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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-20 · Heft 51 (20.12.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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MiseerLen. Zu Rankes hundertstem Geburtstage. Die „Deutsche Revue" brachte im 18. Bande (1893) Aufzeichnungen, die ein früherer Amanuensis des großen Historikers Leopold v. Ranke u. d. T. „Sechzehn Jahre in der Werkstatt" des Meisters, gemacht hat. Der Autor skizzirt auch Rankes "Stellung zur Judenfrage mit einigen Strichen. Wenn wir auch nicht Allem unsere Zustimmung geben können, so sind Rankes Worte an und für sich schon interessant genug, um sie zu notiren. Sie gewinnen an Interesse, weil in ihnen Persönlichkeiten berührt werden, die noch heute zu den Lebenden gehören. Die beiden Schüler Rankes sind Professor Breßlau in Straßburg und Direktor Dr. Bärwald in Frankfurt a. M. Mit der hochgeborenen Persönlichkeit hat Ranke wohl den Lord Roseberry gemeint: Ueber politisch-soziale Fragen im Einzelnen hat Ranke sich nur selten zu mir ausgesprochen; es geschah in Betreff der Judenfrage. Sich über dieselbe zu erklären, nahm er im Jahre 1883 Gelegenheit, auf Anlaß der Benutzung eines die Geschichte des deutschen Kirchenrechts behandelnden Werkes, das er als ein sehr verdienstvolles, belehrendes und treffliches bezeichnete; erbemerkte, daß der Verfasser ein „Jude" sei, und indem er einen der ausgezeichnetsten Geschichtsforscher in Deutschland nannte, fügte er hinzu, was mir sehr wohl bekannt war, daß auch dieser ein „Jude" sei. Darauf wandte er sich an mich mit den Worten: „Aber sagen Sie, wer leistet noch etwas in der Wissenschaft außer den Juden." Dann wieder auf den zweiten jüdischen Gelehrten zurückkommend, bemerkte er lächelnd, wie er dies bei dem Eingeständniß begangener Jrrthümer zu thun pflegte, daß er sich über dessen wissenschaftliche Qualifikation bei Beurtheilung einer von demselben eingereichten Bearbeitung einer von der philosophischen Fakultät zu Berlin gestellten historischen Preisaufgabe „gründlich" getäuscht habe, was indeß für den davon Betroffenen, dem nur eine lobende Erwähnung zu Theil geworden war, kein Unglück gewesen sei, da dieser dadurch den Antrieb empfangen habe, dem Studium der Diplomatik mit Eifer obzuliegen, was er dann mit bestem Erfolge gethan; nach der Hand habe sich herausgestellt, daß er der „geborne Professor", sein damals glücklicher Konkurrent der „geborne Schulmeister" sei. Darauf ging Ranke auf die Frage im Allgemeinenein und äußerte sich in folgender Weise: Man könne darüber streiten, ob die Judenemanzipation überhaupt hätte stattfinden sollen; aber jetzt lasse sich dieselbe nicht mehr rückgängig machen; die Juden haben sich ihrer würdig gezeigt; daß sie durch Fleiß und Rührigkeit empor« zukommen versuchen, dürfe man ihnen nicht verdenken. So sprach sich Ranke damals aus. Bon Leidenschaftlichkeit eingegebene, in heftigem Tone vorgetragene antisemitische Expektorationen, mit denen man sich direkt an ihn wandte, haben wohl auf ihn keinen ernsten Eindruck gemacht, er nahm sie eher mit einer gewissen Ironie auf; bisweilen erwiesen sie sich schon dadurch als wenig für ihn berechnet, daß eine hochgeborene, wie es schien, zu einer großen Stellung in der Welt prädestinirte Persönlichkeit von derselben mitbetroffen wurde. Den jüdischen Inhabern des Bankhauses, das seine finanziellen Geschäfte besorgte, ertheilte Ranke das Zeugniß, daß sie „grundehrliche Leute" seien. Zwei seiner Amanuensen zu Anfang der achtziger Jahre, im ganzen während dreier Jahre, waren Israeliten. Ranke hat einmal den Versuch gemacht, einen seiner talentvollen israelitischen