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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-18 · Heft 12 (18.3.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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b'em, die ihn kannten, lebendig bleiben. An die Trauerrede schloß - sich Gesang der Zöglinge der hiesigen Paulinenpslege an, derder Verstorbene ebenfalls ein warmherziger Förderer gewesen ist. Der König ließ den Hinterbliebenen seine Teilnahme'bezeigen. GesterreLch-Angsm. □ Wien, 14. März. Eine bemerkenswerte Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof in einer.Chaliza-Angebegenheit getroffen. Bekanntlich darf eine kinderlose. Witwe ohne „Chaliza" nicht heiraten. Es ereignete sich nun der Fall, daß der überlebende Bruder von seiner Schwägerin für die Abgabe dieser Erklärung 8000 Kronen . verlangte und auch tatsächlich bezahlt erhielt, worauf' die -Witwe sich neuerlich vermählen konnte. Nachträglich begehrte sieaber diescnr -Betrag im Klagewege zurück, wurde aber von den beider: unteren Instanzen mit der.Begründung abgewiesen, daß die. Abgabe der. in. Rede, stehenden Erklärung keine, unerlaubte oderim Gesetze verbotene^ Handlung, die Annahme einer Entlohnung hiefnr laut Aussage der vernommenen Sachverständigen üblich, durch die Satzungen der Religion nicht verpönt , sei und daß gemäß § 1482 a. b. G.-B. die geleistete Zahlung einer bewußten Nichtschuld nicht zurückgefordert werden könne. Der Oberste Gerichtshof änderte jedoch die Entscheidung ab und erkannte im Sinne des Klagebegehrens. In den Gründen des dberstgerichtlichen Urteiles wird darauf hingewiesen, daß der Beklagte, wenn er sich vor Abhaltung der „Ehaliza" einen Vermögensteil, in der exorbitanten Höhe von 8000 Kronen versprechen ließ, sich unzweifelhaft die ihm bekannte Zwangslage der Klägerin zunutze machte. Es erscheint sonach, da nach § 878 a. b. G.-B. ein Vertragsrecht nicht begründet ist, und da der Klägerin,' welche nnte^ psychologischem Zwange sich zu dem mehrerwähnten Versprechen herbeiließ, 'auch die Willensfreiheit Mangelte (§§ 869 und 870 ah/ G.-B.), jenes Uebereinkommen völlig ungiltig. Ist dies aber der Fall, so hat, nachdem nicht das. Versprechen, beziehungsweise die Leistung seitens der Klägerin, sondern die Annahme des Versprechens und der Leistung seitens des Beklagten unsittlich war, mithin - eine grundlose Bereicherung des Beklagten stattfand, die Rückerstattung dessen, um was der Empfänger aus dem Vermögen der Klägerin bereichert ist, im Sinne des 869 a. b. G.-B. und in analoger Anwendung der Bestimmungen der §§. 1481 und 1487 a. b. G.-B. zu erfolgen. — Die „Wiener Zeitung" meldet, daß der Kaiser dem Architekten Mwx Fleischer den Bauratstitel verliehen hat. Die unmittelbare Veranlassung . war das hingebungsvolle Wirken Fleischers-beim Bau des Asyls, für obdachlose Familien. —. Amerika. II. Newyork, im März. Lo uis Gans starb hier am 7. v. M. im' Alter von 66 Jahren. Er war in Neustadtl, Böhmen, geboren, kam im Alter von 19 Jahren nach Amerika, war ursprünglich Lehrers wandte sich aber dem Kaufmannsstande zu, indem er sich zuerst in Kalifornien und dann in Montana niederließ. Seit 1864 wohnte er' in Newhork, wo 'er verschiedene Ehrenämter bekleidete. Zur Zeit seines Todes war er Präsident des Tempels Bethel und Vizepräsident des Siechenhauses „Montefiore Home". In seinem Testamente vermachte" er 25 000 Doll, dem Montefiore Home nebst 2500 Doll, für eine Vettstiftnng auf den Namen seiner verstorbenen Frau. Verschiedene Wohl< tätigkeitsanstalten, wie Mount Sinai-Hospital, Allgemeine Wohltätigkeitsgesellschaft, Kinderashl, Waisenhaus, die Rabbinerseminare in Newhork und Cincinnati erhielten je'2500 Doll., dasWitwen-unM Waisenheim in New-Orleans 2000 Dollars, das Altenheim, die jüdische Gewerbeschule/ die Educational Alliance, das Beth Israel-Hospital -(voM. russischen Juden, gegründet), das Lebanon-Hospital (orthodox), die Gemiluth Chesed (Darlehnsgesellschaft), die Gesellschaft für ethische' Kulttir und das Ätegerwaisenhaus in Newhork erhielten je 1000-Dollars, die gleiche Summe erhielt die jüdische Gemeinde in Helena, Montana, dem früheren Wohnsitze des Testators/ während 2000 Dollars unter die dortigen Armen zur Verteilung kommen; 3000 Dollars Werder /unter die Angestellten der --Firmaverteilt und 1000 Dollars unter jüdischen und 500 ^Dollars unter die christlichen Armen 5vön Neu4 stadtl, der Heimatsgemeinde des Erblassers.' Am 10- Februar: starbhier S'imoir