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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-12-18 · Heft 51 (18.12.1891) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 51 (18.12.1891)
Date
1891-12-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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spiel erhalten. Sie läßt den Schluß zu, daß die Antisemiten die Handelsvertragsdebatte zu neuen Skandalen benutzen werden. Dänemark. tz .Kopenhagen^ 13 Dezember. Die Trauernachricht von dem Ableben unseres verehrten Oberrabbiners Dr. Abrahar; Alexander Wolfs hat Ihnen der Telegraph schon übermittelt. W^.^ruch das Hinscheiden eines Einundneunzigjährigen nicht unerwartet kommt,-so bleibt doch der Schmerz, einen solchen Mann zu verlieren, ein gewaltiger. Von der allgemeinen Trauer gab denn auch die imposante Theilnahme an der Bestattungsfeier, welche am Sonntag Vormittag stattfand, redendes Zeugnis;. Als Vertreter Seiner Majestät des Königs erschien dessen Kabinetssekretär Geheimer Staatsrath Roseustand, außerdem wohnten der Kultusminister, die Spitzen der Behörden, Deputirte der Universität, sowie ie Leiter und Beamten der hiesiger; und zahlreicher anderer jüdischer Gemeinden Dänemarks der Feierlichkeit bei. In der Kapelle des neuen Friedhofes sprach nach Absingung der vorgeschriebenen Gebete Rabbiner Dr. Simonsen ergreifende Worte des Nachrufs und gab ein lebensvolles Bild der Bedeutung des Verklärter;. Nach abermaligem Gesänge wurde vom Oberkantor ein Todtengebet reeitirt, welches der Verstorbene eiuft selbst verfaßt hatte. Darauf begab sich der mächtige Zug nach dem alten Friedhofe, woselbst die irdische Hülle des Entschlafenen in die Gruft gesenkt wurde. Ueber die Lebensschicksale Wolffs sei kurz berichtet, daß er am 9. April 1801 zu Darmstadt geboren war, in Würzburg studirte und irr Gießen (1821) promovirte. 1824 wurde er zum Landrabbiner von Oberhessen gewühlt urrd bekleidete diese Stelle bis 1828, in welchem Jahre er zum Oberrabbiner der dänischen Gemeinden erwählt wurde. Seine litterarische Wirksamkeit war eirre bedeutende und vielseitige. Zahlreich find die Predigten, die von ihm im Drucke erschienen urrd jüngeren Kanzelrednern vielfach Muster geworden sind. Von seinen Schriften heben wir die metrische Habakukübersetzung, sein Religionslehrbuch (1825), sein Werk über die Piutim besonders hervor. Holland. * Amsterdam, Itf. Dezember. Am io. Dezember steerb in Leiden, 03 Jahre alt, der Professor der christlichen Theologie an der dortigen Universität, Dr. Abraham Kuenen, einer der hervorragendsten Theologe;;, dessen Namen weit über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt gewesen ist, und dessen Leistungen auf den; Gebiete der Bibel-Exegese und jüdischen Geschichte allgemein bekannt sein dürsten. Seine Hauptwerke sind: „Historisch-kritische Untersuchung der Entstehung und Sarnmlung der Bücher des alten Bundes", 8 Bände (1801 bis 1805), „Die Religion Israels bis zum Untergang des jüdischen Staates", 2 Theile (1800—1870); „Die Propheten und die Phrophetie unter Israel", historisch-dogmatische Studie, 2 Theile <1875): „Volksreligion und Weltreligion", fünf Vorlesungen in der Hibbertstiftung in Oxford und London (1882). Daneben hat er in den Jahrbüchern der Akademie eine Reihe werthvoller Abhandlungen veröffentlicht („lieber die Zusammenstellung des Sanhedrin", „lieber die Männer der großen Synagoge. „Die Ehronologie der persischen Periode der jüdischen Geschichte"). Schweiz. * Bern, 11. Dezember. Die Regierungen der Kantone Bern und Aargau hatten das bei den Israeliten übliche rituelle Schlachten als thierqnälerische Handlung verboten. Die Schweizer Israeliten, die Glaubens- und Kultusfreiheit anrufend, beschwerten sich über die Kantone Bern und Aargau, indem sie überdies den Nachweis lieferten, das ritueUe Schlachten sei keine Thierquälerei. Nach dreitägiger Debatte hat der Natioualrath nüt 80 gegen 43 Stimmen den Israeliten Recht gegeben; dasselbe hat der Ständerath schon in der letzten Jumsessivn gethan. Infolge dieses Entscheides ist das rituelle Schlachten im ganzen Gebiete der Eidgenossenschaft erlaubt. Amerika. * Washington, 10. Dezember. In der Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten an den Kongreß heißt es zum Schluß: Die Unionsregiernug habe der russischen Regierung ernste Besorgnisse wegen der strengen Verfügung gegen die Hebräer und der daraus entspringenden Auswanderung