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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-10-26 · Heft 43 (26.10.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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58. Jahrgang. Ur. 43. ine Berlin» 26. Oktober 1894. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements »Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Redncteur: Gustav KarpeleS. Begründet von Nabbiner B** HJuituig phUippson-Äonn. Verlags-Crpedition: Lerlin, Jerufalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition und an die Adresse.- Verlag der .Allgem. Zeitung des Judenthums*. Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Moste, Berlin. Leitartikel r Für unsere Kinder. II. — Die Woche. — Antisemitische Beleidigungen. Von einem praktischen Juristen. — Die jüdischen Verhältnisse in Württemberg. — Der Uebertritt zum Iudenthnm. Bon Dr. N. Garnier. — Zu den synagogalen Melvdim. Von Dr. I. Babad. — Das Kaddisch-Gebet. I. Von Dr. I. Kohn. — Ein Gedickt auf Zunz. Von Ludwig Geiger. — Feuilleton; Der Judenjunge. Eine Erzählung aus Ost-Galizien von Wilhelm Feldmann l Schluß des 1. Theiles). — Sprechsaal. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten; Berlin» Aus der Provinz Posen» Obvrnik, Wiesbaden» Homburg v. d. Höhe» München. Wien, Budapest. Paris» London. New-Bork» Philadelphia. — Bon Nah «nd Fern. — Miscellen. - Geschäftliche Notizen. Für unsere Kinder, n. Berlin, 24. Oktober. >sere Vorschläge, den Religionsunterricht an den höheren Schulen betreffend, hoben vielfache Zustimmung, ober hier und da wohl auch ein Mißverstündniß -hervorgerufen, indem man behauptete, der von uns verlangte Nachweis über enipfangenen Religionsunterrichtsei ja mit dem obligat arischen Religionsunterricht identisch. Das ist aber ein Grundirrthum. Es ist etwas ganz Anderes, ob »um die Eltern zwingt, ihre Kinder zu dem bestimmten Religionsunterricht der Schule zu schicken, der ihren eigenen religiösen Anschauungen in jeder Beziehung entgegengesetzt sein kann, oder ob nian sie veranlaßt, ihren Kindern einen Unterricht in der Religio» überhaupt geben zu lasse», den sie ja ganz nach ihrer religiösen Fayon einrichten könne», »ur damit die Kinder nicht ganz ohne Religion aufwachsen. Der Unterschied liegt auf der Hand. Aber nicht die eitle Klage über die Schäden unseres Religionswesens wollten wir heute anstimmen, wie dringend nothwendig es auch wäre, diese immer und immer wieder zu wiederholen. Sondern ein anderer Uebelstand ist es, den wir heute gerade in der Rückerinnerung an das Freudenfest der Thora ernstlich hervorheben müssen. Wer die Anzeigen der Blätter über den Gottesdienst an den Hauptfeiertagen in den Berliner Synagogen aufmerksam durchgelesen hat, der mußte zu der traurigen Ueberzeugung gelangen, daß man bei all' den umfassenden Vorkehrungen für das religiöse Bkdürfniß unserer Alten seltsamerweise — unserer Jugend so gut wie ganz vergessen hat! Die Hauptgemeinde halte gar keine» Jugendgotiesdienst. Die Reformgemeinde, die in früheren Jahren einen solchen und zivar sehr würdevoll eingerichtet, hat merkwürdigerweise auch diesmal darauf verzichtet; ja, in ihren Anzeigen über den Gottesdienst am Bersöhiiungstage befand sich die folgende Schlußbemerkung, die eine ganze Fluth von trüben und wehmüthigen Gedanken auf Jeden, der sie las, Hervorrufen mußte: «Auch Kindern ist der Eintritt ohne Karte durchaus nicht erlaubt." Einzig und allein die orthodoxe Gemeinde Adaß Jisroel — wir sind objektiv genug, dies mit voller Anerkennung hervorzuheben — hat an beiden Feiertagen einen Jugendgottesdienst eingerichtet, der von nahezu 500 Kindern (Knaben und Mädchen) besucht lvar. Hier liegt doch eine schrvere Unterlassung vor, und es ist durchaus nothwendig, daß dieselbe mit vollem Freimuth besprochen wird. Wer jemals einem gut eingerichteten Jugendgottesdienst beigewohnt hat, wer je den tiefen Eindruck beobachtet hat, den die Gebräuche und Gebete unserer Feste auf die Kiiidesseele ausübeii, der wird mit uns enigestchen, daß man sich hier eine Gelegenheit von ganz außerordentlicher erziehlicher Tragweite hat entgehen laffen, um in den Herzen unserer Kinder die Liebe zum angestammten Glauben und die Begeisterung für die Lehre Israels ju wecken und zu befestigen. Ja, wir gehen noch weiter und wage», selbst ans die Gefahr hin, von Eiferern mißverstanden zu werden, die Behauptung, daß cLr.eher den, wahren Geiste des Jndenthuiils entsprechen würde, unserii Alte» die Synagoge an den großen Festtagen zu verschließen, »nd nur die Jugend, diese Erbin unserer Käinpfe und Ideale, unserer Hoffnungen und Träume, einznlassen. Aber das ist ja, Gott sei Dank, nicht nothwendig. Noch ist es »löglich, neben dem Goitesdienst für die Alten auch einen Gottesdienst für die Jugend in würdiger, allen berechtigten Ansprüchen "gerecht werdenden Weise einzurichten. Wir haben heute nur von Berlin gesprochen, weil ja die Eiiirichtnngen hiesiger Gemeinden vorbildlich sind für alte anderen, und zwar dermaßen, daß wir auch alis anderen deutschen Gemeinden nichts von der Einrichtung von Jugendgottesdiensten für die hohen Feste gehört habe». Aber wir sind überzeugt, daß es nur dieser Anregluig bedarf, um den Vorstand der Berliner Gemeinde, der für alle religiösen Bedürsniffe in wahrhaft nmfafleiider Weise Sorge trägt »nd unablässig bemüht ist, durch neue Einrichtmige», durch Erweiterung und Verbesserung der alten Institutionen däL Iudenthnm zu heben und zu kräftige», dazu zil veranlassen, daß seitens unserer Hanptgenieinde an alle» hohen Festen ein feierlicher Jugendgottesdienst, und zwar in den verschiedenen Stadttheile», je nach Bkdürfniß, eingerichtet werde. Die andern Genieiirden werden, deß sind wir sicher, diesem guten Beispiel folge», und so werden sich, wir hoffen dies zuversichtlich, künftig an allen hohen Festen unserer Jugend die Pforten der Gotteshäuser öffnen. Als sich aWVorabend des Sililchat-Thora-Festes die Synagogen vor Alleni unseren Kleinen erschlossen, »nd wir Gelegenheit hatten, die Helle Freude, die aufrichtige Begeisterung, den tiefen Eindruck zu beobachten, den dies Fest in den Gemüthern unserer Kinder hervorbringt, da hat man auch ohne große pädagogische Erfahrung leicht ermessen

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