Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1895)
- Date
- 1895-10-11
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Wisoelten. Der Odessaer Zar. Unter diesem Titel erzählen die Münchener „Neuesten Nachrichten" von dem früheren Generalgouverneur von Odessa, P. A. Seleny, u. A. folgende ergötzliche Geschichte: „Eines Tages kommt der Gouverneur in den öffentlichen Garten, in welchem nach seinem Befehle den Juden der Eingang verboten ist, und bemerkt einen Menschen, der auf einer Bank saß und die „Frechheit hatte", ihn nicht zu begrüßen. „Die Mütze ab!" schrie ihn Seleny an.— „Wer sind Sie denn?" fragte der Mann. — „Ich? Seleny." („Seleny" heißt russisch grün.) — „Es ist die höchste Zeit, daß Sie reif werden," antwortete der Unbekannte. — „Wie unterstehst Du Dich, solche Frechheiten zu sprechen? Du jüdische Fratze!" schrie aus vollem Halse Seleny. — „Erstens dürfen Sie zu mir nicht ,DrT sagen, zweitens bin ich keine -Fratzes sondern ein eben solcher ,Generall wie Sie: ich bin ordentlicher Professor an der hiesigen Universität Kotschubinsky," antwortete kaltblütig der Letztere. — „Das ist eine verfluchte Stadt: hier kann man die Juden von den Professoren nicht unterscheiden!" . . . Beim Gouverneur wird Thee getrunken; einer der Anwesenden bemerkt, daß die Milch sehr gut sei, und erkundigte sich bei der Frau Seleny, wo sie die Milch beziehe. Die Wirthin antwortete, daß ihr die Milch ein Jüdin bringe. — „Wie! eine Jüdin bringt uns die Milch! Sie darf uns keine Milch bringen," sagte zornig der „liebenswürdige" Wirth und warf die Milchkanne mit Milch zu Boden. Des anderen Tages wurde natürlich der Jüdin gesagt, daß sie keine Milch mehr bringen soll. Ein paar Tage vergehen, und Seleny konstatirt die Thatsache, daß die Milch nicht mehr gut sei, so daß er vor der Gattin den Wunsch äußert, daß wieder dieselbe Jüdin die Milch bringen solle. Es stellte sich aber heraus, das Niemand von der Dienerschaft die Adresse dieser abgewiesenen Milchfrau wußte. Der findige General relephonirt sofort, etwa um 9 Uhr Abends, dem Polizeimeister H. Bunin: „Man suche die jüdische Milchfrau auf, die so und so aussieht, und führe sie sofort zu mir." Der Polizeimeister übergab seinerseits den Befehl des Gouverneurs ^den sämmtlichen Schutzleuten, und die ganze Polizei ist auf den Beinen; jeder der Polizeibeamten giebt sich alle Mühe, um die „Verbrecherin" zu finden, die sofort vor Seiner Excellenz erscheinen muß. Die ganze Vorstadt Moldawanka (wo die Arbeiter wohnen) brachte man in Aufruhr, und einem „Glücksvogel" Polizeirevier-Aufseher gelang es endlich, die Jüdin zu entdecken. Da es bereits gegen ein Uhr Nachts war, so sperrte man das „arme Weib" ins Gefängniß, und um neun Uhr früh führten der Polizeimeister, Polizeirevier-Aufseher und zwei Schutzmänner die „Verbrecherin" dem schrecklichen Gouverneur vor, und nun begann folgender Dialog: „Hast Du mir früher Milch gebracht?" — „Jawohl, Euer Excellenz!" — „Fahre fort, mir auch fernerhin Milch zu bringen." — „Bei mir krepirte die Kuh, Euer Excellenz, ich habe! keine Milch mehr." — „Da hast Du 100 Rubel, kauf' Dir eine Kuh und bringe Milch." Die Polizeibeamten rissen den Mund