Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1895)
- Date
- 1895-10-25
- Page
- Seite 509 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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509 Friedrich- Seligsohn, Aerlins. xeb. Levin, tillschweig, ndsbergernweg 116, önigstr. 6». jerlins. 'ende Vor- Köpnickercstraße 51. »erstr. 154. > Wilhelm 1, Moritz 1, Eduard . Oranienoertretende xs, Ahorn- Hermann Beisitzer: riedländer, iankestr. I, lerstr. 123, sebeckstr. 5. 0. . Oktober. Stiftungen Auspizien Gründern nsgenossen 's in der Zur Ersicher für ldenkender ngen der einzig in se Kinder en, es soll heu sagen, ne Stätte e jüdische Erziehung, chgesinnter .'liche und t gegeben rauchbares nn Lehr- Hnnderte Jefeix nach Geschichte leuindnng »en Arbeit einerseits aus Scheu vor Anstrengung, andererseits weil ihnen die produktiven Fähigkeiten znr Arbeit fehlten. Zu den vierzig jüdischen Vereinen in Deutschland, welche die Förderung des Handwerks unter den Glaubensgenossen sich zur Aufgabe gemacht, gehört nun auch die Berliner „Gesellschaft zur Nerbreilnng der Handwerke und des Ackerbaues unter den Inden." Während mehr denn achtzig Jahren hat sie mit von Jahr zu Jahr steigendem Erfolg ihr vornehmstes Arbeitsziel darin erblickt, durch Darbietung von Geldmitteln und durch Gewährung der erforderlichen Kleidungsstücke den jüdischen Eltern die Möglichkeit zu geben, ihre Kinderder Handwerksthätigkeit zuzufiihren. Sie erlangte dadurch ei» Recht, die von ihr unterstützten Lehrlinge während der ganzen Lehrzeit durch ihre Inspektoren beaufsichtigen und darüberwachen zu dürfen, daß ihrePflegebefohlenenReligions-,Fach- und Fortbildungsschulen regelmäßig besuchten. Hervorragende Meister des Handlverks sind aus der Zahl der vom Bereine unterstützten Lehrlinge im Laufe der Jahre hervorgegangen. Indessen haben scharfsichtige Männer, die Jahre lang dem Vorstand der Gesellschaft augehörten, schon längere Zeit ihr Augenmerk auf die in den letze» Jahren außerordentlichen Lebensverhültnisse, in denen der jüdische Lehrling z» verkehren gezwungen ist, gerichtet und über Mittel und Wege »achgedacht, wie angesichts der zunehmenden Gefahren, denen der Heranwachsende Jüngling in dem Treiben der Weltstadt ausgesetzt ist, »ach vollendeter Tagesarbeit sowie an arbeitsfreien Tage» eine wirksame Beaufsichtigung ihrer Lehrlinge zu ermöglichen wäre. So kamen sie — im Oktober 1891 — auf den zweifellos lobenswerthen Versuch, ein Lehrlings heim zu errichten, und zivar entfernt von» Geräusche und Treiben der Großstadt. Das Heim sollte durchaus keine Besserungsanstalt für verdorbene Lehrlinge, auch keine Versorgungsanstalt für verwaiste Jünglinge werden. Es sollte vielmehr ein möglichster Ersatz eines gut gesitteten jüdischen Elternhauses sein. Nun, wir dürfen es zur Ehre Aller, die an dem Werte gearbeitet haben und noch unermüdlich arbeiten, hier offen allssprechen: Der Versuch ist, wie wir es in Erfahrung gebracht haben, vortrefflich gelungen. Während der vier Jahre seines Bestehens hat das Institut, das unter der Leitling eines pädagogisch gebildeten Mannes steht, außerordentlich günstige und erfreuliche Erfolge gezeitigt. Rückhaltlos bekennen auch Eltern und Lehrmeister, daß der Einfluß des Instituts segensreich wirke. Pünktlichkeit und Sauberkeit, Fleiß lmd Ordnungsliebe, Ausdauer bei und Liebe zu ihrem Beruf werden den Zöglingen nach und nach anerzogen. Für leibliche wie für geistige Pflege tvird in gleicher Weise Sorge getragen. Und wie die Pflegebefohlenen - selbst über die ihnen zu Theil gewordene Erziehung denken, kann daralls geschlossen lverden, daß alle bisher als Gesellen aus dem Heim entlassenen Zöglinge noch ferner Fühlung mit demselben zu behalten streben. Sobald ihre freie Zeit es ihnen gestattet, finden sie sich freudig wieder im Institut ein, um immer von Neuem sich daselbst Rath und Trost, Belehrung und Erholung zu suchen und — zu finden. Wie