Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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^WWWWWWWMWWW ■ . MM sichtigung der Anstalt sehr anerkennend über das Gesehene ausJ Obwohl die Anstalt auf ein 48jähriges Bestehen zurückblicken kann, ist es ihr aber nur möglich, die Hälfte ihrer Ausgaben durch feststehende Einnahmen zu decken. Es ist daher eine edle Menschenpfljcht, das Wirken der Anstalt durch tätige Mithilfe zu unterstützen, damit das Haus auch ferner seine Aufgabe erfüllen und vielen verlassenen und verwaisten Kindern das Elternhaus ersetzen kann. 0. Duisburg, 6. Mai. Mit der Entwickelung Duisburgs zur Großstadt hat sich auch die israelitische Gemeinde vergrößert, sowohl an Seelenzahl als auch an Steuerkräften. Mit Rücksicht hieraus beabsichtigt man, das Amt eines Geistlichen, das bisher vertretungsweise und im Nebenamte verwaltet ward, durch einen Rabbiner zu besetzen. Duisburg ist eine der angesehensten und größten Gemeinden der Rheinprovinz mit einer jüdischen Bevölkerung von über 1000 Seelen. Es ist sehr erfreulich, daß diese neuemporblühenden Gemeinden nun auch daran denken, Rabbiner anzustelltzn. 4 Gesterreich-Llnssrn. j □ Wien, 10. Mai. Mit dem gleichen Frohgefühl-wie einst General Wrangel kann ich heute sagen: „Ick dementiere mir." Meine Nachricht über das Ableben Emanüel Baumgartens war durchaus falsch, da unser greiser Freund in ungetrübter Gesundheit und Geistesfrische Gott sei Dank noch lebt! Wenn das alte Sprichwort recht hat, daß Totgesagte noch viel länger Leben, so darf auch Herr Baumgarten auf ein sehr hohes Alter zählen und wir dürfen uns freuen, ihn noch lange als den unserigen rühmen zu dürfen. Die ganze Mitteilung beruhte auf Verwechslung mit einem anderen Träger dieses Namens. — In der „Oesterreichisch - Israelitischem j Union" ist die Vorstandskrise überwunden. Es wurden gewählt:! Siegmund Mayer zum Präsidenten, kaiserlicher Rat Wilhelm! Anninger und Dr. Moritz Ascher zu Vizepräsidenten, Julius Granichstädten und Dr. Heinrich Schreiber zu Schriftführern und Jakob Jaiteles zum Kassierer. — Der Rabbiner Max Hoch ist zum Feldrabbiner zweiter Klasse in der Reserve ernannt worden. — Der Tod des ungarischen Dichters Maurus Jokai ruft auch in jüdischen Kreisen tiefes Bedauern hervor, da der Verewigte zeitlebens ein aufrichtiger und warmer Freund der Juden war und diese Gesinnung bei jeder Gelegenheit, namentlich aber in entscheidenden Momenten, mit der ihm eigenen Offenheit und mit wahrem Feuereifer betätigt hat. Seine zweite Frau ist eine Jüdin. Jokais Namen wird in der Geschichte der Juden in Ungarn in Ehren fortleben.' — DasLemberger Blatt „Slowo Polskie" meldet—aus Kolomea: In der Gemeinde Zabje im Bezirk Kossow brächen gestern bei der Rekrutenaushebung Exzesse.der ruthenischen Bevölkerung gegen Polen und Juden aus. Die ruthenischen Bauern versuchten, die Telegraphenleitung zwischen Zabje und Kassow zu zerstören, wurden aber durch Gendarmen daran verhindert. Die Polen und Juden in Zabje baten! die Statthalterei telegraphisch um militärische Hilfe, worauf eine; Kompagnie Infanterie von Kolomea nach Zabje entsendet wurde. — . In Dolhopole hat nämlich jüngst unter dem Vorsitz eines griechisch-! katholischen Pfarrers eine Versammlung stattgefünden, in 'welcher der! übelbeleumundete Bauer Salomiczuk, der schon wegen Totschlages | eine zweijährige Kerkerstrafe verbüßte, aufreizende Reden gegen Polen i und Juden hielt. Er mußte verhaftet und an das Bezirksgericht in j Kutth eingeliefert werden. Ein anderer ruthenischer Bauer forderte j nun die Leute von Zabje auf, Salomiczuk aus dem Gefängnis zu bej freien; auch er wurde verhaftet und gestand beim Verhör ein, in Zabje und Kutty würden Judenmassakres vorbereitet. Daraufhin! entstand eine große Panik, welche die Entsendung von Militär not-; wendig inachte. In anderen Gemeinden fürchtet inan gleichfalls den! Ausdrusch von Exzeßen. . j Von Msh und jfern. — Der Arzt Dr. Leopold Löwen stein ist zum Sanitütsrät ernannt worden. — Dem hiesigen Violinvirtuosen und Lehrer am Stern'schen Konservatorium Jssay Barmas wurde vom König von Rumänien das Ritterkreuz verliehen, während die Königin Carmen! Shlva den Künstler durch Ueberreichung wertvoller Pretiosen und! drei photographischer Aufnahmen, die Königin in ihrem Musiksalon l darstellend, ehrte. — Nach Bekanntmachung der Sektion für Musik s des Senats der