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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-06-24 · Heft 26 (24.6.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 26 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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n. Freibitrg i. B., 19. Juni. Der Verein Jüdischer Studenten an der Universität Freibnrg begann am 7. v. M. sein zweites Semester mit der Antrittskneipe, die von zahlreichen Gästen" besucht war. Unter anderen waren Mitglieder des Vereins Jüdischer Studenten Straßburg und Vertreter hiesiger jüdischer Vereine anwesend. Bbr. Stahl hielt die Tendenzrede, die mit großem Beifall ausgenommen wurde. Wir haben sieben neue Füchse und im ganzen 19 aktive. Der Verein Jüdischer Studenten Freiburg will wie die im „Bunde Jüdischer Korporationen (B. I. S.)" vereinigten Vereine Jüdischer Studenten seine Mitglieder neben der Unterweisung in. studentischen Dingen zu reger Anteilnahme am Leben erziehen, indem. er sie in wissenschaftlichen, Politischen und sozialen Fragen innerhalb ' des Judentums in Vergangenheit und Gegenwart einzuführen sucht!. Es wurden bis jetzt folgende Vorträge gehalten: Bbr. Stahl, „Bar. Kochba"; Bbr. Kassel, „Geschichte und Lage der Juden in England"^ Bbr. Bromberg, „Morris Rosenfeld". Für die körperliche Ausbildung .wird durch Turnen und Fechten gesorgt. Briefe sind zu richten an st.ud. rer. nat. Kurt Hammerstein, Guntramstr. 20. Oesterreich-Ungarn. O Wien, 20. Juni. Vor einigen Tagen wurde die Witwe des Dichters Maurus Jokai, geborene Bella Groß, in besonders Audienz vom Kaiser empfangen. Der Kaiser äußerte sich in huldvollst anerkennender Weise über die Aufopferung, mit der sie die letzten^ Lebensjahre des Dichters betraut hatte, und sprach der Witwe nochmals sein Beileid aus. — Der regierende Fürst von Liechtenstein hat den in seiner Hofkanzlei beschäftigten Advokaten Dr. Josef Jahoda zum fürstlich liechtensteinschen Nat ernannt. — Der vor einigen Tagen hier verstorbene Advokat und gewesene Professor der Handelsakademie Dr. Theodor Theumann entstammte einer bekannten, alten jüdischen Familie, deren Mitglieder sich stets durch große Frömmigkeit und Rechtlichkeit hervortaten. Dr. Güdemann hielt am Grabe einen tiefempfundenen Nachruf. — Der ungarische Ministerpräsident Tisza hat aus Anlaß der 25. Jahreswende des Wiederaufbaues der Stadt Szegedin eine Rede gehalten, die nach der Auffassung unserer Antisemiten den Tiefstand der sozialpolitischen Einsicht und der öffentlichen Moral in Ungarn bezeichnet und zugleich herrlich demonstriert, daß derlei bei uns allerdings auch nicht möglich wäre. .Der Ministerpräsident sagte der Deputation der Geistlichkeit sämtlicher Konfessionen, „es wäre ein verhängnisvoller Leichtsinn,in Uneinigkeit und Reibereien zwischen den einzelnen Konfessionen jene Kraft zu vergeuden, welche wir in ihrer Gänze nötig haben, wenn wir die Segnungen der Religion gegen die Gott und die Menschen verlästernden und zerstörenden Hetzer aufrecht erhalten wollen." Er. sagte noch manches andere, was die Antisemiten sich nicht hinter den Spiegel stecken werden. Er sprach für die Freiheit der Meinungen und der Gewissen, von der Gleichheit vor dem Gesetze, die auch bei uns aus dem Papiere verbürgt ist, und von anderen schönen Dingen, die ihm unsere Antisemiten sehr übelnehmen. Amerika. H. Newyork, 24. Mai. Meyer S. Jsaaes starb hier heute plötzlich in einer Restauration. Er war am 18. Mai 1841 in Newyork als Sohn des Chasans und Predigers Samuel Jsaaes, des Herausgebers des Jewish Messenger, geboren, studierte die Rechte und war 1880 Richter am Seehandelsgericht. Er nahm am politischen Leben und an den jüdischen Gemeindeangelegenheiten eifrigen Anteil, war Mitbegründer des Board of Delegates of American Israelifes, der . United Hehrew Charities und anderer Organisationen. Seit 1890 war er Präsident des Baron Hirsch-Fonds. Sein Bruder Abraham S. Jsaaes, der nach dem Tode des Vaters den Jewish Messenger herausgab, bis er ihn vor zwei Jahren eingehen ließ, ist Rabbiner in Paterson, Newjersey. — Dr. Jacob Hollander, Professor der Nationalökonomie an der John Hopkins Universität in Baltimore wurde mit der Kommission betraut, ein neues System der Besteuerung für das Jndianerterritorium vorzubereiten. Professor Holländer wird das Territorium in den Ferien bereisen. Er war im Jahre 1897 Mitglied der Kommission zum Studium