Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-06-17 · Heft 25 (17.6.1904) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 25 (17.6.1904)
Date
1904-06-17
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228607--60897-3274690
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

würdigen Verlauf nahm. An das Konzert schloß sich ein überaus zahlreich besuchtes - Festessen. Dabei hielten Vorsteher Weil, Gemeinderat Gün'zburger- Vereinspräsident Veit, Kantor Goldberg, Rechtsanwalt Dreifuß und Hauptlehrer Wolfsbruck — sämtlich aus Emmendingen — beifällig aufgenommene Begrüßungsreden. Hauptredner war Konferenzrabbiner Dr. Levin aus Freibürg, der als Delegierter des Großherzoglichen Oberrats dem Feste anwohnte. Auch bei dem nachfolgenden Bankettfehlte es nicht an Reden, worunter die des Großherzoglichen Notars Welcker aus Emmendingen hervörzuheben ist. Durch launige Knittelverse erfreute Kantor Goldüerg die Gäste. Innig und verständnisvoll trugen Frau Drehfuß- Hauser und Kantor Bruchsaler-Bühl ein Duett aus „Jakob und feine Söhne" vor. Auch Kantor Wormser-Müllheim bewahrte sich als trefflicher Sänger. „Es war doch schön!" So lautete der Kehrreim des flott gesungenen Liedes, mit welchem Emmendingens Synagogen- .chor das Bankett einleitete. Und in der Tat war das Fest so schön, daß alle Teilnehmer in dankbarer, freudiger Erinnerung auf dasselbe zurückblicken können. Bei aller Anerkennung bleibe indessen folgendes nicht unerwähnt: Zahl und Umfang der Begrüßungsreden ist fürderhin zu beschränken; die Auswahl der Chöre ist nach der Verwendbarkeit im Gottesdienste zu treffen, und bei einigen Vereinen ist auf die Reinheit des.Tones und.der Aussprache, sowie aus die Anforderung der hebräischen Sprachlehre sorgfältiger zu achten. Dies sind kleine Flecken an dem Gesangsgemälde, dessen Glanz und.Schönheit darum nicht minder leuchtend bleiben. Oefterretch-Ansarn. LH Wien, 13. Juni. Eigentlich, sollte unser Oesterreich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten genannt werden. Denn was hier möglich ist, dürfte anderswo noch nicht einmal geglaubt werden. Oder würde man bei Ihnen glauben) daß hier gegenwärtig Gerüchte: über eine freundschaftliche Annäherung zwischen der Deutschen.. Volkspartei und der chtistlich-sozialen Partei Luegers umgehen? Auf dem Jubiläumsfest am Simmering, wo Dr. Derschatta Herrn) Lueger in einer Tischrede gefeiert, soll die Annäherung fcegömtä^ haben. Trotzdem glauben wir noch nicht recht an die Sache, da-di^ Ziele beider Parteien doch zw weit auseinander gehen. Denen üml Lueger steht ja doch das Deutschtum in zweiter Reihe, wahrend es. für die Deutsche Volkspartei die Hauptsache bildet. — Der jüdische: General Eduard Schweitzer weilte dieser Tage in seiner Geburtsstadt Ghönghös, wo er auch in der Synagoge erschien, am Gottesdienst teilnahm und den Oberrabbiner der Gemeinde besuchte. Bei" dem zu Ehren des Gastes veranstalteten Bankett brachte der dortigem katholische Pfarrer einen Trinkspruch auf den .General aus. —? Wie das Tschechenblatt „Pravo Lidu“ aus der Umgebung des Nach-.' folgers Dr. Theodor Kohns aus dem Olmützer Erzbischosstuhle er-, fahren haben will, entstammt auch dieser, Dr. Bauer, einer jüdischen Familie, welche sich erst seit zwei Generationen zunr katholischen: Glauben bekennt. Armer Mann!; Äuszlsnd. I — Petersburg, 5. Juni. Am letzten Donnerstag verhandeltedie vierte Abteilung des Kriminaldepartements des Senats (oberste gerichtliche Instanz) über die Berufung gegen das Urteil der Odessaer Strafkammer im Kischinewer Prozeß, die sowohl von den beiden Häuptangeklagten Gertschin und Morosjuk, als auch von den Ver-i tretern der Zivilpartei eingelegt worden war. Die Verhandlung: nahm einen stürmischen Verlauf. Der Vorsitzende, Senator Repinski,. -provozierte so heftige Konflikte mit den Vertretern der Zivilkläger,: .daß zwei von ihnen, die Rechtsanwälte Karabtschewski und SarudrM 'ihre Vollmachten niederlegten und sich aus dem Gerichtssaal ent'-? fernten. Nur der dritte Rechtsanwalt, Grusenberg, harrte zur Wahr-, nehmung der Interessen seiner Partei aus. Als Vertreter der Staatsanwaltschaft fungierte Herr Wilkowitzki. In seinem Gutachten er-- .suchte er den Gerichtshof, das Urteil der Odessaer Strafkammer zur bestätigen. Hinsichtlich der Berufung der Verurteilten Gertschin und :. Morusjuk war er der Meinung, daß die von ihnen begangenen Straftaten unzweifelhaft unter den von der Strafkammer angewendeten* -Paragraphen des Strafgesetzbuches fallen, so daß kein Grund -zur