königl. Akademie der Künste ist das unterm 2. Dezember 1903 ausgeschriebene Stipendium: der Nathalie Hirsch geb. Wolff-Stiftung im Betrage von 350 Mark der Gesangschülerin an der akademischen Hochschule für Musik Frl. Elisabeth Levysohn aus Gnesen verliehen worden. — Am 5. d. M, ist der Kunstmaler und Kunstexpert Isidor Grünfeld im 53. Lebensjahre gestorben. — Die Söhne des zu Gothenburg verstorbenen Rabbiners Dr. M. Wolfs überwiesen der Gemeinde Culm (Westpr.), in welcher ihr verewigter Vater acht Jahre segensreich gewirkt hatte, die Summe von 500 Mark zu wohltätigen Zwecken. — In Frankfurt a. M. ist im Alter von 74 Jahren der Lehrer an der Realschule der israelitischen ReligioMgesellschaft M. I. Löwenthal gestorben. Er war vor kurzem in den Ruhestand getreten, bei welcher Gelegenheit ihm der Kronenorden IV. Klasse verliehen wurde. — Im letzten Halbjahr sind von dem Großherzog von Hessen nachstehende Schenkungen genehmigt worden: Schenkung des Gustav Hirsch-Konstanz an den Israelitischen Hilfsverein in Mainz im Werte von 50 000 Mark, Schenkung desselben an den „Verein zur Unterstützung mittelloser Waisen der israelitischen Religionsgemeinde in Mainz" im Werte von 50 000 Mark. — Professor Georg L andsb erg in Heidelberg ist als außerordentlicher Professor der Mathematik an die Universität Straß bürg berufen worden. — In Ingweiler verstarb plötzlich der Bankier Theodor Meher, eine allseitig beliebte und geachtete Persönlichkeit. Seit zwei Jahren war er Vorstand der Gemeinde und Mitglied des Konsistoriums für das Unter-Elsaß; außerdem gehörte er seit Jahren dem Gemeinderat an. — Herr I. Bredenburg wurde von denr Synagogenvorstand der Niederländischen Israelitischen Hauptsynagoge in Amsterdam zum Rabbiner gewählt. — Es ist interessant. daß von den zehn jüdischen Abgeordneten im en glischen Unterhause drei für die Fremdenbill gestimmt haben, zwei — Colonel Francis Ä. Lucas und Sir Harry Samuel — dagegen (Unionisten), die Herren B. L. Cohen, Kapitän I. M. Jessel, L. W. Rotschild, Sir Edward Sassoon, Louis Sinclair aber sich der Stimme enthalten haben. —In Bukarest ist der in allen Kreisen der Residenz hochgeachtete Oberkantor Gerson Weiß im 66. Lebensjahre gestorben. Weiß, ein geborener Ungar, der 36 Jahre im Dienste der Kultusgemeinde stand, war als Sänger und Philanthrop weitbekannt. — Die im russischen Ministerium des Innern tagende Kommission zur Revision der Judengesetze hat im Prinzip sich für die Aufhebung der Verfügungen Jgnatjews vom 3. Mai 1882, welche die Juden aus den Doriern und dem flachen Lande entfernten, ausgesprochen. Leider kam es zu keinem wirklichen Beschluß, weil die Kommission ihre Sitzungen auf unbestimmte Zeit verschoben hat. — Auf Ordre des Ministeriums des Innern an die Gouverneure wurde die Aus weisung der Juden aus den Ortschaften, wo ihnen der Aufenthalt verboten ist. einstweilen eingestellt. Wie der „Woskhod" meldet, wurde diese Maßnahme durch den Krieg im fernen Osten veranlaßt. — Der Gouverneur von Kurland und Esthland hat den Juden verboten, den Verkauf von christlichen Gebetbüchern zu betreiben. — Im Prozesse wegen des bei den Ausschreitungen in Kischinew .im April v. I. an zwei Juden begangenen Mordes wurde der Angeklagte Woituschenko zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sechs Angeklagte wurden freigesprochen.— Die nach Jerusalem ausgewanderten russischen Juden haben, wie die „Revue Russe" meldet, in der ältesten Synagoge der Stadt einen Gottesdienst für den Sieg der russischen Waffen im fernen Osten abgehalten. Nach dem Gottesdienst hielt einer der Teilnehmer eine patriotische Ansprache in russischer Sprache. Es war das erstemal, daß diese in dem alten Tempel gehört wurde. — Das zionistische Aktionskomitee hat in Konstantinopel den Kauf von ca, 60 Kilometern Landes in Palästina aus Mitteln des fdg. Nationalfonds bewirkt, r— Der vor einigen Jahren verstorbene Mr. Lewin Elkin in Philadelphia hat sein ganzes Vermögen seiner Frau mit der Bestimmung vermacht, daß dasselbe, mit dem Tode der Erbin zu gunsten einer Stiftung für mittellose emeritierte Lehrer verwendet werden soll. Frau Elkin ist nun. vor kurzem gestorben,. und das Hinterbliebene Vermögen siel dem „Board of Education" zu. Die Erbschaft beträgt 1 800 000 Dollar (nahezu 8 Millionen Mark), und die Zinsen des Kapitals reichen hin, um 200 Lehrern ein Jahreseinkommen von 400 Dollar zu sichern.