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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-26 · Heft 9 (26.2.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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zugleich seinerzeit durch das Gericht zum Vormund der - Minder-^' jährigen bestellt wurde, auf Grund des § 145 A. B. G. V. die Entfernung des Kindes aus dem Kloster und Zurückstellung desselben an die Mutter. Das Bezirksgericht Neusandec als Vormundschaftsbehörde hat jedoch diesem Ansuchen keine Folge gegeben, gleichzeitig die Vormundschaft dem bisherigen Vormund abgenommen und einen hie-, sigen Advokaten zum Vormund des Kindes bestellt. Der Vertreter den' genannten Eltern, Du Rafael Landau in Krakau, hat gegen diese; Entscheidung an das Kreisgericht Neusandec rekurriert und gleicht zeitig, da die unehelichen Eltern des Kindes nunmehr nach bürgere licheni Gesetz getraut ivurden, das genannte Kind dadurch legitimiert wurde und die Rechte eines ehelichen Kindes erhalten hat, die so-' sortige Aushebung der bestellten Vormundschaft verlangt. Die Entscheidung hierüber ist bis nun nicht erfolgt. — Auf Grundlage der - natürlichen Vermehrung hätte die Zahl der Juden in Ungarrt vom Jahre 1896' bis 1900 insgesamt 842 993 Seelen betragen sollend -In Wirklichkeit belief sie sich aber laut amtlicher Statistik nur aus .831 162 Seelen, also um 11 862 weniger, als sie laut Geburts- und Sterbesällen hätte sein ruüssen. Von einer jüdischen Einwanderungsfrage in Ungarn kann daher nicht die Rede sein, da in dem angeführten Jahrzehnt, laut statistischem Ausweise, in Ungarn mehr Inden ausals eingewandert sein müssen. Amerika. In Newyork, im Februar. RabbinerJsaac L. Leucht im New- Orleans feierte am 25. v. M. seinen 60. Geburtstag zugleich mit seinem 25 jährigen Jubiläum als Rabbiner der Gemeinde 6ates ok ok tde älsperseä ok Inäali. Unter den Ehrungen, die den: Jubilar erwiesen wurden, ist besonders hervorzuheben die von der ersten Presbyterianerkirche, welche dem Jubilar durch eine Deputation einen silbernen Krug mit folgender Inschrift überreichen ließ: „Ueberreicht Herrn Rabbiner Jsaac L. Leucht aus Anlaß seines 60. Geburtstages von der Geniein de der erster: Presbyterianerkirche als Zeichen der Liebe und brüderlichen Freundschaft, die sie für den Rabbiner und sein historisches Volk fühlt, und die ihr Pastor Rev. B. M. Palmer jederzeit Ausdruck verliehen hat." Rev. B. M. Palmer war ein angesehener Presbyterianer-Geistlicher, der vor zwei Jahren in hohem Alter einem Straßenbahnunfall zum Opfer fiel. Jsaac L. Leucht ist ein gebürtiger Darmstädter und kam 1864 nach An:erika, wo er zu-. erst in Baltimore eine Stellung fand. — Der Sen at der Vereinigten Staaten hat seit dem 4. d. M. wieder ein jüdisches Mitglied. An diesem Tage wurde Isidor Rayner aus Baltimore zum Vertreter der Staaten Maryland im Senat gewählt. Rayner wurde am 11. April 1850 in Baltimore geboren, wo sein Vater William S. Rahner einer der tätigsten Mitbegründer, der ersten Reformgemeinde Har Sinai war. Nachdem er als Rechtsanwalt sich in seiner Vaterstadt niedergelassen hatte, wurde er von seinen Mitbürgern zu verschiedenen politischen Ehrenstellungen berufen, er war Mitglied des Abgeordnetenhauses und des Senates im Staate Maryland während Zweier Termine, 1886—92 Abgeordneter seiner Vaterstadt im Kongreß der Vereinigten Staaten und 1899 Attorney Generäl (Justizminister) von Maryland. Im Senate der Vereinigten Staaten, der aus 90 Mitgliedern, je zwei Vertretern jedes Staates, besteht, wird Rayner der einzige Jude fein, nachdem Joseph Simon, Vertreter von Oregon, nach Ablauf seines Termines 1898—1903 nicht wiedergewählt wurde. Sonst ist er der fünfte Jude, der im Senat seinen Sitz hatte. Eine hervorragende Stellung hat sich Rayner in Anwalts kreisen durch Vertretung des Admirals Schleh, des Siegers von San Jago, vor dem militärischen Ehrengerichte, 1901, erworben. Von MH und Lern. ---- Aus der Personalliste der Berliner Aerzte wird mitgeteilt, daß unser.verehrter Sanitätsrat Dr. S. Neumann der Zweitälteste Arzt Berlins ist. Er praktiziert hier seit 1843. Dann folgen Sanitätsrat Dr. Samter (1845). Geh. Sanitätsrat Dr. Barsch all (1847), Dr. Abr. Saalseld (1848), Geh. Sanitätsrat Dr. Abraham (1849), Sanitätsrat Dr. Wiesenthal (1850). — Nach einer von der „Post" veröffentlichten Statistik wurden im Jahre 1903 insgesamt 1494 EhejubiläumsMedaillen verliehen, darunter 38 an jüdische Ehepaare. —' Der Kaufmann Hng o Naphtali hat den Kronenovden IV. Klasse erhalten. — Nach kurzen: Krankenlager ist am 16. d. M. der Sanitätsrat Dr. Isidor Lowitsch im 78. Lebensjahre hier gestorben. — In Sold au i. Th. istder Rentier H. Hirsch im 68. Lebensjahre gestorben. Derselbe war Port seit. zehn Jahren erster Vorsteher , und fast ein Menschenälter hindurch Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.