sich eine weitere Anzahl orthodoxer Oberrabbiner in Ungarn und Polen angeschloffen. Sie berufen sich alle auf den „weltberühmten Gaon von Brisk, der anerkanntermaßen die größte rabbinische Autorität der Gegenwart ist." — Den: Primarius und Spitalsdirektor Professor Berthold Stiller in Budapest ist der Titel eines königlich ungarischen Hosrates verliehen worden. Seine Tätigkeit als Arzt und als Fachschriftsteller hat seinen Namen weit über die Grenzen Ungarns bekannt gemacht. In Prag ist der Direktor der Altstädter Knaben-, Volks-und Bürgerschule, Moritz Mautner, gestorben. Mautner, der ein Alter von nur 54 Jahren erreichte, war der erste Jude, der die Würde eines Direktors an einer öffentlichen staatlichen Schule in Prag bekleidete, und er dürfte wohl auch der einzige Jude gewesen sein, der es in Oesterreich bis zum Direktor brachte. Der Verstorbene, der von einem seltenen Eifer für seinen Beruf erfüllt war. erfreute sich infolge seiner hervorragenden Fähigkeiten und seiner gewinnenden Charaktereigenschaften in den Kreisen der gesamien deutschen Lehrerschaft Böhmens großen Ansehens und seine Schüler verehrten ihn als strengen, aber gerechten und wohlwollenden Lehrer: Der Verblichene, der auf pädagogischem Gebiete auch schriftstellerisch tätig war, war Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes, Mitglied der k. k. Prüfungskommission für das Lehramt an Volks- und Bürgerschulen und nahm an allen religiösen Interessen der Prager israelitischen Kultusgemeinde lebhaften Anteil. Ehre seinem Andenken! — Der Kaiser hat bei seiner Anwesenheit in Marienbad und Karlsbad die Rabbinev und Gemeindevorftände daselbst empfangen und die Herren Dr. Ziegler und Goldberger huldvollst in ein Gespräch gezogen. Holland. --- Amsterdam, 21. August. Der Internationale sozialistische Arbeiterkongreß beschäftigte sich gestern auch mit der russischen Jndenfrage. Von Bebel, Kautsky, Bernstein, Banting, Anseele, Hardie rc. war ein längerer Antrag eingegangen, in dem es