Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1904)
- Date
- 1904-02-05
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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In dieser Kompromißliste waren alle politischen.Schattierungen, auch in Bezug auf Nationalität und Konfession vertreten, die Christlichsozialen ausgenommen, während auf der unterlegenen Seite nur Anhänger der Wiener Rathauspartei standen. — Hier ist P h ili p p B r u n n e r, einer der hervorragendsten Pädagogen Oesterreichs, gestorben. Das Begräbnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung für den verdienten Schulmann. Nachdem Oberkantor Singer die Trauergefänge exekutiert und Oberrabbiner Dr. Güdemann gesprochen hatte, hielt Religionsinspektor Langfelder dem Entschlafenen im Namen der Lehramtsprüfungskommission und Neligionslehrer Doktor Goldberg im Namen des Lehrkörpers der trauernden Mädchenschule einen Nachruf. Tief erschüttert sprach sodann Direktor Heller im Namen eines kleinen Kreises der ältesten und innigsten Freunde Brunners wehmütige Abschiedsworte. Ein langer Trauerzug folgte dem Sarge und den tiefgebeugten Familienangehörigen an das Grab, das dem Verstorbenen die israelitische Kultusgemeinde ehrenhalber gewidmet hat. Als Delegierter des Ortsschulrates, in dessen Sitzung der Obmann Dr. Josef Schröpf dem bedeutenden Pädagogen einen ehrenvollen Nachruf gehalten hatte, sprachen hier noch Ortsschulrat Heil und Hosopernsänger Ritter ernste Worte der Würdigung und des Abschiedes. — Der Kaiser hat dem praktischen Arzte in Teplitz U. M. Dr. Hugo .Langstein das goldene Verdienstkreuz mit der Krone, dem Redakteur der Zeitschrift „Mährisch-schlesischer Korrespondent" Hermann Heller den Titel eines kaiserlichen Rates, dem Oberlehrer der Volksschule' der israelitischen Kultusgemeinde in Hohenems Moriz Federmann das silberne Verdienstkreuz mit der Krone verliehen.— Oberrabbiner Dr. Samuel Ko h n in Budapest und Oberrabbiner Dr. Adler in Altofen sind zu Stadtverordneten gewählt worden. — Laut Mitteilung des k. k. Landes-Regierungspräsidiums in Czernöwitz vom 6. November 1903, wurde die ausländische nicht periodische Druckschrift „Istoria Judaismulni si Jidanii in Rumania“ von M. Savel, erschienen im Verlage der Typographia M. P. Popovici in Jassh, Str. AlexandriNr.14imJahre1902,samt deren Beilage, eine Zeichnung, worin zwei Inden in nationaljüdischen Trachten abgebildet sind, von welcher der eine von Geldsäcken umgeben ist und ein mit Zitaten versehenes Banner hält, her andere, den Fuß auf den Nacken einer „Die Moldau" darstellenden Bäuerin haltend, eine Geißel schwingt, wegen der darin enthaltenen, den- Tatbestand des Vergehens nach § 3A2 St.-G. begründenden Aeußerungen von dem genannten Landes-Regierungspräsidinm mit Beschlag belegt. Die Weiterverbreitung dieser Druckschrift oder die Veröffentlichung des Inhaltes derselben durch den Druck ist 'bei Strafe verboten. Amerika. H. Newport, im Januar. Die letzten Wochen sind reich an Todesfällen gewesen. Am 31. v. M. starb in Washington Lewis Abraham, ein angesehener Rechtsanwalt, im Alter von 79 Jahren. 1825 in England geboren, kam er als Knabe nach Cincinnati und ließ sich nach einer wechselvollen Karriere in Washington nieder. Besonders reges Interesse nahm er an der Leitung des Bne Brith-Ordens, dessen Waisenhaus in Cleveland, Ohio, er gründen hals. Er gehörte auch dem politischen Komitee des amerikanischen Gemeindebundes (Board of Civil rights) cm und war bei der Gründung des American Israelite, 1854 einer der eifrigsten Mitarbeiter dieses Blattes, das er viele Jahre hindurch mit Korrespondenzen aus Washington bediente. — Eine ruhelose Persönlichkeit ist am 6. Januar in Newyork zur Ruhe gekommen. All diesem Tage starb im 67. Lebensjahre Michael Levi Rodkinson; ein Russe von Geburt, gab er in den siebziger Jahren in Königsberg eine hebräische und eine jüdisch-deutsche Zeitung heraus, lebte.dann, mit allerlei literarischen Arbeiten beschäftigt, in London und . Wien und kam vor etwa zehn Jahren nach Amerika, wo er einen Talmud in englischer Sprache herausgab. Diese Uebersetzung ist leider wissenschaftlich wertlos. — Am 13. JanNar starb zu Newhork Leo N. Levi, einer der angesehensten Rechtsanwälte der Stadt, im Alter von 47 Jahren, über den Sie ja bereits geschrieben haben. Er war zur Zeit seines Todes Präsident des Bne Brith - Ordens und eine in den weitesten Kreisen geachtete Persönlichkeit. Sehr bekannt wurde er in der Oeffentlichkeit durch seine