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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-11-01 · Heft 44 (1.11.1895) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 44 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 F. Budapest, 27. Oktober. Dem kürzlich erschienenen 18. Jahresbericht der hiesigen Rabbiner schule entnehmen wir einige interessante Daten. Im Berichtsjahre erhielten nach bestandener Prüfung ihre Diplome: Dr. Salomon Braun, Dr. Alex Büchler, Dr. Isidor Engelsmann, Dr. Armin Frisch, Dr. Moses Herschkowitsch, Dr. Arnold Klein, Dr. Mor. Schwarz, Dr. Markus Steiner. Die Prüfungskommission bildeten die von der leitenden Kommission entsendeten Herren Dr Moritz Klein, Oberrabb.ner in Nagy-Becskerek, und Dr. Ad. Sidon, Oberrabbiner in Werschetz, sowie die prüfenden Professoren Dr. W. Bacher, Professor Moses Bloch, Dr. David Kaufmann. Unmittelbar an die Promotionsfeler schloß sich die Feier des 80. Geburtstages des Vorsitzenden des Professorenkollegiums, Rabbiner Moses Bloch. — Bezüglich der im letzten Schuljahre ausgeschriebenen Preisarbeiten wird Folgendes mitgetheilt. Für die Arbeit über Anlage und Autorschaft des Vitrymachsors erhielt den Preis der Hörer Max Weiß. Der Verfasser ist zu neuen wissenschaftlich erhärteten Nachweisungen über die 3 verschiedenen Bearbeitungen, die in dem behandelten Ritualwerke erkennbar sind, gelangt Für die Preisarbeit: „Ueber den Einfluß des Willens und der Absicht auf die verschiedenen Handlungen und Unterlassungen, welche die mosaische Religion als Gebot oder Verbot aufgestellt", ist der Einreichungstermin bis zum 1. November 1895 verlängert worden. Für das Schuljahr 1895,96 ist als Freiherr Philipp von Schey'sche Preisarbeit folgende Frage gestellt worden: „Das Prinzip der menschlichen Redeweise" in der Geschichte der jüdischen Bibelexegese. Als Einreichungstermin ist der 1. Mai 1896 sestgeseht. B. Budapest, 25. Oktober. Die ung arisch-Israel. Litteraturgesellschaft hielt eine Ausschußsitzung ab, in welcher der Bericht über die Thätigkeit der Gesellschaft zur Kenntniß genommen und der Antrag acceptirt wurde, daß sämmtliche historischen Dokumente, welche auf die Geschichte der Juden in Ungarn Bezug haben, in der „Ung.-jüdischen Dokumentensammlung" veröffentlicht werden. Hierauf erstattete Paul Tenzer Bericht über eme von ihm initiirte Sammlung, deren Zweck es ist, den mit 2000 Kronen festgesetzen Preis für die Abfassung einer Monographie über die Pester und Ofener Gemeinde im Wege freiwilliger Spenden zu decken. Herrn Tenzer gelang es, 2200 Kronen zu sammeln. Nachdem die Angelegenheit der Vorlesungen in t>en Provinzstädten erledigt wurde, ist Professor Dr. Josef Bünöczi zum Sekretär gewählt worden. — Der israelitische Handwerker- und Ackerbauverein stellte sich noch vor einem halben Jahrhundert die gemeinnützige Aufgabe, die durch einseitige Erwerbsthätigkeil entstehenden Gegensätze zu bekämpfen und die jüdische Jugend auf die Bahn des Handwerkes und des Ackerbaues zu lenken. Der Verein erreichte aber nur auf dem Gebiete des Handwerkes glänzende Resultate. Nun geht der Verein daran, auch jüdische Ackerbauer heranzubilden. Die Kosten, welche diese patriotische Aufgabe erfordert, werden im Wege einer Sammlung aufgebracht. — Der im Jahre 1795 in Altofen gegründete „Verein jüdischer I ün gling e" feierte in imposantester Weise das Jubiläum seines hundertjährigen Bestandes. Türkei. ii. Jerusalem, 20. September. In einem besonderen Jahresbericht, der größtentheils in hebräischer Sprache abgefaßt ist, legt die Verwaltung der hiesigen spanisch - portugiesischen Gemeinde Rechnung ab über die ihr aus allen Theilen der Welt zugegangenen Spenden und appellirt zu Gunsten der Armen Jerusalems an die Mildthätigkeit unserer Glaubensgemeinschaft Das Komitee erhofft im Hinblick auf Zion eine „Einigung zwischen Sephardim, Aschkenasim und ganz Israel" und setzt in dieser Beziehung großes Vertrauen auf den neubegründeten Verein „Waad Haschalom", an dessen Spitze Rabbiner Dr. Klein in New-^ork steht: bisher sind indeß die 5 Rabbiner, welche gewählt wurden, um die Verhältnisse in Jerusalem an Ort und Stelle zu studiren, vor der beschwerlichen Pilgerschast in so weite Entfernung zurückgeschreckt. Aus Amsterdam, Mainz, ferner von Herrn Rabbiner Dr. Salvendi, sowie namentlich von Baron W. von Rothschild sind dem Komitee reichliche Gaben zugeflossen, die, ergänzt durch Spenden wohlhabender Besucher des heiligen Landes, für alle Zweige der