nach Amerika, welche ernste Folgen für den Arbeitsmarkt haben dürfte, ausgesprochen. Von Nah und Fertt. j Wie sehr die Zeiten sich geändert haden, mag daraus ersichtlich! sei;;, daß die evangelische G e n e r otl f i) n o b e, trotzdem sie im Uebrigen! sich zu radikal-orthodoxen Anschauungen bekannte, diesmal Herrn Stöcker» nicht mehr in den Vorstand gewählt hat. — Die Synagogen-Gemeinde! Ratibor beklagt den Tod des Herrn Dr. med. Arnold Rosenbaum,» der seit einer Reihe von Jahren den Vorsitz im'Vorstand der Gemeinde! führte. — In Barmen erläßt eine große Anzahl angesehener Männer! aller politischen Parteien einen energischen Protest gegen das Hineintragen! des Antisemitismus in die bisher ruhige Stadt, wie es von dem dortigen! Hetzblatte „Die Wacht" seit einiger Zeit versucht wird. — Unter dem I Namen „Freisinniger Verein für jüdisches Gemeindeleben" hat sich in! Frankfurt am Main ein Verein zur Vertretung von Reformideen gebildet.! Der junge Verein zählt bereits 300 Mitglieder. Wir wünschen dem- 1 selben Gedeihen und Nachahmung in anderen Gemeinden. — Die „Bau-! Hütte, Organ für die Gesammtintereffen der Freimaurerei", enthält in! einer ihrer letzten Nummern einen geharnischten Artikel über die „Nicht-! Vereinbarkeit des Freimaurerthums mit antisemitischer Gesinnung". —! Aus Lübeck ist ein seltenes Beispiel von Toleranz der kirchlichen I Behörden zu verzeichnen. Der kürzlich verstorbene Kaufmann Blumen- I feld, der Vorsitzender des Kampfgenossen-Vereins und Israelit war, I wurde seinem Wunsche gemäß auf dem evangelischen Friedhof beigesetzt.! An dem irnposanten Gefolge betheiligten sich auch alte Generale und 1 | Admirale in Uniform. — Das Fest der goldenen Hochzeit feierte jüngst! j Herr Hofrath Dr. Berlin in Fürth mit seiner Gattin. Der Jubel- | j greis hatte Ende September seinen 80. Geburtstag begangen, und an- I j läßlich dieses Freudentages stifteten seine Angehörigen nüt einen; Kapitale I! von 9000 Mk. einer; Freiplatz in der Fürther israelitischen Waisenanstalt, j — Der Kaiser von Oesterreich hat dem mit der;; Titel und Charakter I eines Regiernngsrathes bekleideten Oberinspektor der General-Inspektion I der österreichischen Eisenbahnen, Gustav Ritter von Grünebaum, I den Titel und Charakter eines Hofrath es verliehen. — Die beiden » Baron Körügwarter'scher; Stipendien für das Jahr 1892 sind den I Rabbinats-Kandidaten Israel Finkelscherer, Hörer des Rabbiner- I! Senünars in Breslau, und Julius Bach, Hörer des Rabbir;er-Semi- 1 nars in Berlin, ertheilt worden. — Nachdem Herr Ahlwardt von den! Arüisemitenführerr; in Deutschland aus Zweckmäßigkeitsgründen verleug-! net worden, war er dieser Tage in Wien, wohin er sich auf Einladung j; des dortigen christlich-sozialen Vereins begeben hatte, der Gegenstand! großer Ovationen. Fast alle gesinnungsfreundlicher; Abgeordneten, Vertreter des böhmischen Großgrundbesitzes re. wohnten seiner; Versammlur;gen bei. „Ungeheurer Jubel"- begleitete seine Reden; „es herrschte eine Begeisterung ohr;e Gleichen." Ein Lorbeerkranz wurde ihm überreicht. — In London kursirt das Gerücht, daß der Kaiser von Rußland auf direkte Vermittelung seiner Schwägerin, der Prinzessin von Wales j die Unterfertigung eines Dekrets, mit welchen; eine weitere Verfolgung! der Juden Hütte angeordnet werden sollen, verweigert habe. Die Wahrheit dieses Gerüchtes läßt sich natürlich nicht feststellen. — Dem Rabj' biner Professor Viktor Castiglione, Ritter der italischen Krone, ist von den Dozenten des römischen Rabbinerseminars in Gemeinschaft! mit Herrn Dr. Ehrenreich, dem römischer; Oberrabbiner, der Titel eines j O berrabbiners verliehen worden. Wir können uns bei diesem Titel j ohne Amt nur wenig denken. — In der Liste der von dem Könige von j Italien neuernannten Senatoren befindet sich der berühmte Philanthrop Salvatore Ottolenghi. Derselbe ist ein Sproß jener altbernhmten Familie, welche zahlreichen jüdischen Gemeinden gelehrte Rabbiner; und dem Staate verdienstvolle Beamte gegeben. Derselben Familie gehört u. A. auch General Ottolenghi in Neapel an, einer der gefeiertsten Offiziere der italienischer; Armee, welcher wiederholt von Sr. Majestät dem Könige ausgezeichnet wurde. — Nach jüngster Zählung beträgt die Anzahl der Juden in Griechenland 10,000, davon 300 in Athen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für ine Redaktion: Mar Banchwitz in Berlin.

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