Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-06-08 · Heft 23 (8.6.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 23 (8.6.1894)
Date
1894-06-08
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228040-3228064--50879-3273711
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Gerlin, 8. Juni 1894. 58. Jahrgang. Wr. 23. Weikage gutr „Akkgemeinen Jeikung des ZuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 6. Berlin, 5 Juni. In der am letzten Sonntag, den 3. er., stattgehabten Sitzung der Repräsentanten-Versammlung gab der Vorsitzende zunächst Kenntniß von einer Zuwendung des Herrn Joseph Goldschmidt in Höhe von 12,000 M. und einer solchen von 10,000 M., die von den Geschwistern des verstorbenen Herrn Robert Levy gespendet worden ist. Beide Stiftungen find für die Alterversorgungs-Anstalt bestimmt. Gemäß des Beschlusses in der voraufgegangenen Sitzung, eine definitive Verwaltungskommission zur Fürsorge entlassener Strafgefangenen zu wählen, werden zwei Mitglieder der Körperschaft, und zwar die Herren Mosse und Frankel, in diese Kommission abgeordnet. Dem Vorstand wird auf Grund des über die Revision der Gemeinde-Hauptkasse erstatteten Berichts Decharge ertheilt. Wie wir berichtet, war in der voraufgegangenen Sitzung von den Repräsentanten eine Resolution des Inhalts gefaßt worden, daß der Vorstand von dem Wunsche der Versammlung einer baldigen Ausführung der bereits früher beantragten Errichtung einer gynäkologischen Station im Krankenyause Kenntniß nehmen möge. Auf diese Resolution ist nun die Antwort des Vorstandes eingegangen, die im Wesentlichen besagt, daß früher ein solcher „Antrag" gar nicht gestellt worden sei, sondern daß es sich nur um eine „Anregung" gehandelt habe. Auf diese Anregung einzugehen, habe aber der Vorstand des Krankenhauses damals abgelehnt, da der nothwendige Platz nicht vorhanden wäre. Des Weiteren beschäftigt sich das Schreiben aber auch mit der formellen Seite der Resolution, die den Charakter eines Initiativantrages getragen habe, und von solchen Anträgen bittet der Vorstand, ihn vorher zu benachrichtigen- Diese schriftliche Erklärung ergänzt der Vorsitzende, Herr Justizrath Meyer, noch dahin, daß er zur Sache selbst bemerkte, die Gemeinde sei außer Stande, für alle möglichen Krankheiten Fürsorge zu treffen. Der Raum, der noch zu gewinnen sein sollte, müsse dazu verwendet werden, die Säle zu entlasten, vor Allem aber dazu, daß den Beamten menschenwürdige Wohnungen beschafft würden. Zur formellen Seite der Angelegenheit wiederholte er den Wunsch, damit der Vorstand vor Ueberraschungen geschützt werde, ihn von Initiativanträgen vorher in Kenntniß zu setzen, dann werde er, mit dem genügenden Material versehen, auch sofort auf die betreffende Angelegenheit eingehen können. Aus der längeren Debatte, die sich an diese Ausführungen knüpfte, heben wir die Aeußerung des Herrn Louis Sachs hervor, der, zur Sache selbst, sich auf den Standpunkt des Vorstandes stellt. Zu einer solchen Station gehöre unter allen Umständen eine Entbindungsanstalt. Das würde eine jährliche Vermehrung des Etats um 40,000 Mark bedeuten, und eine solche Vermehrung sei um so weniger angängig, als der Etat des Krankenhauses schon überschritten worden sei. So sehr daher auch die Errichtung einer gynäkologischen Anstalt ein Ziel wäre, auf's Innigste zu wünschen, so müsse man doch unter den obwaltenden Umständen darauf verzichten. Die Debatte schließt damit, daß die Versammlung das Schreiben des Vorstandes zur Kenntniß nimmt. An den Antrag für die an den Gemeindegrundstücken auszuführenden Reparaturen 19,550 M. zu bewilligen, welcher Posten in der letzten Sitzung zur nochmaligen Prüfung an den Ausschuß zurückgewiesen worden war, knüpft der Referent Herr Leonhard Sachs den Wunsch, daß die Baukommission reorganisirt und die Zahl ihrer Mitglieder vermehrt werden möge. Außerdem sollen alle Anschläge im I. Quartal eingereicht werden, damit die erforderlichen Arbeiten im 11. Quartal in Angriff genommen werden können. Nach Bewilligung dieses Postens berichtet derselbe Referent über den Abschluß eines mit dem Handwerkerverein vereinbarten Miethsvertrages, wonach dieser seine Sophienstraße 15 belegenen Räumlichkeiten an den hohen jüdischen Feiertagen der Gemeinde zum Preise von 1600 Mk. und in den