der Silber-Währung und 1900 an der Spitze des Finanzwesens von Portorieo. Von Sah und Fern. — Im Krankenhause der jüdischen Gemeinde (Auguststraße 14/16) ist eine gynäkologische Poliklinik eröffnet worden, deren Leitung dem Frauenarzt Dr. Bruno Wolfs übertragen wurde. Sie ist in der Zeit von 8^2 bis 9l/-2 Uhr vormittags geöffnet. — Der Herausgeber der „Preußischen Korrespondenz", Zimmermann, der über den Stand der Untersuchung in Könitz Mitteilungen verbreitet hat, ist über die Quelle derselben vernommen und wegen Verweigerung des Zeugnisses mit 200 Mark bestraft worden. — In Bleicherode ist am 13. d. M. der Lehrer und Prediger David Samuel im 53. Lebensjahre gestorben. Derselbe war 20 Jahre lang dort tätig und hat sich die Liebe der ganzen Gemeinde erworben. Ehre seinem Andenken! — Der Staatsanwalt am königl. Oberlandesgericht München, Eduard Silbermann, ist zum Rat an demselben Gericht ernannt worden.—In Bad Nauheim wurde ein Israelitisches Frauen- . heim eröffnet, eine Stiftung, die durch Beihilfe der Freifrau von Rothschild und des Bankier Mainz-Frankfurt, sowie durch Sammlungen aufgebracht wurde, zu dem Zweck, mittellosen jüdischen Frauen eine vollständige Badekur möglichst unentgeltlich zu gewähren. — Das jüdische Kultuspersonal in Frankreich zählt 57 Beamte, von denen der Großrabbiner des Zentralkonsistoriums 14 000, der Großrabbiner des Pariser Konsistoriums 5000, 8 Großrabbiner je 4000, 24 Rabbiner' je 1750 bis 2500 und 23 Vorbeter je 600 bis 2000 Franken Gehalt beziehen. — Professor Joseph ^Halevy, stellvertretender Direktor der Ecole des Hautes Etudes in Paris, ist als Professor für hebräische und assyrische Literatur am dortigen Rabbinerseminar gewählt worden. Baron Edmund v. Rothschild hat diese Lehrkanzel kreiert. — In Sevilla wurde der König von Spanien besonders von der dortigen jüdischen Kolonie mit großem Enthusiasmus empfangen. — Der spanische Ministerrat hat beschlossen, für die jüdischen und mohammedanischen Marokkaner konfessionelle Schulen zu begründen. — In Bialystok ist Elieser Atlas, einer der scharfsinnigsten Kritiker und ein sehr begabter hebräischer Schriftsteller, gestorben. Ehre seinem Andenken! — Der am 20. v. M. in Moskau verstorbene jüdische Philantrop K. W. Wisotzki hat sein gesamtes Privatvermögen in Höhe von einer Million Rubel unter gewissen eigenartigen Bedingungen jüdischen Zwecken vermacht. Das Kapital soll in Beträgen von je 20 000 Rubeln jährlich realisiert werden. Alle 5 Jahre tritt das Kuratorium zusammen, um über die Verwendung der inzwischen realisierten 100 000 Rubel zu beschließen. Zu Kuratoren wurde testamentarisch bestellt der Schriftsteller Ascher Ginzburg (Achad Haam), der Moskauer Kronrabbiner Mase und der ehemalige Direktor der Moskauer internationalen Bank, Schmelkes. — In Gro dn o hat eine Zusammenkunft von Vertretern zahlreicher Judengemeinden im Nordwestgebiete stattgefunden, um angesichts der immer wachsenden Auskehrung die jüdische Emigration zu regeln. Der Vertreter der Stadt Minsk unterbreitete in der ersten Sitzung Daten über Judenauswanderung aus Rußland in den letzten vier Jahren. Danach beträgt die Zahl der jüdischen Auswanderer für die Zeitperiode 1300 bis 1903 mehr als 400 000, wovon 160 000 Juden, darunter 33 Prozent Handwerker, sich in den Vereinigten Staaten von Nordamerika niedergelassen haben. Die Debatte über die Regelung der Auswanderung endete mit dem Beschluß, in allen Städten des Niederlassungsgebietes Jnformationsbureaus zu eröffnen, welche die Auswanderer mit Reisepässen und mit allen nötigenJnformationen versehen sollen.—Nach einer statistischen Aufstellung von Josef Jacobs leben gegenwärtig in Newyork 672 776 Juden. Dann kommen der Einwohnerzahl nach Warschau, Budapest, Odessa, Wien, Lodz und London. — Auch Amerika ist von Antisemitismus nicht frei. Henry Rosenthal, einer der geachtetsten Bürger der Stadt, war in Lasayette im Staate Indiana von der republikanischen Partei als Kandidat für die Stelle des Mayors (Bürgermeisters) aufgestellt. Da die Demokraten gegen ihn gar nichts vorzubringen wußten, agitierten sie scharf gegen die Juden und infolgedessen siel. Rosenthal bei der Wahl durch. Seine Wahl wäre sicher gewesen. — Die erste jüdische Zeitung in China wurde kürzlich gegründet. Sie ist ein 14 Tage-Blatt in englischer Sprache namens „Israels Messenger" (Bote Israels).

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