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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-12-28 · Heft 52 (28.12.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 52 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang, ttr. 52, Lerlin, 28. Dezember 189^. Weilage zur „Alkgemeinen JerLung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 23. Dezember. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt gestern Abend in Casfel's Hotel seine ordentliche Generalversammlung ab. Vorher ging ein Vortrag des Herrn W. Bambus: „Die Juden als Soldaten", der allgemein das lebhafteste Interesse erregte. An den Vortrag schloß sich eine interessante Diskussion, in der die Herren Karfunkel, Muszkat, Dr. Loewe u. A. ergänzende Mittheilungen zu dem reichen Material gaben, das der Vortragende für die militärische Tüchtigkeit jüdischer Soldaten in allen Ländern beigebracht hatte.. In der darauffolgenden Generalversammlung erstatteten zunächst der Vorsitzende Namens des Vorstandes, Herr Rechtsanwalt Basch für die Revisionskommission, Herr Benas Levy für das Agitationskomitee ihre Berichte. Es wurde hierauf unter besonderer Anerkennung der Leistungen des Schatzmeisters Decharge ertheilt. In der Diskussion über die Berichte wurden verschiedene Vorschläge für die Propaganda des nächsten Vereinsjahres gemacht. Bei den hierauffolgenden Wahlen wurden der bisherige Vorstand, das Agitationskomitee und die Revisionskommission durch Akklamation wiedergewählt. Am Schluß gelangte, wie üblich, eine neue Publikation zur Vertheilung an die Mitglieder des Vereins, und zwar die Schrift von Dr. M. Br ann in Breslau: „Ein kurzer Gang durch die jüdische Geschichte." tz. Berlin, 21. Dezember. In feierlicher Weise fand heute die Eidesleistung der in Berlin lebenden russischen UntertHanen jüdischen Glaubens statt. Die Feier selbst wurde durch den russischen Konsul eröffnet. Derselbe verlas in russischer Sprache das Manifest des russischen Kaisers, in welchem er seinen Unterthanen die Kunde von dem Ableben seines Vaters giebt und sie auffordert, ihm treu zu sein, wie auch er bestrebt sein werde, die Interessen aller in seinem Reiche lebenden Unterthanen wahrzunehmen. Hierauf folgte die Festrede des Herrn Rabbiners Dr. Ungerleider. Derselbe wies auf die Bedeutung des Eides im Allgemeinen — Redner erinnerte an das dritte Gebot — wie im Besonderen auf die Bedeutung dieses Eides hin. Wahrheit, Recht und Frieden seien drei Säulen, auf denen das Judenthum ruht. Die Majestät auf Erden aber sei ein Abglanz der himmlischen Majestät, weshalb der dem Regenten zu leistende Eid der unverbrüchlichen Treue umsomehr an Bedeutung für den Juden gewinnen müsse. Zu allen Zeiten hätten die Juden ihrem angestammten Herrscher stets die Treue bewahrt, auch wenn sie fern vom Vaterland weilten, auch wenn sie in ihrem Reiche von den Wohlthaten des Gesetzes völlig ausgeschlossen gewesen wären. Dann berührte der Redner die Verbindungen, die den Zaren mit dem deutschen Kaiser verknüpfen, und die Hoffnungen, die die anderen Regentenhäuser auf den neuen Zaren setzen, daß er ein Hort des Friedens, ein gerechter Herrscher und Schützer aller seiner Unterthanen — und nicht in letzter Reihe der Juden — sein werde. Redner schloß alsdann mit einem Gebet für das deutsche und russische Kaiserhaus. Hierauf intonirte die Orgel die russische Nationalhymne, worauf der Konsul die Eidesformel in russischer und alsdann Herr Rabbiner Dr. Ungerleider dieselbe in deutscher Sprache verlas, während die Versammelten dieselbe russisch resp. deutsch nachsprachen' Alsdann wurden die Protokolle theils russisch, theils deutsch von den Versammelten unterfertigt. Berlin, 23. Dezember. Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Verein „Jung Israel" hielt am 5. d. Mts. einen zahlreich besuchten Diskusflonsabend ab, an dem Herr R. Hartmann über das Thema: „Antisemitismus und Zionismus" sprach. Nach einer anregenden Debatte wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung brandmarkt die unwürdigen Angriffe, die der Zionismus und der Verein „Jung Israel" in letzter Zeit erfahren haben, als gehässige Lügen. Wir protestiren dagegen, daß man uns den Willen und die Fähigkeit abspricht, unsere Pflichten dem deutschen Staate gegenüber zu erfüllen. Wir schließen uns, wie alle anderen Zionisten, dem § 6 der Statuten unserer englischen Gesinnungsgenossen an, der lautet: Die Vereinsmitglieder verpflichten sich, mit liebevoller Sorgfalt die Gesetze des Landes, in denen sie leben, sorgsam zu beachten und als gute Bürger die Wohlfahrt desselben mit allen ihren Kräften zu fördern. Ebenso entschieden weisen wir die aus niedrigen persönlichen Motiven hervorgegangene Verleumdung zurück, der Verein „Jung Israel" stünde mit der Mission in Verbindung oder ließe sich Missionsvorträge halten." S. Berlin, 19. Dezember. Einen recht erfreulichen Beweis für das Wachsen des jüdischen Bewußtseins unter der akademischen Jugend gab die erste offizielle Antritts kneipe der neubegründeten akademischen Verbindung S previa, die am Sonnabend in den Räumen der Gambrinushallen, Linienstraße 96, abgehalten wurde. Jüdische Studenten werden schon seit geraumer Zeit in den Korps, Burschenschaften, Landsmannschaften nur äußerst vereinzelt ausgenommen, und die Geschichte einer Reihe freier Verbindungen, die von Juden auf interkonfessioneller Grundlage begründet, als christliche Studenten in der Mehrzahl eintraten, ebenfalls den deutsch-nationalen Standpunkt (in der Studentenschaft ein Deckmantel für antisemitische Bestrebungen) annahmen, diente für einen Theil der jetzigen jüdischen akademischen Generation als heilsame Lehre. Die Phrase vom „Abschließen" kann hier nicht angendet werden, denn die Juden sind die Abgeschlossenen. Aber die akademischen Verbindungen erstreben auch eine Wirkung nach innen. Breslau machte 1886 mit der Begründung der Viadrina den Anfang, später folgte die Badenia in Heidelberg, und jetzt hat auch Berlin eine solche Verbindung, so recht ein Kind unserer Zeit, erhalten. Die Feier am Sonnabend begann mit einem Salamander auf den Landesherrn und im Anschluß daran der Begrüßung der Ehrengäste durch den ersten Chargirten, Herrn eanä. meck. Martin Ballin. Die Prinzipien der Verbindung setzte Herr Dr. Max Oppenheimer, der verdienstvolle Begründer der Badenia, auseinander. Herr Dr. Rosenzweig ermahnte die Anwesenden mit eindringlichen und unter stürmischer Begeisterung aufgenommenen Worten, an dem Gelöbniß der Treue zum Judenthum festzuhalten, auch wenn der Sturm ausgetobt habe. Herr stuck. med. Alfred Klee feierte die Verdienste der Kartellverbindungen, auf die er einen Salamander reiben ließ. Herr cancl jur. Löwenstein sprach auf Dr. Oppenheimer, Herr stuck, meck. Theodor Zlocisti bat die erschienenen Herren, in ihren Kreisen für die Ideen der Verbindung zu wirken. Herr Dr. Pariser schließlich trank sein Glas auf die Sprevia, nachdem er in längerer Rede ausgeführt, wie der Weg, den die junge Verbindung einschlagen wolle, von allen vorurtheilssreien Männern für den einzig richtigen gehalten werde,t müsse. Möge diese neue Bewegung in der Studentenschaft endlich jener Indifferenz ein Ende machen, die lange genug ein Krebsschaden gewesen. L/D Berlin,24.Dezember. Ein französischerAntisemitTh.deWyzeva, hat jüngst Berlin heimgesucht. Natürlich hat ihm nichts hier gefallen, am wenigsten die Juden. Aber seine Bemerkungen darüber sind so komisch, daß sie wohl niedriger gehängt zu werden verdienen. Z. B. der folgende Satz: „Statt die Gewohnheiten des Landes aufzunehmen, bekunden die Berliner Juden die Ueberzeugung, daß sie den Deutschen ihre Gewohnheiten aufgezwuttgen haben. Bei jeder Gelegenheit zeigen sie eine wahre Herrschermiene, schließen Sonnabends ohne Furcht vor Konkurrenz ihre Läden, bauen ihre Synagogen an schönen Plätzen der Stadt. (!) und verkünden in den Zeitungen, daß sie in ihren Geschäften nur jüdische Kommis anstellen (!!)." M. Memel, 16. Dezember. Ter hier vor ungefähr sechs Monaten ins Leben gerufene Verein für Oeinilat Okassockim hat Sonntag den 11. Kislev (9. Dezember) seine konstituirende Generalversammlung^ im Hause des Herrn Rabbiner Feinberg abgehalten. Zu derselben waren ca. 100 Mitglieder erschienen. Der bisherige Vorsitzende des Vereins, Herr Georg Millner, eröffnete die Versammlung durch Mittheilung über die Bedeutung und die Geschäftsführung des Vereins und

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