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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-07-29 · Heft 31 (29.7.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Im Anschluß an das gediegene, eingehende Studien und tiefe.Sachkenntnis bekundende Referat, das hoffentlich ausführlich veröffentlicht wird, wurde die Gründung eines Ehrenrates beschlossen, in den Dr. Bloch-Oberehnheim, Dr. Weill-Buchsweiler und Dr. Wolff-Bischheim gewählt wurden. Hingegen wurde die von einer Seite gegebene Anregung, mehr obligatorische Predigten gleichmäßig in allen Gemeinden einzuführen, wegen der Verschiedenheit der Verhältnisse in den einzelnen Sprengeln als unausführbar zurückgewiesen. Wegen der vorgerückten Stunde wurde die Frage der Neuorganisation des Lesezirkels von der Tagesordnung abgesetzt und zur Neuwahl des Ausschusses geschritten. Gewählt wurden: Dr. Bloch-Oberehnheim, Vorsitzender, Dr. Bloch-Dambach, Schriftführer, Dr. Goldstein-Mutzig, Dr. Levy-Brumath, Dr. Marx-Westhofen, Kassierer. Gesterreich-Ansarrr. □ Wien, 25. Juli. Wie weit der deutsch-nationale Antisemitismus in unserem lieben Oesterreich geht, das zeigt u. a. auch die folgende Mitteilung aus Reichenberg. Dort entstand, wie der „Zeit" berichtet wird, vor einiger Zeit ein Zweigverein des Wiener Vereins der Freunde, der Feuerbestattung „Flamme", dem auch einige Juden als Mitglieder beitreten wollten. Der Vereinsausschuß, der nahezu ganz aus Antisemiten besteht, beschloß die Juden von der Verbrennung auszuschließen. Doch hielt man es für nützlich, auf die Mitgliedsbeiträge der Abgewiesenen nicht ganz zu verzichten. Sämtliche jüdischen Anmeldungen wurden daher an den Wiener Zentralverein abgetreten, der die Reichenberger Juden als Mitglieder aufnahm, ohne daß sie es gewollt hatten. Jedenfalls gilt für Reichenberg das Machtwort: „Der Jude wird nicht verbrannt!" — Rabbiner Dr. S. W. Link in Dobrisch (Böhmen) ist an die israelitischen Kultusgemeinde in Pilsen berufen worden. Derselbe hat den Religionsunterricht an Volks- und Mittelschulen zu erteilen und den Rabbiner im Behinderungssalle zu vertreten.— In Lemberg haben bic. Zionisten beschlossenin Zukunft Eingaben an den Kultusvorstand nur in hebräischer Sprache zu verfassen. Der Anfang wurde bereits vergangene Woche gemacht. Es bleibt noch abzuwarten, wie sich der Kultusvorstand zu diesem Schritte der Zionisten stellen wird. — An dem Empfang des neuen Fürstbischofs von Olmütz Dr. Bauer in Kremsier beteiligte sich auch der dortige Rabbiner Dr. Frankl Grün und mehrere Delegierte der israelitischen Gemeinde.— Der Redakteur des „Gambrinus", Herr Adolf Lichtblau, ist zum kaiserlichen Rat ernannt worden. — Die polytechnische Hochschule in Prag hat durch den frühen Tod des berühmten Mathematikers, Professor Dr. Wilhelm Weiß, einen großen Verlust erlitten. Weiß war 1859 in Ridka bei Prag geboren. 1894 wurde er Dozent der Mathematik und drei Jahre später erhielt er die Ernennung zum Professor der Mathematik und analytischen Mechanik am Polytechnikum zu Prag. Kurz vor seinem Tode war er für das laufende Schuljahr zum Dekan der technischen Abteilung gewählt worden. Aus dem Friedhof sprach der Rektor Magnifikus Professor Melan einen warmen Nachruf für den dahingegangenen Kollegen. Er lobte die unvergleichliche Lehrtüchtigkeit des Professor Weiß, seinen edlen Charakter und betonte, daß seine Kollegen und die Studenten, die den Vorzug gehabt, bei ihm zu hören, ihm die herzlichste Verehrung gewidmet hatten. Professor Weiß hat dem am hiesigen Polytechnikum organisierten Verein jüdischer Studenten stets das größte Interesse entgegengebracht und alle mögliche Förderung angedeihen lassen. Von Osh und Fern. ----- Von den im Jahre 1902 auf Grund des Fürsorgegesetzes zur Zwangserziehung überwiesenen Kindern waren der Konfession nach 64 v. H. evangelisch, 35,6 v. H. katholisch, und 0,4 v. H. Juden. Das Verhältnis der evangelischen und katholischen, Zöglinge zur Gesamtzahl der Zöglinge entspricht ungefähr dem Verhältnis der Anhänger dieser beiden Konfessionen zur Gesamtbevölkerung, während die jüdischen Zöglinge erheblich unter dem Gesamtdurchschnitt stehen. — Am 17. d. M. ist der Friedhofsinspektor a. D. Gustav. Lichtenstein im'70. Lebensjahre hier gestorben. — In Friesack wurden auf dem jüdischen Friedhofe die Gräber geschändet. Die bisher noch nicht ermittelten Uebeltäter zertrümmerten mit einem. Instrument mehrere Grabdenkmäler und stürzten sie um. — Am 