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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-10-12 · Heft 41 (12.10.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 41 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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>sr*r --^v-v<?«’7^'■■ ''.-sj-->•?' >.' rf**-? 58. Jahrgang. Ar. 41. me Serlin, 12. Oktober 1894. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. Nedacteur: Gustav K arpeleS. Begründet von " Rabbiner 8^'. LuLwig Philippjon-Sonn Verlags-Crpedition: Gerim, Jerulatemerkr. 48/49 AÜe Zusendungen Mr Redaktion und Expedition sind an die Adresse.- Verlag der ,Allgem. Zeitung des Judenthums*, Berlin SW'., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mofse, Berlin. 3tti)ftlt» Leitartikel: Unsere Namen. — Die Woche. — Das Snkkotbfest und der Liwjaihan. Von Dr. Ludwig Pick. — Böhmische Briefe. VI. — Der Antisemitismus in der Litteratur. II. Bon Leo G orel. — Polen und Chassidim. II. Bon Karl Emil Franzos. — Feuilleton: Der Judenjunge. Eine Erzählung aus Ost-Galizien von Wilhelm Feldmann (Forts.). — Aus dem Leben eines Träumers. Von W. Herzberg. (Forts.) — Liiterarische Miltheilungen. — Sprechsaal. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. Bromberg. Aus der Provinz Posen. Aus Schlesien. Hamburg, Dresden. Offenbach. Marburg. Bad Nauheim. Kaiserslautern. Wien. Budapest. St. Petersburg. Czeustochau. Jassy. New-Pork. — Bon Nah und Fern. — Miseellen. — Briefkasten. — Geschäftliche Notizen. Unsere Namen. Berlin, 11. Oktober. in Berliner Rechtsanwalt (Glaubensgenosse, wie wir soeben erfahren) hat auf sein Ansuchen, ihm eine Namensänderung zu gestatten, von der Behörde einen ablehnenden Bescheid erhalten, während seinem älteren Bruder, der gleichfalls in Berlin als Rechtsanwalt praktizirt, bereits die Führung dieses anderen Namens gestattet war. Bekannter ist die Entscheidung der Bromberger Regierung geworben, welche ihrerseits bie antisemitischen Eingaben, den Juden die Führung des Namens Götze nicht zu gestatten, abwies. Unser Standpunkt gegenüber jedem Verlangen auf Namensänderung ist in aüen Fällen, in denen nicht ganz besonders zwingende Gründe vorliegen sollten, der gleiche wie der unserer alten Weisen, welche es rühniend hervorheben, daß die Israeliten in Aegypten ihre Namen nicht verändert hatten; der Lohn dafür war die Befreiung von dem Joche Mizraims. — Man sollte aber selbst, hiervon abgesehen, heutzutage auch in jenen Kreisen, in denen Namensänderungen lediglich aus ästhetischen Gründen beliebt werden, vorsichtiger mit allen Anträgen auf Namensänderung sein, einmal schon aus dem Grunde, um sich keinen Korb zu holen, und ein andermal aus vorbeugenden Gründe» vor einem Umschläge in den maßgebenden Regionen. Werden doch jetzt in dem heiligen Rußland sogar auf den Schildern und im Firmenregister zwangsweise Rückwärtsrevidirungen der jüdischen Namen durchgeführt. „War Alles schon einmal da." Bekanntlich ist Zunzens treffliche Abhandlung „Die Namen der Juden" durch die preußischeKabinetsordre vom 16 Juni 1836 veranlaßt. Es wurde in derselben ein bereits 8 Jahre vorher gegebener Befehl, daß die Juden keine christlichen Vornamen führen sollen, von Neuem eingeschärft und den Polizeibehörden anfgegeben, „streng darauf zu halten, daß diese Unordnung ferner nicht stattfinde". Die Subalternbehörden bereiteten damals auf Grund dieser Verfügung bei jeder Eintragung in die Standes-Register den Juden viele Kränkungen. Auf Betreiben des um die schlesischen Juden hochverdienten Abraham Muhr, der am 10. Januar 1841 an de» König eine Jmniediateiiigabe in dieser Angelegenheit richtete, wurde durch Kabinetsordre vom 9. März 1841 entschiede», daß der „Gebrauch der Inden, ihren Kindern christliche Vornamen zu geben, nur insoweit untersagt sein soll, als diese Namen mit der christlichen Religion in dogmatischer oder nomineller Beziehung stehen". Muhr als Vorsteher der Gemeinde Pleß hatte bereits vorher mit Recht auf seine Glaubensgenosten dahin eingewirkt, de» neugeborenen Kindern keine Namen, die auf die christliche Religion Bezug haben, wie z. B. Christian und Christine, geben zu lassen. Dieser Standpunkt erscheint auch noch heute berechtigt. Es giebt überspannte Eltern, namentlich Frauen, welche in abgeschmackten Vornamen für ihre Kinder sich gar nicht genug thun können. Da ist die oben erwähnte Mahnung unserer alten Lehrer,, die hehren und durch unsere heilige Geschichte geweihten Namen unserer Väter und Mütter unter uns nicht aussterben zu lasten, sehr wohl ain Platze. Wie wird es damit bereits in der nächsten Generation aussehen! Ist denn der Name „Philippine" (er bedeutet, wörtlich übersetzt: Pferdeliebhaberin) etwa erhabener als dcr Name unserer Stammmütter Sara oder Rahel? Ein Blick in die Familienanzeigen unserer Tagesblätter genügt, um erkennen zu lassen, welche Ausgrabungen an vermeintlich schön klingenden Namen vorgenommen werden, nur um den Namen der heiligen Schrift aus dem Wege zu gehen. Nehmen wir uns ein Beispiel an den christlichen und Mischen Engländern, denen die Namen Abraham, Jsaac, Joseph, Moses, Emanuel („Mit uns ist Gott"), Raphael („Gott ist der Helfer") u. s. w. auch heute noch gut genug sind. Bei uns ist es etwas anders geworden, und nicht nur bei uns Juden; denn Vornaine» wie Kant's (Immanuel)), Goethe's (Wolfgaug), Lessing's (Ephraim), Strauß' (David), sind überhaupt aus der Mode. Da es sich im Wesentlichen bei den Vornamen um eine Modesache handelt, während es sich bei der Aenderung der Nachnamen oft auch um berechtigte geschäftliche Bedingungen und Fragen der Selbsterhaltung drehen kann, so sei bezüglich der ganz unberechtigten Verdrängung unserer anerkannten Vornamen hier noch an die Frauen, die ja das Scepter der Mode führen, appellirt. Man richtet sich in diesen Kreisen gern nach aristokratischen Beispielen. An der Spitze der englischen Regierung steht jetzt Lord Roseberry, besten Gemahlin, geh. Han nah von Rothschild, leider durch einen frühzeitigen Tod aus ihrem glaubenstrenen Wirken abberufen wurde. In England ist es übrigens Sitte, daß die verheirathete Frau mit den Vornamen des Mannes führt, also z. B. Miß Nathan Avigdor oder Frau Salomon Saffoo». Der Dichter sagt wohl: „Name ist

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