bei der Generalversammlung des amerikanischen Gemeindebundes, Dezember 1894, in New-Orleans gehaltene Rede, in welcher er den Mangel an feststehenden Prinzipien in den Reformgemeinden beklagte. Ebenso hat er neulich den Erfolg errungen, daß Präsident Roosevelt seine Entrüstung über die Greueltaten in Kischinew äußerte. Leo N. Levi war in Victoria, Texas, am 15. September 1856 geboren. Von MH und ffrrn. — Die Kaiserin hat der Frau Rosalie Mosler geb. Lewinsohn das silberne Frauen-Verdienstkreuz am Weißen Bande; verliehen. — Aus Anlaß des kaiserlichen Geburtstages^ erhielten Geheimer Baurat Rathenau den Röten Adlerorden III. Klasse mit der Schleife, Dr. med. A. Wollenberg in Königsberg, Dr. med. L. Caro -Berlin, ©! Goldschmidt-Charlvttenburg, Dr. med. A. Ehrenberg-Stettin, Dr. med. F. Töplitz-Breslau, Emil Seligmann-Frankfurt a. M. die Rote Kreuzmedaille II. Klasse. — Unter den Petitionen an den Reichstag findet sich eine von Gustav Bruno Zacharias in Dresden, der gegen die Zulassung der Juden zum Justizdienst protestiert, „bleibt aber im übrigen unverständlich", wie das amtliche Petitions- Verzeichnis lakonisch mitteilt, und eine von Jakob Klaiber in Lauenburg, der um Ausweisung sämtlicher jüdischer Einwohner aus Deutschland petitioniert. — Der Geheime Sanitätsrat Dr. Lu dwig - Rosenthal ist hier in der Nacht zum 26. Januar im 76. Lebensjahre gestorben. Dr. Rosenthal übte seit 1854 die ärztliche Praxis aus. — Der Magistratsrat Dr. Fritz Brasch ist hier am 1. d. M. infolge Herzschlags im 45. Lebensjahre gestorben. Er war seit 1897 im städtischen Dienst tätig. Ehre seinem Andenken! — Der Vorsitzende des Shuagogengemeinde-Vorstandes zu Liegnitz, Heinrich Cohn, wurde wieder zum Vorsitzenden-der Stadtverordnetenversammlung gewählt. — Der Kaiser hat dem Generaldirektor der Hamburg-Amerikalinie Ballin seine lebensgroße Marmorbüste geschenkt. — Landgerichtsrat Dr. Sommer in Frankfurt a. M. wurde zum Oberlandesgerichtsrat in Cassel ernannt. — In A m st e r d a m feierte der große niederländische Maler I o s e f Israels am 27. v. M. seinen 80. Geburtstag. Seine Geburtstagsfeier hatte ben Charakter eines förmlichen Nationalfestes. Der Ministerpräsident Dr. Knyper überbrachte das Kommandeurkreuz des niederländischen Löwen und hielt eine glänzende Rede. „Ich als Ritter des Ordens, beuge mich vor meinem Kommandeur," sagte er am Schluß seiner Rede. Zn Ehren Israels ist eine Medaille geprägt worden; die Kosten dafür wurden durch Beiträge aus der ganzen Welt aufgebracht. Auch eine Israels-Stiftung wurde von England aus begründet. — In Casale ist am 23. v. M. einer der würdigsten Vertreter des italienischen Rabbiuats und ein Veteran der jüdischen Publizistik zugleich, der Großrabbiner Flaminio Servi im 64. Lebensjahre gestorben. Er hat zuerst den Bdueatore Israeiitieo und seit 1874 den Vessilto Israeiitieo vortrefflich geleitet. Ehre seinem Andenken! — Dr. Theodor Herzl, der gegenwärtig in Italien weilt, ist in Rom vom König Viktor Emanuel in Privataudienz empfangen worden. Nach der Audienz hatte Dr. Herzl auch mit dem Minister für auswärtige Angelegenheiten, Tittoni, eine Unterredung. Dr. Herzl wurde auch vom Papst und vom Kardinal-Staatssekretär Merrh del Val empfangen. — In Epinal ist der Finanzprokurator und frühere Unterpräfekt Emile Waltz nach kurzem Leiden gestorben. — An der russisch-deutschen Grenze, bei Neustadt-Schwindt, wurde in der vorigen Woche ein 62jähriger, jüdischer, armer Rückwanderer von einem russischen Grenzsoldaten erschossen. — Das Handelsgericht zu Petersburg hat, nach Bewilligung des Justizministers, zwei Juden als Geschworene am Gerichtshöfe zugelassen, was seit langen Jahren nicht vorgekommen war. — Staatsrat Guriefs, der Verwalter der ausländischen Klostergebäude in Beßarabien, dessen Aussagen zu Gunsten , der Juden am 11. und 12. November allgemeine Teilnahme hervorriesen, erhielt vorn Ministerium den Befehl, sein Arnt niederzulegen. — Der „Fraind" meldet, daß sämtliche Schulen und Klausen in Rußland den strengen Befehl erhielten, keine Vorträge oder Predigten über Zionismus abhalten zu lassen. — Die deutsche „Petersburger Zeitung" schreibt: „Den Wert der antisemitischen Zeitung „Snamjn" des vielgenannten Herrn P. A. Kruschewan kann man aus einem Inserat des Gerichtsvollziehers in den „Wed. Grad." ersehen. Die Konzession zur Herausgabe der „Snamja" wird am 10. Januar im Redaktionslokal (Gogol-Straße Nr. 12) ausgeboten werden und ist mit —hundert Rubel (Rbl. Silb. 100) abgeschätzt!"