Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1895)
- Date
- 1895-10-04
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Miso et Len. En. Zar Alexander III. und der jüdische Bildhauer Antakolsky. Im St. Petersburger „Prawitelstwenni Wiestnik" (Regierungs-Anzeiger) veröffentlicht Professor A. P. Bogoljubow Erinnerungen an den verstorbenen Zaren und erzählt unter anderem: „Als Kronprinz besuchte der selige Zar einst das Atelier von Antakolsky in Paris und erwarb die Statuen der „Heiland" und „Peter der Große", welche heute den kaiserlichen Garten in Peterhof schmücken. Später verfertigte Antakolsky für den Kaiser noch die Statue „Nestor," „Jermak", „der sterbende Sokrates" und „Jaroslaw der Weise." Interessant ist auch, was derselbe Autor über die Gründung des russischen Künstlervereins in Paris erzählt. „Wir versammelten uns," — so fährt er fort — „im Hause des Baron Horace Ginzburg, um einen Verein zur Unterstützung nothleivender Künstler. zu begründen. Wir wählten zum Vorsitzenden den Fürsten Orlow, zum zweiten Vorsitzenden den Herrn Kumani, russischen Gesandten in Persien, zum Kassirer den Baron Ginzburg und zum Schriftführer I. S. Turgeniew Im Hause des Baron Ginzburg veranstalteten wir schnell eine Ausstellung und erbaten uns den Besuch seiner kaiserlichen Majestät. Er kam und geruhte das Ehrenprotektorat über unseren Verein zu übernehmen." ----- Im Jahre 1700 beging der Kanzleikopist Schwarzenberg die Unbedachtsamkeit, einem sehr angesehenen Schutzjuden, Hoffaktor Moses Benjamin Wulff, ohne Wissen des Kindtaufvaters einen Gevatterbrief ins Haus zu tragen. Diese Sache machte viel Aussehen in der Stadt. Die eingeleitete Klage ging bis an die Leipziger Fakultät. Durch Vermittelung des Fürsten Leopold, der wohl über den „Spaß" lachen mochte, wurde sie endlich beigelegt; Schwarzenberg mußte auf höchsten Befehl „deh-und wehmüthig" um Verzeihung bitten und überdies 12 Thaler Straf zahlen. — Der Amtsdiener Brandt erhielt im Juni 1711 acht Tage Arrest, „weil er den Juden Samuel Wolff mit einem spanischen Rohr geschlagen," so verlangte es Fürst Leopold. * Wissenschaftlich beglaubigte Nachweisungen ergeben die überraschende Thatsache: „Nahezu ein Drittel der schulpflichtigen jüdischen Jugend ist blond. Die sorgfältigen Erhebungen, welche s. Z. über die Farbe der Annen, Haare und Haut in den Schulen Preußens angestellt wurden, erstreckten sich auf 4,127,766 Individuen, darunter 4,070,923 bis 14 Jabre alt. Von der Gesammtzahl hatten 42,97 Prozent blaue und 24,31 Proz. braune Augen (während in Bayern der Prozentsatz 29,5 blaue und 33,5 braune Augen betrug), ferner 72 Prozent blonde, 26 Prozent braune und nur 1,21 Prozent schwarze Haare (in Bayern dagegen 54 Prozent blonde) (41 Prozent braune und fünf Prozent schwarze Haare). Noch auffallender ist die Vergleichung der Hautfarbe. Die brünette Hautfärbung findet sich in Preußen nur bei 6,53 Prozent, in Bayern bei 15 Prozent. Daraus erhellt, daß die dunklen braunen Elemente von Süden her eingedrungen sein müssen. Mit den anthropologischen Kenntnissen der Antisemiten hapert es nach dieser zuverlässigen Statistik doch bedenklich." £ gjofftmuß. ('n \-np ■jnrw^ Hoffnung führt uns tröstend durch das Leben, Ob wir jung noch oder ob schon greis, — Sie begünstigt alles Erdenstreben — Mit dem Blick zum hohen Sternenkreis. Wenn die Sterne dir so freundlich blinken. Die Gesandten höchster Himmelsmacht, Deuten sie: o, laß den Muth nicht sinken. Denn es folgt der Tag aus dunkle Nacht. Drohen düstre Wolken, ach, wenn Ahnung Das Gemüth mit Sorg und Angst beschwert, — Auf, so folge des Verstandes Mahnung: Geisteshelle jedes Trübe klärt! Louis Schwartz. * ----- Die Nr. 39 der „Miltheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: In der Hammerstein- Stöcker- Affaire. — Der Wahlsieg der Antisemiten in Wien. — Die Juden auf den Schlachtfelde. — Das „christliche Wort". — Die Oberflächlichkeit der Antisemiten. — ur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — des Mittelalters. — Briefkasten Berliner m Tageblatt Als Zeitung großen Styls hat das täglich zweimal in einer Morgen- und Abend- Ausgabe erscheinende „Berliner Tageblatt" in Folge seines reichen, gediegenen Inhalts, sowie durch die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit in der Berichterstattung (vermöge der an allen Weltplähen angestellten eigenen Korrespondenten) die stärk ste U erbreitung iw In- und Auslande erreicht. Nicht minder haben zu diesem großen Erfolge die ausgezeichneten Original - Eeuilletons aus allen Gebieten der Wissenschaft und ^'schönen Künste sowie die hervorragenden belletristischen Gaben, insbesondere die vorzüglichen Romane und Novellen beigetragen, welche im täglichen Roman-Feuilleton des „B. T.“ erscheinen. Die Romane und Feuilletons des B. T. erscheinen in Deutschland allein in diesem Blatte und niemals gleichzeitig in anderen Zeitungen, wie dies jetzt vielfach üblich ist. Im nächsten Quartal gelangt ein neuer großangelegter, höchst spannender Roman der allbeliebten deutschen Erzählerin: Nataly von Eschstruth: „Der Ktern des Glücks" zum Abdruck. Derselbe wird sicherlich bei der Leserwelt dieselbe begeisterte Aufnahme finden, wie der Verfasserin frühere Werke: „Polnisch Blut", „Hofluft", „ Gänseliesel"rc. 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