Schüler und Zuhörer, der sich während der Studentenzeit bei seinen Kommilitonen, auch bei denjenigen, in denen schon damals — es war in der Mitte der fünfziger Jahre — eine antisemitische Ader schlug und die sich später eifrig und entschieden den Bestrebungen des Antisemitismus angeschlossen haben, vieler Achtung und großer Beliebtheit erfreute, durch vertrauliche Vorstellungen mancherlei Art, wie die: ein Historiker könne sich seiner Ueberzeugung nach nicht nicht zum Christenthum bekennen; die Wissenschaft selbst, die ein solcher betreibe, führe ihn dahin, ihn zum Uebertritt zu demselben zu vermögen. Gelungen ist es Ranke damit nicht; jenem Manne haben seine Glaubens- und Stammesgenossen die Leitung einer großen und angesehenen Unterrichtsanstalt übertragen. ---- Die Nr. 49 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Der Rücktritt des Ministers von Köller und die „Deutsche Tageszeitung." — Böckel und die „freiheitlichen Antisemiten." — Zur Naturgeschichte des Antisemitismus. — Lug und Trug bei den Germanen. III. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — Ueber den „christlichen Staat." Briefkasten der Redaktion. R. in H: Auch Geh. Justizrath Professor Dr. Goldschmidt ist ordentlicher Professor an der juristischen Fakultät der Berliner Universität. Berliner K Tageblatt Je« Silit eines Weitblickes hat sich das B. T. durch die allgemeine Verbreitung nicht allein in Deutschland, sondern in der ganzen gebildeten Welt, selbst in den entferntesten Ländern, erworben. Wo überhaupt im Ausland deutsche Zeitungengehalten werden, da begegnet man sicherlich in erster Reihe dem B.'I. Diese universelle Verbreitung verdankt es seinem reichen, gediegenen Inhalt, sowie der Schnelligkeit und Zuveetiisstgkeil in der Berichterstattung (vermöge der an allen Weltplätzen angestellten eigenen Korrespondenten). Die Abonnenten des B. T. empfangen allwöchentlich folgende 5 höchst werthvolle Separat-Beiblätter: das illustrirte Witzblatt „UUE“, die feuilletonistische Montagsausgabe „Dev Zeitgeist", die „Technische Rundschau", das belletristische Sonntagsblatt „Deutsche Kesehalle" und die „Mittheilungen über Kandrvirthschuft, Gartenbau und Hanswirthschaft." Die sorgfältig redigirte, vollständige „Handels-Zeitung" des B. T. erfreut sich wegen ihrer unparteiischen Haltung in kaufmännischen und industriellen Kreisen eines vorzüglichen Rufes. Besonders haben zu diesem großen Erfolge auch die ausgezeichneten Original-Feuilleton aus allen Gebieten der Wissenschaft und schönen Künste sowie die hervorragenden belletristischen Gaben, Mä. insbesondere die vorzüglichen Romane und Novellen beigetragen, welche im täglichen Roman - Feuilleton des „B. T.“ erscheinen. Die Romane und Feuilletons des B. T. gelangen in Deutschland allein in diesem Blatte und niemals gleichzeitig in anderen Zeitungen zum Abdruck, wie dies jetzt vielfach üblich ist. Im nächsten Quartal erscheint ein groß angelegter Roman aus der Feder des bekannten Volksmannes Adolph Streckfuss: „Aus dunkler Zeit." Das deutsche Lesepublikmn wird dieses nachgelassene Werk des kürzlich verstorbenen alten Achtundvierzigers, des hervorragenden Kenners jener sturmbewegten Zeit, sicherlich mit großem Interesse entgegennehmen. Wechs'elvolle, höchst spannende Handlung zeichnet diese Arbeit aus, welche, mit voller Zeitkenntniß geschrieben, der jetzigen Generationjene bedeutsame Epoche mit frischen naturwahren Farben vor Augen führt. Vierteljährliches Abonnement kostet 5 Mark 25 Pf. bei allen Postämtern. Probenummern franco. Inserate in allen Theilen Deutschlands sowie im Auslande. (Zeile 50 Pf.) finden erfolgreichste Verbreitung

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