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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-06-08 · Heft 23 (8.6.1894) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 23 (8.6.1894)
Date
1894-06-08
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 als Ausschußrnitglieder: Bamberger-Kisstngen, Ziemlich-Nürnberg; als. Ersatzmänner: Groß.Augsburg, Meyer-Regensburg. Wir schließen den Bericht mit dem Wunsche,^daß der jungen Konferenz eine segensreiche Wirksamkeit beschieden sein möge. Oesterreich - Ungarn. LH Wien, 4 Juni. Der Beschluß, in Wien keinen Saatenmarkt mehr abzuhalten, hat die hiesige Geschäftswelt in nicht begreifliche Aufregung versetzt, und wenn man erwägt, welch großer Verlust dies für Hoteliers, Theater, alle Geschäfte und Verkaufsläden bedeutet, so können, alle davon Betroffenen den Antisemiten recht dankbar sein. — Im Klub der Vereinigten Linken wurde die Beantwortung der Interpellation Deckert vielfach erörtert Die Antwort des Ministerpräsidenten gab Anlaß zu einer lebhaften Diskussion, in welcher die Unzufriedenheit mit der lauen Haltung des Ministeriums mehrfach zum Ausdruck kam. — In der letzten Magistratssitzung machte Bürgermeister Dr. Grübl die Mittheilung, daß Frau Josefine Schiff, geborene Freiin v. Königswarter, den Betrag von 100,000 fl. für wohlthätige Stiftungen erlegt habe. Der Gemeinderath nahm diesen Wohlthätigkeitsakt mit Beifall zur Kenntniß und votirte der Spenderin den Dank. — Seit zwei Jahren wirkt hier außerordentlich segensreich der Verein „Ferienheim", dessen Zweck es ist, armen, schwächlichen israelitischen Kindern im schulpflichtigen Alter die Wohlthat eines Landaufenthaltes während der Ferienmonate, eventuell bei rekonvaleszenten Kindern während der Zeit der Rekonvaleszenz zu verschaffen. Gleichwohl können von 600 Kindern, welche der Fürsorge des Vereins empfohlen worden sind, vorläufig nur 200 in die vom „Ferienheim" hierfür bestimmten Erholungsorte entsendet werden. - Das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung hat in seiner am 30. v. M. stattgehabten Plenarsitzung u. A., gemäß dem schon im vorigen Jahre gefaßten Beschlüsse, einen Pensionsfonds für die Lehrer der Stiftungsschulen und deren Wittwen kreirt und hierzu ein Stammkapital in der Höhe von 108,000 fl. votirt. Das Pensionsnormale lautet für die Angestellten äußerst günstig, da dieselben jeder Beitragsleistung enthoben sind. Nach Ablauf von zehn Dienstjahren tritt bei Dienstesunfähigkeit eine Pensionsberechtigung in der Höhe von 40 Prozent des Normalgehalts und die volle Pensionsberechtigung schon nach 35 Dienstjahren ein. Die bei den von der Stiftung übernommenen Anstalten vor Uebernahme derselben verbrachte Dienstzeit wird bei Berechnung der Pension den Angestellten eingerechnet. Gleichzeitig werden nach der vom Finanzministerium eingelangten Genehmigung zur unmittelbaren Entrichtung der Gebühren den Angestellten Dekrete ausgefertigt. — Im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde wurde gestern Nachmittags der hier tagende österreichisch-ungarische Kantorentag von dem Präsidenten Oberkantor Singer mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, in welches die Versammlung begeistert einstimmte, eröffnet. Ueber Antrag des Vizepräsidenten Oberkantor Bauer wurde ein Huldigungstelegramm an den Kaiser abgesandt. Nach Erstattung des Berichtes gelangten die einzelnen Punkte der Tagesordnung zur Verhandlung, an denen die erschienenen Delegirten aus sämmtlichen Kronländern der Monarchie theilnahmen. In Würdigung ihrer besonderen Verdienste wurden Präses I. Singer, Vizepräses I. Bauer, Kassirer M Bloch zu Ehrenmitgliedern ernannt. Heute Vormittags wurde in Fortsetzung der Berathung die Gründung eines Pensionsfonds in Erwägung gezogen. Großbritannien. g. Cork (Irland), 30. Mai. Ein bedauerliches Mißverständnis Hut zu einer argen Ausschreitung gegen unsere Glaubensgenossen in unserer Stadt, in der sonst die Juden friedlich und sicher inmitten der Bevölkerung lebten, geführt. Zwischen den protestantischen Straßenwanderpredigern nebst ihren Anhängern und der katholischen Bevölkerung war es wiederholt zu Reibereien gekommen Als die Protestanten nach Beendigung der Predigt sich zerstreuen und in ihre Wohnungen zurückkehren wollten, kam ihnen der Israelit Jacob Sayers entgegen. Die Protestanten hielten ihn jedoch für einen Katholikenüberfielen ihn und schlugen mit Stöcken auf ihn ein. Die sofort herbei-? geeilte Schutzmannschaft brachte den Angefallenen sicher in seine Be-- Hausung. Vor derselben hatten sich inzwischen 300 Protestanten angesammelt. Als dieselben — nachdem die Schutzmannschaft sich entfernt hättenach Hause gingen, überfielen sie die ihnen in den Weg kommenden Juden und verwundeten sie. Drei der Rädelsführer wurden verhaftet und zu zwei Monaten Gefängniß, sowie Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt. Heute kamen sämmtliche protestantische Geistlich^ zu unserem Rabbiner J.