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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-10-12 · Heft 41 (12.10.1894) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 41 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 alttestamentarischen Namen wie Moisö, Solom.'m. Jacob, Abraham zu bemerken und auch bei Frauen werden statt der, zu der jüdischen Tradition und dem Bildungsstande der Betreffenden wenig paffenden Tatjana, Jwanowna u. s. w. seit etwa zwei Dezennien mehr Namen, welche der ganzen Kulturwell gemeinsam sind, gewählt. Es erscheint aber noch passender, daß eine Mutter ihr Kind lieber Sara oder Rebecca, als mit einem modischen Namen nennt. A. S. Czenstochau, 4. Oktober. Es wurde in der letzten Zeit sehr viel über die wahre Bedeutung des biblischen „Rea'° in dem Gebote: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" geschrieben, so daß es wohl nicht ohne Interesse sein dürfte, an einem aus dem Leben gegriffenen Beispiele zu zeigen, wie die Juden sich ihren andersgläubigen Nächsten gegenüber verhalten, sobald es gilt, die gebotene Liebe zu bethätigeu. Als die Cholera vor Kurzem auch in unserer Stadt ausbrach, bildete sich sofort ein aus mehreren jüdischen Mitgliedern bestehendes Komitee, welches, mit den nöthigen Heil- und Stärkungsmitteln versehen, es sich zur Aufgabe nmchte, den Erkrankten, die meistens der ärmeren Klasse an gehören, zu jeder Stunde des Tages und der Nacht Hilfe zu ertheilen. Das Komitee wirkte so segensreich, daß nicht nur Juden, sondern auch Christen dessen Hilfe in Anspruch nahmen. So erkrankte erst gestern ein christlicher Arbeiter, der sich von dem herbeigeholten christlichen Arzte nicht einmal berühren ließ, sondern um die Delegirten des jüdischen Komitee sandte, welche sofort herbeieilten und bei dem Kranken so lange blieben, bis die Gefahr gänzlich gewichen war. Falls die Richtigkeit gegenwärtiger Nachricht in Frage gestellt werden sollte, bin ich bereit, den Arbeiter und Arzt namhaft zu machen. Uebrigens stehen Fälle, wo Christen während der Epidemie von dem jüdischen Komitee Hilfe verlangen, keineswegs vereinzelt da. Uumauirn. X. Jassy, 4. Oktober. Am 13. September fand in Jassy die feierliche Einweihung der von dem Verein „Cultura" gegründeten Schulen statt. Wie unfern Lesern bekannt, wurden die Juden Rumäniens durch das im vorigen Jahre votirte Schulgesetz, welches jüdische .Kinder vom Besuche der öffentlichen Schulen fast gänzlich ausschließt, genöthigt, zur Gründung von Schulen aus eigenen Mitteln zu schreiten In fast allen Städten des Landes entstanden Vereine, welche es sich zur Aufgabe machten, den Kindern jüdischer Eltern den ihnen durch das neue Schulgesetz entzogenen Schulunterricht wiederzugeben. Die bedeutendste derartige Vereinigung ist der, dank den Bemühungen des Herrn Dr. H Tiktin anfangs dieses Jahres ins Leben gerufene Verein „Cultura" in Jassy, der gegenwärtig über 400 Mitglieder mit Jahresbeiträgen von zusammen über 25,000 Francs zählt. In den drei von diesem Vereine bisher gegründeten Schulen erhalten über 600 Knaben größtentheils unentgeltlichen Unterricht sowohl in allen von dem Programm der Staatsschulen vorgeschriebenen Elementargegenständen, als auch in der hebräischen Sprache. Die Vortragssprache ist ausschließlich die rumänische. Die Eröffnungsfeier nahm folgenden Verlauf. Am Morgen des 13. September versammelten sich sämmtliche Zöglinge der drei Schulen vor dem Lokale der Schule Nr. 2 (8traäa Palatulin Nr. 15), zogen mit ihren Fahnen und mit einem Mustkkorps an der Spitze, unter Führung ihrer Lehrer, durch die Hauptstraßen der Stadt und begaben sich nach der Schule Nr. 1 (Strada alba Nr. 15), woselbst die Feier stattfand und welche zu diesem Zwecke mit Laub, Guirlanden, Fahnen und Lampions aufs Reichste geschmückt war. Daselbst war bereits eine große Menschenmenge versammelt. Nachdem die Schüler den Umzug durch die Stadt beendet hatten, eröffnete der Chor des Tempels „Beth Jakob" die Feier mit Absingung von Psalmen und einer Festhymne, worauf der Kantor das übliche Gebet für den Landesherrn verrichtete. Dann betrat Herr Dr. Tiktin die Rednerbühne und hielt die Festrede, in der er die Umstände schilderte, welche zur Gründung des Vereins geführt, die große Wichtigkeit der Aufgabe zeigte, welche sich derselbe gestellt, die Opferwilligkeit seiner Mitbürger mit warmen Worten pries und den Segen des Allbarmherzigen auf das schöne Unternehmen herabflehte. Nach Herrn Dr. Tiktin sprachen noch die Herren Dr. H. Herzenberg, Vicepräsident der Schulkommission, und Dr Ph. Margulies, Mitglied derselben. Hierauf wurden seitens der Damen des Festkomitees Erfrischungen an die Zöglinge verabreicht. Am Abend fand ein Gartenfest in demselben Lokale statt. Druck und Verlag von Ru-dolf Mosse in Berlin. ■/ .. . .. 