B o r g im Alter von 63 Jahren. Er war in der preußischen Nheinprovinz geboren und als jun'ger-Mensch nach Amerika gekommen, wo er als Baumwollenhändler , und später als Bankier.ein bedeutendes Vermögen erwarbt Zur Zeit' seines Todes war er Präsident des jüdischen Altenheims. ' Von MH und ssern. --- Der Rentier. Alfred Manhermer hatden Kronenorden IV. Klaffe erhalten. — An den Vorstand des Naturforscher^ - kongresses, der im September in Br est an tagen wird, ist von jüdischer Seite der -Antrag gestellt Wörden/ den Kongreß wegen des Versöhnungstages zu verlegen. Der Antrag ist abgelehnt Wörden. — Dr. Arnold Lazarus, ein Sohn 'des früheren Breslauer Seminardirektors und Neffe des sel. Pros. Lazarus, ist-zum Hilfsprediger der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. berufen worden. An'der Samfonfchule zu Wolfeubüttel (berechtigten Realschule mit Alumnat) haben bei der letzten Schlußprüfung sämtliche 26 Schüler, die der obersten Klasse ein Jahr angehört hatten, das Examen bestanden. — Das Nordsee-Hotelin Kuxh ab en / Besitzer: Ernst Piller, verbittet sich in einem Inserat im „Deutschen Blatt" jüdische Gäste. — Zum 1. dlpril wird Postinspektor Joseph nach mehrjähriger Tätigkeit bei dem Postamt Altona zur kaiserlichen .Oberpostdirektion in Hamburg versetzt und daselbst eine Stelle ftirBezirksaufsichtsbeamte übernehmen. Unseres-Wissens ist es das erstemal, daß einem Glaubeüsgenossen eine derartige Stelle im Reichspostdienst übertragen wird. — Der Hofrat Dr.'H einrich Caro in Mannheim,-den einige jüdische Blätter wieder zitieren, ist kein Jude. — Dem Kreisarzt und Strafanstaltsarzt Dr.' Alexander Levy in Hagenau wurde der Charakter als Geheimer' Medizinalrat verliehen. — Auf dem jüdischen Friedhos in Bozen wurden 14 Grabmäler nnrgeworfen und -beschädigt. Bon den Tätern hat man bisher keine Spur. Unter den dortigen Inden herrscht naturgemäß große Aufregung über die bübische Tat. —'In dem Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe, der jetzt in.Holland beraten wird, lautet § 362: Arbeiter, welche' nach ihrer Religion einen anderen Ruhetag haben, können an diesem Tage ruhen und dürfen am Sonntag arbeiten. — Unter den jüngst ernannten Senatoren' des Königreichs Italien befinden sich folgendeMänner der Wissenschaft: der ordentliche Professor der-italienischen Literaturgeschichte, an der Universität Pisa, Dr. Alessandro d'Ancona. Auch der bekannte römische Publizist Eduardo Arbib wurde zum Senator ernannt. — Der Juwelier Abraham Pribsnitschick in Tiraspol hat drei Kinder, zwei christliche und ein jüdisches, welche beim Schlittschuhlaufen in eingebrochenem Eise versunken waren, mit eigener Lebensgefahr errettet. — Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Mogador, Reuben Almach, wendete sich am 1. Februar b. I. an die Anglo-JewishAssociation, worin er den traurigen Zustand der armen Juden von Mogador schildert. Er meint, seit der Hungersnot vom Jahre 1879 habe es stoch keine so schlechte Zeit gegeben. Die Ursache des Elends wäre die allgemeine finanzielle Krise des Landes, was mit dem rapiden Falle und der Entwertung der Landesmünzen verbunden ist. — Das Uganda-Projekt soll, neueren Nachrichten zufolge, sowohl von den Zionisten, wie von der englischen Regierung' noch nicht aufgegeben sein/ — Nach zweiwöchentlicher Verhandlung des Prozesses in Kisch in ew gegen Rußnack und 52 andere Angeklagte wegen der gegen die Inden begangenen Ausschreitungen fällte der Gerichtshof am 11. d. M. das Urteil. Achtzehn der Angeklagten waren des Mordes die übrigen der Teilnahme daran beschuldigt. Rußnack und Bordian wurden der Ermordung -des Ehepaares Fonarschi schuldig befunden und' zu. vier Jahren bezw. acht Monaten Zwangsarbeit verurteilt.. Fünfzehn andere Angeklagte wurden, zu Freiheitsstreifen von - vier Monaten bis zu einem Jahre verurteilt/ 36 freigesprochen. Den von den Juden eingereichten Zivilforderungen wurde keine Folge gegeben! Nach Prüfung etwaiger Berufungen durch den Apellhof wird das Urteil am 25. April endgültig Rechtskraft erhalten. — Natürlich taucht jetzt wieder die Legende ans, daß die Japaner Don den verloren gegangenen zehn Stämmen Israels ab stammen. Der älteste der japanischen Kaiser soll Josna geheißen haben, der der.Führer dieser eingewanderten Juden gewesen fei. Auf einem sehr alten Bilde wird sogar, der Einzug der Juden in'Jap au -dargestellt. - ' - " - -- - --- --- r-W- -... Jv -/r -

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