Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1895)
- Date
- 1895-10-25
- Page
- Seite 507 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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507 entschieden in Deutschnamentlich om Aerztend Volksatistik über affen stand - n. Schächthriften beformation r bei dem werden zu;u Stande kitzlen ist ideiireiiien Daß die ifgestellten Erreichung licht einen Dresdener ornipnrtei. >igen Abstimmung n Juden- Bei der onsübnng Streichung an diesen, gion mit trige Tag rcheupolit, der den Damit ist > zwar in > der Gern i den che allen egenüberauf dem sbiirgern, ifession, aher ver- »gen der : vorausien nicht idii und >ie Uebertung des anfgefaßt schen der de. i I In einflußreichen jüdischen Kreisen Englands trägt man sich mit dem Gedanken, die Lage der rumänischen Inden vor jene Konferenz zu bringen, welche im Zusammenhänge mit der armenischen einberufen werden soll. Nach Artikel 45 des Berliner Vertrages wurde die Unabhängigkeit Rumäniens ausdrücklich unter der Bedingung anerkannt, daß die rumänische Regierung den in Rumänien lebenden Inden volle rumänische Bügerrechte gewähren sollte. Diese Bedingung wnrde bekanntlich von der rumänischen Regierung dadurch umgangen, daß der oberste Gerichtshof in Bukarest das Urtheil fällte, die Jllden seien Fremde und daher allen jenen Gesetzen unterworfen, ivelche Ausländer von dem Rechte ansschließen, Grund und Boden in Rumänien zu erwerben. Wie man sagt, wird »n Berichte Sir John Walshams an das Auswärtige Amt in London behauptet, daß die Nachrichten über die Judenverfolgungen in Rumänien sehr viele Uebertreibungen enthalten. Aber diese Behauptungen werden bestritten, und die ganze Angelegenheit wird im englischen Parlamente zur Sprache kommen, und eine neue Untersuchung der ganzen Angelegenheit wird eingeleitet werden. Wie nnmer aber sich das Ergebniß der Untersuchung gestalten möge, so -Verden doch jetzt schon energische Schritte gethan, um den jüdischen Interessen in Rumänien für den Fall einer Revision des Berliner Vertrages die gleiche Aufmerksamkeit der Mächte zuzuwenden, ivelche oer armenischen und macedonischen Frage gezollt wird, und da die rumänischen Wallachen einen sehr beträchtlichen Theil der Bevölkerung von Makedonien bilden, so wird es nicht an dem »öthigen diplomalischen Nachdruck fehlen, um die Bukarester Negierung nachgiebig i» stimmen. Aus der Berliner Gemeinde. f Berlin, 22. Oktober. ie bevorstehenden Repräsentantenwahleu beschäftigen gegenwärtig alle für das Gemeindewohl sich interesiirenden Kreise sehr stark. Hüben wie drüben wird lebhaft agitirt, und wir dringen heute das Flugblatt, welches der „liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" in den letzten Tagen an alle Wähler versandt hat, zum Abdruck. An die Mitglieder der jüdischen Gemeinde! Die Repräsentantenwahlen stehen vor der Thür! Nachdem man bereits bei den letzten Wahlen unter dem Vorgeben, gleiches Recht für Alle schaffen zu wollen. Alles daran gefetzt hat, das Repräsentanten-Kollegium orthodoxen Bestrebungen zugängig zu machen, oersucht man jetzt unter dem gleichen Schlagwort die Wähler für die Schaffung einer orthodoxen Mehrheit im Kollegium zu gewinnen und oerspricht zu diesem Zwecke die Berücksichtigung von lokalen Wünschen, )eren Erfüllung die Steuerkraft der Gemeinde weit übersteigt — ja noch nehr: man schiebt der liberalen Partei Ansichten unter, welche ihr völlig ernliegen. Die Aufrechterhaltung der Religion, die Förderung ihrer Kultus- > inrichtungen, die eifrige Sorge für den Religionsunterricht der Jugend ind für eine religiöse Partei selbstverständlich, und keine Partei hat das Aecht, einen dieser Punkte als ihr allein eigenthümlich hervorzuheben. Die Unterschiede liegen in den Mitteln zur Erreichung dieser Aufgaben oer Gemeinde; hier trennen sich unsere Wege von denen der orthodoxen Partei — mag sie sich so nennen oder mag sie sich als parteilos bezeichnen — und darum unterscheiden wir uns von derselben sowohl in dem, was wir nicht wollen, als auch in dem, was wir wollen. Wir wollen nicht, daß die größte und angesehenste deutsche Gemeinde ein Versuchsplatz für reaktionäre Bestrebungen werde — sondern wir wollen, daß die allgemeine Verwaltung im Geiste des Fortschritts geführt werde. L