vor Erstaunen auf und sahen einander fragend an. * — Jüdische Neger. Dem „American Hebrew“ entnehmen wir folgende interessante Erzählung von jüdischen Negern: „Ein russischer Jude aus Meadah macht Mittheilungen über eine große Anzahl von Juden, die die Oasen der Sahara bewohnen, wie Batha, Bis Wrabi, Faggrat u. s.w. In jedem dieser Orte befinden sich mehr als hundert jüdische Familien, in manchen sogar viel mehr, darunter an einem Platz 600 Familien, die zahlreiche Synagogen und mehr als hundert Gesetzesrollen besitzen, die auf Pergament geschrieben und uralt sind. Ein Jude, der einen Reisenden nach Timbuktu begleitete, fand nahe der Grenze der Berberei eine große Anzahl jüdischer Neger. Dieselben haben sonst in jeder Familie eine Pergamentrolle mit dem Pentateuch, dagegen besitzen sie nichts von den Propheten, obwohl sie deren Existenz kennen. Dagegen bestehen ihre Gebete, die auf Pergamentblätter geschrieben sind, aus Stellen aus den Psalmen. Sie besitzen keinen Talmud, aber sie beobachten einzelne seiner Vorschriften, freilich untermischt mit Gebräuchen der benachbarten Mohammedaner und Heiden. Die arabischen Häuptlinge, unter denen sie stehen, gewähren ihnen völlige Glaubensfreiheit und sie besitzen daher Synagogen und Rabbiner. Ueber ihren Ursprung kennen sie folgende Ueberlieferung: Nach der Zerstörung Jerusalems flohen einige jüdische Familien in die Sahara, aber die Entbehrungen wurden so groß, daß alle Weiber und Kinder erlagen. Endlich wurden die Ueberlebenden von Negern gefunden und freundlich ausgenommen und schlossen sich ihnen an. Sie heiratheten unter einander, die Kinder nahmen allmählich die schwarze Farbe an, aber behielten die jüdischen Gesichtszüge und wenigstens im Großen den jüdischen Glauben." — Es wäre nicht uninteressant, festzustellen, was hiervon auf Wahrheit beruht. * Briefkasten der Redaktion. H. G. in P. Allerdings ist dies nicht nur unlogisch, sondern geradezu thöricht.. Entweder das Orgelspiel ist religionsgesetzlich unzulässig, dann darf es niemals, auch an Sabbathen nicht, ja streng genommen als „Nachahmung fremder Bräuche" nicht einmal bei Trauungen in der Synagoge geduldet werden. Aber das ganze Jahr hindurch an Sabbathen und Festtagen die Orgel spielen lassen, blos am Versöhnungstage nicht — das ist in der That mehr als blos „unlogisch"! ist zu Flammrys, Puddings, Milchspeisen, Sandtorten, Verdickung v. Suppen, Saucen, Cacao vortrefflich. Zu haben in Pack, ä 00, 30 u. 15 Pf. Emaiiuel Cohen Uuhrort a. Rh. -wd Fleisch- & Wnrstivaaren-Fabrik versendet in Ia. Qualität: 9 Pfund feinstes ansgefchrnolzrnrs Uinderfett in eleganter Blechdose Mk. 5.— Pökelzungen vr. Stück Mk. 3-4, Uauchznngen vr. Stück Mk, 3-5 sowie Preisliste sonstiger Fleisch- und Wurstwaaren gratis und franco. Fernsprecher Nr. 175 des niederrv.-wests. Fernsprechnetzes. Weltberühmte Braunschweiger Gonserven eingemachter Spargel, Erbsen, Bohnen, Pilze und andere Gemüse, Früchte, Mixed Pickles, Fleischconserven etc. in nur feinsten Qualitäten. — Vielfach prämiirt! i; i™ Versand an Private zu Vorzugspreisen. Job. W. Unger, Braunschweig, Gliesmaroderstr. 11. 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