folgenden Jahren für 1500 Mk überläßt. Der Handwerkerverein ist als Ersatz für die Germania-Säle bestimmt. Auf die von Herrn Leichtentritt bei dieser Gelegenheit ausgesprochene Bitte, doch auch den N'ördwesten bedenken zu wollen, erwiedert Herr Sachs, daß die betreffende Kommission bereits aus eigenem Antriebe diesem Wunsche Rechnung getragen und nach geeigneten Lokalen, leider nur vergebens, Umschau gehalten habe. — Mit der aus Anregung des Herrn Leichtentritt erfolgten Wahl zweier Mitglieder, der Herren Sanitätsrath Jastrowitz und Bodenstein, zur Verstärkung des mit der Prüfung der Rechnungsabschlüsse betrauten Ausschusses schließt die öffentliche Sitzung. Berlin, 4. Juni. Soeben ist Nr. 38 der „MittHeilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" erschienen. Die Nummer enthält die Berichte über die Kassenrevision, das Vermögen des Gemeindebundes, das sich auf 217,453 M. beläuft, den Rechnungsbericht für das laufende Geschäftsjahr und die Erläuterungen für denselben, den Kassenbericht der deutsch-israelitischen Darlehnskasse in Leipzig für Frauen und Jungfrauen von 1891 bis 1893, Kassenbericht des Moses Mendelssohn-Stiftes in Dessau pro 1893. Außerdem Mittheilungen über eine außerordentliche Zuwendung der Erben des seligen Kommerzienraths Jacob Israel im Betrage von 1000 M. und einer Bibliothek von 1200 Bänden des seligen Lehrers Marcus in Burgsteinfurt, ferner das Statut der Samuel Kristeller-Stiftung zur Förderung des Handwerks unter den Juden in Deutschland. Schließlich ein Verzeichniß der Bundesgemeinden, der persönlichen Mitglieder und der Beamten des Gemeindebundes, der nach wie vor (wir bemerken das gegenüber anderen Mittheilungen) unter der gedeihlichen und wahrhaft fördernden Leitung des Geh. San.-Rath Dr. Kristeller verbleibt, durch welche sich der deutsch-israelitische Gemeindebund, der nun bald sein 25jähriges Jubiläum feiern wird, zu so ansehnlicher Bedeutung erhoben hat. Berlin, 5. Juni. Der in der Generalversammlung der Gesellschaft „Magine Reim" gefaßte Beschluß, dem Namen derselben den erklärenden Zusatz „Verein zu gegenseitiger Hilfe" in Klammern hinzuzufügen, ist vom Minister des Innern genehmigt worden. OO Königsberg, 27. Mai. Gestern beging die hiesige Synagogengemeinde ein Fest, mit dem die Erfüllung einer seit einem Menschenalter erkannten Nothwendigkeit den ersten sichtbaren Ausdruck erhielt. Nachdem bereits am 19. März d. I. mit den Pfahlrostarbeiten begonnen worden, wurde heute der Grundstein zur neuen Synagoge gelegt. Der Platz bot durch reichen Fahnenschmack und geschmackvolle Dekorirung des Raumes um die Baugrube einen festlichen Anblick. Außer den Mitgliedern des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung, sowie den Leitern des Baues hatten sich Hunderte von Gemeindemitgliedern eingefunden, um der seltenen Feier beizuwohnen. Die Feier begann mit dem Psalm 121, welcher von dem Synagogenchor unter Leitung des Kantors Birnbaum vorgetragen wurde. Hierauf folgte die Weiherede des Rabbiners der Gemeinde, Dr. Bamberger, unter Zugrundelegung der Bibelstelle Esra, Kapitel 3, Vers 10 bis 13, in welcher von der Grundsteinlegung des zweiten Tempels zu Jerusalem berichtet wird. Mit dem zweiten Verse des Psalm 67 schloß Dr. Bamberger seine tief ergreifende Ansprache, und der Chor intonirte die Verse 2 bis 5 dieses Psalms in hebräischer Sprache. Hierauf folgte der eigentliche Akt der Grundsteinlegung. Der Obervorsteher der Gemeinde, Prof. Dr. Samuel, verlas die Urkunde, welche mit anderen wichtigen, die Gemeinde betreffenden Schriften, Statuten, Berichten, den hier erscheinenden drei Tageszeitungen vom heutigen Tage und einer Sammlung der geltenden Landesmünzen in einer kupfernen Urne in den Grundstein gelegt wurde. Die üblichen Hammerschläge wurden sodann von dem Obervorsteher, dem Rabbiner, sämmtlichen anwesenden Mitgliedern des Vorstandes, der Repräsentantenversammlung, Cremer aus Berlin, Vertreter der Baufirma Cremer & Wolffenstein, u. A. unter markigen Denksprüchen vollzogen. Mit dem von Kantor Birnbaum bearbeiteten und herausgegebenen Schlußgesang, Psalm 127, „Wenn Gott, der Herr, das Haus nicht bauet" (komponirt von Salomone Rossi Hebreo, 1587—1626 Musiker am Hofe von Mantua), schloß die erhebende Feier. — Im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.