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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-05-11 · Heft 19 (11.5.1894) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 19 (11.5.1894)
Date
1894-05-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 gefaßt, welche erklärt, das deutsche Hospital solle eine nationale deutsche Anstalt bleiben, die allen deutschsprechenden Kranken und Armen ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens offen stehe. Diese Kundgebung ist gleichbedeutend mit einem Vertrauensbeschluß für die gegenwärtige Verwaltung des Hospitals. Rußland. Moskau, im Mai. Unser ehrwürdiger Rabbiner mußte nunmehr seinen Sitz verlassen, da er nicht weltliche Bildung genügend besitzt, um gesetzlich berechtigt zu sein, als Rabbiner zu fungiren. Ebenso schmerzlich, wie sich unser Rabbiner von der Gemeinde trennte, ebenso schmerzerfüllt gab ihm die Gemeinde das Geleit zum Bahnhof. Wenn unsere Gemeinde auch klein ist, so hat sie doch ihre Liebe und Achtung durch ein anständiges Gehalt ihrem Rabbiner bewiesen. Er geht von uns — und der Rabbinerstuhl steht nun verwaist da. Hoffentlich wird Israel noch Rabbiner besitzen, die außer der talmudischen auch akademische Bildung haben, sodaß der Rabbinerstuhl bald wieder besetzt wird. \\ inmimci! $ Bukarest, 6. Mai. In den rumänischen Dörfern werden jetzt die Juden administrativ ausgetrieben. Einem jüdischen Arbeiter Janen Schmil, der plötzlich des Nachts sammr Familie verjagt wurde, wobei er von den Sbirren ausgeplündert wurde, fiel es nun ein, gegen den Primär Bontasch und den Subpräfekten Cocev einen Prozeß anzustrengen. 20 andere Ausgewiesene schlossen sich dem Muthigen an. Der Prozeß endete mit der Verurtheilung der beiden Beamten zu sechs Monaten Gefängniß. Dieses Urtheil rief große Erregung hervor, in der Presse sowohl als im Parlamente. Der Kultus- und Unterrichtsminister Take Jonescn aber erklärte einem Interpellanten, daß das Appellarionsgericht sich noch mit dem Falle beschäftigen werde, und daß die Regierung das Urtheil nicht zu Recht bestehen lassen könne, „weil sonst kein Beamter es wagen dürfe, die autochthone Einwohnerschaft vor den Juden zu schützen". Amerika. n Atew-Iork, 16. April. Rev. Dr. Joseph Krauskopf in Philadelphia geht mit dem ehrgeizigen Plan um, das „Väterchen von Rußland" aufzusuchen und ihm Vorstellungen wegen der ungerechtfertigten Behandlung seiner jüdischen Unterthanen zu machen. Jedenfalls wird der beredte Prediger die Reise nach Rußland im Laufe der nächsten Monate unternehmen und sich mit Empfehlungsbriefen von einflußreichen Staatsmännern versehen. Wie weit er aber gelangen, ob er überhast in Rußland zugelassen und ob er bis zum mächtigen „Herrscher aller Reußen" Vordringen wird, ist sehr fraglich, das letztere sogar unwahrscheinlich. Indessen ist das Unternehmen wohl ein Wagniß werth, und es ist dem jungen Prediger der beste Erfolg zu wünschen. Gegenwärtig befindet fich hier ein Gesandter der palästinensischen Juden, um für die Errichtung eines Hospitals in dem an Gesundheitsquellen so reichen Liberias milde Gaben zu sammeln. Sein Name ist Eliauch. Er ist im Besitze der besten Empfehlungsschreiben von dem Rabbiner Dr. Hildesheimer in Berlin und dem Oberrabiner Dr. H. Adler in England. Auch die hiesige Rabbiner-Kongregation empfiehlt ihn aufs Wärmste. Für das Hospital ist bereits ein geräumiges Haus käuflich erworben. Auch wurde hier ein Komitee gegründet, welches sich besonders für dieses Hospital interessiren wird. Vsn Nah und Fern. Das Landgericht I verurtheilte den Rektor Ahlwardt wegen Beleidigung des gesummten preußischen Beamtenstandes, begangen in einer vor längerer Zeit in Essen gehaltenen Rede, gleichfalls zu einer dreimonatlichen Gefängnißstrafe. — Das Abenteuer, welches der Schriftsteller ArnoldPerls in der Nacht zum 2. Februar d. I. in der Befle- Alliancestraße hatte, beschäftigte am 2. d. das hiesige Schöffengericht. Der Gerichtshof war. auf Grund der Beweisaufnahme überzeugt, daß beide Parteien geschlagen haben, und verurtheilte deshalb den Kaufmann Herrn Röber wegen Körperverletzung zu 100 Mark Geldstrafe event. 20 Tagen Gefängniß und wegen der Beleidigung zu 50 Mk. Geldstrafe event. 10 Tagen Gefängniß und Perls zu 30 Mark Geldstrafe event. 