Verwerfung des Urteils der Vorinstanz vorhanden sei. Etwas mehr Mühe.hatte er mit der Berufung der Zivilpärtei. Cr konnte mämlich \ nicht bestreiten, daß die Odessaer Strafkammer nicht alle Anford erun gen des ' Ges etzes erfüllt hatte,. doch kam er zu dem Schlüsse, daß jene 'Gesetzesverletzungen nicht von entscheidender Bedeutung gewesen seien und auf das Urteil keinen Einfluß ausgeübt hätten. Infolgedessen empfahl er, die Berufung des Zivilklägers ebenfalls zu verwerfen. Nach l^stündiger Beratung beschloß der. Senat in diesem Sinne und verwarf die beiderseitigen Berufungen. : Von Ksh und Fern. — Am 8. d. M. ist hier Herr Sanitätsrat Dr. Alexander Oppenheim, der leitende Arzt des Sanatoriums am Hansaplatz, gestorben. Oppenheim, der seit 1883 die ärztliche Praxis betrieb, ist wissenschaftlich mehrfach an die Oeffentlichkeit getreten. Das von ihm begründete Sanatorium, das zuerst in der Lessingstraße untergebr'acht war, gehört zu den Musteranstalten seiner Art. — Die Wahlprüfungskommission des Abgeordnetenhauses hat. in ihrer letzten Sitzung die Wahl des Abgeordneten Peltasohn für ungültig erklärt. Derselbe wurde als deutscher Kompromißkandidat gegen den polnischen Kandidaten gewählt. Der Grund der Ungültigkeitserklärung liegt in einem Erlaß des Bromberger Regierungspräsidenten an die Beamten, in dem diese aufgefordert wurden, in .regierungsfreundlichem Sinne zu wählen..— Herr Wilhelm Heimann hat seine Stelle als I. Kantor und Lehrer in Gr.-Glogau am 1. d. M. angetreten. — In Zittau feierte Herr Carlssohn, Stadtältester von Dirschau, und seine Gattin geb. Lazarus, Inhaberin des Luisenordens.und der goldenen Medaille, seit 13 Jahren daselbst wohnend, am 28. d. M. unter großer Teilnahme das Fest ihrer goldenen Hochzeit in Rüstigkeit und Geistessrische. — Die städtischen Behörden in Wittstock haben dem Rentner I. Philippsthal zu Berlin das Ehrenbürgerrecht, der Stadt Wittstock verliehen in Anerkennung der Treue und Anhänglichkeit an seine Vaterstadt und der Verdienste, die er sich durch Förderung humanitärer Bestrebungen, u. a. bei Begründung des paritätischen Bürgerheims,- erworben hat. Seit dem zwölften Jahrhundert ist: in der aWsie Bischofstadt chas Ehrenbürgerrecht nicht verliehen worden. —. Pfarrer Schwarz - Schwerin i. M. teilte aus dem letzten Tierschutzkongreß^ mit, daß der Großherzog von Mecklenburg den seitens der Schächtgegner erstrebten Eingriff in die freie Religionsübung der Juden aufs Entschiedenste zurückgewiesen habe. — Das Kuratorium des Vereins des jüdischen Lehrerseminars in Rheinland hat den Rabbiner der Synagogengemeinde Memel, Dr. Emanuel Carleb ach zum Seminardirektor gewählt. — Der Vorstand der Synagogengemeinde Köln war angeklagt, weil.er das „Schächtgewerbe" der Synagogengemeinde nicht zur Gewerbesteuer angemeldet hatte. Schöffengericht und Landgericht kamen natürlich zu einem Freispruch. Der Staatsanwalt machte dagegen geltend, daß die Angeklagten vielleicht für später eine Gewinnziehung aus dem „Schächtgewerbe" in Aussicht genommen hätten. Das Oberlandesgericht dahier verwarf am 27. v. M. die Revision und bestätigte das Urteil der Vorinstanzen. — Als zweiter Rabbiner in Karlsruhe wurde Rabbiner Dr.- Julius Zimels, bisher in Chemnitz, gewählt und von der Regierung bestätigt. — Äni 29. v. M. fand in Belgien die Wahl der Hälfte der Mitglieder des Parlaments statt (Repräsentantenkammer und Senat) und wurde der seitherige Senator, S a m. W i e n e r, ein bekannter. Jurist, wieder mit großer Stimmenmehrheit für den Wahlkreis Brüssel in die hohe Versammlung gewählt. — Die Alliance israelite universelle geht eben daran, in einem besonderen Gebäude in'Auteuil eine große Bibliothek einzurichten, die schon jetzt mehr als 30000 Bände in den verschiedenen Sprachen umfaßt. Der Grund zu dieser Bibliothek - wurde von : L. M. Rothschild gelegt, der ihr im Laufe der Jahre wiederholt größere Spenden zuführte. Nun werden dieser Sammlung auch die berühmten reichhaltigen Bibliotheken von S. Sachs, Maurice Bloch, 'Bernard Lazare und von der französischen „Gesellschaft für das - Studium des Judentums" einverleibt.werden, wodurch diese Bibliothek .die größte Sammlung jüdischer Bücher wird. — Der neue Generalgouverneur von Kiew, General Kleigels, hat angeordnet, daß sämtliche Juden in Kiew, denen der Aufenthalt in der Stadt bis .Ende Mai d. I. verlängert. wurde, nunmehr unverzüglich , in das ljüdi.sche-'.MedLrl'ass«irgsseb.iet.'rausgewies«r . werden , müffem .: . '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.