Wir wollen keinen Gewissenszwang üben — aber wir wollen auch keinen dulden. Wir wollen daher keineswegs „die hebräische Sprache aus den Gotteshäusern gänzlich verbannen und den Sabbath auf den Sonntag verlegen" — aber wir wollen, daß, wie für die am Alten hängenden Glaubensgenossen Synagogen bestehen, so auch für andersdenkende Männer und Frauen, und für solche, welche des Hebräischen nicht mächtig sind, endlich Stätten der Andacht mit überwiegend deutschem Gottesdienst durch die Gemeinde geschaffen werden. Wir wollen nicht, daß der Religionsunterricht als den Hauptinhalt des Judenthums Ceremonieen darstelle, welche die Kinder von ihren Eltern nicht befolgt sehen, und dadurch Haus und Schule in Zwiespalt bringe, — wir wollen vielmehr, daß dieser Unterricht mit Verständniß und Pietät vor Allem das religiöse Bewußtsein tief und unauslöschlich in die Herzen unserer Jugend eingrabe, damit alle Mitglieder der Gemeinde, welche ihre Kinder zu treuen Juden und modernen Menschen erziehen wollen, sie freiwillig an demselben theilnehmen lassen. Wir wollen nicht, daß Abfall und Gleichgiltigkeit weiter um sich greifen, weil nur die Wahl gelassen wird zwischen erzwungener Befolgung orthodoxer Forderungen und dem Fernbleiben von der Religionsübung, — sondern wir wollen solchen traurigen Folgen Vorbeugen, indem wir für Bethätigung liberaler Gesinnung in der Gemeinde Raum schaffen. Wir wollen nicht, daß an die Steuerkraft der Gemeinde durch Neubauten, für welche ein Bedürfniß nicht nachweisbar ist, übermäßige Anforderungen gestellt werden, sondern wir wollen, daß die Finanzwirthschaft der Gemeinde in verständiger Sparsamkeit geführt werde. Wichtige Aufgaben harren unserer Vertreter gerade in den nächsten Jahren. Die Weiterführung der Einfügung des jüdischen Religionsunterrichts in den Lehrplan der staatlichen und kommunalen Schulen, die kräftige Förderung der Wissenschaft des Judenthums, die Ausgestaltung des Armenwesens durch stärkere Centralisation und durch Erziehung der gewerbsmäßigen Bettler zur Arbeit, die Fortentwickelung und Erweiterung unserer Humanitären Einrichtungen bieten ein reiches Feld schwieriger Arbeitsthätigkeit. Darum wollen wir nicht Leute zu Repräsentanten wählen, welche in dieses Amt in erster Reihe das Hervorkehren orthodoxer Gesinnung mitbringen, — wir wollen vielmehr Männer wählen, welche an die Erfüllung der Aufgaben, welche unsere Zeit an die Gemeindeverwaltung stellt, mit freiem Blick und unbeugsamer Festigkeit unter Berücksichtigung der Gewissensfreiheit der Einzelnen und der Steuerkrast der Gemeinde gehen. Nur solche Männer können mit Erfolg in der Abwehr gegen den Antisemitismus den allein berechtigten Standpunkt vertreten, daß wir uns von unseren Mitbürgern anderen Glaubens ausschließlich durch unser religiöses Bekenntniß unterscheiden, — nur solche Männer können gegenüber den von den Feinden des Judenthums gegen uns gerichteten Angriffen unsere staatsbürgerlichen Rechte und unsere soziale Stellung zugleich mit Würde und mit Muth vertheidigen. Und wer mit uns dieser Ueberzeugung ist, der stimme für die Kandidaten, welche wir in einer demnächst stattfindenden Hauptversammlung des Vereins aufstellen werden! Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde. Der Vorstand. Rechtsanwalt Dr. Herman Veit Simon, Vorsitzender, Victoriastr. 5. Rechtsanwalt Dr. Kronfild, Schriftführer, Schönhauser Allee 186a. General-Konsul Eugen Landau, Schatzmeister, Wilhelmstr. 70 d. Rechtsanwalt Breslauer, Kaiser Wilhelmstr. 3. Karl Emil Franzos, Kaiserin Augustastr. 71. Julius Martin Friedländer, Taubenstr. 24. Julius Jsaae, Victoriastr. 12. Dr. Gustav Karpeles, Kurfürstenstr. 21/22. Sanitätsrath Dr. Schlesinger, Dorotheenstr. 54. James Simon, Klosterstraße 80/81. Stadtrath Dr. Weigert, Kielganstr. 2. Maurermeister S. Weile, Neue Schönhauserstr. 16. Der Ausschuß. Rechtsanwalt Arndt, Friedrichstr. 129. Wilhelm Arnheim, Tauenzienstr. 8. Geh. Reg.-Rath Prof. Dr. Aron, Lichtenstein - Allee 3c. Bernhard Behrens, Schöneberger User 23. Oberlehrer Dr Blaschke, Altonaerstr. 24. Isidor Borchardt, Neue Königstr. 19. Heinrich Buchholz, Fehrbellinerstraße 81. Julius Cohn, Landgrafenstr. 9. Sanitätsrath Dr. Edel, Charlottenburg, Berlinerstr. 17. Regierungsrath Dr. Georg Eger, Rauch-