Wohlthätigkeit, Talmud - Thora, Heilung und Pflege von Kranken, Ausstattung von Bräuten, Armenunterstützung re. verwandt werden, worüber der Jahresbericht Rechnung legt. Kon Unh und Fern. — Herr Dr. Philipp Herzberg. hier, ist zum Sanitätsrath ernannt worden. — Gegen den ehemaligen Chefredakteur der „Kreuzzeitung" Ph. von Nathusius, den Vorgänger Hammersteins, ist, der „Vossischen Zeitung" zufolge, das Strafverfahren wegen Betrugs, Unterschlagung und Urkundenfälschung eingeleitet worden. — Als ein Gegengewicht gegen den Fall Hammerslein hat man in letzter Zeit einen Fall Phillipps geschaffen, der uns nur insofern angeht, als natürlich antisemitische Blätter die Kühnheit gehabt haben, zu behaupten, der verstorbene Dr. Phillipps sei Jude gewesen. Natürlich wird diese dreiste Erfindung in der antisemitischen und konservativen Presse weitergetragen werden. Die Familie des Dr. Phillipps war eine rein christliche und hat mit Juden nie das Geringste zu thun gehabt. Phillipps' Vater war Oberbürgermeister in Elbing. — Zu den Mittheilungen Stöckers bemerkt die Fr. Ztg.: Kaiserin Augufta hat den ihr nahestehenden Personen gegenüber oft genug beklagt, daß ihr Einfluß nicht weit genug reiche, um der Judenhetze des Hofprediger Stöckers ein Ende zu machen. — Der Wucherer Fritz Sedlatzek, der in der Schweiz verhaftet wurde, ist am 23. Mittags in das Gerichtsgesängniß zu Breslau eingeliesert worden. Die Antisemiten bestreiten, daß er zu ihrer Partei gehört habe. Sie behaupten jetzt, daß sie ihn schon lange vor seiner Flucht durchschaut hätten. Wenn das der Fall gewesen sein sollte, so muß man sich wundern, daß sie ihn in ihren Versammlungen stets geduldet haben. Er war neben seiner Beschäftigung mit dem Wucher auch Stewpelfabrikant und hat Schablonen mit Inschriften „Juden raus" und ähnliche angesertigt Außerdem führte er „Bedarfsartikel für Offiziere und Studenten". Zu diesen Bedarfsartikeln gehörte aber vornehmlich das Geld, das er zu Wucherzinsen herlieh. Er ist ein Bruder des bekannten Berliner Antisemiten Sedlatzek, der eine Zeit lang einen antisemitischen „Gen.-Anz." herausgegeben hat. — Die feierliche Grundsteinlegung zur Synagoge in Barmen fand in Anwesenheit zahlreicher Glieder der jüdischen Gemeinde statt. Im Anschluß daran wurde am folgenden Abend eine große Festlichkeit im großen Saale des Ceutralhotels veranstaltet. — Herrn A. Baruch, seit 42 Jahren Lehrer an der Realschule der orthodoxen israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M., ist bei seinem Scheiden von der Anstalt der Kronenorden vierter Klasse verliehen worden — Der Großherzog von Hessen hat dem Professor Dr. Landsberg an der technischen Hochschule in Darm stad t den Titel „Geheimer Baurath" verliehen. — Anläßlich der hundertjährigen Jubelfeier des Instituts von Frankreich zählen die „Arch. lsr/ die bisherigen Mitglieder desselben, soweit sie einer der fünf Akademien angehörteu, auf Das erste jüdische Mitglied war F. Halevy, der Komponist der „Jüdin", 1836. Dann kamen Adolphe Franck 1644, Salomon Munk 1855, später M. Breal, Henry Weill, I Oppert, I. Derenbourg, Maurice Lövy, Lippmann, Holphen, Lyou-Eaen, A. v. Rothschild, R. Bischoffsheim, G. Ascoli, Th. Gompertz, M. Israels, Emile Worms und L. Königswarter. Unter den 200 Mitgliedern der fünf Akademien befinden sich gegenwärtig neun Juden. — Besondere polizeiliche Vorsichtsmaßregeln wurden in der Synagoge in der Rue la Victoire, Paris, am Versöhnungstage getroffen, in Folge von Warnungen vor einer bevorstehenden antijüdischen Kundgebung, welche an die Polizeipräfektur gelangt waren. Die Ordnung wurde jedoch nicht gestört. — Frau Heine-Furtado, die bekannte Wohlthäterin, hat der Synagoge von Versailles, die sie aus eigenen Mitteln ganz allem erbauen ließ, prachtvolle Fenster von hohem künstlerischen Werthe geschenkt. — David Segrö, der italienische Gesandte in Peru, ist im Alter von 55 Jahren in Saluzzo gestorben. Nach Vollendung seiner Studien an der Universität von Turin, wurde Segre dort Professor der Staatswissenschaften. Darauf beschloß er, die diplomatische Laufbahn einzuschlagen und wurde zum Staatsdienste zugelassen und von der Regierung häufig mit delikaten politischen Missionen betraut. Er war Konsul in mehreren Orten, bevor er die Ernennung zum bevollmächtigten Gesandten mehrerer Republiken Südamerikas erhielt. Zuletzt wurde er Minister-Resident in Lima (Peru). Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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