1 , Amerika. X New-Uork, im Oktober. Die Sommerschule ist eine Eigenthümlichkeit des intellektuellen Lebens in Amerika. Ihre Grundidee ist, das Bedürfniß nach körperlicher Erholung mit geistiger Fortbildung zu vereinigen Besonders groß war der Erfolg der von den Methodisten gegründeten Schule in Chautauqua, Nerv-Iork. Ihr schloß sich neulich eine katholische Sommerschule an, welcher der Papst seine spezielle Anerkennung aussprach. Auf jüdischer Seite ist Herr Dr. Henry Berkowitz ein beredter Anwalt der Llusdehnung dieses Systems auf jüdische Kreise und Studien. Die jüdische Sommerschule soll eine Anstalt sein, in welcher Rabbiner und Theologen Anleitung zur Fortbildung und weitere Laienkreise populäre Information über das Judenthum erhalten sollen. Ausführbarkeit und Nutzen des Plattes bedürfen keiner weiteren Empfehlung. Herr Dr. Berkowitz ist ein Mann von ernstem religiösen Streben, getragen von mächtigem Eifer für die Sache des Judenthums, dem es gelungen ist, trotz mancher Schwierigkeiten in Philadelphia sich ein fruchtbares Arbeitsfeld zu schaffen Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß es seiner Energie gelinge, sich durch die Ausführung seines Planes ein neues Verdienst zu erwerben. Von Nah und Fern. ----- Der Schneider Goldwasser war als Zeuge vor die 9. Strafkammer des Landgerichts 1. geladen und hatte vor dem Termin an den Vorsitzenden das Gesuch gerichtet ihn vom Erscheinen zu entbinden, da er am höchsten jüdischen Feiertage nicht gern eine eidliche Aussage machen wolle. Trotzdem das Gesuch abschlägig beschieden war, erschien Goldwasser nicht. Er wurde geholt und zu 40 M. Geldstrafe verurtheilt. — Dem Kaufmann und Gastwirth Schmu hl aus Exin ist vom Oberpräsidenten die Erlaubniß ertheilt worden, den Namen „Steinhardt" zu führen. Ebenso ist seinen Brüdern in Zerkow bereits vor Jahresfrist dies gestattet worden. — Bei der Eröffnung der Eisenbahn von Dessau nach Wörlitz durch den Erbprinzen Friedrich erhielt Baron v. Cohn als Urheber und Förderer des Bahnbaues den Ehrenbürgerbrief der Stadt Wörlitz durch den Bürgermeister. — Die Nummer 37 der in Krakau erscheinenden hebräischen Wochenschrift „Hamagid" ist wegen eines Artikels mit der Ueberschrift „Bau Cheschbon" von der k. k Staatsanwaltschaft konfiszirt würden. Die Redaktion beabsichtigt hiergegen den Einspruch zu erheben. — Das Haus der Magnaten in Budapest lehnte am Sonnabend mit 122 gegen 96 Stimmen den Abschnitt des Gesetzentwurfes über die freie Religionsübung ab, welcher die Freigebung der Konfessionslosigkeit betrifft Nachdem der Antrag Aladar Andrassy's, den dritten Abschnitt, betreffend die Konfessionslosigkeit, fallen zu lassen, angenommen worden war, wurde der ganze Gesetzentwurf, betreffend die freie Religionsübung, in dritter Lesung abgelehnt. Die Minorität betrug 20 Stimmen. — Aus Paris wird berichtet, daß der Bischof von Blyis, Msgr. Laborde, seinen Geistlichen das Lesen der antisemitischen „Libre parole“ Drumonts verboten hat. — Im 62. Lebensjahr ist Victor Widal, früher medizinischer Inspektor der französischen Armee und Kommandeur der Ehrenlegion, ein guter Jude, der auch wiederholt Mitglied des Centralministeriums war, gestorben. — Victor Konin g, der bekannte Verfasser vieler Operetten, so der „Madame Angot" u. A., ehedem Direktor der Comedie Paristenne, ist im 52. Lebensjahr in Paris gestorben. Er war der Sohn eines polnischen Juden. — Es wird gemeldet, daß das Bankhaus Camondo in Kon stantinopel am 1. Oktober liquidirt hat. Herr Camondo hat allen Beamten eine lebenslängliche Pension in der Höhe eines Halden Gehaltes bewilligt. — Ein Komitee hervorragender Juden in New- Iork hat die Errichtung einer Statue zum Andenken des im Sommer verstorbenen Philanthropen Jesse Seligmann beschlossen. Mit der Ausführung desselben ist der Bildhauer Ezekiel, ein amerikanischer Jude, betraut. — Wie „Jew. Ghron " mittheilt, hat sich in Bu luway o, einer kleinen Stadt im Matabele-Lande, jenem durch die Krieger der Engländer mit Lobengula weiteren Kreisen bekannt gewordenen Reiche unweit der südafrikanischen Goldfelder, eine jüdische Gemeinde gebildet. Die Mitglieder sind größtentheils englische und russische Juden. — Die neue Ministerliste für Victoria enthält auch den Namen von Mr. l. A. Abrahams, der das Amt des Attorney General (Generalstaatsanwalt) bekleidet und eine der beliebtesten Persönlichkeiten in Melbourne ist. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin. . .: - - ■- -• - •.- ' - -—.

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