— Eines der geachtetsten Gemeindemitglieder, der Korporationsvorsteher Emil Pulvermann ist an: 15. d. M. in Kempen im Alter von 62 Jähreu gestorben. Pulvermann war 'auch Begründer, und Vorsteher des Literaturvereins daselbst. Ehre seinem Andenken! — In Jastrow ist am 7. d. M. der Kaufmann'Adolph Salinger gestorben. 38 Jahre gehörte er dem Stadtverordnetenkollegiuii: an, 28 Jahre war er Vorsteher desselben. — In Dessau hat die israelitische Kultusgemeinde aus der unter ihrer Verwaltung stehenden Baronin von Cohn-Oppenheim-Stiftung den katholischen Grauen Schwestern eine jährliche Unterstützung von 720 Mark bewilligt. Außerdem wurde von der Gemeinde aus den Mitteln derselben Stiftung der „Freiwilligen Sanitätskolonne von: Roten Kreuz Dessau" ein jährlicher Zuschuß von 3000 Mark ausgesetzt, un: der Kolonne die Einrichtung einer ständigen Unsallwache, die Tag und Nacht besetzt bleibt, zu ermöglichen. — In Nürnberg ist am 16. d. M. das Handelskammermitglied Salomon Forchhein:er, Chef der renommierten Holzhandlung Forchheimer & Co., gestorben. Bei der Beerdigung am 18. d. M. haben u. a. die Stadtgemeinde, die mittelsränkische Handels- und Gewerbekammer, der., Handelsvertragsverein, die freisinnige Partei und viele Wohltätigkeit^ vereine Kränze gespendet. — In Mainz ist am 15. d. M. der Kommerzienrat Martin Mayer, Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, im Alter von 66 Jahren plötzlich infolge eines Schlaganfalls gestorben. — In Tübingen hat die Studentenschaft in einer Vertreterversammlung sämtlicher Satisfaktion gebenden Korporationen den Beschluß gefaßt, keinen: Angehörigen einer jüdischen Verbindung mehr Satisfaktion zu gebe::. Schon vor einiger Zeit war eine Bitte an das Universitätsamt gerichtet worden, eine jüdische Verbindung nicht zu genehmigen. Das Universitätsamt hatte sich aber dahin ausgesprochen, der etwaigen Gründung einer solchen nichts in den Weg zu legen. — In der letzten Sitzung der Sorbonne wurde Dr. N. Sloutz in Paris mit der Abhaltung eines Kursus über „die hebräische Sprache und die neuhebräische Literatur" beauftragt. Gleichzeitig wurde beschlossen, die hebräische Sprache rruter die lebenden modernen Sprachen einzureihen, in der man auf Wunsch beim Examen sich prüfen lassen darf. — Der russische Unterrichtsminister Geheimrat Sänger ist auf sein Ansuchen seines Amtes enthoben und zum Senator ernannt worden. Er soll den leitenden Kreisen nicht genug antisemitisch gewesen sein! — In: Gouvernement Podolien wurden Ende 1903 3 086 900 Einwohner, darunter 406 674 Juden gezählt. Die Juden bilden demnach im Gouvernement Podolien 13,17 Prozent der Gesamtbevolkernng. Laut Ergebnis der allgemeinen russischen Volkszählung vom Jahre 1897 zählte damals das Gouvernement Podolien 3 031 513 Einwohner, darunter 366 597 Juden. Die Gesamtvermehrung in den 7 Jahren beträgt 55 393 --- 1,82 Prozent, davon entfallen auf die Christen 15 216 — 0,57 Prozent, auf die Juden 40 077 =f 10,93 Prozent. —- Am 22. Februar begann in Kischinew die Verhandlung von fünf noch unerledigten Anklagen im Zusammenhang mit den Ausschreitungen gegen die Juden im April vorigen Jahres. — Rostow wurde unlängst dem Dongebiete einverleibt und dadurch dem jüdischen Niederlassungsgebiet entzogen. Die Folge davon war, daß Tausende von jüdischen Familien die Stadt verlassen mußten. Es blieb aber noch eine große jüdische Gemeinde zurück, welche Synagogen hat und die eine gewisse Anzahl von Kantoren, Schächtern | und anderer Kultusbeamten naturgemäß nötig hat. Der Rabbiner! von Rostow wandte sich deshalb an die Verwaltung des Gebietes mit I der Bittenden Juden vorgenannter Kategorie den Aufenthalt zu ge-; statten. Die Bitte wurde nun abschlägig beschieden. — Reverend Dr. Philipson in Cincinnati wurde in diesem Jahre ausgewählt, un: die Sitzungen des Senats durch ein Gebet zu eröffnen.' Bekanntlich wird in jedem Jahre der Geistliche einer anderen Konfession - hierzu ausersehen.

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