16. d. M. ist der angesehene langjährige Stadtverordnete. Bankier Robert Cohn in Königsberg auf einer Dünenwanderung von Kranz nach Memel vom Herzschlag getroffen worden und bald .darauf gestorben. — Als antisemitische Sommerfrischen „empfehlen" sich: „Pension Lambeck, Westerland auf Sylt, Damenbadestraße. Verkehr von Herrschaften nur christlichen Glaubens. Besitzer Krome und Frau, geb. Lambeck."' Von folgenden Pensionaten in Swinemünde berichtet die „Staatsbürgerztg.", daß 'sie keine Juden aufnehmen: Villa Heiderose (Besitzer F. Böttcher), Villa Seeschloß (Besitzer Geschwister Schnür), Villa Hedwig (Pensionat und Logierhaus, Besitzer Wwe. Hübner). Endlich ist noch die Villa Orania (Besitzer Wilhelm Schnitter) in Neuenahr hinzuzufügen. — In Frankfurt a. M. ist am 11. d. M. Dr. Simon Maas gestorben, der 1811 hier geboren war, sich 1835 als Rechtsanwalt hier niederließ und jahrzehntelang in dem öffentlichen Leben seiner Vaterstadt eine hervorragende Rolle spielte, so gehörte er u. a. der gesetzgebenden Körperschaft und später dem Stadtverordnetenkollegium an. — Der Oberlandesgerichtsrat Adolf Epstein ist zum Mitglied der Königlichen Disziplinarkammer in München ernannt worden. — Ein jüdisches Gymnasium soll in Budapest im Anfänge des nächsten Schuljahres errichtet werden. Das Gymnasium wird auf ganz moderner Grundlage stehen. Die Erziehung soll eine „streng religiöse" sein. Ganz besonderes Gewicht wird auf die hebräische Sprache gelegt werden. Es sind bereits Schritte zur Erlangung des Oeffentlichkeitsrechtes eingeleitet worden. — In Paris ist Albin Mo'ise, früher Chefingenieur der Brücken und Chausseen in Frankreich, im 68. Lebensjahre gestorben. Derselbe war Mitglied des israelitischen Zentralkonsistoriums für Marseille. — Der Haüptmann im 117. Sapeurregiment Marix ist zum Bataillonschef, der Oberstleutnant Ed. Mayer vom 12.Artillerieregiment zum zweiten Direktor der Ärtillerieschule in Algier ernannt Wörden. — In Neapel ist vorige Woche das israelitische Hospital eröffnet worden, das der verstorbene Baron Adolph v. Rothschild gestiftet hat. Die Baronin Edmund v. Rothschild hat aus diesem Anlasse noch 10 000 Franks für die innere Einrichtung geschenkt. — Der italienische Gesandte Graf Hierschal de Minardi, ist in den Ruhestand getreten und hat bei diesem Anlasse den Großkordon des Kronenordens erhalten. — Der in Rom lebende Privatgelehrte Dr. Ludwig Pollack hat vom Kaiser von Rußland den Stanislausorden erhalten. — Englische Blätter wissen aus Muk den von einer tapferen jungen Karaitin zu erzählen, die dem russischen Heere am 11. v. M. in einem Scharmützel mit den Japanern wahre Heldendienste geleistet hat. — In der zu Ehren der offiziellen Geburtstagsfeier des Königs von England veröffentlichten Rangliste erschien der Name des Herrn E. D. Stern zu London, der die Nitterwürde erhalten hatte. Sir Edward Stern ist der zweite Sohn des verstorbenen Viscount de Stern und Bruder des Lord Wandsworth. Es ist Präsident des jüdischen Taubstummenvereins, und während seines Präsidiums hat dieses Institut das hervorragende Ansehen unter den anderen öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen erlangt, das vor allen Dingen der Freigebigkeit zu verdanken ist, mit welcher Sir Edward Grund und Boden, sowie das Gebäude dem Heim zur freien Verfügung stellte. — Das fast ausschließlich von Juden bewohnte Städtchen Korostische w bei Kiew in vollständig niedergebrannt. Dreihundert jüdische Häuser sind vom Feuer zerstört, viele Hunderte jüdischer Familien sind brot- und obdachlos. Das Elend unter den Betroffenen läßt jede Beschreibung weit hinter sich. Schleunige Hilfe tut dringend not. — Der russische Staatsrat hat das Gesetz abgeschafft, wodurch den Juden in den Landstrichen, die der israelitischen Bevölkerung als Zwangsdomizil zugewiesen sind, das Bewohnen von Dörfern verboten war. — Der famose Max Negis wurde in Algier zu einem Monat Gefängnis und 3000 Frs. Schadenersatz für einen Artikel in seinem „Antijuif" verurteilt. In einem zweiten Falle wurde er zu zwei Monat Gefängnis und 2000 Frs. Schadenersatz verurteilt. — In Tunis ist der Großrabbiner der portugiesischen Gemeinde Jacob Silvera gestorben. Er war sehr | beliebt und das Leichenbegängnis legte dafür Zeugnis ab. Dem zu seinem Nachfolger bestimmten Rabbiner Daniel Lumbroso hat die ' Regierung die Bestätigung versagt, weil er italienischer Nationalität ist.

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