6? Tagen Gefängniß. — Ahlwardt trat neulich in Krojanke für eine antisemitische Karrdidatur auf. Nach ihm meldete sich ein jüdischer Handwerker, der Gerbermeister Margolinski, zum Wort. Der biedere Meister meinte^ Ahlwardt behaupte, daß die Juden kein Handwerk betreiben und nicht arbeiten wollen. Daß er, Redner, arbeiten könne, beweise seine schwielige Faust; er versiehe es sehr wohl, ein Fell zu gerben, er sei gern bereit, es Herrn Ahlwardt zu beweisen. — Gegen den früheren Direktor Dr. Sch nutz in H annover, dessen sich die „Kreuzztg." in langen Leitartikeln annahm, wird jetzt im Amtsblatt für ben Regierungsbezirk Hannover ein Steckbrief wegen Unterschlagung amtlicher Gelder und Beiseiteschäffens amtlicher Papiere veröffentlicht. Dr. Schnutz hat mehrfach als antisemitischer Kandidat sich um einen Sitz im Reichstage beworben. — Der Hauptkasfirer des Bankhauses M. A. von Rothschild u. Söhne in Frankfurt a. M., Goldschmidt-Bing und dessen Frau wurden gestern Nachmittag bei einem Spaziergang im Jsenburger Walde von zwei Burschen überfallen und durch Revolverschüsse verletzt. Die Frau wurde im Gesicht, der Mann durch zwei Schüsse im Rücken und einen an der Seite verwundet. — Der dritte ordentliche Gemeindetag des Verbandes der Synagogengemeinde Westfalens wird am 24. Juni d. Js. zu Soest in den Räumen des Schützenhofes daselbst abgehalten werden. — Gegen den Redakteur und Verleger Fritsch und Beyer ist bei der Staatsanwaltschaft zu Mannheim ein neuer Strafantrag wegen des sogenannten „Talmud-Flugblattes" im Sinne des § 130 des St.-G.-B. (Aufreizung) gestellt worden. — Am 13. Mai findet die Jahreskonferenz bayerischer Rabbiner in Würzburg statt. — In Stuttgart wurde Freitag der im 82. Lebensjahre verstorbene Rechtsanwalt Dr. I. Jordan zur letzten Ruhe bestattet. Außer zahlreichen Konfessionsgenossen betheiligten sich am Geleite Vertreter aus den Kreisen der Juristen, Anwälte und der Bankwelt. Die Grabrede hielt Rabb. Dr. Stößel und schilderte darin die edlen Eigenschaften des Verstorbenen. Am 14. d. M. fand die Einführung des festlich empfangenen Kirchenraths Rabbiner Dr. K r o n e r in die Stuttgarter Synagoge statt. Dem Gottesdienst wohnten auch Direktor Dr. v. Finkh und die Mitglieder der israelitischen Oberkirchenbehörde an. — In einer jungczechischen Versammlung verlangte der Vorsitzende derselben Dr. Morawee aus Königinhof, die Jungczechen mögen ein solches Programm ausarbeiten, welches sich am meisten dem Programm der antisemitischen Partei nähern würde. — Im Hofe der mechanischen Weberei von Jakob Pick in Nachod wurde eine mit Eisenstücken und Pulver gefüllte Bombe gefunden. Die Lunte war verlöscht. Man will einen Racheakt vermachen, weil die Fabrik gestern arbeitete. — Der O eben bürg er Gerichtshof verhandelte die Strafangelegenheit des antisemitischen Spanglermeisters Theodor Fuhrmann und Genossen betreffs des seinerzeit vielbesprochenen Diebstahls im fürstl. Esterhazy'schen Schlosse in Esterhaza. Theodor Fuhrmann wurde zu zweieinhalb Jahren Kerker verurtheilt. — Dr. Benedict Mandelstamm in Kiew, der als Spezialist für Ohren- und Halskrankheiten einen großen Ruf genoß, starb am 7. d. M. im Alter von 39 Jahren. Eine große Schaar Leidtragender, darunter die Professoren der Kiewer Universität, folgten seinenr Sarge. — In dem russischen Grenzstädchen Grajew o hat zwischen den bei den Kasernenbauten beschäftigten Handwerkern und polnisch-jüdischen Händlern ein arger Krawall stattgefunden. Erstere erstürmten die Häuser, zertrümmerten Fenster, Thüren und raubten aus Kaufläden nach Herzenslust. Herbeigeholtes Militär vertrieb mit blanker' Waffe die Räuber. Vier Personen blieben todt auf dem Kampfplatz; gegen hundert wurden verwundet, darunter mehrere lebensgefährlich. — Freitag-Abend brach wieder in Amsterdam eine gewaltige Feuersbrunst im Judenviertel aus. Vier Kinder sind erstickt. Wieder war es bei einem russischen Juden, wo das Feuer seinen Anfang nahm. Die ganze jüdische Bevölkerung ist empört über die russischen Einwanderer, so daß die Polizei diese Leute in Schutz nehmen muß. Auch neulich entstand ein kleines Feuer in einem von vielen Juden bewohnten- Hause. Glücklicher Weise hatte dieses keine üblen Folgen. — Der rühmlichst bekannte Rabbiner Dr. Wolff in Gothenburg feiert am 25. Mai d. I. seinen siebzigsten Geburtstag.— Dem Bankhause Sässoon in London ist ein Telegramm des Rabbiners von Schiras in Persien zugekommen, welches folgendermaßen lautet: „Die hier herrschende Hungersnothder unaufhörliche Regen und Erdbeben haben unsere Gemeinde in eine fürchterliche Lage gebracht. Viele sind bereits Hungers gestorben und Viele liegen auf der Straße. Helfet rasch!" Drück und Verlag von Rudolf Mösse in Berlin. . Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin. MMN

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