gute Hausfreunde »verden sie begrüßt nnd ausgefragt; wie alte, liebe Genossen nehmen sie an den belehrenden Vortrügen und Debatten, an den Jugendspielen und an der Lektüre Theil. Ist das gering anzuschlagen? Berechtigt ein so vorgebildetes und »vohlerzogenes Lehrlings- und Gesetlenmaterial nicht zu den schönsten Hoffnungen hinsichtlich der Lösung der sozialen Frage? Nun wird es allen Lesern auch verständlich sein, wenn wir sagen, daß in deinselben Maße, wie die Existenz und die Bedeutung des Heims bekannt wurden, auch die Gesuche um Aufnahme in das Heim sich häuften. Schweren Herzens mußte der Vorstand aber selbst würdige und bedürftige Eltern, die.Aufnahmegesuche für ihre guteinpfohlenen Söhne einreichten, oftmals zurückiveisen, lveil sowohl die Vermögensverhältnisse der Gesellschaft als auch die Räumlichkeiten in dem bisher gemietheten Hanse es leide, nicht zuließen, das Heim lveiter auszudehne». Ja es kam, wie ans dem letzten Jahresbericht der Gesellschaft ersichtlich ist, soweit, daß die llnterhaltnugskosten für das Lehrlingsheim mit einem Bestand von 15 Zöglingen nicht mehr ganz aus dem Etat des Vereins gedeckt werden konnten, nnd daß die beiden Vorstandsmitglieder, die Herren Joseph Fränkel und Julius Bodeustein, aus eigenen Mitteln Zuschüsse znr Deckung derselben gebe» mußten. Mit tiefem Bedauern sahen die Förderer der Lehrliugsheimidee und die Gönner des Instituts die Existenz desselben bedroht. Da muß inan es nun als kühnen und zugleich glücklichen Gedanken der beiden genannten Herren betrachte», daß sie, im Vertrauen auf die gute Sache und auf den nie erlahmenden Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen, den Entschluß faßte», durch Sammlungen die Geldmittel zunächst zwecks Erwerbung eines eigenen Grundstücks für das Heini zu beschaffen. Ihr Vertrauen ist nicht getauscht worden. Edelgesinnte Männer, wie Moritz Manheimer, Rudolf Masse, Adolf Ginsberg, Isidor Löwe n. A., hilfreiche Frauen, wie Frau Joh. Levy, steuerten gern bei zur Erhaltung und Erweiterung einer Institution, „in weicher", wie Herr Louis Sachs sich äußerte, „die Zukunft des aufwachsenden Geschlechts liegt, und wo der heranivachsenden jüdische», Jugend zum Erkenntniß gebracht wird, daß Arbeit ganz allein Ehre und Leben bedeutet — eine Institution, welche zu unterstütze» die Pflicht eines jeden aufrichtigen Inden sein muß." Wenige Tage vor dem Peßachfeste ist der Grund und Boden äuflich erworben, wenige Tage vor dem Sukkothfeste ist ein stattlicher Bau polizeilich abgenommen nnd tadellos befunden worden. Wahrlich ein großartiger Erfolg, auf den die Gründer und Schöpfer des Heims mit Recht stolz sein könnten! Allein sie sind es nicht; sie wollen es nicht, sie dürfen es nicht sein. Denn schon häufen sich die Aufnahlnegesuche, die aus allen Theilen des deutschen Vaterlandes eintresfen, — nnd noch fehlen die Mittel für die innere Einrichtung, »och fehlt ein Fond zur Bestreitung aller Unterhaltungskosten. Wie lvir hören, bemühen sich schon die Gönner und Freunde des Instituts, die erforderlichen Geldmittel durch Sammlungen zu beschaffe». Im Interesse der arbeitenden jüdischen Jugend, denen das „Lehrlingsheim" geweiht ist, und im Interesse der hohen Kulturaufgabe, zu deren Lösung die Existenz eines solchen Instituts von großer Bedeutung ist, wünschen wir den Bemühungen dieser edlen Männer Gottes Segen und durch Zufluß von namhaften Zuwendungen gekrönten Erfolg! Me „jüdische Solidarität". Von Dr. S. Bernfeld. II. (^u^^as »vir von der „jüdischen Solidarität" im vorigen Aufsatz sagten, ist sehr leicht begreiflich, »venu »vir auf die Natur des Korporationsgeistes unter den Juden des Nähern eüigehen. Die Macht der jüdischen Geineinde - Vorstände in der Zeit, >vo die Juden für sich im Ghetto wohnten, bestand theilweise in thätsächlicher behördlich anerkannter Autorität, theils aber in der öffentlichen Meinung, »velche zu jeder Zeit und unter allen Völkern Jl