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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-24 · Heft 34 (24.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 34 (24.8.1894)
Date
1894-08-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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58. Jahrgang. Nr. 34. Allgemeine Berlin, 24. August 1894. eitung des Audenchums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Redacteur: Gustav K arpeles. Begründet von Nabbiner 13*- Ludwig Philippsou-Bonn. Verlags-Grpedltion: Lerlin, Lerufaiemerstr. 48/49 Alle Zuwendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse.- Verlag der ,Allgem. Zeitung des Judenthurns". Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mofse, Berlin. ÄllhllÜ. Leitartikel: Lebensweise und Lebensdauer. — Die Woche. — Erfahrungen aus den Ferien-Kolonien. Bon Hermann Becker. — Die Juden in den russischen Ostsee-Provinzen. — Roger Williams, ein Apostel der Glaubenssreiheit und Anwalt der Juden. Von Dr. M. Kavserling. — Der ..kleine Sifre. Von Dr. B. Königsberg er. — Zur Geschichte des Brieses. I. Von Albert Katz. — Feuilleton: Der Judenjunge. Eine Erzählung aus Ost-Galizien von Wilhelm Feldmann (Forts.). — Antisemitisch. Von Josef Victor Widmann. — Sprechfaul. Der Gemeindehole. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. Airs der Provinz Posen. Breslau, Königshütte. Dessau, Lindheim. Wien, Bern, London, Korfu. Tetnan, New-Bork. — Bon Nah und Fern. — Miscellen. Lebensweise und Lebensdauer. Berlin, 21. Angust. Hfirc ebet gesunde Mensch in gesunden Verhältnissen wünscht ein .Ol hohes Alter zu erreichen; das Wohl der Familien hängt in hohem Maße von der Lebenszeit ab, die ihren Gliedern, besonders den Vätern, vergönnt ist: das Wohl der Staaten hängt in gleichem Maße von der mittleren Lebensdauer seiner Bewohner ab. Die Krankheits- und Todesvorbeugung ist eine so wichtige Sache wie irgend eine, die die Nation beschäftigt, aber sie findet noch entfernt nicht die Würdigung, die sie verdient. Wieviel sie vermag, beweist schlagend die Statistik. Aber mit berechtigtem Stolze dürfen wir darauf Hinweisen, daß schon unsere Alten — ohne diese statistische Erkenntniß — auf Lebensdauer, Krankheits- und Todesvorbeugung den Sinn ihrer Glaubensbrüder gelenkt haben. Das biblische wechaj bahem, „er lebe bei ihnen", d. h. bei der Erfüllung der Gesetze, galt als heilige Vorschrift, die sie nie außer Acht ließen. Die Lebensdauer hängt von den verschiedensten Umständen ab, am allermeisten aber von der Lebensweise. Treffliche Gelehrte haben in neuester Zeit ei» besonderes Studium daraus gemacht; ihre Ergebnisse finden wir in der kleinen Schrift: „Die Dauer und die Erhaltung des menschlichen Lebens" verarbeitet, die Dr. Wilh. Bode in der Böhmertschen Sammlung „Bolkswohl-Schriften" soeben herausgegeben hat. (Leipzig, Duncker & Hnmblot.) Danach würden die zehn Voraussetzungen der Lebenserhaltung etwa die folgenden sein: „1. Der Besitz einer befriedigenden Weltanschauung. Das ist besonders der Glaube an ein gütiges, gerechtes Weltregiment. Damit hängt zusammen, daß man sich nicht der Melancholie, dem Neide, dem Hasse und andern zehrenden Leidenschaften ergiebt. 2. Vermeidung von Ansteckung. Leben auf gesundem Boden, in gesunder Umgebung. 3 Abhärtung des Körpers von Jugend auf, so daß er Krankheitskeime leicht abstößt oder doch Krankheiten leicht überwindet. 4. Möglichst viel Aufenthalt in frischer oder doch reiner Luft 5. Kein allzulanger Schlaf. 6. Vermeidung von starken Aufregungen und Aenderungen der Lebenslage; dies gilt besonders für alte Leute. 7. Mäßigkeit und Einfachheit im Essen. 8. Mäßigkeit besonders im Trinken. 9. Arbeitsames Leben. 10. Gute Pflege in kranken Tagen, gute Aerzte." Auch selbst der verstockteste Gegner des Judenthnnis wird nicht in Abrede stellen können, daß in der Bibel selbst, noch mehr aber in den talmudischen Schriften, alle diese Voraussetzuiigen geradezu als religiöse Vorschriften gegeben sind. Auf den achten Punkt wird aber besonders Werth gelegt. Bodes Angaben darüber verdienen Beachtung; er sagt in den: Vortrage, der der Schrift zu Grunde liegt: „Sie denken vielleicht, ich übertreibe, wenn ich behaupte, daß in Deutschland von 10 Männern mindestens einer eines um mehrere Jahre oder Jahrzehnte verfrühten Todes stirbt, weil er zu viel getrunken hat. Die Statistik lehrt, daß in Preußen in den zwölf Jahren 1877—1888 von 12,826 Männern und 1342 Frauen festgestellt werden konnte, daß sie direkt am Säuferwahnsinn zu Grunde gingen. Sie lehrt uns ferner, daß von den preußischen Selbstmördern des Jahres 1889 105 in Folge von Säuferwahnsinn und weitere 406 in Folge von Trunkenheit oder Trunksucht ihre That begingen." Eine Nutzanwendung für unsere deutsch-nationalen Antisemiten, die immer nur von dem schädlichen Einfluß der Juden auf deutsche Zucht und Sitte reden, läge hier sehr nahe. Aber wir ziehen es vor, die Statistik und die Medizin für die jüdischen Tugenden sprechen zu kaffen, die selbst unsere Gegner uns nicht rauben können und für die sie deshalb nach den albernsten oder auch nichtswürdigsten Beweggründen in ihrer Verlegenheit suchen. Die letzten deutschen Universitätslehrer, die über Lebensdauer geschrieben haben, sind die Professoren Pflüger in Bonn, Ebstein in Göttingen und Kollmann in Basel. Von ihnen schreibt z. B. Prof. Kollmann: „Einfachheit in Speise und Trank sind die ersten Bedingungen für die Erhaltung der Gesundheit und eines langen Lebens. Das Durchschnittsalter der besieren Stände, vor Allem der Männer, ließe sich zweifellos beträchtlich steigern, wenn die Nüchternheit bei der christlichen Bevölkerung auf derselben Höhe sich befände wie z. B. bei den Juden. Wer die Kunst, sein und seiner Mitmenschen Leben zu verlängern, erlernen will, muß Nüchternheit und Enthaltsamkeit im eignen, wohlverstandenen Jntereffe üben. Der Segen bleibt nicht aus, weder für das Individuum, noch für die Familie." Alle diese Betrachtungen sind für uns sehr lehrreich. Nüchternheit und Enthaltsamkeit sind alte jüdischen Kerntngenden. Die Erhaltung der Gesundheit, das Maß in allen Dingen, Arbeit, Pflege der Seele wie des Körpers sind religiöse Gebote in Israel. Erhalten wir darum uns und unfern Kindern dieses Erbtheil der Väter! I

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