- A Maiers und drückten demselben ihr tiefstes Bedauern über das Börgefallene aus. Auch die Abgeordneten Corte und Redmond drückten ihr Bedauern brieflich aus . So schreibt Corte: „Die Nachrichten aus Cork haben mich mit Bestürzung und Entsetzen erfüllt." Essei ein Unrecht, das gar nicht wieder gut zu machen sei. Das irische Volk liebe die Juden, und der irische Nationaldichter Thomas Moor habe nicht zwecklos und nicht einmal die Iren mit den um Zion Trauernden verglichen. Zum Schluffe versicherte Corte, daß ein jeder nationale Ire solche Ausschreitungen verabscheue. Von Nah und Fern. Professor Dr. Julius Lessing, Direktor der Sammlungen des Königl. Kunstgewerbe-Museums in Berlin, hat den Titel Geheimer Regierungsrath erhalten. — Dem Direktor der Bank für Handel und Industrie, Rechtsanwalt Dr. jur. Ri eher hier hat der Kaiser den Rothen Adler-Orden vierter Klaffe verliehen. — Wie man uns mittheilt, gehört Professor Dr. Posner nicht dem Judenthum an. Wir bitten alle unsere Korrespondenten, mit Bezug auf Personalnachrichten nur nach genauen Erkundigungen uns Mittheilungen zu machen. — Die Königl Akademie der Künste hat in dem Wettbewerb um die Stipendien der Michael Beer'sch en Stiftung die Entscheidung der Preisrichter soeben veröffentlicht. Es war ein Preis von 2250 M. zu einjährigen Studienreisen nach Italien ausgesetzt für Maler jüdischer Religion. Den ersten Preis erhielt unter fünf Bewerbern der Maler Jehuda Epstein aus Homel, zur Zeit in Wien. — In mehreren Städten sind in letzter Zeit Juden wirksam antisemitischen Reiseaposteln entgegengetreten, so in Köthen gegen Liebermann Herr Rabbiner Dr. Jacob und Herr Rechtsanwalt Stein der g aus Göttingen, in Sondershausen mit besonderer Wirkung gegen Liebermann von Sonnenberg Herr Rabbiner Heidenheim, in Düsseldorf Herr Rabbiner Dr. David gegen Stöcker, in Mannheim Herr Kaufmann Krämer gegen Böckel. Vivat sequentes! — Bei der in Plauen im Voigtland stattgehabten Reichstagsersatzwahl erhielt von den abgegebenen 20,585 Stimmen Schubert, der deutsch-soziale Antisemit, 2667 Stimmen, trotz 65 Wahlversammlungen. — Unter dem Verdachte der Unterschlagung und des betrügerischen Bankerotts wurde der Mehlhändler Carl Zöllner in Würz bürg verhaftet. Zöllner gründete unter Beihilfe einiger aus Norddeutschland stammender alter Studenten den antisemitischen Verein in Würzburg. Die Geschädigten sind meistens Juden! — Die Wiener Polizei hat die Plakate entfernt, die eine zweite Auflage der bekannten Flugschriften des Pfarrers Deckert gegen die Juden ankündigten — Bei dem Rennen am 4. d. Mts. um den Derbypreis kam es in Paris zu wüsten Austritten Michael Ephrussis Gospodar siegte mit größter Leichtigkeit. Es war stark gegen ihn gewettet worden, und die Wetter verloren durch Gospodars Sieg viel Geld. Sie schrien wüthend, sie seien geprellt, schimpften Ephrussi Dieb und Gauner, brachten Pereats auf die Juden aus und bedrohten Ephrussi persönlich, so daß die Polizei ihn schützen mußte. Es heißt, Ephrussi wolle seinen Rennstall verkaufen. Das wird wohl auch das Gescheidteste sein! — Die Jeschibavon W ol osin in Rußland, welche vor 2 Jahren im Aufträge der Negierung geschloffen wurde, ist nun über Erlaß der Regierung wieder eröffnet worden. Die Eröffnung erfolgte in den Halbfeiertagen des Paffahfestes in feierlichster Weise und mit Musik. — Dem berühmtem Bildhauer Emmanuel Hannaux istvon der Jury des Pariser Salons die erste Medaille zuerkannt worden. — In Folge des Schächtverbots, welches in der Schweiz erlassen ist, gestatteten die italienischen Behörden den Schweizern, behufs Fleischeinfuhr in die Schweiz, in Como und Luino die Errichtung von Schlächtereien, in denen nach jüdischem Ritus geschlachtet wird. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. mim

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